gedaehte mans ze guote niht,
von dem der werlde guot geschiht,
sô waere ez allez alse niht,
swaz guotes in der werlde geschiht.
der guote man swaz der in guot
und niwan der werlt ze guote tuot,
swer daz iht anders wan in guot
vernemen wil, der missetuot.
ich hoere es velschen harte vil,
daz man doch gerne haben wil:
dâ ist des lützelen ze vil,
dâ wil man, des man niene wil.
ez zimet dem man ze lobene wol,
des er iedoch bedürfen sol,
und lâze ez ime gevallen wol,
die wîle ez ime gevallen sol.
tiure unde wert ist mir der man,
der guot und übel betrahten kan,
der mich und iegelîchen man
nâch sînem werde erkennen kan.
êre unde lop diu schepfent list,
dâ list ze lobe geschaffen ist:
swâ er mit lobe geblüemet ist,
dâ blüejet aller slahte list.
rehte als daz dinc z'unruoche gât,
daz lobes noch êre niene hât,
als liebet daz, daz êre hât
und sînes lobes niht irre gât.
ir ist sô vil, die des nu pflegent,
daz si daz guote z'übele wegent,
daz übel wider ze guote wegent:
die pflegent niht, si widerpflegent.
cunst unde nâhe sehender sin
swie wol diu schînen under in,
geherberget nît zuo z'in,
er leschet kunst unde sin.
hei tugent, wie smal sint dîne stege,
wie kumberlîch sint dîne wege!
die dîne stege, die dîne wege,
wol ime, der si wege unde stege!
trîbe ich die zît vergebene hin,
sô zîtic ich ze lebene bin,
sône var ich in der werlt sus hin
niht sô gewerldet, alse ich bin.
ich hân mir eine unmüezekeit
der werlt ze liebe vür geleit
und edelen herzen z'einer hage,
den herzen, den ich herze trage,
der werlde, in die mîn herze siht.
ine meine ir aller werlde niht
als die, von der ich hoere sagen,
diu keine swaere enmüge getragen
und niwan in vröuden welle sweben.
die lâze ouch got mit vröuden leben!
der werlde und diseme lebene
enkumt mîn rede niht ebene.
ir leben und mînez zweient sich.
ein ander werlt die meine ich,
diu samet in eime herzen treit
ir süeze sûr, ir liebez leit,
ir herzeliep, ir senede nôt,
ir liebez leben, ir leiden tôt,
ir lieben tôt, ir leidez leben.
dem lebene sî mîn leben ergeben,
der werlt wil ich gewerldet wesen,
mit ir verderben oder genesen.
ich bin mit ir biz her beliben
und hân mit ir die tage vertriben,
die mir ûf nâhe gêndem leben
lêre unde geleite solten geben:
der hân ich mîne unmüezekeit
ze kurzewîle vür geleit,
daz sî mit mînem maere
ir nâhe gênde swaere
ze halber senfte bringe,
ir nôt dâ mite geringe.
wan swer des iht vor ougen hât,
dâ mite der muot z'unmuoze gât,
daz entsorget sorgehaften muot,
daz ist ze herzesorgen guot.
ir aller volge diu ist dar an :
swâ sô der müezege man
mit senedem schaden sî überladen,
dâ mêre muoze seneden schaden.
bî senedem leide müezekeit,
dâ wahset iemer senede leit.
durch daz ist guot, swer herzeclage
und senede nôt ze herzen trage,
daz er mit allem ruoche
dem lîbe unmuoze suoche.
dâ mite sô müezeget der muot
und ist dem muote ein michel guot;
und gerâte ich niemer doch dar an,
daz iemer liebe gernde man
dekeine solhe unmuoze im neme,
diu reiner liebe missezeme:
ein senelîchez maere
daz trîbe ein senedaere
mit herzen und mit munde
und senfte sô die stunde.
nû ist aber einer jehe ze vil,
der ich vil nâch gevolgen wil:
der senede muot sô der ie mê
mit seneden maeren umbe gê,
sô sîner swaere ie mêre sî.
der selben jehe der stüende ich bî,
wan ein dinc, daz mir widerstât:
swer inneclîche liebe hât,
doch ez im wê von herzen tuo,
daz herze stêt doch ie dar zuo.
der inneclîche minnen muot,
sô der in sîner senegluot
ie mêre und mêre brinnet,
sô er ie sêrer minnet.
diz leit ist liebes alse vol,
daz übel daz tuot sô herzewol,
daz es kein edele herze enbirt,
sît ez hie von geherzet wirt.
ich weiz es wârez alse den tôt
und erkenne ez bî der selben nôt:
der edele senedaere
der minnet senediu maere.
von diu swer seneder maere ger,
der envar niht verrer danne her.
ich wil in wol bemaeren
von edelen senedaeren,
die reiner sene wol tâten schîn:
ein senedaere unde ein senedaerîn,
ein man ein wîp, ein wîp ein man,
Tristan Isolt, Isolt Tristan.
ich weiz wol, ir ist vil gewesen,
die von Tristande hânt gelesen;
und ist ir doch niht vil gewesen,
die von im rehte haben gelesen.
tuon aber ich diu gelîche nuo
und schepfe mîniu wort dar zuo,
daz mir ir iegelîches sage
von disem maere missehage,
so wirbe ich anders, danne ich sol.
ich entuon es niht: sî sprâchen wol
und niwan ûz edelem muote
mir unde der werlt ze guote.
binamen si tâten ez in guot.
und swaz der man in guot getuot,
daz ist ouch guot und wol getân.
aber als ich gesprochen hân,
daz sî niht rehte haben gelesen,
daz ist, als ich iu sage, gewesen:
sîne sprâchen in der rihte niht,
als Thômas von Britanje giht,
der âventiure meister was
und an britûnschen buochen las
aller der lanthêrren leben
und ez uns ze künde hât gegeben.
als der von Tristande seit,
die rihte und die wârheit
begunde ich sêre suochen
in beider hande buochen
walschen und latînen
und begunde mich des pînen,
daz ich in sîner rihte
rihte dise tihte.
sus treip ich manege suoche,
unz ich an eime buoche
alle sîne jehe gelas,
wie dirre âventiure was.
waz aber mîn lesen dô waere
von disem senemaere,
daz lege ich mîner willekür
allen edelen herzen vür,
daz sî dâ mite unmüezic wesen.
ez ist in sêre guot gelesen.
guot? jâ, inneclîche guot.
ez liebet liebe und edelet muot,
ez staetet triuwe und tugendet leben,
ez kan wol lebene tugende geben;
wan swâ man hoeret oder list,
daz von sô reinen triuwen ist,
dâ liebent dem getriuwen man
triuwe und ander tugende van:
liebe, triuwe, staeter muot,
êre und ander manic guot,
daz geliebet niemer anderswâ
sô sêre noch sô wol sô dâ,
dâ man von herzeliebe saget
und herzeleit ûz liebe claget.
liebe ist ein alsô saelic dinc,
ein alsô saeleclîch gerinc,
daz nieman âne ir lêre
noch tugende hât noch êre.
sô manec wert leben, sô liebe vrumet,
sô vil sô tugende von ir kumet,
owê daz allez, daz der lebet,
nâch herzeliebe niene strebet,
daz ich sô lützel vinde der,
die lûterlîche herzeger
durch vriunt ze herzen wellen tragen
niwan durch daz vil arme clagen,
daz hie bî z'etelîcher zît
verborgen in dem herzen lît!
war umbe enlite ein edeler muot
niht gerne ein übel durch tûsent guot,
durch manege vröude ein ungemach?
swem nie von liebe leit geschach,
dem geschach ouch liep von liebe nie.
liep unde leit diu wâren ie
an minnen ungescheiden.
man muoz mit disen beiden
êre unde lop erwerben
oder âne sî verderben.
von den diz senemaere seit,
und haeten die durch liebe leit,
durch herzewunne senedez clagen
in einem herzen niht getragen,
sone waere ir name und ir geschiht
sô manegem edelen herzen niht
ze saelden noch ze liebe komen.
uns ist noch hiute liep vernomen,
süeze und iemer niuwe
ir inneclîchiu triuwe
ir liep, ir leit, ir wunne, ir nôt;
al eine und sîn si lange tôt,
ir süezer name der lebet iedoch
und sol ir tôt der werlde noch
ze guote lange und iemer leben,
den triuwe gernden triuwe geben,
den êre gernden êre:
ir tôt muoz iemer mêre
uns lebenden leben und niuwe wesen;
wan swâ man noch hoeret lesen
ir triuwe, ir triuwen reinekeit,
ir herzeliep, ir herzeleit,
deist aller edelen herzen brôt.
hie mite sô lebet ir beider tôt.
wir lesen ir leben, wir lesen ir tôt
und ist uns daz süeze alse brôt.
ir leben, ir tôt sint unser brôt.
sus lebet ir leben, sus lebet ir tôt.
sus lebent si noch und sint doch tôt
und ist ir tôt der lebenden brôt.
und swer nu ger, daz man im sage
ir leben, ir tôt, ir vröude, ir clage,
der biete herze und ôren her:
er vindet alle sîne ger.
ein hêrre in Parmenîe was,
der jâre ein kint, als ich ez las.
der was, als uns diu wârheit
an sîner âventiure seit,
wol an gebürte künege genôz,
an lande vürsten ebengrôz,
des lîbes schoene und wunneclîch,
getriuwe, küene, milte, rîch;
und den er vröude solte tragen,
den was der hêrre in sînen tagen
ein vröude berndiu sunne:
er was der werlde ein wunne,
der ritterschefte ein lêre,
sîner mâge ein êre,
sînes landes ein zuoversiht.
an ime brast al der tugende niht,
der hêrre haben solte,
wan daz er ze verre wolte
in sînes herzen luften sweben
und niwan nâch sînem willen leben.
daz ime ouch sît ze leide ergie,
wan leider diz ist und was ie,
ûfgêndiu jugent und vollez guot,
diu zwei diu vüerent übermuot.
vertragen, daz doch vil manic man
in michelem gewalte kan,
dar an gedâhte er selten.
übel mit übele gelten,
craft erzeigen wider craft:
dar zuo was er gedanchaft.
nu enloufet ez die lenge niht,
der allez daz, daz ime geschiht,
mit Karles lôte gelten wil.
weiz got, der man muoz harte vil
an disem borge übersehen
oder ime muoz dicke schade geschehen.
swer keinen schaden vertragen kan,
dâ wahsent dicke schaden an.
und ist ein veiclîcher site,
hie vâhet man den bern mite:
der richet einzele schaden,
unz er mit schaden wirt beladen.
ich waene, ouch ime alsam geschach,
wan er sich alse vil gerach,
biz er den schaden dar an genam.
daz aber er ie ze schaden kam,
daz enkam von archeite niht,
dâ von doch manegem schade geschiht.
ez kam von dem geleite
sîner kintheite.
daz er in sîner blüenden jugent
mit jugentlîcher hêrren tugent
wider sîn selbes saelden streit,
daz geschuof sîn spilndiu kintheit,
diu mit ir übermuote
in sînem herzen bluote.
er tete vil rehte als elliu kint,
diu selten vorbesihtic sint.
er nam vür sich niht sorgen war,
wan lebete und lebete und lebete êt dar.
dô sîn leben ze lebene vienc,
ûf alse der tagesterne gienc
und lachende in die werlde sach,
dô wânde er, des doch niene geschach,
daz er iemer alsô solte leben
und in der lebenden süeze sweben.
nein, sînes lebenes begin
der gie mit kurzem lebene hin;
diu morgenlîche sunne
sîner werltwunne,
dô diu von êrste spiln began,
dô viel sîn gaeher âbent an,
der ime vor was verborgen,
und laschte im sînen morgen.
wie er aber genennet waere,
daz kündet uns diz maere.
sîn âventiure tuot es schîn:
sîn rehter name was Riwalîn,
sîn ânam was Canêlengres.
genuoge jehent und waenent des,
der selbe hêrre er waere
ein Lohnoisaere,
künec über daz lant ze Lohnois:
nu tuot uns aber Thômas gewis,
der ez an den âventiuren las,
daz er von Parmenîe was
und haete ein sunderez lant
von eines Britûnes hant
und solte dem sîn undertân:
der selbe hiez li duc Morgân.
nu daz der hêrre Riwalîn
wol und nâch grôzen êren sîn
wol driu jâr ritter was gewesen
und haete wol hin heim gelesen
ganzlîche kunst ze ritterschaft,
ze urliuge volleclîche craft,
(er haete lant, liute unde guot)
weder ez dô nôt alde übermuot
geschüefe, des enweiz ich niht,
wan als sîn âventiure giht,
sô greif er Morgânen an
als einen schuldegen man.
er kam geriten in sîn lant
mit alsô creftiger hant,
daz er im mit gewalte
genuoge bürge valte;
die stete muosen sich ergeben
und loesen ir guot unde ir leben,
rehte alse liep als ez in was,
unz er zesamene gelas
gülte unde guotes die craft,
daz er sîne ritterschaft
sô starke gemêrte,
swar er mit her kêrte,
ez waeren bürge oder stete,
daz er vil sînes willen tete.
ouch nam er dicke schaden dar an:
er galt mit manegem biderben man,
wan Morgân was an sîner wer;
der bestuont in ofte mit her
und tete in dicke schadehaft;
wan ze urliuge und ze ritterschaft
hoeret verlust unde gewin:
hie mite sô gânt urliuge hin;
verliesen unde gewinnen
daz treit die criege hinnen.
ich waene, im Morgân alsam tete:
er valte im ouch bürge unde stete
und brach im underwîlen abe
sîne liute und sîne habe
und tete im, swaz er mohte,
daz doch niht vil entohte,
wan in tete iemer Riwalîn
mit grôzem schaden wider în
und treip des mit im also vil,
unz er in brâhte ûf daz zil,
daz er sich nihtes kunde erwern
noch sich niender trûte ernern
niwan in sînen vesten,
den sterkesten und den besten.
die selben besaz Riwalîn
und gab ûz voller hant dar în
bataljen unde strîten.
er tete in z'allen zîten
strackes rehte unz in diu tor.
ouch haete er dicke dâ vor
turneie und rîche ritterschaft.
alsus lag er im obe mit craft
und herete in in dem lande
mit roube und mit brande,
biz sich Morgân ze tage dô bôt
und daz erwarp mit aller nôt,
daz ez getaget wart under in zwein
und ein jâr vride getragen in ein,
und wart der von in beiden
mit bürgen und mit eiden
gestaetet, alse er solte sîn.
hie mite sô kêrte Riwalîn
mit den sînen heim rîch unde vrô.
ûz milter hant lônde er in dô
und machte si alle rîche.
er lie sî vrôlîche
und wol nâch sînen êren
wider z'ir heimüete kêren.
nu daz Canêle alsus gelanc,
nu was dar nâch vil harte unlanc,
unz daz er aber einer vart
durch banekîe in eine wart
und er sich aber ûz reite
mit grôzer rîcheite,
alsô der êrengire tuot.
al daz geraete und al daz guot,
des er bedürfen wolte
und ein jâr haben solte,
daz wart im an ein schif getragen.
er haete vil gehoeret sagen,
wie höfsch und wie êrbaere
der junge künic waere
von Curnewâle Marke,
des êre wuohs dô starke:
der haete dô ze sîner hant
Curnewal und Engelant.
Curnwal was aber sîn erbe dô.
umbe Engelanden stuond ez sô:
daz haete er sît des mâles,
daz die Sahsen von Gâles
die Britûne dâ vertriben
und sî dâ hêrren beliben,
von den ez ouch den namen verliez
daz lant, daz ê Britanje hiez,
und wart ouch iesâ dô genant
nâch den von Gâles Engelant.
dô die daz lant besâzen
und ez under sich gemâzen,
dô wolten si alle künegelîn
und hêrren von in selben sîn:
diz wart ir aller ungewin.
sus begunden sî sich under in
slahen unde morden starke
und bevulhen ouch dô Marke
sich und daz lant in sîne pflege:
sît her diende ez im alle wege
sô sêre und sô vorhtlîche,
daz nie kein künicrîche
eim künege mê gediende baz.
ouch saget diu istôrje von im daz,
daz allen den bîlanden,
diu sînen namen erkanden,
kein künec sô werder was als er.
dâ hin was Riwalînes ger.
aldâ dâhte er belîben,
ein jâr mit ime vertrîben
und von im werden tugenthaft
und lernen niuwan ritterschaft
und ebenen sîne site baz.
sîn edelez herze seite im daz:
erkante er vremeder lande site,
dâ bezzert er die sîne mite
und würde selbe erkant dervan.
mit disen sinnen huob er an:
er bevalch sîn liut und sîn lant
an sînes marschalkes hant,
eines hêrren von dem lande,
an dem er triuwe erkande,
der hiez Rûal li foitenant.
sus kêrte Riwalîn zehant
mit zwelf gesellen über sê.
er bedorfte dô dekeines mê,
er haete her hie mite genuoc.
nu sich diu zît alsô getruoc,
daz er ze Curnewâle kam
und ûf dem mer aldâ vernam,
daz Marke der maere
ze Tintajêle waere,
dâ kêrte er sîne reise hin.
dâ stiez er ûz, dâ vand er in
und wart des inneclîche vrô.
sich und die sîne cleite er dô
rîlîche und alse im wol gezam.
nu daz er dô ze hove kam,
marke der tugende rîche
der enpfienc in tugentlîche
und mit im al die sîne.
man bôt dâ Riwalîne
den anpfanc und die êre,
daz ez ime dâ vor nie mêre
ze keinen zîten anderswâ
sô werde erboten wart sô dâ.
hie spilten sîne gedanke mite;
diz liebete ime den hovesite.
er dâhte dicke wider sich:
«binamen got selbe der hât mich
ze diseme lantgesinde brâht!
mîn saelde hât mich wol bedâht:
swaz ich von Markes tugenden ie
gehôrte sagen, deist allez hie.
sîn leben daz ist höfsch unde guot.»
sus seite er Marke sînen muot,
war umbe er komen waere.
nu Marke sîniu maere
und sînen muot haete vernomen,
er sprach: «got und mir willekomen!
lîp unde guot und swaz ich hân,
daz sol z'iuwerem gebote stân.»
Canêlengres der was dâ wol
des hoves, der hof der was sîn vol.
arme unde rîche haeten in
liep unde werden under in
und enwart nie gast geminnet baz.
ouch kunde er wol geschulden daz:
der tugenthafte Riwalîn
der was und kunde wol gesîn
mit lîbe und mit guote,
mit geselleclîchem muote
z'ir aller dienste gereit.
also lebete er in der werdekeit
und in der rehten güete,
die er in sîn gemüete
mit tegelîchen tugenden nam,
unz Markes hôhgezît dô kam.
die hôhzît haete Marke
besetzet alsô starke
sô mit gebote sô mit bete:
swenne er in sînen boten tete,
sô kam diu ritterschaft zehant
von dem künicrîche z'Engelant
in dem jâre z'einem mâle
gevarn ze Curnewâle.
die selben brâhten mit in dar
mange süeze vrouwîne schar
und ander manege schônheit.
nu was diu hôhgezît geleit,
benennet unde besprochen
die blüenden vier wochen,
sô der vil süeze meie în gât
unz an daz, dâ er ende hât,
bî Tintajêl sô nâhen,
daz sî sich undersâhen,
in die schoenesten ouwe,
die keines ougen schouwe
ie überlûhte ê oder sît.
diu senfte süeze sumerzît
diu haete ir süeze unmüezekeit
mit süezem vlîze an sî geleit.
diu cleinen waltvogelîn,
diu des ôren vröude sulen sîn,
bluomen, gras, loup unde bluot
und swaz dem ougen sanfte tuot
und edeliu herze ervröuwen sol,
des was diu sumerouwe vol:
man vant dâ, swaz man wolte,
daz der meie bringen solte:
den schate bî der sunnen,
die linden bî dem brunnen,
die senften, linden winde,
die Markes ingesinde
sîn wesen engegene macheten.
die liehten bluomen lacheten
ûz dem betouwetem grase.
des meien vriunt, der grüene wase
der haete ûz bluomen ane geleit
sô wunneclîchiu sumercleit,
daz sî den lieben gesten
in ir ougen widerglesten.
diu süeze boumbluot sach den man
sô rehte suoze lachende an,
daz sich daz herze und al der muot
wider an die lachende bluot
mit spilnden ougen machete
und ir allez widerlachete.
daz senfte vogelgedoene,
daz süeze, daz schoene,
daz ôren unde muote
vil dicke kumet ze guote,
daz vulte dâ berge unde tal.
diu saelege nahtegal,
daz liebe süeze vogelîn,
daz iemer süeze müeze sîn,
daz kallete ûz der blüete
mit solher übermüete,
daz dâ manc edele herze van
vröude unde hôhen muot gewan.
dâ haete diu geselleschaft
vrô unde sêre vröudehaft
gehütet ûf daz grüene gras,
alse iegelîches wille was.
dâ nâch alse iegelîches ger
ze vröuden stuont, dâ nâch lag er:
die rîchen lâgen rîche,
die höfschen hovelîche;
dise lâgen under sîden dâ,
jene under bluomen anderswâ;
diu linde was genuoger dach;
genuoge man gehütet sach
mit loupgrüenen esten.
von gesinde noch von gesten
wart geherberget nie
sô wunneclîchen alse hie.
ouch vant man dâ rât über rât,
als man ze hôhgezîten hât,
an spîse und edeler waete,
des iegelîcher haete
ze wunsche sich gewarnet dar.
dar zuo sô nam ir Marke war
sô grôze und alsô rîche,
daz si alle rîlîche
lebeten unde wâren vrô.
sus huob diu hôhgezît sich dô.
und swes der gerne sehende man
ze sehene guoten muot gewan,
daz lie diu state dâ wol geschehen;
man sach dâ, swaz man wolte sehen:
dise vuoren sehen vrouwen,
jene ander tanzen schouwen;
dise sâhen bûhurdieren,
jene ander justieren.
swâ zuo den man sîn wille truoc,
des alles vand er dâ genuoc.
wan alle, die dâ wâren
von vröudebaeren jâren,
die vlizzen sich inwiderstrît
ze vröuden an der hôhgezît.
und Marke der guote,
der höfsche hôhgemuote
âne ander vrouwen schônheit,
die er haete an sînen rinc geleit,
sô haete er doch besunder
ein sunderlîchez wunder,
Blanscheflûr sîne swester dâ:
ein maget, daz dâ noch anderswâ
schoener wîp nie wart gesehen.
wir hoeren von ir schoene jehen,
sine gesaehe nie kein lebende man
mit inneclîchen ougen an,
ern minnete dâ nâch iemer mê
wîp und tugende baz dan ê.
diu saelige ougenweide
diu machete ûf der heide
vil manegen man vrech unde vruot,
manec edele herze hôhgemuot.
dar zuo was in der ouwe
manec ander schoeniu vrouwe,
der iegelîchiu mohte sîn
von schoene ein rîchiu künigîn,
die muot und vröude ouch bâren
den allen, die dâ wâren,
und macheten manic herze vrô.
hie mite huob sich der bûhurt dô
von gesinde und ouch von gesten:
die werdesten und die besten,
die riten dâ zuo wâ unde wâ.
ouch was der werde Marke dâ
und sîn geselle Riwalîn
âne ander ingesinde sîn,
die sich ouch gevlizzen haeten,
wie sîz dâ sô getaeten,
daz ez dâ sagebaere
und wol ze lobene waere.
man sach dâ zuo dem mâle
von pfelle und von zendâle
manc ors bedact ze vlîze,
manege decke snêwîze,
gel, brûn, rôt, grüene unde blâ;
sô sach man ander anderswâ
von edeler sîden wol gebriten,
jene ander manege wîs zesniten,
gevêhet und geparrieret,
sus und sô gefeitieret.
diu ritterschaft diu vuorte cleit
mit wunderlîcher rîcheit
zersniten und zerhouwen.
ouch lie der sumer wol schouwen,
daz er dâ mit Marke wolte sîn:
manec wunneclîch schapelekîn
von bluomen sach man an der schar,
diu er im ze stiure brâhte dar.
in dirre süezen sumercraft
huop sich ein süeziu ritterschaft.
diu schar sich dâ dicke underwar.
si zogeten sich her unde dar
und triben des vil und sô genuoc,
biz sich der bûhurt dô getruoc,
dâ Blanscheflûr diu werde,
ein wunder ûf der erde,
und manc ander schoeniu vrouwe
sâzen an ir schouwe.
wan dise die riten sô rîche,
sô rehte keiserlîche,
daz ez manic ouge gerne sach.
swaz aber von ieman dâ geschach,
sô was der höfsche Riwalîn
und muose ez ouch binamen sîn,
der ez des tages und an der stete
ze wunsche vor in allen tete.
ouch nâmen sîn die vrouwen war
und jâhen des, daz in der schar
nieman nâch ritterlîchem site
alsô behendeclîchen rite,
und lobeten elliu sîniu dinc.
«seht» sprâchen sî «der jungelinc
der ist ein saeliger man:
wie saeleclîche stêt im an
allez daz, daz er begât!
wie gâr sîn lîp ze wunsche stât!
wie gânt im sô gelîche in ein
diu sîniu keiserlîchen bein!
wie rehte sîn schilt z'aller zît
an sîner stat gelîmet lît!
wie zimet der schaft in sîner hant!
wie wol stât allez sîn gewant!
wie stât sîn houbet und sîn hâr!
wie süeze ist aller sîn gebâr!
wie saeleclîche stât sîn lîp!
ô wol si saeligez wîp,
der vröude an ime belîben sol!»
nu marcte ir aller maere wol
Blanscheflûr diu guote,
wan sî in ouch in ir muote,
swaz ir dekeiniu taete,
ze hôhem werde haete.
sî haete in in ir muot genomen,
er was ir in ir herze komen;
er truoc gewalteclîche
in ir herzen künicrîche
den cepter und die crône:
daz sî doch alsô schône
und alsô tougenlîchen hal,
daz sî'z in allen vor verstal.
nu daz der bûhurt dô zergie
und sich diu ritterschaft zerlie
und iegelîcher kêrte,
dar in sîn muot gelêrte,
dô kam ez von âventiure alsô,
daz Riwalîn gekêrte dô,
dâ Blanscheflûr diu schoene saz.
hie mite gesprancte er nâher baz
und als er under ir ougen sach,
vil minneclîche er zuo z'ir sprach:
«â, dê vus saut, bêle!»
«mercî!»dît la buzêle
und sprach vil schemelîche:
«hêrre got der rîche,
der elliu herze rîche tuot,
der rîche iu herze unde muot!
und iu sî grôze genigen,
und aber des rehtes unverzigen,
des ich an iuch ze redene hân.»
«ach süeze, waz hân ich getân?»
sprach aber der höfsche Riwalîn.
sî sprach: «an einem vriunde mîn,
dem besten den ich ie gewan,
dâ habet ir mich beswaeret an.»
«ja hêrre» dâhte er wider sich
«waz maere ist diz? oder waz hân ich
begangen wider ir hulden?
waz gît sî mir ze schulden?»
und wânde, daz er eteswen
ir mâge, disen oder den,
unwizzende an der ritterschaft
gemachet haete schadehaft,
dâ von ir herze swaere
und ime erbolgen waere.
nein, der vriunt, des sî gewuoc,
daz was ir herze, in dem sî truoc
von sînen schulden ungemach,
daz was der vriunt, von dem sî sprach.
iedoch enweste er niht hie mite.
nâch sînem ellîchem site
sprach er vil minneclîche z'ir:
«schoene, ine wil niht, daz ir mir
haz oder argen willen traget;
wan ist ez wâr, als ir mir saget,
sô rihtet selbe über mich:
swaz ir gebietet, daz tuon ich.»
diu süeze sprach: «durch dise geschiht
enhazze ich iuch ze sêre niht;
ine minne iuch ouch nicht umbe daz.
ich wil iuch aber versuochen baz,
wie ir mir ze buoze wellet stân
umbe daz, daz ir mir habet getân.»
sus neig er ir und wolte dan,
und sî diu schoene ersûfte in an
vil tougenlîchen unde sprach
ûz inneclîchem herzen: «ach,
vriunt lieber, got gesegen dich!»
dô alêrste huob ez sich
mit gedanken under in.
Canêlengres der kêrte hin
in maneger slahte trahte:
er trahte maneger slahte,
waz Blanschefliure swaere
und dirre maere waere.
ir gruoz, ir rede betrahte er gâr,
ir sûft, ir segen, al ir gebâr
daz marcte er al besunder
und begunde iedoch hier under
ir siuften unde ir süezen segen
ûf den wec der minne wegen:
er kam binamen an den wân,
diu zwei diu waeren getân
durch niht niwan durch minne.
daz enzunte ouch sîne sinne,
daz sî sâ wider vuoren
und nâmen Blanschefluoren
und vuorten sî mit in zehant
in Riwalînes herzen lant
und crônden sî dar inne
im z'einer küniginne.
jâ Blanscheflûr und Riwalîn,
der künec, diu süeze künigîn,
die teilten wol gelîche
ir herzen künicrîche:
daz ir wart Riwalîne,
dâ wider wart ir daz sîne;
und wiste iedoch dewederz niht
umbe des andern geschiht.
si haeten sich wol under in zwein
einmüeteclîche und rehte in ein
mit ir gedanken undernomen.
dâ was wol reht ze rehte komen:
sî lag ouch ime ze herzen
mit dem selben smerzen,
den sî von sînen schulden leit.
und wande er aber gewisheit
ir willen niene haete,
in welher wîs sî'z taete,
durch haz oder aber durch minne,
daz machete sîne sinne
in zwîvele wanken:
er wancte mit gedanken
wîlent abe und wîlent an.
iezuo wolt er benamen dan
und al zehant sô wolte er dar,
unz er sich alsô gâr verwar
in den stricken sîner trahte,
daz er dannen niene mahte.
der gedanchafte Riwalîn
der tete wol an im selben schîn,
daz der minnende muot
rehte alse der vrîe vogel tuot,
der durch die vrîheit, die er hât,
ûf daz gelîmde zwî gestât:
als er des lîmes danne entsebet
und er sich ûf ze vlühte hebet,
sô clebet er mit den vüezen an;
sus reget er vedern und wil dan;
dâ mite gerüeret er daz zwî
an keiner stat, swie kûme ez sî,
ez enbinde in unde mache in haft;
sô sleht er danne ûz aller craft
dar unde dar und aber dar,
unz er ze jungeste gar
sich selben vehtende übersiget
und gelîmet an dem zwîge liget.
rehte in der selben wîse tuot
der unbetwungene muot:
sô der in senede trahte kumet
und liebe an ime ir wunder vrumet
mit senelîcher swaere,
sô wil der senedaere
ze sîner vrîheite wider;
sô ziuhet in diu süeze nider
der gelîmeten minne.
dâ verwirret er sich inne
sô sêre, daz er sich von dan
noch sus noch sô verrihten kan.
als ergieng ez Riwalîne,
den ouch die trahte sîne
verwurren in der minne
sînes herzen küniginne.
in haete wol beworrenheit
in wunderlîch pârât geleit;
wan er enwiste, weder ir muot
wider in waere übel oder guot;
ern erkante dannoch diz noch daz,
weder ir minne noch ir haz.
ern sach noch trôst noch zwîvel an,
daz enliez ouch in noch dar noch dan.
trôst unde zwîvel vuorten in
unendeclîchen under in.
trôst seite im minne, zwîvel haz.
durch disen criec und umbe daz
sone mohte er sînen vesten wân
an ir dewederez verlân,
an haz noch ouch an minne.
sus swebeten sîne sinne
in einer ungewissen habe:
trôst truog in an und zwîvel abe.
ern vant niht staetes an in zwein.
sin gehullen sô noch sus inein:
sô zwîvel kam und seite im daz,
sîn Blanscheflûr waere ime gehaz,
sô wancte er und wolte dan.
zehant kam trôst und truog in an
ir minne und einen lieben wân:
sus muose er aber dâ bestân.
mit diseme criege enwiste er war:
ern mohte weder dan noch dar.
sô er ie serre dannen ranc,
sô minne ie vaster wider twanc.
sô er ie harter dannen vlôch,
sô minne ie vaster wider zôch.
sus treip ez minne mit im an,
biz doch der trôst den sige gewan
und er den zwîvel gâr vertreip
und Riwalîn gewis beleip,
sîn Blanscheflûr diu minnet in:
des was sîn herze und al sîn sin
einbaerelîche an sî geleit,
daz nieman dô dâ wider streit.
nu daz diu süeze minne
sîn herze und sîne sinne
al nâch ir willen haete brâht,
dannoch was ime vil ungedâht,
daz herzeliebe waere
sô nâhe gênde ein swaere.
do er dô sîn âventiure
von sîner Blanschefliure
von ende her betrahtete
und allez sunder ahtete:
ir hâr, ir stirne, ir tinne,
ir wange, ir munt, ir kinne,
den vröuderîchen ôstertac,
der lachende in ir ougen lac,
dô kam diu rehte minne,
diu wâre viuraerinne
und stiez ir seneviuwer an,
daz viur, dâ von sîn herze enbran,
daz sînem lîbe sâ zestunt
schînbaerelîche tete kunt,
waz nâhe gêndiu swaere
und senediu sorge waere.
wan er greif in ein ander leben;
ein niuwe leben wart ime gegeben:
er verwandelte dâ mite
al sîne sinne und sîne site
und wart mitalle ein ander man;
wan allez daz, des er began,
daz was mit wunderlîchen siten
und mit blintheit undersniten.
sîne ane geborne sinne
die wâren von der minne
als wilde und alse unstaete,
als er s'erbeten haete.
sîn leben begunde swachen:
von rehtem herzen lachen,
des er dâ vor was wol gewon,
dâ zôch er sich mitalle von;
swîgen unde wesen unvrô
daz was sîn beste leben dô.
wan elliu sîn gemuotheit
was gâr in senede nôt geleit.
ouch vergie sîn senelîch geschiht
die seneden Blanschefliure niht:
diu was ouch mit dem selben schaden
durch in als er durch sî beladen.
diu gewaltaerinne Minne
diu was ouch in ir sinne
ein teil ze sturmelîche komen
und haete ir mit gewalte genomen
den besten teil ir mâze.
sine was an ir gelâze
ir selber noch der werlt niht mite
nâch ir gewonlîchem site.
swaz sî sich vröuden an genam,
swaz schimpfes ir ê wol gezam,
daz missestuont ir allez dô.
ir leben enschuof sich niuwan sô,
als ez ir an der nôt gewac,
diu nâhen an ir herzen lac.
und alles des, des sî geleit
von senelîcher arbeit,
sone wiste sî niht, waz ir war.
wan sî enwart nie dâ vor gewar,
waz sus getâniu swaere
und herzesorge waere.
und sprach vil dicke wider sich:
«owê got hêrre, wie leb ich!
wie unde waz ist mir geschehen?
ich hân doch manegen man gesehen,
von dem mir nie kein leit geschach.
und sît ich disen man gesach,
sît wart mîn herze niemer mê
noch vrî noch vröudehaft als ê.
diz sehen, daz ich in hân getân,
daz ist ein dinc, dâ von ich hân
erworben nâhe gêndiu leit.
mîn herze, daz nie nôt erleit,
daz ist dâ von versêret;
ez hât mich gâr verkêret
an muote und an dem lîbe.
sol iegelîchem wîbe,
diu in gehoeret unde gesiht,
geschehen, alse mir geschiht,
und ist ez danne an ime geborn,
so ist michel schoene an ime verlorn
und ist unnütze lebende ein man.
ist aber daz er von lêre kan
dekeiner slahte zouberlist,
dâ von diz vremede wunder ist
und disiu wunderlîche nôt,
sô waere er maneges bezzer tôt
und ensolte in niemer wîp gesehen.
durch got, wiest mir von ime geschehen
sô leide und alsô swâre!
nune gesach ich doch zewâre
noch in noch nie dekeinen man
mit vîntlîchen ougen an
noch engetruoc nie nieman haz:
wâ mite mag ich geschulden daz,
daz mir von ieman leit geschehe,
den ich mit vriundes ougen sehe?
waz wîze ich aber dem guoten man?
er ist hie lîhte unschuldic an.
swaz herzesorge ich mir von im
und ouch durch sînen willen nim,
daz wizze got, deist allermeist
mîn selbes herzen volleist.
ich sach dâ manegen man und in.
waz mag er mir des, daz mîn sin
von den andern allen
an in einen ist gevallen?
dô ich sô vil manic edele wîp
den sînen keiserlîchen lîp
und sînen ritterlîchen prîs
mit lobe gehôrte in ballen wîs
alse umbe trîben unde tragen
und sînes lobes sô vil gesagen
und ich mit ougen selbe sach
die tugende, der man von im jach,
und allez in mîn herze las,
swaz lobelîches an im was.
dâ von ergouchete mîn sin,
hie von geviel mîn herze an in.
entriuwen daz erblante mich,
daz was daz zouber, dâ von ich
mîn selber sus vergezzen hân.
ern hât mir leides niht getân,
der liebe man, von dem ich clage,
den ich mit clage ze maere trage.
mîn tumber meisterlôser muot
der ist, der mir dâ leide tuot,
der ist, der mînen schaden wil.
er wil und wil joch al ze vil,
des er niht wellen solte,
ob er bedenken wolte,
waz vuoge waere und êre.
nune siht aber er niht mêre
niwan sîn selbes willen an
an disem saeligen man,
an den er in sô kurzer vrist
sô rehte gâr gevallen ist.
und semmir got, ich waene wol,
ob ich's mit êren waenen sol
und sol ich mich der rede niht schamen
durch mînen magetlîchen namen,
sô dunket mich, diu herzeclage,
die ich durch in ze herzen trage,
diu ensî niwan von minnen.
des wirde ich hier an innen,
daz ich ime sô gerne waere bî.
und swaz sô dirre maere sî,
mir wahset eteswaz hier an,
daz minne meinet unde man.
wan swaz ich allen mînen lîp
umbe rehte minnendiu wîp
und umbe liebe hân vernomen,
daz ist mir in mîn herze komen:
der süeze herzesmerze,
der vil manic edele herze
quelt mit süezem smerzen,
der liget in mînem herzen.»
nu daz diu höfsche guote
mit ganzlîchem muote
sich in ir herzen des enstuont,
als die minnenden alle tuont,
daz ir geselle Riwalîn
ir herzen vröude müese sîn,
ir meister trôst, ir beste leben:
sî begunde im ouge und ouge geben
und sach in, swâ sî'n mohte sehen.
swenne ez diu vuoge lie geschehen,
sô gruozte sî'n vil tougen
mit inneclîchen ougen.
ir senelîche blicke
die sâhen in vil dicke
lange unde minneclîchen an.
dô daz der minnende man,
ir vriunt, begunde merken,
alrêrste begunde in sterken
diu minne und ouch sîn trôst an ir;
alrêrste enbran sîn herzegir,
und sach der süezen allez sider
baltlîcher unde süezer wider,
dan er ie dâ vor getaete.
swenne er die state haete,
sô gruozte ouch er mit ougen dar.
nu sîn diu schoene wart gewar,
daz er si meinde als si in,
dô was ir meistiu sorge hin;
wan sî wânde allez ê, daz er
hin z'ir enhaete keine ger.
nu wiste aber sî wol, daz sîn muot
hin z'ir was süeze und alse guot,
als liebes muot ze liebe sol.
daz selbe wiste er an ir wol.
daz selbe enzunte ir beider sin.
dâ von begunden s'under in
sich meinen unde minnen
mit herzenlîchen sinnen.
ez ergienc in rehte, als man giht:
swâ liep in liebes ouge siht,
daz ist der minnen viure
ein wahsendiu stiure.
nu Markes hôhgezît ergie
und sich diu hêrschaft gar zerlie,
dô kâmen Marke maere,
daz ein sîn vîent waere,
ein künec, geriten in sîn lant
mit alsô creftiger hant,
der in niht schiere taete wider,
er braeche im allez daz dernider,
daz er berîten kunde.
zehant und an der stunde
besande Marke ein michel her
und kam in an mit starker wer.
er vaht mit ime und sigete im an
und sluog und vienc sô manegen man,
daz ez von grôzen saelden was,
der dannen kam oder dâ genas.
dâ wart der werde Riwalîn
mit eime sper zer sîten în
gestochen und sô sêre wunt,
daz in die sîne sâ zestunt
vür einen halptôten man
mit manegem jâmer vuorten dan
hin heim ze Tintajêle wider.
dâ leiten sî'n tôtsiechen nider.
zehant erschullen maere,
Canêlengres der waere
tôtwunt und in dem strîte erslagen.
des wart ein jaemerlîchez clagen
in dem hove und in dem lande.
swer sîne tugende erkande,
dem was sîn schade von herzen leit.
sî clageten, daz sîn vrümekeit,
sîn schoener lîp, sîn süeziu jugent,
sîn wol gelobetiu hêrren tugent
sô schiere solte an ime zergân
und ein sô vrüejez ende hân.
sîn vriunt der künic Marke
der clagete in alsô starke,
daz er durch nie dekeinen man
sô nâhe gênde clage gewan.
in weinde manic edele wîp,
manc vrouwe clagete sînen lîp.
und swer in ie dâ vor gesach,
den erbarmete sîn ungemach.
swaz aber ir aller swaere
umbe sînen schaden waere,
sô was ez iemer eine
sîn Blanscheflûr, diu reine,
diu höfsche, diu guote,
diu mit durnehtem muote,
mit ougen und mit herzen
ir herzeliebes smerzen
beclagete und ouch beweinete;
und aber, dô sî vereinete
und sî ze clagene state gewan,
dô gie si sich mit handen an:
die sluoc si tûsent stunde dar
und niuwan dar, da'z ir dâ war;
da engegen, dâ daz herze lac,
dar tete diu schoene manegen slac.
sus quelte daz vil süeze wîp
ir jungen, schoenen, süezen lîp
mit alsô clegelîcher nôt,
daz s'einen anderen tôt,
der niht von minnen waere komen,
dô haete vür ir leben genomen;
und waere iedoch verdorben
und in dem leide erstorben,
wan daz sî der trôst labete
und der gedinge ûf habete,
daz sî'n binamen wolte sehen,
swie sô'z möhte geschehen;
und alse sî'n gesaehe,
swaz ir dar nâch geschaehe,
daz sî daz allez gerne lite.
hie vriste sî daz leben mite,
biz daz sî wider ze sinnen kam
und in ir trahte dô genam,
wie sî'n gesehen möhte,
als ez ir leide töhte.
sus kam ir in ir sinne
umbe eine ir meisterinne,
diu s'alle zît und alle wege
haete in ir lêre und in ir pflege
und s'ûz ir huote nie verlie:
die nam sî sunder unde gie,
dâ nieman was niwan sî zwô,
und huop ir clage hin z'ir alsô,
als sî ie tâten und noch tuont,
den ir dinc stât, als ez ir stuont:
ir ougen über wielen,
die heizen trehene vielen
gedîhteclîche und ange
über ir vil liehtiu wange;
ir hende sî zesamene vielt,
vlêhlîche sî die vür sich hielt:
«ach mînes lîbes!» sî dô sprach
«ach» sprach si «mînes lîbes ach!
ach herzeliebiu meisterîn,
nu tuo mir dîner triuwe schîn,
der vil und wunder an dir ist!
und sît du nû sô saelic bist,
daz al mîn saelde und al mîn rât
niwan an dîme râte stât,
sô clage ich dir mîn herzeleit
ûf alle dîne saelekeit:
dune helfes mir, sô bin ich tôt!»
«nu vrouwe, waz ist iuwer nôt
und iuwer clegelîchez clagen?»
«ei trût, getar ich dir'z gesagen?»
«jâ liebiu vrouwe, sprechet an!»
«mich toetet dirre tôte man,
von Parmenîe Riwalîn:
den saehe ich gerne, möhte ez sîn
und wiste ich, wie ich'z erwürbe,
ê danne er volle erstürbe;
wan leider ern mac niht genesen.
maht dû mir dar zuo guot gewesen,
ich engan dir niemer nihtes abe,
die wîle und ich daz leben habe.»
diu meisterinne gedâhte dô:
«gestate ich dirre dinge alsô,
waz mag dâ schaden gewahsen an?
wan dirre halptôte man
der stirbet morgen oder noch:
sô hân ich mîner vrouwen doch
gevristet lîp und êre
und bin ir iemer mêre
lieber danne ein ander wîp.»
«trût vrouwe» sprach sî «lieber lîp,
iur clage ist mir von herzen leit
und swâ ich iuwer arbeit
mit mînem lîbe erwenden kan,
dane gezwîvelt niemer an.
ich sol selbe gân dar nider
und in gesehen und iesâ wider.
ich sol die state erkunnen dâ,
wie er dâ lige oder wâ,
und ouch der liute nemen war.»
sus kam s'in den gebaerden dar,
als sî sîn angest wolte clagen
und begunde im tougenlîche sagen,
ir vrouwe wolte in gerne sehen,
daz er ez lieze geschehen
nâch vuogen und nâch êren.
sus begunde sî dô kêren
mit disen maeren wider dan.
si nam die maget und leite ir an
eines armen betewîbes cleit;
ir antlützes schônheit
mit dicken rîsen sî verbant
und nam ir vrouwen an ir hant
und kam ze Riwalîne.
nu haete ouch er die sîne
al besunder ûz getriben
und was al eine beliben.
er sagete in allen unde jach,
einoete waere sîn gemach.
ouch jach diu meisterinne,
sî braehte ein arzaetinne,
und erwarp, daz man si zuo z'im liez.
daz slôz sî vür die tür dô stiez.
«nu vrouwe» sprach si «sehet in!»
und sî, diu schoene, diu gie hin
und dô sî'm under ougen sach,
«ach» sprach si «hiute und iemer ach!
owê daz ich ie wart geborn:
wie ist mîn trôst alsus verlorn!»
alsus neig ir dô Riwalîn
vil kûme, als ez dô mohte sîn
von eime tôtsiechem man.
ouch sach sî daz vil lützel an
und nam es harte cleine war,
wan saz et blintlîchen dar
und leite Riwalîne
ir wange an daz sîne,
biz daz ir aber dô beide
von liebe und ouch von leide
ir lîbes craft dâ von gesweich.
ir rôsevarwer munt wart bleich,
ir lîch diu kam vil garwe
von der viel liehten varwe,
diu dâ vor an ir lîbe lac.
ir clâren ougen wart der tac
trüebe unde vinster als diu naht.
sus lac si in der unmaht
und âne sinne lange,
ir wange an sînem wange,
gelîche als ob si waere tôt.
nu daz sî dô von dirre nôt
ein lützel wider ze crefte kam,
ir trût si an ir arm dô nam
und leite ir munt an sînen munt
und kuste in hundert tûsent stunt
in einer cleinen stunde,
unz ime ir munt enzunde
sinne unde craft zer minne,
wan minne was dar inne:
ir munt der tete in vröudehaft,
ir munt der brâhte im eine craft,
daz er daz keiserlîche wîp
an sînen halptôten lîp
vil nâhe und inneclîche twanc.
dar nâch sô was vil harte unlanc,
unz daz ir beider wille ergienc
und daz vil süeze wîp enpfienc
ein kint von sînem lîbe.
ouch was er von dem wîbe
und von der minne vil nâch tôt;
wan daz im got half ûz der nôt,
sône kunde er niemer sîn genesen:
sus genas er, wan ez solte wesen.
sus was, daz Riwalîn genas
und Blanscheflûr diu schoene was
von ime entladen unde beladen
mit zweier hande herzeschaden:
grôz leit lie sî bî dem man
unde truoc daz groezer dan;
sî lie dâ senede herzenôt
und truoc mit ir von dan den tôt:
die nôt sî mit der minne lie,
den tôt sî mit dem kinde enpfie.
und iedoch swie sô sî genas,
in swelher wîse sô sî was
von ime entladen unde beladen
sô mit vrumen sô mit schaden,
sone sach sî doch niht anders an
wan liebe liebe und lieben man.
weder kint noch tôdes ungeschiht
enwiste s'an ir lîbe niht:
minne unde man wiste si wol
und tete reht als der lebende sol
und als der minnende tuot:
ir herze, ir sin, ir gernder muot
lac niwan an Riwalîne.
dâ wider lac ouch der sîne
an ir und an ir minnen.
si haeten in ir sinnen
beide eine liebe und eine ger.
sus was er sî und sî was er.
er was ir und sî was sîn.
dâ Blanscheflûr, dâ Riwalîn,
dâ Riwalîn, dâ Blanscheflûr,
dâ beide, dâ lêal amûr.
ir leben was vil gemeine dô,
sî wâren mit ein ander vrô
und hôhten ir gemüete
mit vil gemeiner güete.
und swenne sî mit vuogen
ir state in ein getruogen,
sô was ir werltwunne vol,
sô was in sanfte und alsô wol,
daz sî enhaeten niht ir leben
umb kein ander himelrîche gegeben.
doch werte daz unlange.
wan in ir anevange,
dô s'allerbeste lebeten
und in dem wunsche swebeten,
dô kâmen Riwalîne boten:
Morgân sîn vînt haete geboten
eine starke samenung in sîn lant.
mit disem maere und al zehant
wart Riwalîne ein schif bereit
und al sîn dinc dar an geleit;
spîse unde ros, daz allez wart
zehant bereitet an die vart.
diu minneclîche Blanschefluor,
dô sî diu leiden maere ervuor
umbe den vil herzelieben man,
alrêrste gienc ir kumber an.
von herzeleide ir aber geschach,
daz sîne gehôrte noch gesach.
ir lîch wart an ir lîbe
als eime tôten wîbe.
ûz ir munde gie niemê
wan daz vil arme wort «owê!»
daz eine sprach s'und ouch niemê.
«owê!» sprach sî vil lange «owê!
owê nu minne und ouwê man!
wie sît ir mich gevallen an
mit alsô maneger arbeit!
minne, al der werlde unsaelekeit,
sô kurziu vröude als an dir ist,
sô rehte unstaete sô du bist,
waz minnet al diu werlt an dir?
ich sihe doch wol, du lônest ir,
als der vil valschafte tuot.
dîn ende daz ist niht sô guot,
als dû der werlde geheizest,
sô dû sî von êrste reizest
mit kurzem liebe ûf langez leit.
dîn gespenstigiu trügeheit,
diu in sô valscher süeze swebet,
diu triuget allez, daz der lebet.
daz ist an mir wol worden schîn.
daz al mîn vröude solte sîn,
dâ von hân ich nû niht mêre
wan tôtlîch herzesêre.
mîn trôst vert hin und lât mich hie!»
in disem clagemaere gie
ir trûtgeselle Riwalîn
mit weinendem herzen în
und wolte nemen urloup von ir.
«vrouwe» sprach er «gebietet mir,
ich sol und muoz ze lande varn;
iuch, schoene, müeze got bewarn:
weset iemer saelec unde gesunt!»
alsus geswant ir anderstunt,
aber viel sî von der herzenôt
vor ime in unmaht und vür tôt
in ir meisterinne schôz.
der ir getriuwe senegenôz
dô der daz michel ungemach
an sîme herzeliebe ersach,
er leiste ir wol gesellekeit;
wan er nam sich ir senede leit
vil inneclîche mit ir an.
sîn varwe und al sîn craft began
an sînem lîbe swachen.
nâch clegelîchen sachen
gesaz er riuweclîchen nider
und erbeite kûme, daz si wider
und alsô vil ze creften kam,
daz er sî dô mit handen nam
und hiels daz vröudelôse wîp
vil suozeclîche an sînen lîp
und kuste ie z'eteslîcher stunt
ir wange, ir ougen unde ir munt
und trûte sî sus unde sô,
biz sî ze jungeste dô
z'ir selber kam baz unde baz
und ûfreht von ir selber saz.
nu Blanscheflûr z'ir selber kam
und aber ir vriundes war genam,
sî sach in jaemerlîchen an:
«ach» sprach sî «saeliger man,
wie ist mir sô leide an iu geschehen!
hêrre, wie hân ich iuch gesehen
ze sô vil maneger herzeclage,
als ich an mînem herzen trage
von iu, von iuwern schulden!
getörste ich ez mit hulden
hin z'iu gereden, sô möhtet ir
vriuntlîcher tuon und baz ze mir.
hêrre unde vriunt, ich hân von iu
manc leit und vor den allen driu,
diu toedic unde unwendic sint.
daz eine ist, daz ich trage ein kint,
des entrûwe ich niemer genesen,
got enwelle mîn gehelfe wesen.
daz ander deist noch mêrre:
mîn bruoder und mîn hêrre
sô der an mir dise ungeschiht
und ouch sîn selbes laster siht,
der heizet mich verderben
und lesterlîche ersterben.
daz dritte ist aber diu meiste nôt
und maneges erger danne der tôt:
ich weiz wol, ob daz wol ergât,
daz mich mîn bruoder leben lât
und er mich niht ersterbet,
daz er mich aber enterbet
und nimet mir guot und êre.
sô muoz ich iemer mêre
unwert und swaches namen sîn.
dar zuo muoz ich mîn kindelîn,
daz einen lebenden vater hât,
ziehen âne vater rât.
und enwolte ich daz niemêr geclagen,
solt ich daz laster eine tragen,
daz mîn vil hôch geslehte
und der künic mîn bruoder mehte
des itewîzes unde mîn
mit êren ledec und âne sîn.
swenne aber alle, die nu sint,
diu maere sagent, ich habe ein kint
erworben kebeslîche,
deist disem und jenem rîche,
Curnwâle und Engelande
ein offenbaeriu schande.
und ouwê, swenne daz geschiht,
daz man mich mit den ougen siht,
daz zwei lant von den schulden mîn
genidert unde geswechet sîn,
sô waere ich eine bezzer tôt.
seht hêrre» sprach si «deist diu nôt,
daz ist diu wernde herzeclage,
in der ich alle mîne tage
mit lebendem lîbe sterben muoz.
hêrre, iuwer helfe diu entuoz
und got envüege ez danne alsô,
sone wirde ich niemer mêre vrô.»
«trût vrouwe» sprach er dô ze ir
«habet ir dekeine nôt von mir,
die sol ich büezen, ob ich mac,
und ouch bewarn vür disen tac,
daz iu durch mîne schulde iht mê
leit oder laster ûf erstê.
ich hân, swaz her nâch süle geschehen,
sô lieben tac an iu gesehen,
daz ez unbillîch waere,
ob ir dekeine swaere
mit mînem willen soltet tragen.
vrouwe, ich wil iu rehte sagen
mîn herze und allen mînen muot.
leit unde liep, übel unde guot
und allez daz, daz iu geschiht,
dâ von enscheide ich mich niht.
dâ wil ich iemer wesen bî,
swie kumberlîch ez danne sî,
und biute iu zweier dinge kür,
diu leget iuwerm herzen vür:
weder ich belîbe oder var.
hier under nemet selbe war.
welt ir, daz ich hie bestê
und sehe, wie iuwer dinc ergê,
daz sî, geruochet aber ir
heim unde hinnen varn mit mir,
ich selbe und allez, daz ich hân,
daz ist iu iemer undertân.
ir erbietet mir ez hie sô wol,
daz ich es wol gedenken sol
mit aller slahte guote.
swes iu nu sî ze muote,
vrouwe, des bewîset mich,
wan swaz ir wellet, daz wil ich.»
«genâde hêrre» sprach si dô
«ir redet und bietet mir'z alsô,
als iu got lônen müeze
und alse ich iuwer vüeze
iemer gerne suochen sol.
vriunt unde hêrre, ir wizzet wol,
belîbens mac hie niht gesîn:
mîn angest umb min kindelîn
die enmag ich leider niht verheln.
wan möhte et ich mich hin versteln!
daz waere nû der beste rât
nâch dem dinge, als ez mir stât.
vriunt hêrre, dar zuo râtet ir.»
«nû vrouwe» sprach er «volget mir:
ze naht als ich ze schiffe gê,
sô vüeget ir daz, daz ir ê
vil tougenlîche dar sît komen
(biz daz hân ich urloup genomen),
daz ich iuch danne vinde
bî mînem ingesinde.
sus werbet! alsô muoz ez sîn.»
mit dirre rede kam Riwalîn
ze Marke und seite im maere,
waz ime enboten waere
umbe sîn liut und umb sîn lant.
urloup nam er von ime zehant,
dâ nâch von al den sînen.
die clageten Riwalînen,
daz er die clage ê nie gesach,
diu dô und dâ nâch ime geschach.
manc segen wart im nâch gegeben,
daz got sîn êre und sîn leben
geruohte in sînem schirme hân.
nu'z an die naht begunde gân
und er ze sînem schiffe kam
und al sîn dinc dar an genam,
dô vand er sîne vrouwen dâ,
die schoenen Blanschefliure. ie sâ
sô wart daz schif gestôzen an.
alsus sô vuoren sî von dan.
nû Riwalîn ze lande kam
und die vil grôze nôt vernam,
die Morgân haete ûf in gewant
mit übercrefteclîcher hant,
sînen marschalc er besande,
an dem er triuwe erkande,
an dem sîn meister trôst dô lac,
der aller sîner êren pflac
über sîn liut und über sîn lant:
daz was Rûal li foitenant,
der êren unde der triuwe ein habe,
der nie gewancte an triuwen abe.
der seite im aller hande,
als er ez wol erkande,
waz engeslîcher swaere
dem lande erstanden waere.
«doch» sprach er «sît daz ir enzît
ze trôste uns allen komen sît
und iuch got wider gesendet hât,
sô sol sîn alles werden rât
und mugen vil harte wol genesen.
wir suln nu hôhes muotes wesen,
unser angest sol nu cleine sîn.»
hier under sagete im Riwalîn
die lieben âventiure
umbe sîne Blanschefliure.
des wart er inneclîche vrô.
«ich sihe wol, hêrre» sprach er dô
«iuwer êre wehset alle wîs,
iuwer werdekeit und iuwer prîs,
iuwer vröude und iuwer wunne
diu stîget als diu sunne.
irne möhtet ûf der erden
von wîbe niemer werden
sô hôhes namen als von ir.
von danne, hêrre, volget mir.
habe sî wol ze iu getân,
des sult ir sî geniezen lân.
sô wir unser dinc nu genden,
die nôt von uns gewenden,
diu uns nu sô ze rucke lît,
sô gebietet eine hôhgezît
wol hêrlîche unde rîche:
dâ nemet sî offenlîche
vor mâgen und vor mannen ze ê.
und râte zwâre, daz ir ê
ze kirchen ir geruochet jehen,
da ez pfaffen unde leien sehen,
der ê nach cristenlîchem site.
dâ saeleget ir iuch selben mite.
und wizzet waerlîchen daz,
iuwer dinc sol iemer deste baz
ze êren und ze guote ergân.»
nu daz geschach, daz was getân,
daz er des alles vollekam.
und alse er sî dô ze ê genam,
er bevalch si hant von hande
dem getriuwen Foitenande.
der vuorte sî ze Canoêl
ûf daz selbe castêl,
nâch dem sîn hêrre, als ich ez las,
Canêlengres genennet was,
Canêl nach Canoêle.
ûf dem selben castêle
haete er dô sîn selbes wîp,
ein wîp, diu muot unde lîp
mit wîplîcher staete
der werlt gewerldet haete.
der bevalch er sîne vrouwen dô
und schuof ir ir gemach alsô,
als ez ir namen wol gezam.
nu Rûal wider zem hêrren kam,
do wurden sî zwêne under in zwein
umbe ir angest in ein,
alse ez in dô was gewant.
si sanden über al ir lant
und samenten ir ritterschaft;
alle ir state und alle ir craft
die kêrten sî niwan ze wer.
alsus kâmen sî mit her
Morgâne engegene geriten.
ouch wart ir harte wol gebiten
von Morgâne und von den sînen:
sî enpfiengen Riwalînen
mit einer herten vehte.
hei waz dâ guoter knehte
gevellet unde geveiget wart!
wie lützel der dâ wart gespart!
wie manic man kam dâ ze nôt,
und wie vil maneger lac dâ tôt
und wunt von ietwederm her!
an dirre veigen lantwer
wart der vil clagebaere erslagen,
den al diu werlt wol solte clagen,
ob clegelîchiu swaere
nâch tôde nütze waere.
Canêlengres der guote,
der ritterlîchem muote
noch hêrren tugende an keiner stete
nie vuoz noch halben wanc getete,
der lac dâ jaemerlîchen tôt.
iedoch in aller dirre nôt
kâmen die sînen über in
und brâhten in mit noeten hin.
mit maneger clage vuorten si'n dan
und bestatten in als einen man,
der minner noch mêre
niwan ir aller êre
mit ime dô vuorte hin ze grabe.
daz ich nu vil von ungehabe
und von ir jâmer sagete,
waz iegelîcher clagete,
waz solte daz? es waere unnôt.
si wâren alle mit im tôt
an êren unde an guote,
an allem dem muote,
der guoten liuten solte geben
saelde und saeleclîchez leben.
diz ist geschehen, ez muoz nu sîn.
er ist tôt der guote Riwalîn.
dane hoeret nû niht mêre zuo
wan eine, daz man umbe in tuo
als mit rehte umb einen tôten man.
da enist doch nû niht anders an:
man sol und muoz sich sîn bewegen,
und sol sîn got von himele pflegen,
der edeler herzen nie vergaz!
und sul wir sprechen vürbaz,
wie'z umbe Blanschefliure kam.
dô diu vil schoene vernam
diu clagebaeren maere,
wie dô ir herzen waere,
got hêrre, daz solt dû bewarn,
daz wir daz iemer ervarn!
ich enhân dâ keinen zwîvel an,
gewan ie wîp durch lieben man
tôtlîchen herzesmerzen,
dern waere ouch in ir herzen.
daz was tôtlîches leides vol.
sî bewârte al der werlde wol,
daz ir sîn tôt ze herzen gie.
ir ougen diu enwurden nie
in allem disem leide naz.
jâ got hêrre, wie kam daz,
daz dâ niht wart geweinet?
dâ was ir herze ersteinet.
da enwas niht lebenes inne
niwan diu lebende minne
und daz vil lebelîche leit,
daz lebende ûf ir leben streit.
geclagete s'aber ir hêrren iht
mit clageworten? nein sî niht.
sî erstummete an der stunde,
ir clage starp in ir munde.
ir zunge, ir munt, ir herze, ir sin,
daz was allez dô dâ hin.
diu schoene enclagete dô niemê.
sine sprach dô weder ach noch wê.
si seic et nider unde lac
quelende unz an den vierden tac
erbermeclîcher danne ie wîp;
si want sich unde brach ir lîp
sus unde sô, her unde dar
und treip daz an, biz sî gebar
ein sünelîn mit maneger nôt.
seht, daz genas und lac sî tôt.
owê der ougenweide,
dâ man nâch leidem leide
mit leiderem leide
siht leider ougenweide!
der êre an Riwalîne lac,
der er nâch grôzen êren pflac,
die wîle ez got wolte,
daz er ir pflegen solte,
der leit was leider alze grôz
und alles leides übergenôz.
wan al ir trôst und al ir craft,
ir tuon und al ir ritterschaft,
ir êre und al ir werdekeit,
daz allez was dô hin geleit.
sîn tôt was aber wol lobelîch,
der ir ze sêre erbermeclîch.
swie schedelîch diu swaere
liute unde lande waere,
diu von ir hêrren tôde kam,
ezn was doch niht sô clagesam,
sô daz man dise quelende nôt
und den erbermeclîchen tôt
an dem vil süezen wîbe sach.
ir jâmer unde ir ungemach
beclage ein ieclîch saelec man.
und swer von wîbe ie muot gewan
oder iemer wil gewinnen,
der trahte in sînen sinnen,
wie lîhte misselinge
an sus getânem dinge
guoten liuten ûf erstât,
wie lîhte ez in ze leide ergât
an vröuden unde an lîbe,
und sî dem reinen wîbe
genâden wünschende umbe got,
daz sîn güete und sîn gebot
ir helfe, ir trôst geruoche sîn!
und sagen wir umbe daz kindelîn,
daz vater noch muoter haete,
waz got mit deme getaete.
riuwe unde staetiu triuwe
nâch vriundes tôde ie niuwe,
dâ ist der vriunt ie niuwe:
daz ist diu meiste triuwe.
swer nâch dem vriunde riuwe hât,
nâch tôde triuwe an ime begât,
daz ist vor allem lône,
deist aller triuwe ein crône.
mit der selben crône was
gecroenet dô, als ich ez las,
der marschalc und sîn saelec wîp,
die beide ein triuwe unde ein lîp
got unde der werlde wâren,
des sî guot bilde bâren
beidiu der werlde unde gote,
wan sî wol nach gotes gebote
ganzlîcher triuwe wielten
und ouch die wol behielten
âne alle missewende
unz an ir beider ende.
solt ieman ûf der erden
von triuwen halben werden
künic oder künigîn,
binamen daz möhten sî wol sîn,
als ich iu von in beiden
waerlîche mag bescheiden,
wie er gevuor und sî gewarp.
dô Blanscheflûr, ir vrouwe, erstarp
und Riwalîn begraben was,
des weisen dinc, der dô genas,
das gevuor nâch ungenaden wol
als des, der vürbaz komen sol:
der marschalc und diu marschalkîn
nâmen daz cleine weiselîn
und burgen ez vil tougen
den liuten von den ougen.
si sageten unde hiezen sagen,
ir vrouwe haete ein kint getragen,
daz waere in ir und mit ir tôt.
von der gedrîeten nôt
wart aber des landes clage dô mê;
ir clage wart aber dô mê dan ê:
clage, daz Riwalîn erstarp,
clage, daz Blanscheflûr verdarp,
clage umbe ir beider kindelîn,
an dem ir trôst dô solte sîn,
daz daz verdorben waere.
zuo aller dirre swaere
gieng in diu starke vorhte,
die Morgân an in worhte,
als nâhen alse ir hêrren tôt.
wan diz daz ist diu meiste nôt,
die man zer werlde haben mac:
swâ sô der man naht unde tac
den tôtvînt vor ougen hât,
daz ist diu nôt, diu nâhen gât,
und ist ein lebelîcher tôt.
in aller dirre lebenden nôt
wart Blanscheflûr ze grabe getragen.
michel jâmer unde clagen
daz wart begangen ob ir grabe.
ir muget wol wizzen, ungehabe
der was dâ vil und alze vil.
nune sol ich aber noch enwil
iuwer ôren niht beswaeren
mit z'erbermeclîchen maeren,
wan ez den ôren missehaget,
swâ man von clage ze vil gesaget;
und ist vil lützel iht sô guot,
ez enswache, der's ze vil getuot.
von diu sô lâzen langez clagen
und vlîzen uns, wie wir gesagen
umbe daz verweisete kint,
von dem diu maere erhaben sint.
sich treit der werlde sache
vil ofte z'ungemache
und aber von ungemache
wider ze guoter sache.
reht in den noeten sol der vrome,
ze swelhem ende ez danne kome,
bedenken, wie sîn werde rât.
die wîle und er daz leben hât,
sô sol er mit den lebenden leben,
im selben trôst ze lebene geben.
als tete der marschalc Foitenant.
wan ez ime ze sorgen was gewant,
dô bedâhte er mitten in der nôt
des landes schaden, sîn selbes tôt.
wan ime diu wer niht tohte
noch sich mit wer enmohte
wider den vînt gevristen,
dô vriste er sich mit listen.
er sprach die hêrren al zehant
über allez sînes hêrren lant
und brâhte sî ze suone.
wan in was niht ze tuone
wan vlêhen unde sich ergeben.
sie ergâben guot unde leben
an Morgânes hulde.
die hazlîchen schulde
under Morgâne und under in
die legeten sî mit listen hin
und nerten ir liut unde ir lant.
der getriuwe marschalc Foitenant
vuor heim und sprach sîn saelic wîp
und bevalch ir verre und an den lîp,
daz sî sich in leite
nâch der gewonheite,
als ein wîp kindes inne lît,
und daz sî nâch der selben zît
jaehe unde jehende waere,
daz sî daz kint gebaere,
daz ir junchêrre solte sîn.
diu saelege marschalkîn,
diu guote, diu staete,
diu reine Floraete,
diu wîbes êre ein spiegelglas
und rehter güete ein gimme was,
diu was des lîhte gemant,
daz ir doch z'êren was gewant.
sie stalte ir muot und al ir lîp
ze clage und rehte alse ein wîp,
diu eines kindes sol genesen.
si hiez ir kamere unde ir wesen
stellen unde machen
ze heinlîchen sachen.
und wande s'ouch erkande wol,
wie man hie zuo gebâren sol,
dô nam si'r willeclage hier abe.
si gelîchsente grôz ungehabe
an muote unde an lîbe
gelîch einem wîbe,
diu ze solhen noeten gât,
diu al ir dinc gestellet hât
ze sus getâner arbeit.
sus wart daz kint zuo z'ir geleit
vil tougenlîche unde alsô,
daz ez vil lützel ieman dô
âne eine ir ammen bevant.
hie wart ein maere sâ zehant,
diu guote marschalkinne
laege eines sunes inne.
ez was ouch wâr, sie tete alsô:
si lag des sunes inne dô,
der ir sunlîcher triuwe pflac
unz an ir beider endetac.
daz selbe süeze kint truoc ir
als süezelîche kindes gir,
als ein kint sîner muoter sol.
und was daz billîch unde wol.
si leite ouch allen ir sin
mit muoterlîcher liebe an in
und was des alsô staete,
als ob sî'n selbe ie haete
under ir brüsten getragen.
als wir daz maere hoeren sagen,
sone geschach ez weder sît noch ê,
daz ein man unde ein wîp ie mê
mit solher liebe ir hêrren zugen.
als wir her nâch erkennen mugen
an disem selben maere,
wie veterlîche swaere
und wie vil manege arbeit
der getriuwe marschalc durch in leit.
nu daz diu guote marschalkîn
der noete genesen solte sîn
und nâch ir sehs wochen,
als den vrouwen ist besprochen,
des suns ze kirchen solte gân,
von dem ich her gesaget hân,
si selbe in an ir arm nam
und truog in suoze, als ir gezam,
mit ir zem gotes hûse alsô.
und als si ir înleite dô
gotelîche haete enpfangen
und was von opfer gangen
mit schoenem ingesinde,
dô was dem cleinen kinde
der heilege touf bereit,
durch daz ez sîne cristenheit
in gotes namen enpfienge,
swie'z ime dar nâch ergienge,
daz ez doch cristen waere.
nu daz sîn toufaere
alles sînes dinges was bereit,
nâch touflîcher gewonheit
er vrâgete umb daz kindelîn,
wie sîn name solte sîn.
diu höfsche marschalkîn gie dan
und sprach vil tougenlîche ir man
und vrâgete in, wie er wolte,
daz man ez nennen solte.
der marschalc der sweic lange.
er trahte ange und ange,
waz namen ime gebaere
nâch sînen dingen waere.
hier under sô betrahte er
des kindes dinc von ende her,
rehte alse er haete vernomen,
wie sîn dinc allez dar was komen:
«seht» sprach er «vrouwe, als ich vernam
von sînem vater, wie'z dem kam
umbe sîne Blanschefliure,
mit wie vil maneger triure
ir gernder wille an ime ergie,
wie sî diz kint mit triure enpfie,
mit welher triure sî'z gewan,
sô nenne wir in Tristan.»
nu heizet triste triure,
und von der âventiure
sô wart daz kint Tristan genant,
Tristan getoufet al zehant.
von triste Tristan was sîn nam.
der name was ime gevallesam
und alle wîs gebaere.
daz kiesen an dem maere.
sehen wir trûreclîch ez was,
dâ sîn sîn muoter genas.
sehen wie vruo im arbeit
und nôt ze rucke wart geleit.
sehen wie trûreclîch ein leben
ime ze lebene wart gegeben.
sehen an den trûreclîchen tôt,
der alle sîne herzenôt
mit einem ende beslôz
daz alles tôdes übergenôz
und aller triure ein galle was.
diz maere, der daz ie gelas,
der erkennet sich wol, daz der nam
dem lebene was gehellesam.
er was reht alse er hiez ein man
und hiez reht alse er was: Tristan.
und swer nu gerne haete erkant,
durch welhe liste Foitenant
daz hieze sagen ze maere,
daz Tristan daz kint waere
von der gebürteclîchen nôt
in sîner tôten muoter tôt,
den suln wir ez wizzen lân:
ez wart durch triuwe getân.
der getriuwe tete ez umbe daz:
er vorhte Morgânes haz.
ob er daz kint dâ wiste,
daz er ez sô mit liste
sô mit gewalt verdarpte,
daz lant an ime entarpte.
durch daz nam der getriuwe man
ze kinde sich den weisen an
und zôch ez alsô schône,
daz ime diu werlt ze lône
des gotes genâden wünschen sol.
daz verdiente er an dem weisen wol.
nu daz daz kint getoufet wart,
nâch cristenlîchem site bewart,
diu tugende rîche marschalkîn
nam aber ir liebez kindelîn
in ir vil heinlîche pflege.
si wolte wizzen alle wege
und sehen, ob ime sîn sache
stüende ze gemache.
sîn süeziu muoter leite an in
mit alsô süezem vlîze ir sin,
daz s'ime des niht engunde,
daz er ze keiner stunde
unsanfte nider getraete.
nu sî daz mit im haete
getriben unz an sîn sibende jâr,
daz er wol rede und ouch gebâr
vernemen kunde und ouch vernam,
sîn vater der marschalc in dô nam
und bevalch in einem wîsen man.
mit dem sante er in iesâ dan
durch vremede sprâche in vremediu lant.
und daz er aber al zehant
der buoche lêre an vienge
und den ouch mite gienge
von aller slahte lêre.
daz was sîn erstiu kêre
ûz sîner vrîheite.
dô trat er in daz geleite
betwungenlîcher sorgen,
die ime dâ vor verborgen
und vor behalten wâren.
in den ûf blüenden jâren,
dô al sîn wunne solte enstân,
dô er mit vröuden solte gân
in sînes lebenes begin,
dô was sîn beste leben hin.
dô er mit vröuden blüen began,
dô viel der sorgen rîfe in an,
der maneger jugent schaden tuot,
und darte im sîner vröuden bluot.
in sîner êrsten vrîheit
wart al sîn vrîheit hin geleit.
der buoche lêre und ir getwanc
was sîner sorgen anevanc.
und iedoch dô er ir began,
dô leite er sînen sin dar an
und sînen vlîz sô sêre,
daz er der buoche mêre
gelernete in sô kurzer zît
danne ie kein kint ê oder sît.
under disen zwein lernungen
der buoche unde der zungen
sô vertete er sîner stunde vil
an iegelîchem seitspil.
dâ kêrte er spâte unde vruo
sîn emezekeit sô sêre zuo,
biz er es wunder kunde.
er lernete alle stunde
hiute diz, morgen daz,
hiure wol, ze jâre baz.
über diz allez lernet er
mit dem schilte und mit dem sper
behendeclîche rîten,
daz ors ze beiden sîten
bescheidenlîche rüeren,
von sprunge ez vreche vüeren,
turnieren und leisieren,
mit schenkeln sambelieren
rehte und nâch ritterlîchem site.
hie bankete er sich ofte mite.
wol schirmen, starke ringen,
wol loufen, sêre springen,
dar zuo schiezen den schaft,
daz tete er wol nâch sîner craft.
ouch hoere wir diz maere sagen,
ezn gelernete birsen unde jagen
nie kein man sô wol sô er,
ez waere dirre oder der.
aller hande hovespil
diu tete er wol und kunde ir vil.
ouch was er an dem lîbe,
daz jungelinc von wîbe
nie saeleclîcher wart geborn.
sîn dinc was allez ûz erkorn
beide an dem muote und an den siten.
nu was aber diu saelde undersniten
mit werndem schaden, als ich ez las,
wan er leider arbeitsaelic was.
nu sîn vierzehende jâr vür kam,
der marschalc in hin heim dô nam
und hiez in z'allen zîten
varn unde rîten,
erkunnen liute unde lant,
durch daz im rehte würde erkant,
wie des landes site waere.
diz tete der lobebaere
sô lobelîchen unde alsô,
daz in den zîten unde dô
in allem dem rîche
nie kint sô tugentlîche
gelebete alse Tristan.
al diu werlt diu truog in an
vriundes ouge und holden muot,
als man dem billîche tuot
des muot niwan ze tugende stât,
der alle untugende unmaere hât.
in den zîten unde dô
kam ez von âventiure alsô,
daz von Norwaege über sê
ein koufschif unde dekeinez mê
in daz lant ze Parmenîe kam
und sîn gelende dâ genam
und ûz gestiez ze Canoêl
vür daz selbe castêl,
dâ der marschalc ze staete
sîn wesen ûfe haete
und sîn junchêrre Tristan.
nu daz die vremeden koufman
ir market haeten ûz geleit,
vil schiere wart ze hove geseit,
waz dâ koufrâtes waere.
hier under kâmen maere
Tristande z'unheile:
dâ waeren valken veile
und ander schoene vederspil.
und wart des maeres alsô vil,
biz zwei des marschalkes kint
(wan kint der dinge vlîzec sint)
under in zwein wurden in ein,
daz sî Tristanden zuo z'in zwein,
ir wânbruoder, nâmen
und an ir vater kâmen
und bâten den bihanden,
daz er in durch Tristanden
der valken koufen hieze.
der edele Rûal lieze
und haete ez nôte verlân,
ez enmüese allez vür sich gân,
des sîn vriunt Tristan baete,
wan er in werder haete
und bôt ez baz im einem
dan aller der dekeinem
von lande oder von gesinde.
sîner eigenen kinde
was er sô vlîzec niht sô sîn.
dar an tete er der werlde schîn,
wie vollekomener triuwe er pflac,
waz tugende und êren an im lac.
er stuont ûf unde nam zehant
sînen sun Tristanden an die hant
nâch vil vaterlîchem site.
sîn ander süne giengen mite
und dar zuo hovegesindes vil,
die sô durch ernest sô durch spil
in volgeten unz an den kiel.
und swaz ieman dâ geviel,
dâ in sîn wille zuo getruoc,
des vant er umbe kouf genuoc.
kleinoede, sîden, edele wât:
des was dâ rât über rât.
ouch was dâ schoene vederspil,
valken pilgerîne vil,
smirlîne und sperwaere,
habeche mûzaere
und ouch in rôten vederen:
von disen ietwederen
vant man vollen market dâ.
Tristande hiez man koufen sâ
valken unde smirlîn.
die sîne bruoder solten sîn,
den wart ouch dâ gekouft durch in.
man gewan in allen drin,
swes iegelîcher gerte.
nu man sî dô gewerte
alles, des sî wolten,
und dannen kêren solten,
von âventiure ez dô geschach,
daz Tristan in dem schiffe ersach
ein schâchzabel hangen,
an brete und an den spangen
vil schône und wol gezieret,
ze wunsche gefeitieret.
dâ bî hienc ein gesteine
von edelem helfenbeine
ergraben wol meisterlîche.
Tristan der tugende rîche
der sach ez vlîzeclîchen an.
«ei» sprach er «edelen koufman,
sô helfe iu got! und kunnet ir
schâchzabelspil? daz saget mir!»
und sprach daz in ir zungen.
nu sâhen sî den jungen
aber noch vlîzeclîcher an,
dô er ir sprâche reden began,
die lützel ieman kunde dâ.
sus begunden s'an dem jungen sâ
merken elliu sîniu dinc.
nun gedûhte sî nie jungelinc
sô saeleclîche sîn getân
noch alsô schoene site hân.
«jâ» sprach ir einer «vriunt, ir ist
under uns genuoc, die disen list
wol kunnen; wellet ir'z besehen,
sô mag ez harte wol geschehen.
wol her, sô wil ich iuch bestân!»
Tristan der sprach: «diz sî getân!»
suz sâzen sî zwêne über daz spil.
der marschalc sprach: «Tristan, ich wil
wider ûf ze herbergen gân.
wiltû, du maht wol hie bestân.
mîn ander süne die gên mit mir.
sô sî dîn meister hie bî dir,
der neme dîn war und hüete dîn.»
sus gie der marschalc wider în
und sîn liut al gemeine
niwan Tristan al eine
und sîn meister, der sîn pflac,
von dem ich iu wol sagen mac
vür wâr, als uns diz maere seit,
daz knappe nie von höfscheit
und von edeles herzen art
baz noch schôner geedelt wart;
und was der Curvenal genant.
er haete manege tugende erkant,
als er dem wol ze lêre zam,
der ouch von sîner lêre nam
vil manegiu tugentlîchiu dinc.
der tugende rîche jungelinc,
der wol gezogene Tristan
saz unde spilte vür sich an
sô schône und sô höfschlîche,
daz in gemeinlîche
die vremeden aber an sâhen
und in ir herzen jâhen,
sine gesaehen nie dekeine jugent
gezieret mit sô maneger tugent.
swaz vuoge er aber an der stete
mit gebaerden oder mit spil getete,
daz was in dâ wider alse ein wint:
si nam des wunder, daz ein kint
sô manege sprâche kunde;
die vluzzen ime ze munde,
daz sî'z ê nie vernâmen,
an swelhe stat sî ie kâmen.
der höfsche hovebaere
lie sîniu hovemaere
und vremediu zabelwortelîn
under wîlen vliegen în.
diu sprach er wol und kunde ir vil,
dâ mite sô zierte er in sîn spil.
ouch sang er wol ze prîse
schanzûne und spaehe wîse,
refloit und stampenîe.
alsolher cûrtôsîe
treip er vil und sô vil an,
biz aber die werbenden man
ze râte wurden under in:
kunden s'in iemer bringen hin
mit keiner slahte sinnen,
sî möhten sîn gewinnen
grôzen vrumen und êre.
und biten ouch dô nimêre:
sî gebuten ir ruoderaeren,
daz sî bereite waeren,
und zugen sî selbe ir anker în,
als ez der rede niht solte sîn.
si stiezen an und vuoren dan:
sô lîse, daz es Tristan
noch Curvenal nie wart gewar,
biz sî si haeten von dem var
wol eine grôze mîle brâht.
wan jene die wâren verdâht
an ir spil sô sêre,
daz sî dô nihtes mêre
niwan ir spîles gedâhten.
nu sî'z dô vollebrâhten,
sô daz Tristan daz spil gewan,
und er sich umbe sehen began,
dô sach er wol, wie'z was gevarn.
nune gesâhet ir nie muoterbarn
sô rehte leidegen als in.
ûf sprang er und stuont under in.
«ach» sprach er «edelen koufman,
durch got waz gât ir mit mir an?
saget, wâ welt ir mich hin?»
«seht, vriunt» sprach einer under in
«diz enmac nu nieman bewarn,
ir enmüezet hinnen mit uns varn.
gehabet iuch et wol und sît vrô!»
Tristan der arme der huop dô
sô jaemerlîchez clagen an,
daz Curvenal sîn vriunt began
mit ime von herzen weinen
und solhe clage erscheinen,
daz al daz kielgesinde
von ime und von dem kinde
unmuotic wart und sêre unvrô.
Curvenâlen satzten sî dô
in ein vil cleine schiffelîn
und leiten zuo z'ime dar în
ein ruoder unde ein cleine brôt
zer verte und zer hungers nôt
und sprâchen, daz er kêrte,
swar in sîn muot gelêrte.
Tristan der müese hin mit in.
mit der rede vuoren si hin
und liezen in dâ swebenden,
in manegen sorgen lebenden.
Curvenal swebete ûf dem sê.
in manegen wîs sô was im wê:
wê umbe daz michel ungemach,
daz er an Tristande sach;
wê umbe sîn selbes nôt,
durch daz er vorhte den tôt,
wan er niht varn kunde
noch es nie dâ vor begunde.
und clagende sprach er wider sich:
«got hêrre, wie gewirbe ich?
ine wart alsus besorget nie.
nu bin ich âne liute hie
und enkan ouch selbe niht gevarn.
got hêrre, dû solt mich bewarn
und mîn geverte hinnen sîn!
ich wil ûf die genâde dîn,
des ich nie began, beginnen.
wis mîn geleite hinnen!»
hie mite greif er sîn ruoder an.
in gotes namen vuor er dan
und kam in kurzer stunde,
als es im got gegunde,
wider heim und seite maere,
wie ez gevaren waere.
der marschalc und sîn saelic wîp
diu beidiu leiten an ir lîp
sô jaemerlîche clagenôt,
und waere er vor ir ougen tôt,
daz in diu selbe swaere
niht nâher gangen waere.
sus giengen sî dô beide
in ir gemeinem leide
und al ir ingesinde
nâch ir verlornem kinde
weinen ûf des meres stat.
manec zunge dâ mit triuwen bat,
daz got sîn helfe waere.
dâ wart manic clagemaere.
ir clage was sus, ir clage was sô.
und alse ez an den abent dô
und an ein scheiden muose gân,
ir clage, diu ê was undertân,
diu wart dô gar einbaere.
si triben dô niwan ein maere,
si riefen hie, si riefen dort
niht anders wan daz eine wort:
«bêâs Tristant, cûrtois Tristant,
tun cors, ta vie a dê commant!
dîn schoener lîp, dîn süeze leben
daz sî hiute gote ergeben!»
in disen dingen vuorten in
die Norwaegen allez hin
und haeten ez alsô bedâht,
si haeten an im vollebrâht
ir willen allen unde ir ger.
dô widerschuof ez allez der,
der elliu dinc beslihtet,
beslihtende berihtet,
dem winde, mer und elliu craft
bibenende sint dienesthaft.
als der wolte unde der gebot,
dô huop sich ein sô michel nôt
von sturmwetere ûf dem sê,
daz s'alle samet in selben mê
enmohten niht ze staten gestân,
wan daz s'et ir schif liezen gân,
dar ez die wilden winde triben,
und si selbe âne trôst beliben
umbe ir lîp und umbe ir leben.
si haeten sich mitalle ergeben
an die vil armen stiure,
diu dâ heizet âventiure.
si liezen ez an die geschiht,
weder si genaesen oder niht.
wan ir dinges was nimê,
wan daz si mit dem wilden sê
ûf als in den himel stigen
und iesâ wider nider sigen
als in daz abgründe.
si triben die tobenden ünde
wîlent ûf und wîlent nider,
iezuo dar und iesâ wider.
ir aller keiner kunde
noch enmohte keine stunde
ûf sînen vüezen gestân.
alsus sô was ir leben getân
wol ahte tage und ahte naht.
hie von sô haeten s'alle ir maht
vil nâch verlorn unde ir sin.
nu sprach ir einer under in:
«ir hêrren alle, sammir got,
mich dunket, diz sî gotes gebot
umbe unser angestlîchez leben.
daz wir sô kûme lebende sweben
in disen tobenden ünden,
deist niuwan von den sünden
und von den untriuwen komen,
daz wir Tristanden hân genomen
sînen vriunden rouplîche.»
«jâ» sprâchen s'al gelîche
«sich, dû hâst wâr, im ist alsô.»
hie mite berieten sî sich dô:
möhten sî stille vinden
an wazzer unde an winden,
daz sî ze stade gestiezen,
daz sî'n vil gerne liezen
vrîliche, swar er wolte, gân.
und iesâ dô diz was getân,
daz diz ir aller wille wart,
dô wart ir kumberlîchiu vart
gesenftet an der stunde.
wint unde wac begunde
sich sâ zerloesen und zerlân,
daz mer begunde nider gân,
diu sunne schînen liehte als ê.
hie mite enbiten s'ouch dô nimê,
wan der wint haete sî geslagen
innerthalp den ahte tagen
in daz lant ze Curnewâle
und wâren zuo dem mâle
bî dem stade sô nâhen,
daz sî'n bereite sâhen,
und stiezen ûz ze lande aldâ.
Tristanden nâmen si sâ
und satzten den ûz an daz lant
und gâben ime brôt an die hant
und anderre ir spîse ein teil.
«vriunt» sprâchen sî «got gebe dir heil
und müeze dînes lîbes pflegen!»
hie mite sô buten s'im alle ir segen
und kêrten iesâ wider dan.
nu wie gewarp dô Tristan?
Tristan der ellende? jâ,
dâ saz er unde weinde aldâ;
wan kint kunnen anders niht
niwan weinen, alse in iht geschiht.
der trôstlôse ellende
der vielt ûf sîne hende
ze gote vil inneclîche:
«ei» sprach er «got der rîche,
sô rîche dû genâden bist,
sô vil güete als an dir ist,
vil süezer got, sô bite ich dich,
daz dû genâde wider mich
und dîne güete noch begâst,
sît daz du des verhenget hâst,
daz ich alsus vervüeret bin.
und wîse mich doch noch dâ hin,
dâ ich bî liuten müge gesîn!
nu warte ich allenthalben mîn
und sihe niht lebendes umbe mich.
dise grôze wilde die vürht ich.
swar ich mîn ougen wende,
da ist mir der werlde ein ende.
swâ ich mich hin gekêre,
dane sihe ich ie nimêre
niwan ein toup gevilde
und wüeste unde wilde,
wilde velse und wilden sê.
disiu vorhte tuot mir wê.
über daz allez sô vürhte ich,
wolve unde tier diu vrezzen mich,
swelhen enden ich gekêre.
ouch sîget der tac sêre
gegen der abentzîte.
swaz ich nu mê gebîte,
daz ich von hinnen niht engân,
daz ist vil übele getân.
ich enîle hinnen balde,
ich benahte in disem walde
und enwirt mîn danne niemer rât.
nu sihe ich, daz hie bî mir stât
hôher velse und berge vil.
ich waene, ich ûf ir einen wil
climmen, ob ich iemer mac,
und sehen, die wîle ich hân den tac,
ob keiner slahte bû hie sî
eintweder verre oder nâhen bî,
dâ ich liute vinde,
ze den ich mich gesinde,
mit den ich aber vürbaz genese,
in swelher wîse ez danne wese.»
sus stuont er ûf und kêrte dan.
roc unde mantel haete er an
von einem pfelle, der was rîch
und an gewürhte wunderlîch.
er was von Sarrazînen
mit cleinen bortelînen
in vremedeclîchem prîse
nâch heidenischer wîse
wol underworht und underbriten
und was der alsô wol gesniten
nâch sînem schoenem lîbe,
daz von manne noch von wîbe
enwurden edeler cleider nie
baz gesniten danne die.
dar zuo seit uns daz maere,
der selbe pfelle er waere
ingrüener danne ein meiesch gras,
und dâ mit er gevüllet was,
daz was sô rehte wîz hermîn,
daz ez niht wîzer kunde sîn.
hie mite bereitet er sich dô
weinende unde sêre unvrô
ûf sîne kumberlîche vart,
dô ime diu vart unwendic wart.
under sînen gürtel zôher
sînen roc ein lützel hôher.
den mantel wand er in ein
und leite in ûf sîn ahselbein
und streich ûf gein der wilde
durch walt und durch gevilde.
ern haete weder wec noch pfat,
wan alse er selbe getrat.
mit sînen vüezen wegeter,
mit sînen handen stegeter.
er reit sîn arme und sîniu bein.
über stoc und über stein
wider berc er allez clam,
unz er ûf eine hoehe kam.
dâ vand er von geschihte
einen waltstîc âne slihte
mit grase verwahsen unde smal.
den kêrte er anderhalp ze tal:
er trüege in eine rihte hin.
in kurzer wîle brâhte er in
ûf eine schoene strâze,
diu was ze guoter mâze
breit unde geriten hin unde her.
an dem selben wege saz er
durch ruowe weinende nider.
nu truog in ie sîn herze wider
zen vriunden und zem lande,
dâ er die liute erkande.
diz truog in grôzen jâmer an.
vil jaemerlîche er aber began
ze gote clagen sîn ungemach;
ze himel er inneclîche sach:
«got» sprach er «hêrre guoter,
mîn vater und mîn muoter
wie hânt si mich alsus verlorn!
owê wie wol haete ich verborn
mîn veigez schâchzabelspil,
daz ich iemer hazzen wil!
sperwaere, valken, smirlîn
die lâze got unsaelic sîn!
die hânt mich mînem vater benomen,
von der schulden bin ich komen
von vriunden und von kunden.
und alle, die mir gunden
gelückes unde guotes,
die sint nu swaeres muotes
und sêre trûric umbe mich.
â süeziu muoter, wie du dich
mit clage nu quelest, daz weiz ich wol.
vater, dîn herze ist leides vol.
ich weiz wol, ir sît beide
sêre überladen mit leide.
und ouwê hêrre, wiste ich doch,
daz ir daz wistet, daz ich noch
mit wol gesundem lîbe lebe,
daz waere ein michel gotes gebe
iu beiden unde dâ nâch mir.
wan zwâre ich weiz vil wol, daz ir
kûme oder niemer werdet vrô,
ezn gevüege danne got alsô,
daz ir bevindet, daz ich lebe.
aller sorgaere râtgebe,
got hêrre, nû gevüege daz!»
under diu dô er sô saz
clagende, als ich gesaget hân,
dô gesach er zuo von verren gân
zwêne alte wallaere.
die wâren gote gebaere,
getaget unde gejâret.
gebartet unde gehâret,
alsô diu wâren gotes kint
und wallaere dicke sint.
die selben wallenden man
die truogen unde haeten an
lînkappen unde solhe wât,
diu wallaeren rehte stât,
und ûzen an ir waete
mermuschelen genaete
und vremeder zeichen genuoc.
ir ietwederer der truoc
einen wallestap an sîner hant.
ir hüete unde ir beingewant
daz stuont wol nâch ir rehte.
die selben gotes knehte
die truogen an ir schenkelen
lînhosen, die ob ir enkelen
wol einer hende erwunden,
nâhe an ir bein gebunden.
vüeze und enkele wâren blôz
vür den trit und vür den stôz.
ouch truogen s'über ir ruckebein,
dar an ir riuwic leben schein,
geistlîche stênde palmen.
ir gebet unde ir salmen
und swaz si guotes kunden,
daz lâsen s'an den stunden.
Tristan dâ mite und er s'ersach,
vorhtlîche er wider sich selben sprach:
«genaedeclîcher trehtîn,
welch rât gewirdet aber nu mîn?
jene zwêne man, die dort her gânt,
ist daz sî mich ersehen hânt,
die mugen mich aber wol vâhen.»
nu s'ime begunden nâhen
und er ir dinc erkande
an staben und an gewande,
zehant erkande er wol ir leben
und begunde im selben herze geben.
sîn gemüete wart ein lützel vrô.
ûz vollem herzen sprach er dô:
«lop dich, hêrre trehtîn!
diz mugen wol guote liute sîn;
ine darf kein angest von in haben.»
vil schiere wart, daz sî den knaben
vor in sitzen sâhen.
nu s'ime begunden nâhen,
höfschlîche er ûf gein in spranc,
sîne schoene hende er vür sich twanc.
nu begunden in die zwêne man
vil vlîzeclîche sehen an
und nâmen sîner zühte war.
guotlîche giengen si dar
und gruozten in vil suoze
mit disem süezen gruoze:
«dêu sal, bêâs amîs!
vil lieber vriunt, swer sô du sîs,
got müeze dich gehalten.»
Tristan geneic den alten:
«ei» sprach er «dê benîe
si sainte companîe!
sus heilege geselleschaft
die gesegene got mit sîner craft!»
aber sprâchen ime die zwêne zuo:
«vil liebez kint, wannen bist duo
oder wer hât dich dâ her brâht?»
Tristan der was vil wol bedâht
und sinnesam von sînen tagen,
er begunde in vremediu maere sagen:
«saelegen hêrren» sprach er z'in
«von disem lande ich bürtic bin
und solte rîten hiute,
ich und ander liute,
jagen ûf disem walde alhie.
do entreit ich, ine weiz selbe wie,
den jegeren unde den hunden.
die die waltstîge kunden,
die gevuoren alle baz dan ich.
wan âne stîc verreit ich mich,
unz daz ich gar verirret wart.
sus traf ich eine veige vart,
diu truoc mich unz ûf einen graben,
dane kunde ich mîn pfert nie gehaben,
ezn wolte allez nider vür sich.
ze jungest gelac pfert und ich
beidiu z'einem hûfen nider.
done kunde ich nie sô schiere wider
ze mînem stegereife komen,
ezn haete mir den zügel genomen
und lief allez den walt în.
sus kam ich an diz pfedelîn,
daz hât mich unz her getragen.
nu enkan ich nieman gesagen,
wâ ich bin oder war ich sol.
nu guoten liute, tuot sô wol
und saget mir, wâ welt ir hin?»
«vriunt» sprâchen sî dô wider in
«geruochet unser trehtîn,
sô welle wir noch hînaht sîn
ze Tintajêle in der stat.»
Tristan guotlîche sî dô bat,
daz sî'n mit in dar liezen gân.
«vil liebez kint, daz sî getân»
sprâchen die wallenden man
«wil dû dâ hin, sô kêre dan.»
Tristan der kêrte mit in hin.
hie mite sô huop sich under in
maneger slahte maere.
Tristan der hovebaere
der was mit rede alsô gewar,
si vrâgeten her oder dar,
daz er des alles antwurt bôt
niwan ze staten und ze nôt.
er haete sîne mâze
an rede und an gelâze
sô wol, daz es die wîsen,
die getageten und die grîsen
ze grôzen saelden jâhen
und aber ie baz besâhen
sîne gebaerde und sîne site
und sînen schoenen lîp dâ mite;
sîniu cleider, diu er an truoc,
diu gemarcten sî genuoc,
durch daz si wâren sêre rîch
und an gewürhte wunderlîch.
und sprâchen in ir muote:
«â hêrre got der guote,
wer oder wannen ist diz kint,
des site sô rehte schoene sint?»
sus giengen sî'n betrahtende
und allez sîn dinc ahtende
(diz was ir kurzewîle)
wol eine welsche mîle.
nu kam ez in kurzer stunde:
sînes oeheimes hunde,
markes von Curnewâle,
die haeten zuo dem mâle,
als uns daz wâre maere saget,
einen zîtegen hirz gejaget
zuo der strâze nâhen.
dâ liez er sich ergâhen
und stuont aldâ ze bîle.
im haete vluht und île
alle sîne craft benomen.
nu wâren ouch die jegere komen
mit michelem geschelle
hürnende zuo gevelle.
Tristan dô er den bîl ersach,
wider die pilgerîne er sprach
wîslîche, als er wol kunde:
«ir hêrren, dise hunde,
disen hirz und dise liute,
die verlôs ich hiute.
nu hân ich s'aber vunden.
diz sint mîne kunden.
gebietet mir, ze den wil ich.»
«kint» sprâchen sî «got segene dich.
ze saelden müezest dû gevarn!»
«genâde, und got müez iuch bewarn!»
sprach aber der guote Tristan.
sus neig er in und kêrte dan
gein dem hirze ûf sîne vart.
nu daz der hirz gevellet wart,
der dâ jegermeister was,
der stracte in nider ûf daz gras
ûf alle viere alsam ein swîn:
«wie nû meister, waz sol diz sîn?»
sprach aber der höfsche Tristan:
«lât stân! durch got, waz gât ir an?
wer gesach ie hirz zewürken sô?»
der jeger stuont ûf hôher dô;
er sach in an und sprach im zuo:
«wie wiltu kint, daz ich im tuo?
hie ze lande enist kein ander list,
wan alse der hirz enthiutet ist,
sô spaltet man in über al
von dem houbete ze tal
und dâ nâch danne in viere,
sô daz der vier quartiere
dekeinez iht vil groezer sî
danne daz ander dâ bî.
diz ist in disem lande site.
kint, kanstu ihtes iht dâ mite?»
«jâ meister» sprach er wider in
«daz lant, dâ ich gezogen bin,
dane ist der site niht alsô.»
«wie danne?» sprach der meister dô.
«man enbestet dâ den hirz.»
«entriuwen, vriunt, du enzeiges mir'z,
sone weiz ich, waz enbesten ist.
ez enweiz nieman disen list
in disem künicrîche hie.
sone gehôrte in ouch genennen nie
von kunden noch von gesten.
trût kint, waz ist enbesten?
als guot du sîs, nu zeige mir'z.
gâ her, enbeste disen hirz!»
Tristan sprach: «lieber meister mîn,
sol ez mit iuwern hulden sîn
und mag iu liep dar an geschehen,
sô lâze ich iuch vil gerne sehen,
als verre als ichs gemerket hân,
wie mîn lantsite ist getân,
als ir dâ vrâget umbe den bast.»
der meister sach den jungen gast
vil guotlîche lachende an,
wan er was selbe ein höfscher man
und erkante al die vuoge wol,
die guot man erkennen sol.
«jâ» sprach er «lieber vriunt, nû tuo!
wol her, bistû ze cranc derzuo,
trût geselle, liebez kint,
ich selbe und die hie mit mir sint,
wir helfen dir'n mit henden
legen und umbe wenden,
swie sô du vor gebiutest
und mit dem vinger tiutest.»
Tristan der ellende knabe
sînen mantel zôch er abe
und leite den ûf einen stoc.
er zôch hôher sînen roc;
sîn ermel vielt er vorne wider.
sîn schoene hâr daz streich er nider,
ûf sîn ôre leite er daz.
nu besâhen si'n baz unde baz,
die dâ zem baste wâren.
sîn gelâz und sîn gebâren
daz nâmen s'alle in ir muot
und dûhte sî daz also guot,
daz sî'z vil gerne sâhen
und in ir herzen jâhen,
sîn dinc waere allez edelîch,
sîniu cleider vremede unde rîch,
sîn lîp ze wunsche getân.
sî begunden alle zuo z'im gân
und sîner dinge nemen war.
nu gie der ellende dar,
der junge meister Tristan.
er greif den hirz mit handen an
und wolte in ûf den rucke legen.
done kunde er in nie dar gewegen,
wan er was ime ze swaere.
dô bat der hovebaere,
daz sî'n im rehte leiten
und ûf den bast bereiten.
nu daz was schiere getân.
zem hirze gieng er obene stân.
dâ begunde er in entwaeten,
er sneit in unde entnaeten
unden von dem mûle nider.
ze den buocbeinen kêrte er wider,
diu entrante er beide nâch ir zît,
daz rehte vor, daz linke sît.
diu zwei hufbein er dô nam
unde beschelte diu alsam.
dô begunde er die hût scheiden
von den sîten beiden,
dô von den heften über al,
al von obene hin ze tal
und breite sîne hût dô nider.
ze sînen büegen kêrte er wider.
von der brust enbaste er die,
daz er die brust dô ganze lie.
die büege leite er dort hin dan.
sîne brust er dô began
ûz dem rucke scheiden
und von den sîten beiden
ietwederhalp driu rippe dermite.
daz ist der rehte bastsite.
diu lât er iemer dar an,
der die brust geloesen kan.
und al zehant sô kêrte er her,
vil kündeclîche enbaste er
beidiu sîniu hufbein,
besunder niht wan beide in ein.
ir reht er ouch den beiden liez,
den brâten, dâ der rucke stiez
über lanken gein dem ende
wol anderhalber hende,
daz die dâ cimbre nennent,
die den bastlist erkennent.
die rieben er dô beide schiet,
beide er si von dem rucke schriet,
dar nâch den panzen ûf den pas.
und wan daz ungebaere was
sînen schoenen handen, dô sprach er:
«wol balde zwêne knehte her!
tuot diz dort hin danne baz
unde bereitet uns daz!»
sus was der hirz enbestet,
diu hût billîche entlestet.
die brust, die büege, sîten, bein,
daz haete er allez über ein
vil schône dort hin dan geleit.
hie mite sô was der bast bereit.
Tristan der ellende gast
«seht» sprach er «meister, deist der bast
und alse ist disiu kunst getan.
nu geruochet ir her nâher gân
ir unde iur massenîe
und machet die furkîe!»
«furkîe? trût kint, waz ist daz?
du nennenst mir vor, ine weiz waz.
du hâst uns disen jagelist,
der vremede und guot ze lobene ist,
wol meisterlîchen her getân.
nu lâz in ouch noch vür sich gân.
volvüere dîne meisterschaft!
wir sîn dir iemer dienesthaft.»
Tristan spranc enwec zehant.
eine zwisele hiu er an die hant,
daz die dâ furke nennent,
die die furkîe erkennent.
doch enist niht sunders an den zwein:
furke und zwisele deist al ein.
sus kam er wider mit sînem stabe.
die lebere sneit er sunder abe,
netze unde lumbele schiet er dan.
die cimberen er abe gewan
von dem lide, an dem si was.
sus saz er nider ûf daz gras,
diu stucke nam er elliu driu.
an sîne furken bant er diu
mit sînem netze vaste.
mit einem grüenen baste
verstricte er'z sus unde sô.
«nu seht, ir hêrren» sprach er dô
«diz heizent sî furkîe
in unser jegerîe.
und wan ez an der furken ist,
durch daz sô heizet dirre list
furkîe und vüeget ouch daz wol,
sît ez an der furken wesen sol.
diz neme ein kneht an sîne hant!
nu tâlanc weset ir gemant
umbe iuwer curîe.»
«curîe? dê benîe!»
sprâchen s'alle «waz ist daz?
wir vernaemen sarrazênesch baz!
waz ist curîe, lieber man?
swîc unde sage uns niht hie van.
swaz ez sî, daz lâ geschehen,
daz wir'z mit ougen ane sehen.
diz tuo durch dîne hövescheit!»
nu Tristan der was aber bereit.
den herzeric er dô gevienc
(ich meine, an dem daz herze hienc)
und enblôzte in aller sîner habe.
daz herze sneit er halbez abe
hin gegen dem spitzen ende
und nam ez in sîne hende.
er begunde ez teilieren,
in criuzewîs zevieren
und warf daz ûf die hût nider.
ze sîme ricke kêrte er wider.
milz unde lungen lôste er abe.
dô was si hin des rickes habe.
nu daz lac ûf der hiute dâ,
ric unde gorgen sneit er sâ
obene, dâ diu brust da want.
daz houbet lôste er al zehant
mit dem gehürne von dem cragen
und hiez daz zuo der brüste tragen.
«nu wol her balde!» sprach er z'in
«nemt balde disen rucke hin!
kome ieman armer liute her,
der es geruoche oder ger,
dem teilet disen rucke mite
oder tuot dermite nâch iuwerm site.
sô mache ich die curîe.»
dar gie diu cumpanîe
und nâmen sîner künste war.
Tristan hiez im bringen dar,
daz er im ê bereiten bat.
nu daz lac allez an der stat
wol gemachet unde bereit,
als er in haete vor geseit.
nû wâren der quartiere
von dem herzen viere
vier halben ûf die hût geleit
nâch jegelîcher gewonheit
und lâgen ûf der hiute alsô.
milz unde lungen sneit er dô,
dar nâch den panzen unde den pas
und swaz der hunde spîse was,
in alsô cleiniu stuckelîn,
als ez ein vuoge mohte sîn,
und spreite ez allez ûf die hût.
hie mite begunde er überlût
den hunden ruofen: «zâ zâ zâ!»
vil schiere wâren s'alle dâ
und stuonden ob ir spîse.
«seht» sprach der wortwîse
«diz heizent sî curîe
dâ heime in Parmenîe
und wil iu sagen umbe waz.
ez heizet curîe umbe daz,
durch daz ez ûf der cuire lît,
swaz man den hunden danne gît.
als hât diu jegerîe
den selben namen curîe
von cuire vunden unde genomen.
von cuire sô ist curîe komen.
und zwâre ez wart den hunden
ze guoten dingen vunden
und ist ein guot gewonheit,
wan swaz man in dar ûf geleit,
daz ist in süeze durch daz bluot
und machet ouch die hunde guot.
nu sehet an disen bastsite,
da enist kein ander spaehe mite.
nemt war, wie er iu gevalle.»
«â hêrre!» sprâchen s'alle
«waz seistu, saeligez kint?
wir sehen wol, dise liste sint
bracken unde hunden
ze grôzen vrumen vunden.»
aber sprach der guote Tristan:
«nu nemet iuwer hût hin dan,
wan ine kan hie mite niht baz.
und wizzet waerlîche daz,
kund ich iu baz gedienet hân,
daz haete ich gerne getân.
der man der houwe sîne wit
und widet ûf sunder iuriu lit.
daz houbet vüeret an der hant
und bringet iuwern prîsant
ze hove nâch hovelîchem site.
dâ hovet ir iuch selben mite.
sô wizzet ouch ir selbe wol,
wie man den hirz prîsanten sol.
prîsantet in ze rehte!»
den meister und die knehte
die nam aber dô wunder,
daz in daz kint besunder
und mit bescheidenheite
sô manc jagereht vür leite
und daz ez sô vil wiste
von sus getânem liste.
«sich» sprâchen sî «saeligez kint!
diu wunderlîchen underbint,
diu du uns vür zelst und hâst gezalt,
diu dunkent uns sô manicvalt:
wirn sehen sî noch baz z'ende gân,
swaz dû biz dâ her hâst getân,
daz ahte wir ze nihte.»
sus zugen s'ime enrihte
ein pferit dar und bâten in,
daz er durch sîne tugent mit in
nâch sîner kunst ze hove rite
und er si sînen lantsite
unz an ein ende lieze sehen.
Tristan sprach: «daz mac wol geschehen.
nemet den hirz ûf und wol hin!»
sus saz er ûf und reit mit in.
nu s'also mit ein ander riten,
nu haeten jene vil kûme erbiten
der state unde der stunde.
ir iegelîch begunde
entwerfen sîniu maere,
von welhem lande er waere
und wie er dâ hin waere komen.
sî haeten gerne vernomen
sîn dinc und sîn ahte.
diz nam in sîne trahte
der sinnesame Tristan.
vil sinneclîche er aber began
sîn âventiure vinden.
sîn rede diu enwas kinden
niht gelîch noch sus noch sô.
vil sinneclîche sprach er dô:
«jensît Britanje lît ein lant,
deist Parmenîe genant.
dâ ist mîn vater ein koufman,
der wol nâch sîner ahte kan
der werlde leben schône unde wol,
ich meine aber, alse ein koufman sol.
und wizzet endeclîche:
ern ist doch niht sô rîche
der habe unde des guotes
sô tugentlîches muotes.
der hiez mich lêren, daz ich kan.
nû kâmen dicke koufman
von vremeden künicrîchen dar.
der dinges nam ich sô vil war
beide an ir sprâche und an ir siten,
unz mich mîn muot begunde biten
und schünden staeteclîche
in vremediu künicrîche.
und wan ich gerne haete erkant
unkunde liute und vremediu lant,
dô was ich spâte unde vruo
alsô betrahtic dar zuo,
biz daz ich mînem vater entran
und vuor mit koufliuten dan.
als bin ich her ze lande komen.
nu habet ir al mîn dinc vernomen.
ine weiz, wie'z iu gevalle.»
«â trût kint» sprâchen s'alle
«ez was an dir ein edeler muot.
unkünde ist manegem herzen guot
und lêret maneger hande tugent.
trût geselle, süeziu jugent,
gebenedîet sî daz lant
von gote, dâ ie kein marschant
erzôch sô tugentlîchez kint!
alle die künege, die nu sint,
dien erzügen alle ein kint niht baz.
nu liebez kint, nu sage uns daz:
dîn höfscher vater wie nante er dich?»
«Tristan» sprach er «Tristan heiz ich.»
«dêus adjût» sprach einer dô
«durch got, wie nante er dich dô sô?
du waerest zwâre baz genant
juvente bêle et la riant,
diu schoene jugent, diu lachende.»
sus riten s'ir maere machende,
dirre sus und jener sô.
ir kurzewîle diu was dô
niwan mit disem kinde.
sus vrâgete daz gesinde,
swes iegelîchen dô gezam.
in kurzen zîten ez dô kam,
Tristan daz er die burc gesach.
von einer linden er dô brach
zwei schapel wol geloubet:
eines sazte er ûf sîn houbet,
daz ander er dô wîter maz;
dem jegermeister bôt er daz:
«ei» sprach er «lieber meister mîn,
saget waz bürge mag diz sîn?
diz ist ein küniclîch castêl.»
der meister sprach: «deist Tintajêl.»
«Tintajêl? â welh ein castêl!
dê te saut, Tintajêl
und allez dîn gesinde!»
«â wol dir süezem kinde!»
sprâchen sîne geverten dô
«wis iemer saelic unde vrô
und dir müez alse wol geschehen,
als vil gerne wir'z gesehen!»
sus kâmen sî zem bürgetor.
Tristan gehabete dô dâ vor.
«ir hêrren» sprach er aber dô z'in
«ine weiz, wan ich iu vremede bin,
wie iuwer keiner ist genamet.
wan varn ie zwêne und zwêne samet
und rîtet rehte ein ander bî,
alse der hirz geschaffen sî.
daz gehürne daz gê vor,
diu brust dâ nâch in sînem spor,
die rieben nâch den büegen.
dâ nâch sô sult ir vüegen,
daz daz jungeste lit
iesâ den rieben volge mit.
dâ nâch sô sult ir nemen war,
daz allerjungeste var
diu cuire und diu furkîe.
deist rehtiu jegerîe.
und lâzet iu niht sîn ze gâch,
rîtet schône ein ander nâch.
mîn meister hie und ich sîn kneht
wir rîten samet, dunk ez iuch reht
und ob ez iu gevalle.»
«jâ trût kint» sprâchen s'alle
«swie sô du wilt, als wellen wir.»
«diz sî!» sprach er «nu lîhet mir
ein horn, daz mir ze mâze sî,
und sît ouch des gemant dâ bî,
swenn ich an hebe, sô hoeret mir,
und alse ich hürne, als hürnet ir!»
der meister der sprach ime dô zuo:
«vil lieber vriunt, hürne unde tuo
rehte als dir gevalle.
des volge wir dir alle,
ich und die hie mit mir sint.»
«â bon eure» sprach daz kint
«mit guote, daz lât alsô sîn.»
ein cleine hellez hornelîn
daz gâben s'ime an sîne hant.
«nû hin!» sprach er «allez avant!»
sus riten si gerottieret în,
zwêne unde zwêne: als solte ez sîn.
und als diu rotte gar în kam,
Tristan sîn hornelîn dô nam
und hürnete alsô rîche
und alsô wunneclîche,
jene alle, die dâ mit im riten,
daz die vor vröuden kûme erbiten,
daz s'ime ze helfe kâmen
und alle ir horn nâmen
und hürneten vil schône
mit ime in sîme dône.
er vuor in vor ze prîse,
si nâch in sîner wîse
bescheidenlîchen unde wol.
diu burc diu wart gedoenes vol.
der künic und al diu hovediet,
dô sî daz vremede jageliet
gehôrten und vernâmen,
si erschrâken unde erkâmen
vil inneclîche sêre,
wan ez dâ vor nie mêre
dâ ze hove wart vernomen.
nu was diu rotte iezuo komen
vür den palas an die tür.
dâ was vil ingesindes vür
geloufen durch den hornschal.
si nam grôz wunder über al,
waz des geschelles waere.
ouch was der lobebaere
marke selbe komen dar
nemen dirre maere war
und mit im manic cûrtois man.
nu Tristan den künic sehen began,
er begunde im wol gevallen
vor den andern allen.
sîn herze in sunder ûz erlas,
wan er von sînem bluote was.
diu natiure zôch in dar.
er nam sîn mit den ougen war
und begunde in grüezen schône.
in vremedem horndône
ein ander wîse huob er an.
sô lûte er hürnen began,
daz im nieman an der stunde
wol gevolgen kunde.
nu des was schiere ein ende.
der wol gezogen ellende
der lie sîn hürnen unde sweic.
vil schône er gein dem künege neic
und sprach mit süezem munde
vil suoze, als er wol kunde:
«dêu sal le roi et sa mehnîe.
künec und sîne massenîe
die gehalte got der guote!»
marke der wol gemuote
und al sîn ingesinde
die danketen dem kinde
vil tugentlîchen unde wol,
als man dem tugenthaften sol.
«â!» sprâchen s'al gemeine
grôze unde cleine,
«dê duin dûze âventûre
si dûze crêatûre:
got gebe süeze âventiure
sô süezer crêatiure!»
der künec der nam des kindes war.
den jeger den besande er dar:
«sag an» sprach er «wer ist diz kint,
des wort sô wol besniten sind?»
«â hêrre, ez ist ein Parmenois
sô wunderlîchen cûrtois
und alsô rehte tugentsam,
daz ich'z an kinde nie vernam,
und giht, er heize Tristan
und sî sîn vater ein koufman.
in geloube ez aber niemer.
wie haete ein koufman iemer
in sîner unmüezekeit
sô grôze muoze an in geleit?
solt er die muoze mit im hân,
der sich unmuoze sol begân?
â hêrre, er ist sô tugenthaft.
seht, dise niuwe meisterschaft,
als wir nû ze hove sîn komen,
die habe wir gar von ime genomen.
und hoeret wunderlîchen list:
rehte alse der hirz geschaffen ist,
als ist er her ze hove brâht.
wâ wart ie list sô wol bedâht?
nu seht, daz houbet daz gât vor,
diu brust dâ nâch in sînem spor,
büege unde bein, diz unde daz,
daz wart schôner unde baz
ze hove geprîsantet nie.
seht dort, gesâhet ir ie
sus gemachete furkîe?
ine vernam von jegerîe
solher liste nie niht mê.
dâ zuo liez er uns sehen ê,
wie man den hirz enbesten sol.
diu kunst gevellet mir sô wol,
daz ich niemer hirz noch tier
gehouwen wil in vier quartier,
und solte ich iemer mêre jagen.»
sus begunde er sînem hêrren sagen
von ende sîniu maere,
wie vollekomen er waere
an höfscher jegerîe
und wie er die curîe
den hunden vür leite.
und swaz der jeger seite,
des nam der künec vil guote war
und hiez dem kinde ruofen dar,
die jegere ze herbergen varn,
ir ambet unde ir dinc bewarn.
die kêrten umbe und riten dan.
der jegermeister Tristan
der gap sîn hornelîn dâ wider
und erbeizete zuo der erde nider.
daz junge hovegesinde
daz lief engegen dem kinde
und condewierte ez schône
under armen vür die crône.
ouch kunde er selbe schône gân.
dar zuo was ime der lîp getân,
als ez diu Minne gebôt.
sîn munt was rehte rôsenrôt,
sîn varwe lieht, sîn ougen clâr.
brûnreideloht was ime daz hâr,
gecrûspet bî dem ende.
sîn arme und sîne hende
wol gestellet unde blanc.
sîn lîp ze guoter mâze lanc.
sîne vüeze und sîniu bein,
dar an sîne schoene almeistic schein,
diu stuonden sô ze prîse wol,
als man'z an manne prisen sol.
sîn gewant, als ich iu hân geseit,
daz was mit grôzer höfscheit
nâch sînem lîbe gesniten.
an gebaerde unde an schoenen siten
was ime sô rehte wol geschehen,
daz man in gerne mohte sehen.
marke sach Tristanden an:
«vriunt» sprach er «heizestû Tristan?»
«jâ hêrre, Tristan; dêu sal!»
«dêu sal, bêâs vassal!»
«mercî» sprach er «gentil rois,
edeler künic curnewalois,
ir und iur gesinde
ir sît von gotes kinde
iemer gebenedîet!»
dô wart gemerzîet
wunder von der hovediet.
si triben niwan daz eine liet:
«Tristan, Tristan li Parmenois
cum est bêâs et cum cûrtois!»
marke sprach aber Tristande zuo:
«ich sage dir, Tristan, waz du tuo.
du solt mich einer bete gewern,
der enwil ich niht von dir enbern.»
«swaz ir gebietet, hêrre mîn.»
«dû solt mîn jegermeister sîn!»
hie wart ein michel lahter van.
hier under sprach dô Tristan:
«hêrre, gebietet über mich.
swaz ir gebietet, daz bin ich.
iuwer jeger und iuwer dienestman
daz bin ich, alse ich beste kan.»
«mit guote, vriunt» sprach Marke dô
«diz ist gelobet, nu sî alsô!»
nu Tristan der ist ze hûse komen
unwizzende, alse ir habet vernomen,
und wânde doch ellende sîn.
der unverwânde vater sîn,
marke der tugende rîche
der gewarp vil tugentlîche.
ouch was des dô vil michel nôt.
er bat besunder unde gebôt
al dem hovegesinde,
daz sî dem vremedem kinde
guot unde genaedic waeren
und daz s'im êre baeren
mit rede und mit gesellekeit.
des wâren s'alle samet bereit
mit willeclîchem muote.
sus was Tristan der guote
des küneges ingesinde dô.
der sach in gerne und was sîn vrô,
wan in truog ouch sîn herze dar
und nam sîn gerne und ofte war;
wan er was z'allen zîten
höfschlîche an sîner sîten
und truog in sînen dienest an
als ofte, als er sîn state gewan.
swâ Marke was oder swar er gie,
dâ was Tristan der ander ie
und nam daz Marke wol vür guot.
er truoc im harte holden muot
und tete im wol, swenne er in sach.
in den dingen ez geschach,
innerthalp den ahte tagen
reit Marke selbe mit im jagen
und hovegesindes vil dâ mite
schouwen sînen jagesite
und sîner künste nemen war.
nu hiez im Marke bringen dar
sîn jagephert und gab im daz.
Tristan wart nie geriten baz,
wan ez was starc, schoene unde snel.
ein hornelîn süeze unde hel
hiez er im geben an sîne hant.
«Tristan» sprach er «nu wis gemant,
daz dû mîn jegermeister bist,
und zeige uns dînen jagelist.
nim dîne hunde unde var
und schicke dîne warte dar,
dâ sî dich rehte dunken stân.»
«nein hêrre, ezn mac sô nicht ergân»
sprach aber der höfsche Tristan
«heizet die jegere kêren dan,
die suln die warte sâzen
und suln von ruore lâzen.
die erkennent hie ze lande sich
und wizzent michel baz dan ich,
wâ der hirz hin ziuhet
und vor den hunden vliuhet.
die erkennent die gelegenheit.
sô bin ich, der hie nie gereit,
und bin mitalle ein vremede kneht.»
«daz weiz got, Tristan, dû hâst reht.
du enkanst dich hier an niht bewarn.
die jegere müezen selbe varn
und sich verrihten under in.»
hie mite kêrten die jegere hin
und koppelten ir hunde
und stalten an der stunde
ir warte, als sî wol wisten wâ,
und liezen z'einem hirze sâ
und jageten den ze strîte
unz gein der abentzîte.
dô erliefen in die hunde.
und an der selben stunde
kam Marke und sîn Tristan
und mit in zwein manc hoveman
gerant ze dem gevelle.
dô wart grôz horngeschelle
in maneger slahte dône.
si hürneten sô schône,
daz ez Marken sanfte tete
und mit im manegem an der stete.
nu sî den hirz gevalten,
ir meister sî dar stalten,
Tristanden, den heinlîchen gast,
und bâten, daz er sî den bast
von ende z'ende lieze sehen.
Tristan der sprach: «diz sol geschehen!»
und mit der rede bereite er sich.
nu waene ich wol und dunket mich,
daz ez undurften waere,
ob ich iu zwir ein maere
nâch ein ander vür leite.
rehte alse ich iu ê seite
von jenem hirze, rehte alsô
enbaste er aber disen dô.
den bast und die furkîe,
die kunst von der curîe,
dô si die begunden sehen,
si begunden eines mundes jehen,
daz nieman von dem liste
niht bezzers enwiste
noch niemer kunde ervinden.
der künec der hiez dô binden
den hirz ûf unde kêrte dan.
er und sîn jegere Tristan
und al sîn massenîe
mit gehürne und mit furkîe
riten sî dô ze hûse wider.
als was der guote Tristan sider
ein lieber hoveman under in.
künec unde gesinde haeten in
in guoter geselleschaft.
ouch was er alsô dienesthaft
dem armen unde dem rîchen.
möhte er ir iegelîchen
ûf sîner hant getragen hân,
daz haete er gerne getân.
die saelde haete im got gegeben:
er kunde und wolte in allen leben.
lachen, tanzen, singen,
rîten, loufen, springen,
zuhten unde schallen,
daz kunde er mit in allen.
er lebete, swie man wolte
und als diu jugent solte.
swes ir dekeiner began,
daz huob er iemer mit im an.
nu gevuogete sich daz,
daz Marke an eime tage gesaz
ein lützel nâch der ezzenzît,
sô man doch kurzewîle pflît,
und losete sêre an einer stete
einem leiche, den ein harpfaere tete,
ein meister sîner liste,
der beste den man wiste.
der selbe der was ein Gâlois.
nu kam Tristan der Parmenois
und saz ze sînen vüezen dar
und nam sô vlîzeclîche war
des leiches unde der süezen noten.
waere ez im an den lîp geboten,
ern möhte ez niht verswigen hân:
sîn muot begunde im ûf gân,
sîn herze daz wart muotes vol.
«meister» sprach er «ir harpfet wol.
die noten sint rehte vür brâht,
senelîche und alse ir wart gedâht.
die macheten Britûne
von mînem hêrn Gurûne
und von sîner vriundinne.»
diz nam in sîne sinne
der harpfaere und loste allez dar,
als er der rede niht naeme war,
unz er den leich volante.
gein dem kinde er sich dô wante:
«waz weistu» sprach er «liebez kint,
von wannen dise noten sint?
kanstu ihtes iht hier an?»
«jâ schoener meister» sprach Tristan
«ich haete es hie vor meisterschaft.
nû hât ez aber sô cleine craft,
daz ich vor iu niht engetar.»
«nein vriunt, sê dise harpfen dar,
lâ hoeren, welher hande
kan man in dînem lande?»
«gebietet ir daz, meister mîn,
und sol ez mit iuwerm urloub sîn,
daz ich iu harpfe?» sprach Tristan.
«jâ trût geselle, sê harpfe an!»
als er die harpfen dô genam,
sînen handen sî vil wol gezam.
die wâren, alse ich hân gelesen,
daz sî niht schoener kunden wesen:
weich unde linde, cleine, lanc
und rehte alsam ein harm blanc.
mit den sô ruorte er unde sluoc
ursuoche und notelîne genuoc
seltsaene, süeze, guote.
hie mite wart ime ze muote
umbe sîne leiche von Britûn.
sus nam er sînen plectrûn:
nagel unde seiten zôher,
dise niderer, jene hôher,
rehte als er si wolte hân.
nu diz was schiere getân.
Tristan, der niuwe spilman,
sîn niuwez ambet huob er an
mit vlîzeclîchem ruoche.
sîne noten und sîne ursuoche,
sîne seltsaene grüeze
die harpfete er sô süeze
und machete sî schoene
mit schoenem seitgedoene,
daz iegelîcher dâ zuo lief,
dirre jenem dar nâher rief.
vil schiere kam diu hoveschar
almeistic loufende dar
und wânde niemer komen ze vruo.
nu Marke der sach allez zuo
und saz allez trahtende,
sînen vriunt Tristanden ahtende
und wunderte in des sêre,
daz er sô höfsche lêre
und alsô guote liste,
die er an im selben wiste,
alsô verhelen kunde.
nu Tristan der begunde
einen leich dô lâzen clingen în
von der vil stolzen vriundîn
Grâlandes des schoenen.
do begunde er suoze doenen
und harpfen sô ze prîse
in britûnischer wîse,
daz maneger dâ stuont unde saz,
der sîn selbes namen vergaz.
dâ begunden herze und ôren
tumben unde tôren
und ûz ir rehte wanken.
dâ wurden gedanken
in maneger wîse vür brâht.
dâ wart vil ofte gedâht:
«â saelic sî der koufman,
der ie sô höfschen sun gewan!»
jâ sîne vinger wîze
die giengen wol ze vlîze
walgende in den seiten.
si begunden doene breiten,
daz der palas voller wart.
dane wart ouch ougen niht gespart,
der kapfete vil manegez dar
und nâmen sîner hende war.
nu dirre leich der was getân:
nu hiez der guote künec dar gân
und sprach, daz man in baete,
daz er noch einen taete.
«mû voluntiers!» sprach Tristan.
rîlîche huob er aber an
einen senelîchen leich als ê
de la cûrtoise Tispê
von der alten Bâbilône.
den harpfete er sô schône
und gie den noten sô rehte mite
nâch rehte meisterlîchem site,
daz es den harpfaer wunder nam.
und alse ez ie ze staten kam,
sô lie der tugende rîche
suoze unde wunneclîche
sîne schanzûne vliegen în.
er sanc diu leichnotelîn
britûnsche und gâloise,
latînsche und franzoise
sô suoze mit dem munde,
daz nieman wizzen kunde,
wederez süezer waere
oder baz lobebaere,
sîn harpfen oder sîn singen.
sich huop von sînen dingen
und von sîner vuoge
rede unde zal genuoge.
si jâhen al gelîche,
sine vernaemen in dem rîche
an einem man die vuoge nie.
der sprach dort und dirre hie:
«â waz ist diz von kinde?
waz hân wir zuo gesinde?
ez ist allez umbe den wint,
elliu diu kint, diu nu sint,
wider unserm Tristande!»
Tristan dô der verande
sînen leich nâch sîner ger,
marke sprach: «Tristan, gâ her.
der dich dâ hât gelêret,
der sî vor gote gêret
und dû mit ime! daz ist vil wol.
dîne leiche ich gerne hoeren sol
underwîlen wider naht,
sô dû doch niht geslâfen maht.
diz tuostu wol mir unde dir.»
«jâ hêrre, wol.» «nu sage mir,
kanstû kein ander seitspil noch?»
«nein hêrre» sprach er. «nû iedoch?
rehte als lieb als ich dir sî,
Tristan, dâ vrâge ich dich es bî.»
«hêrre» sprach Tristan al zehant
«irn dörftet mich niht hân gemant
sô verre, ich seite ez iu doch wol,
sît ich'z iu doch sagen sol
und ir ez wellet wizzen.
hêrre, ich hân gevlizzen
an iegelîchem seitspil
und enkan doch keines alsô vil,
ine kunde es gerne mêre.
ouch hân ich dise lêre
niht vil manegen tac getriben
und zwâre ich bin derbî beliben
under mâlen kûme siben jâr
oder lützel mêre, daz ist wâr.
mich lêrten Parmenîen
videln und symphonîen.
harpfen unde rotten
daz lêrten mich Galotten,
zwêne meister Gâloise.
mich lêrten Britûnoise,
die wâren ûz der stat von Lût,
rehte lîren und sambjût.»
«sambjût, waz ist daz, lieber man?»
«daz beste seitspil, daz ich kan.»
«seht» sprach daz gesinde
«got der hât disem kinde
ûf rehte wunneclîchez leben
sîner genâden vil gegeben!»
marke der vrâgte in aber dô mê:
«Tristan, ich hôrte dich doch ê
britûnsch singen und gâlois,
guot latîne und franzois.
kanstû die sprâche?» «hêrre, jâ,
billîche wol.» nu kam iesâ
der hûfe dar gedrungen.
und swer iht vremeder zungen
von den bîlanden kunde,
der versuohte in sâ zestunde:
dirre sus und jener sô.
hier under antwurte er dô
höfschlîche ir aller maeren:
Norwaegen, Irlandaeren,
Almânjen, Schotten unde Tenen.
dâ begunde sich manc herze senen
nâch Tristandes vuoge.
dâ wolten genuoge
vil gerne sîn gewesen als er.
im sprach vil maneges herzen ger
suoze und inneclîche zuo:
«â Tristan, waere ich alse duo!
Tristan, dû maht gerne leben!
Tristan, dir ist der wunsch gegeben
aller der vuoge, die kein man
ze dirre werlde gehaben kan.»
ouch macheten sî hier under
mit rede michel wunder:
«hôrâ!» sprach diser, «hôrâ!» sprach der
«elliu diu werlt diu hoere her!
ein vierzehenjaerec kint
kan al die liste, die nu sint!»
der künec sprach: «Tristan, hoere her:
an dir ist allez, des ich ger.
dû kanst allez, daz ich wil:
jagen, sprâche, seitspil.
nu suln ouch wir gesellen sîn,
dû der mîn und ich der dîn.
tages sô sul wir rîten jagen,
des nahtes uns hie heime tragen
mit höfschlîchen dingen:
harpfen, videlen, singen,
daz kanstu wol, daz tuo du mir.
sô kan ich spil, daz tuon ich dir,
des ouch dîn herze lîhte gert:
schoeniu cleider unde pfert,
der gibe ich dir swie vil du wilt.
dâ mite hân ich dir wol gespilt.
sich, mîn swert und mîne sporn,
mîn armbrust und mîn guldîn horn,
geselle, daz bevilhe ich dir.
des underwint dich, des pflic mir
und wistu höfsch unde vrô!»
sus was der ellende dô
dâ ze hove ein trût gesinde.
ezn gesach nie man von kinde
die saelde, die man an im sach.
swaz er getete, swaz er gesprach,
daz dûhte und was ouch alse guot,
daz ime diu werlt holden muot
und inneclîchez herze truoc.
hie mite sî der rede genuoc.
wir suln diz maere legen nider
und grîfen aber an jenez wider,
sîn vater, der marschalc dan Rûal
li foitenant et li lêal,
waz der nâch ime getaete,
dô er'n verloren haete.
dan Rûal li foitenant
der schifte über mer zehant
mit michelem guote,
wan ime was wol ze muote,
ern wolte niemer wider komen,
ern haete eteswaz vernomen
endeclîcher maere,
wâ sîn junchêrre waere,
und stiez ze Norwaege zuo.
dâ vorschete er spâte unde vruo
in allem dem lande
nâch sînem vriunt Tristande.
waz half daz? ern was dâ niht.
al sîn suochen was ein wiht.
und alse er sîn dô niht envant,
dô kêrte er wider Irlant.
seht, dâne kunde er ihte mê
von ime ervorschen danne als ê.
hie mite begunde er an der habe
sô swachen unde nemen abe,
daz er sich nider ze vuozen liez
und sîniu phert verkoufen hiez
und mit dem guote sande
sîne liute wider ze lande.
sich selben liez er in der nôt,
wan er gie beteln umbe brôt
und treip daz staeteclîche
von rîche ze rîche,
von lande ze lande,
vorschende nâch Tristande
wol driu jâr oder mêre,
biz daz er alsô sêre
von sînes lîbes schoene kam
und an der varwe als abe genam:
swer in dô haete gesehen,
dern haete niemer gejehen,
daz er ie hêrre würde.
die schamelîchen bürde
die truoc der werde dan Rûalt
gelîche alsam ein art ribalt,
daz ime dekein sîn armuot,
als ez doch weizgot manegem tuot,
sînen guoten willen nie benam.
nu ez in daz vierde jâr dô kam,
dô was er ze Tenemarke
und vorschete ouch dâ starke
von stete ze stete, hin unde her:
von gotes genâden dô vant er
die zwêne wallende man,
die sîn junchêrre Tristan
ûf der waltstrâze vant.
die selben vrâgete er zehant.
die seiten ime ouch maere,
wenne und wie lange es waere,
daz s'einen knaben haeten gesehen,
rehte als si in dâ hôrten jehen
und wie s'in mit in liezen gân,
wie sîn dinc allez was getân
an antlütze unde an hâre,
an rede und an gebâre,
an lîbe und an gewande,
und wie maneger hande
sprâche und vuoge er kunde.
zehant und an der stunde
bekande er wol, im waere alsô.
die wallaere bat er dô,
daz si'z durch got taeten,
swâ sî'n gelâzen haeten,
ob sî die stat erkanden,
daz sî s'im rehte nanden.
sus seiten sî Rûâle,
ez waere in Curnewâle
ze Tintajêle in der stat.
die stat er ime dô nennen bat
aber und aber und sprach dô z'in:
«nu wâ lît Curnewâle hin?»
«ez stôzet» sprâchen jene zehant
«jensît Britanje an daz lant.»
«â!» dâhte er «hêrre trehtîn,
diz mac wol dîn genâde sîn.
ist Tristan, als ich hân vernomen,
alsus ze Curnewâle komen,
sô ist er rehte komen hin heim;
wan Marke der ist sîn oeheim.
dâ wîse mich hin, süezer got!
â hêrre got, durch dîn gebot
du lâ mir noch sô wol geschehen,
daz ich Tristanden müeze sehen!
diz maere, daz ich hân vernomen,
daz müeze mir ze vröuden komen!
ez dunket mich und ist ouch guot.
ez hât mir mînen swaeren muot
erwecket unde gemachet vrô.
«saeligen liute» sprach er dô
«der megede sun müeze iuch bewarn!
ich wil ûf mîne strâze varn
und sehen, ob ich in vinde.»
«nu gewîse iuch nâch dem kinde,
der al der werlde hât gewalt!»
«genâde!» sprach aber dô Rûalt,
«gebietet mir, hiest bite nimê.»
«vriunt» sprâchen jene «â dê, â dê!»
Rûal dô sîne strâze gie,
sô daz er sîme lîbe nie
ruowe einen halben tac genam,
unz daz er zuo dem mere kam.
dâ ruowete er, daz was im leit;
wan schif diu wâren umbereit.
und alse er dô schiffunge vant,
er vuor ze Britanje in daz lant.
durch Britanje streich er dô
sô strîteclîchen unde alsô,
daz nie kein tac sô langer wart,
daz des iht würde gespart,
ern striche in iemer in die naht.
dâ zuo gab ime muot unde maht
der gedinge, der im was geseit.
ez machete ime sîn arbeit
senfte und harte lîhtsam.
nû er ze Curnewâle kam,
zehant dô vrâgete er maere,
wâ Tintajêle waere.
vil schiere er des bewîset wart.
sus kêrte er aber ûf sîne vart
und kam ze Tintajêle zuo
eines sunnenâbendes vruo,
dô man ze messe solte gân.
sus gieng er vür daz münster stân.
dâ gie daz volc her unde dar
und er nam allenthalben war
und spehete wâ unde wâ,
ob er ieman vünde dâ,
der ime reht unde gebaere
ze sîner vrâge waere.
wan er dâhte allez wider sich:
«diz volc ist allez baz dan ich.
swen ich mit rede bevâhe,
ich vürhte, ez in versmâhe,
daz er mir gebe antwürte umbe in,
sît ich als armer vuore bin.
rât, hêrre got, waz ich getuo!»
nu gie der künic Marke zuo
mit einer wunneclîchen schar.
der getriuwe der nam aber war
und ersach niht, des er wolte.
und alse der künec dô solte
von messe wider ze hove gân,
Rûal gie von dem wege stân
und nam sunder dort hin dan
einen getageten hoveman:
«â hêrre» sprach er «saget mir
durch iuwer güete, wizzet ir,
ob ein kint hie ze hove sî.
man seit, ez wone dem künege bî
und ist daz Tristan genant.»
«ein kint?» sprach jener al zehant
«ine sage iu niht von kinde.
ein knappe ist hie gesinde,
der sol schiere nemen swert
und ist dem künege harte wert,
wan er kan kunst genuoge
und erkennet manege vuoge
und manege höfschlîchiu dinc.
der ist ein starker jungelinc
mit brûnreidem hâre,
mit schoenem gebâre
und ist ein ellender man:
den heize wir hie Tristan.»
«nu hêrre» sprach Rûal iesâ
«sît ir hie hovegesinde?» «jâ.»
«hêrre, durch iuwer êre
sô tuot ein lützel mêre,
wan ir tuot harte wol dar an:
saget ime, hie sî ein armer man,
der welle in sprechen unde sehen.
ouch muget ir ime des wol verjehen,
ich sî von sînem lande.»
sus seite jener Tristande,
ein sîn lantman waere dâ.
Tristan der kêrte dar iesâ,
und al dâ mite daz er'n gesach,
mit herzen und mit munde er sprach:
«nu müeze unser trehtîn
iemer gebenedîet sîn,
vater, daz ich dich sehen muoz!»
diz was sîn alrêrster gruoz.
dâ nâch lief er in lachende an
und kuste den getriuwen man,
als ein kint sînen vater sol.
daz was vil billîch unde wol.
er was sîn vater und er sîn kint.
alle die vetere, die nu sint
oder die vor uns wurden ie,
dien getâten alle ir kinde nie
vaterlîcher danne ouch er im tete.
jâ Tristan der haete an der stete
vater, muoter, mâge, man,
alle die vriunt, die er ie gewan,
zwischen sînen handen dâ.
vil inneclîche sprach er: «â,
getriuwer vater guoter,
sag an, mîn süeziu muoter
und mîne bruoder lebent die noch?»
«ine weiz» sprach er «trût sun, jedoch
lebeten si, dô ich si nâhest sach,
wan daz si michel ungemach
von dînen schulden haeten.
wie s'aber sît her getaeten,
desn kan ich dir niht gesagen,
wan ine gesach in manegen tagen
nieman, den ich erkande.
sone kam ich ouch ze lande
sît der veigen stunde nie,
daz mir an dir sô missegie.»
«â» sprach er» trût vater mîn,
waz sol dirre maere sîn?
dîn schoener lîp war ist der komen?»
«sun, dâ hâstu mir'n genomen.»
«sô wil ich dir'n wider geben.»
«sun, daz müge wir ouch geleben!»
«nu vater, gâ dan ze hove mit mir!»
«nein sun, dar engân ich niht mit dir.
du sihest doch wol, ich waere
alsus niht hovebaere.»
«nein vater» sprach er «diz muoz geschehen.
der künec, mîn hêrre, sol dich sehen.»
Rûal der höfsche guote
der gedâhte in sînem muote:
«mîn nacketage enwirret niht,
swie mich der künec nu varnde siht,
er wirt mich gerne sehende
und wirde ich ime verjehende
umbe sînen neven, der hie stât.
swenne ich im alle mîne tât
von anegenge her gesage,
ez wirt vil schoene, daz ich trage.»
Tristan der nam in an die hant.
sîn bereitschaft unde sîn gewant
daz was, als ez dô mohte sîn:
ein vil armez rockelîn
beschaben und verslizzen,
wâ unde wâ zerizzen,
daz truog er âne mantel an.
diu cleider, diu der guote man
under sînem rocke truoc,
diu wâren armeclîch genuoc,
vernozzen und verselwet gâr.
von unruoche was sîn hâr
an houbete unde an barte
verwalken alsô harte,
als ob er wilde waere.
ouch gie der sagebaere
an vüezen unde an beinen bar.
dar zuo was er sô wetervar,
als alle die von rehte sint,
den hunger, vrost, sunne unde wint
ir varwe und ir lîch hât benomen.
alsus was er vür Marken komen,
daz er im under ougen sach.
marke ze Tristande sprach:
«sag an, Tristan, wer ist der man?»
«mîn vater, hêrre» sprach Tristan.
«hâstu wâr?» «jâ hêrre mîn.»
«der sol uns willekomen sîn!»
sprach aber der tugende rîche.
Rûal neig im hovelîche.
hie mite sô kam diu ritterschaft
zuo geloufen herhaft
und dâ mit al diu hoveschar,
und riefen alle sunder dar:
«sire, sire, dêu sal!»
nu wizzet doch daz, daz Rûal,
swie unhovebaere
gewandeshalp er waere,
er was iedoch zewâre
an lîbe und an gebâre
vollekomen unde rîch.
er was des lîbes edelîch,
an geliden und an geliune
gewahsen alse ein hiune.
sîn arme und sîniu bein wol lanc,
schoene unde hêrlîch was sîn ganc,
sîn lîp was aller wol gestalt.
ern was weder ze junc noch z'alt,
wan in der aller besten tugent,
dâ daz alter und diu jugent
dem lebene gebent die besten craft.
er was an rehter hêrschaft
aller keiser genôz.
sîn stimme alsam ein horn dôz,
sîn rede diu was vil wol besniten.
man sach in mit hêrlîchen siten
vor aller der hêrschefte stân.
er haete ouch ê alsam getân.
hie huop sich michel rûnen
von rittern und barûnen.
si redeten hin, si redeten her:
«jâ» sprâchen s'alle «und ist daz der?
ist daz der höfsche koufman,
von dem uns sîn sun Tristan
sô manege tugende hât geseit?
wir haben von sîner vrümekeit
maere unde maere vil vernomen.
wie ist er alsus ze hove komen?»
und spelleten sus unde sô.
der rîche künec der hiez in dô
vüeren ze kemenâten
und hiez in dâ berâten
mit rîlîcher waete.
Tristan in schiere haete
schône gebadet unde gecleit.
ein hüetelîn was dâ bereit.
ûf sîn houbet sazte er daz
und gestuont ouch daz nie manne baz,
wan er was under ougen rîch.
sîn geschepfede was hêrlîch.
Tristan der nam in an die hant
lieplîche, als ez im was gewant,
und vuorte in wider ze Marke.
nu begunde er in dô starke
und sêre wol gevallen.
si sprâchen under in allen:
«nu kieset, wie schiere edeliu wât
den man ze lobe gestellet hât!
diu cleider stânt dem koufman
wol unde lobelîchen an.
ouch ist er selbe hêrlîch.
wer weiz, ern sî vil tugende rîch.
er gebâret diu gelîche wol,
ob man der wârheit jehen sol.
nu seht, wie hêrlîche er gât,
wie schoene gebaerde er hât
in edelem gewande,
und niuwan an Tristande
dâ kieset sîne tugende an.
wie kunde ein werbender man
sîn kint sô schône erzogen hân,
ezn müeze ûz edelem herzen gân?»
nu haete man wazzer genomen
und was der künec ze tische komen.
sînen gast Rûâlen sazte er sâ
ze sînem tische und hiez im dâ
höfschlîche dienen unde wol,
als man dem höfschen dienen sol.
«Tristan» sprach er «gâ balde dar,
nim selbe dînes vater war!»
deiswâr ich weiz wol, daz geschach.
elliu diu êre und daz gemach,
daz er'm erbieten kunde,
daz tete er, als er im gunde.
ouch az Rûal der guote
mit willeclîchem muote,
wan Tristan tete in vröudehaft.
Tristan der was sîn wirtschaft.
daz er Tristanden an sach,
daz was sîn meiste gemach.
und als man dô von tische gie,
der künec den gast mit rede bevie
und vrâgete in aller hande
beidiu von sînem lande
unde ouch umbe sîne vart.
und alse er in vrâgende wart,
diu ritterschaft losete elliu dar
und nam Rûâles maere war.
«hêrre» sprach er «es ist vür wâr
vil nâch wol vierdehalp jâr
sît des, daz ich von lande schiet.
und swar ich sider hin geriet,
dane gevrâgte ich keines maeres nie
wan des, dâ mite ich umbe gie
und daz mich her geleitet hât.»
«waz was daz?» «Tristan, der hie stât.
und zwâre, hêrre, ich hân noch kint,
diu mîn von gotes halben sint,
und gan den guotes alse wol,
als kein man sînen kinden sol.
drî süne, waere ich gewesen bî in,
daz eteslîcher under in drin
iezuo wol ritter waere.
haete ich die halben swaere
erliten durch si alle drî,
swie vremede sô mir Tristan sî,
die ich durch in erliten hân,
es waere vil und vil getân.»
«vremede?» sprach der künic dô
«saget an, wie ist dem maere sô?
er ist iuwer sun doch, alse er giht?»
«nein hêrre, ern bestât mich niht,
wan alse vil: ich bin sîn man.»
Tristan erschrac und sach in an.
aber sprach der künec: «nu saget uns daz,
durch welhe schulde und umbe waz
habet ir die nôt durch in erliten,
iuwer wîp und iuwer kint vermiten,
als ir dâ jehet, sô lange vrist,
sît daz er iuwer sun niht ist?»
«hêrre, daz weiz got und ich.»
«nû vriunt, bewîset ouch mich!»
sprach aber der guote Marke
«es wundert mich starke.»
«wist ich» sprach der getriuwe
«ob ez mich niht geriuwe
und ob ez mir hie waere
ze sagene gebaere,
hêrre, ich möhte iu wunder sagen,
wie sich diz dinc hât her getragen
und wie ez sich gevüeget hât
umbe Tristanden, der hie stât.»
und al diu massenîe,
marke und sîn barûnîe
die bâten an der stunde
alle alse ûz einem munde:
«saget an, saeliger man,
getriuwer man, wer ist Tristan?»
der guote Rûal der sprach dô:
«hêrre, ez kam hie vor alsô,
als ir wol wizzet unde die,
die bî den zîten wâren hie,
daz mîn hêrre Riwalîn,
des man ich was und solte sîn,
ob ez got alsô wolte,
daz er noch leben solte,
dem wart von iuwer vrümekeit
sô vil und alsô vil geseit,
daz er mir sîn liut und sîn lant
allez bevalch in mîne hant.
sus kam er her ze lande,
wan er iuch gerne erkande,
und wart ingesinde hie.
sô wizzet ir wol, wie ez ergie
umbe die âventiure
der schoenen Blanschefliure,
wie er die ze vriunt gewan
und sî mit ime von hinne entran.
nu sî dô heim kâmen,
ein ander ze ê genâmen,
(in mînem hûse daz geschach,
daz ichz und manic man sach)
dô bevalch er mir s'in mîne pflege.
sît her pflag ich ir alle wege,
sô ich iemer beste kunde.
zehant und an der stunde
warb er unde besande
eine reise in sînem lande
mit mâgen und mit mannen
und vuor ouch iesâ dannen
und wart in eime strîte erslagen,
als ir wol habet gehoeret sagen.
und als daz maere vür kam
und diu vil schoene vernam
wie ez gevaren waere,
diu tôtlîche swaere
sô sêre ir in ir herze sluoc,
Tristan hie stât, den sî dô truoc,
daz sî den von der nôt gewan
und lac sî selbe tôt dervan.»
hie mite gie den getriuwen man
als inneclîcher jâmer an,
als er ez wol bescheinete,
wan er saz unde weinete,
als er ein kint waere.
ouch begunde von dem maere
den anderen allen
ir ougen über wallen.
der guote künic Marke
dem gieng ez alsô starke
mit jâmer in sîn herze,
daz ime der herzesmerze
mit trehenen ûz den ougen vlôz
und ime wange unde wât begôz.
Tristande was daz maere
vil inneclîche swaere
von anders nihte wan von dan,
daz er an dem getriuwen man
vater unde vaterwân
alsô verlorn solte hân.
sus saz Rûal der guote
mit trûreclîchem muote
und seite dem gesinde
von dem vil armen kinde,
wie starke er des hiez nemen war,
dô ez diu muoter gebar;
wie er'z an tougenlîcher stat
verbergen und verheln bat;
wie er ze maere werden liez,
den lantliuten sagen hiez,
ez waere in sîner muoter tôt;
wie er sînem wîbe gebôt,
als ich iu ê seite,
daz sî sich în leite,
als ein wîp kindes inne lît,
und daz sî nâch der selben zît
der werlde jehende waere,
daz sî daz kint gebaere;
wie sî mit ime ze kirchen gie,
und wie er dâ die toufe enpfie;
war umbe er Tristan wart genant;
wie er in sante in vremediu lant,
und swaz er vuoge kunde
mit handen und mit munde,
wie er in daz lêren hiez;
wie er in in dem schiffe liez
und wie er ime dâ wart genomen,
wie er nâch ime dar was komen
mit maneger arbeite.
sus saz er unde seite
diz maere gar von ende her.
daz weinde Marke, daz weinde er,
daz weinden s'al gemeine.
niwan Tristan al eine,
der enmohte es niht beclagen,
swes er dâ gehôrte sagen.
in kam diu rede ze gâhes an.
swaz aber Rûal der guote man
dem gesinde erbermekeite
von den gelieben seite,
Canêle und Blanschefliure:
elliu diu âventiure
diu was hie wider cleine
niwan diu triuwe al eine,
die er nâch tôde an ime begie,
als ir wol habet gehoeret wie,
an ir beider kinde.
daz was dem ingesinde
diu meiste triuwe, die kein man
ze sîner hêrschefte ie gewan.
nu disiu rede alsus geschach,
marke zuo dem gaste sprach:
«nu hêrre, ist diser rede alsô?»
Rûal der guote bôt im dô
ein vingerlîn an sîne hant:
«nu hêrre» sprach er «sît gemant
mîner rede und mîner maere.»
der guote und der gewaere
marke der nam ez und sach ez an.
der jâmer, den er dô gewan,
der wart aber dô vester.
«â» sprach er «süeziu swester,
diz vingerlîn daz gab ich dir,
und mîn vater der gab ez mir,
dô er an sînem tode lac.
disem maere ich wol gelouben mac.
Tristan, gâ her und küsse mich!
und zwâre, soltu leben und ich,
ich wil dîn erbevater sîn.
Blanschefliure, der muoter dîn,
und dînem vater Canêle,
den genâde got zer sêle
und geruoche in beiden samet geben
daz êweclîche lebende leben!
sît ez alsus gevaren ist,
daz doch dû mir worden bist
von der vil lieben swester mîn,
geruochet es mîn trehtîn,
sô wil ich iemer wesen vrô.»
zem gaste sprach er aber dô:
«nû lieber vriunt, nû saget mir,
wer sît ir und wie heizet ir?»
«Rûal, hêrre.» «Rûal?» «jâ!»
hie mite versan sich Marke sâ,
wan er ouch ê in sînen tagen
von ime vil haete gehoeret sagen,
wie wîse und wie êrbaere
und wie getriuwe er waere,
und sprach: «Rûal li foitenant?»
«jâ hêrre, alsô bin ich genant.»
unde der guote Marke hin
und kuste in unde enpfieng in
hêrlîche und alse im wol gezam.
diu hêrschaft al zehant dô kam
und kusten in besunder.
si begunden in ze wunder
mit armen enbrazieren,
höfschlîche salûieren:
«willekomen Rûal der werde,
ein wunder ûf der erde!»
Rûal was dâ willekomen.
nu haete ouch in der künec genomen
an sîne hant und leite in hin.
vil lieplîche sazte er in
ze sich an sîne sîten nider
und griffen an ir maere wider
und redeten aller hande
beidiu von Tristande
und ouch von Blanschefliure,
alle die âventiure,
waz Canêl unde Morgân
ein ander haeten getân
und wie daz ouch ein ende nam.
vil schiere ez an daz maere kam,
daz der künec Rûâle seite,
mit welher kündekeite
Tristan dar komen waere
und wie er seite maere,
sîn vater der waere ein koufman.
Rûal der sach Tristanden an:
«vriunt» sprach er «ich hân lange
vil anclîch und vil ange
mîne marschandîse
in armeclîcher wîse
durch dînen willen her getriben.
deist aber allez nû beliben
an einem guoten ende.
dar umbe ich mîne hende
iemer ze gote bieten sol.»
Tristan der sprach: «ich hoere wol:
sich machent disiu maere alsô,
daz ich ir spâte wirde vrô.
ich bin, alse ich hân vernomen,
ze wunderlîchen maeren komen.
ich hoere mînen vater sagen,
mîn vater der sî lange erslagen.
hie mite verzîhet er sich mîn.
sus muoz ich âne vater sîn,
zweier vetere, die ich gewunnen hân.
â vater unde vaterwân,
wie sît ir mir alsus benomen!
an den ich jach, mir waere komen
ein vater, an dem selben man
dâ verliuse ich zwêne veter an:
in unde den ich nie gesach.»
der guote marschalc aber dô sprach:
«wie nû, geselle Tristan,
lâ dise rede, dân ist niht an.
jâ bistu von der künfte mîn
werder, dan du wândest sîn,
und bist ir gêret iemer mê
und hâst doch zwêne veter als ê,
hie mînen hêrren unde mich.
er ist dîn vater, alsô bin ich,
volge et mîner lêre
und wis iemer mêre
allen künegen ebenhêr.
lâz alle rede und tuo nimêr:
mînen hêrren dînen oeheim
den bite, daz er dir helfe heim
und dich hie ritter mache.
wan dû maht dîner sache
sus hin wol selbe nemen war.
ir hêrren, sprechet alle dar,
daz ez mîn hêrre gerne tuo!»
sus sprâchen s'alle samet derzuo:
«hêrre, ez hât guote vuoge.
Tristan hât craft genuoge
und ist ein wol gewahsen man.»
der künec sprach: «neve Tristan,
sag an, wie stât dîn muot hie zuo?
ist ez dir liep, daz ich ez tuo?»
«trût hêrre, ich sage iu mînen muot.
haete ich sô rîlîchez guot,
daz ich wol nâch dem willen mîn
und alsô ritter möhte sîn,
daz ich mich ritterlîches namen
noch er sich mîn niht dörfte schamen
und ritterlîchiu werdekeit
an mir niht würde nider geleit,
sô wolte ich gerne ritter sîn,
die müezige jugende mîn
üeben unde kêren
ze werltlîchen êren.
wan ritterschaft, alsô man seit,
diu muoz ie von der kintheit
nemen ir anegenge
oder sî wirt selten strenge.
daz ich mîn unversuochte jugent
ûf werdekeit unde ûf tugent
sô rehte selten güebet hân,
daz ist vil sêre missetân
und hân es an mich selben haz.
nu weiz ich doch nu lange daz:
senfte und ritterlîcher prîs
diu missehellent alle wîs
und mugen vil übele samet wesen.
ouch hân ich selbe wol gelesen,
daz êre wil des lîbes nôt.
gemach daz ist der êren tôt,
dâ man's ze lange und ouch ze vil
in der kintheite pflegen wil.
und wizzet wol zewâre,
haete ich vor einem jâre
oder ê mîn dinc sô wol gewist,
als ez mir hie gesaget ist,
ez enwaere niht biz her gespart.
sît ez aber dô gesûmet wart,
so ist reht, daz ich mich noch erhol,
wan mîn dinc stât billîche wol
an lîbe und an dem muote.
got râte mir zem guote,
daz ich dem muote vollevar!»
marke sprach: «neve, nim selbe war,
sich, wie du werben woltest,
ob du künic wesen soltest
und hêrre über allez Curnewal.
sô sitzet hie dîn vater Rûal,
der ganze triuwe zuo dir hât,
der sî dîn râtgebe und dîn rât,
daz dîn dinc alsô vollegê,
daz ez nâch dînem willen stê.
vil lieber neve Tristan,
nim dich niht armuotes an.
wan Parmenîe daz ist dîn
und muoz dîn eigen iemer sîn,
sol ich und dîn vater Rûal leben.
dar zuo wil ich dir stiure geben.
mîn lant, mîn liut und swaz ich hân,
trût neve, daz sî dir ûf getân.
wiltû dîn herze kêren
ze vorderlîchen êren
und ist dîn wille alsô getân,
als ich von dir vernomen hân,
sone spar des mînen niht dervor.
Curnwal daz sî dîn urbor,
mîn crône sî dîn zinsaerîn.
wiltû zer werlde gewerdet sîn,
sô schaffe et umbe rîchen muot.
ich gibe dir rîlîchez guot.
sich, dû hâst keiserlîche habe,
nun ganc dir selber nihtes abe,
bistû dir selbem alsô holt
und hâstu muot, als du solt
unde als dû mir hâst verjehen,
daz hân ich schiere an dir gesehen.
sich, vinde ich hêrren muot an dir,
du vindest iemer mêre an mir
dînes willen vollen schrîn.
Tintajêl muoz iemer sîn
dîn triskamere und dîn trisor.
gesprengestû mir rehte vor
mit rîlîchem muote,
volge ich dir niht mit guote,
sô muoz mir allez daz zegân,
daz ich ze Curnewâle hân.»
hie wart genigen rîche.
si nigen al gelîche,
die bî dem maere wâren.
si buten im unde bâren
êre unde lop mit schalle.
«künec Marke» sprachen s'alle,
«du sprichest, als der höfsche sol.
diu wort gezement der crône wol.
dîn zunge, dîn herze und dîn hant
die gebieten iemer über diz lant!
wis iemer künic über Curnwal!»
der getriuwe marschalc dan Rûal
und sîn junchêrre Tristan
die griffen ir gescheffede an
nâch solher rîcheite,
als in der künec vür leite
und in diu mâze was gegeben.
nu strîte ich umbe ir beider leben
beidiu des vater unde des suns.
wan eteswer der vrâget uns
durch daz, daz alter unde jugent
selten gehellent einer tugent
und jugent daz guot unruochet,
dâ ez daz alter suochet,
wie sî sich under in beiden
ie kunden sô bescheiden,
daz ietwederre besunder
sîner ger hier under
und sînes rehtes wielte,
sô daz Rûal behielte
die mâze an dem guote
und Tristan sînem muote
mit vollem guote vollezüge?
diz prüeve ich schiere sunder lüge.
Rûal unde Tristan
die truogen beide ein ander an
als ebenwillegen muot,
daz ir dewederer übel noch guot
weder riet noch râten solte,
wan alse der ander wolte.
Rûal der tugende erkande
der geloubete Tristande
und sach die jugende an im an.
sô entweich aber Tristan
den tugenden an Rûâle.
diz truoc si z'einem mâle
und z'einem zil gemeiner ger,
daz dirre gerte alse der.
alsus sô wâren s'under in zwein
mit willen und mit muote al ein.
hie von wart alter unde jugent
gehellesam an einer tugent.
alhie viel hôher muot in sin.
hie mite behielten si under in
Tristan sîn reht an muote,
Rûal die mâze an guote,
daz ir ietwederer an der stete
niht wider sînem rehte tete.
sus greif Rûal und Tristan
ir dinc bescheidenlîchen an,
als ez in beiden was gewant.
si gewunnen harnasch unde gewant
innerhalp den drîzec tagen,
daz drîzec ritter solten tragen,
die sich der höfsche Tristan
ze gesellen wolte nemen an.
swer mich nu vrâget umbe ir cleit
und umbe ir cleider rîcheit,
wie diu zesamene wurden brâht,
des bin ich kurze bedâht,
dem sage ich, als daz maere giht.
sage ich im anders iht,
sô widertrîbe er mich dar an
und sage er selbe baz dâ van.
ir cleider wâren ûf geleit
mit vierhande rîcheit
und was der vierer iegelîch
in ir ambete rîch.
daz eine daz was hôher muot;
daz ander daz was vollez guot;
daz dritte was bescheidenheit,
diu disiu zwei zesamene sneit;
daz vierde daz was höfscher sin,
der naete disen allen drin.
si worhten alle viere
vil rehte in ir maniere.
der hôhe muot der gerte,
daz volle guot gewerte,
bescheidenheit schuof unde sneit,
der sin der naete ir aller cleit
und ander ir feitiure,
baniere und covertiure
und anderen der ritter rât,
der den ritter bestât.
swaz sô daz ros und ouch den man
ze rittere geprüeven kan,
der geziuc was aller sêre rîch
und alsô rîch, daz iegelîch
einem künege wol gezaeme,
daz er swert dar inne naeme.
sît die gesellen sint bereit
mit bescheidenlîcher rîcheit,
wie gevâhe ich nû mîn sprechen an,
daz ich den werden houbetman
Tristanden sô bereite
ze sîner swertleite,
daz man ez gerne verneme
und an dem maere wol gezeme?
ine weiz, waz ich dâ von gesage,
daz iu gelîche und iu behage
und schône an disem maere stê.
wan bî mînen tagen und ê
hât man sô rehte wol geseit
von werltlîcher zierheit,
von rîchem geraete:
ob ich der sinne haete
zwelve, der ich einen hân,
mit den ich umbe solte gân,
und waere daz gevüege,
daz ich zwelf zungen trüege
in mîn eines munde,
der iegelîchiu kunde
sprechen, alse ich sprechen kan,
ine wiste wie gevâhen an,
daz ich von rîcheite
sô guotes iht geseite,
mane haete baz dâ von geseit.
jâ ritterlîchiu zierheit
diu ist sô manege wîs beschriben
und ist mit rede alsô zetriben,
daz ich niht kan gereden dar abe,
da von kein herze vröude habe.
Hartman der Ouwaere,
âhî, wie der diu maere
beide ûzen unde innen
mit worten und mit sinnen
durchverwet und durchzieret!
wie er mit rede figieret
der âventiure meine!
wie lûter und wie reine
sîniu cristallînen wortelîn
beidiu sint und iemer müezen sîn!
si koment den man mit siten an,
si tuont sich nâhen zuo dem man
und liebent rehtem muote.
swer guote rede ze guote
und ouch ze rehte kan verstân,
der muoz dem Ouwaere lân
sîn schapel und sîn lôrzwî.
swer nû des hasen geselle sî
und ûf der wortheide
hôchsprünge und wîtweide
mit bickelworten welle sîn
und ûf daz lôrschapelekîn
wân âne volge welle hân,
der lâze uns bî dem wâne stân.
wir wellen an der kür ouch wesen.
wir, die die bluomen helfen lesen,
mit den daz selbe loberîs
undervlohten ist in bluomen wîs,
wir wellen wizzen, wes er ger.
wan swer es ger, der springe her
und stecke sîne bluomen dar.
sô nemen wir an den bluomen war,
ob sî sô wol dar an gezemen,
daz wirz dem Ouwaere nemen
und geben ime daz lôrzwî.
sît aber noch nieman komen sî,
der ez billîcher süle hân,
sô helfe iu got, sô lâzen'z stân.
wir ensuln ez nieman lâzen tragen,
sîniu wort ensîn vil wol getwagen,
sîn rede ensî ebene unde sleht,
ob ieman schône und ûfreht
mit ebenen sinnen dar getrabe,
daz er dar über iht besnabe.
vindaere wilder maere,
der maere wildenaere,
die mit den ketenen liegent
und stumpfe sinne triegent,
die golt von swachen sachen
den kinden kunnen machen
und ûz der bühsen giezen
stoubîne mergriezen:
die bernt uns mit dem stocke schate,
niht mit dem grüenem meienblate,
mit zwîgen noch mit esten.
ir schate der tuot den gesten
vil selten in den ougen wol.
ob man der wârheit jehen sol,
dâne gât niht guotes muotes van,
dâne lît niht herzelustes an.
ir rede ist niht alsô gevar,
daz edele herze iht lache dar.
die selben wildenaere
si müezen tiutaere
mit ir maeren lâzen gân.
wirn mugen ir dâ nâch niht verstân,
als man si hoeret unde siht.
sône hân wir ouch der muoze niht,
daz wir die glôse suochen
in den swarzen buochen.
noch ist der verwaere mêr:
von Steinahe Blikêr,
diu sînen wort sint lussam.
si worhten vrouwen an der ram
von golde und ouch von sîden.
man möhte s'undersnîden
mit criecheschen borten.
er hât den wunsch von worten.
sînen sin den reinen
ich waene daz in feinen
ze wundere haben gespunnen
und haben in in ir brunnen
geliutert unde gereinet.
er ist binamen gefeinet.
sîn zunge, diu die harpfen treit,
diu hât zwô volle saelekeit:
daz sint diu wort, daz ist der sin.
diu zwei diu harpfent under in
ir maere in vremedem prîse.
der selbe wortwîse,
nemt war, wie der hier under
an dem umbehange wunder
mit spaeher rede entwirfet;
wie er diu mezzer wirfet
mit behendeclîchen rîmen!
wie kan er rîme lîmen,
als ob si dâ gewahsen sîn!
ez ist noch der geloube mîn,
daz er buoch unde buochstabe
vür vedern an gebunden habe;
wan wellet ir sîn nemen war,
sîniu wort diu sweiment alse der ar.
wen mag ich nû mêr ûz gelesen?
ir ist und ist genuoc gewesen
vil sinnic und vil rederîch.
von Veldeken Heinrîch
der sprach ûz vollen sinnen.
wie wol sang er von minnen!
wie schône er sînen sin besneit!
ich waene, er sîne wîsheit
ûz Pegases urspringe nam,
von dem diu wîsheit elliu kam.
ine hân sîn selbe niht gesehen;
nu hoere ich aber die besten jehen
die, die bî sînen jâren
und sît her meister wâren,
die selben gebent im einen prîs:
er inpfete daz erste rîs
in tiutischer zungen.
dâ von sît este ersprungen,
von den die bluomen kâmen,
dâ sî die spaehe ûz nâmen
der meisterlîchen vünde.
und ist diu selbe künde
sô wîten gebreitet,
sô manege wîs zeleitet,
daz alle, die nu sprechent,
daz die den wunsch dâ brechent
von bluomen und von rîsen
an worten unde an wîsen.
der nahtegalen der ist vil,
von den ich nû niht sprechen wil:
si enhoerent niht ze dirre schar.
durch daz sprich ich niht anders dar,
wan daz ich iemer sprechen sol:
sî kunnen alle ir ambet wol
und singent wol ze prîse
ir süeze sumerwîse.
ir stimme ist lûter unde guot,
si gebent der werlde hôhen muot
und tuont rehte in dem herzen wol.
diu werlt diu waere unruoches vol
und lebete rehte als âne ir danc
wan der vil liebe vogelsanc.
der ermant vil dicke den man,
der ie ze liebe muot gewan,
beidiu liebes unde guotes
und maneger hande muotes,
der edelem herzen sanfte tuot.
ez wecket vriuntlîchen muot,
hie von kumt inneclîch gedanc,
sô der vil liebe vogelsanc
der werlde ir lieb beginnet zalen.
«nu sprechet umb die nahtegalen!»
die sint ir dinges wol bereit
und kunnen alle ir senede leit
sô wol besingen unde besagen.
welhiu sol ir baniere tragen,
sît diu von Hagenouwe,
ir aller leitevrouwe
der werlde alsus geswigen ist,
diu aller doene houbetlist
versigelt in ir zungen truoc?
von der denk ich vil unde genuoc,
(ich meine aber von ir doenen
den süezen, den schoenen),
wâ sî der sô vil naeme,
wannen ir daz wunder kaeme
sô maneger wandelunge.
ich waene, Orphêes zunge,
diu alle doene kunde,
diu doenete ûz ir munde.
sît daz man der nû niht enhât,
sô gebet uns eteslîchen rât!
ein saelic man der spreche dar:
wer leitet nû die lieben schar?
wer wîset diz gesinde?
ich waene, ich sî wol vinde,
diu die baniere vüeren sol.
ir meisterinne kan ez wol,
diu von der Vogelweide.
hî wie diu über heide
mit hôher stimme schellet!
waz wunders sî stellet!
wie spaehe s'organieret!
wie s'ir sanc wandelieret -
ich meine aber in dem dône
dâ her von Zythêrône,
dâ diu gotinne Minne
gebiutet ûf und inne!
diust dâ ze hove kameraerîn.
diu sol ir leitaerinne sîn!
diu wîset sî ze wunsche wol,
diu weiz wol, wâ si suochen sol
der minnen melodîe.
si unde ir cumpanîe
die müezen sô gesingen,
daz sî ze vröuden bringen
ir trûren unde ir senedez clagen.
und daz geschehe bî mînen tagen!
nû hân ich rede genuoge
von guoter liute vuoge
gevüegen liuten vür geleit.
ie noch ist Tristan umbereit
ze sîner swertleite.
ine weiz, wie in bereite.
der sin wil niender dar zuo.
sone weiz diu zunge, waz si tuo
al eine und âne des sinnes rât,
von dem s'ir ambet allez hât.
waz aber in werre, in beiden,
des wil ich iuch bescheiden:
si zwei hât daz verirret,
daz tûsenden wirret.
dem man, der niht wol reden kan,
kumt dem ein rederîcher man,
im erlischet in dem munde
daz selbe, daz er kunde.
ich waene, mir ist alsam geschehen.
ich sihe und hân biz her gesehen
sô manegen schône redenden man,
daz ich des niht gereden kan,
ezn dunke mich dâ wider ein wint,
als nû die liute redende sint.
man sprichet nû sô rehte wol,
daz ich von grôzem rehte sol
mîner worte nemen war
und sehen, daz s'alsô sîn gevar,
als ich wolte, daz si waeren
an vremeder liute maeren
und alse ich rede geprüeven kan
an einem anderen man.
nune weiz ich, wie's beginne.
mîn zunge und mîne sinne
die enmugen mir niht ze helfe komen.
mir ist von worten genomen
enmitten ûz dem munde
daz selbe, daz ich kunde.
hie zuo enweiz ich, waz getuo,
ich entuo daz eine dar zuo,
deiswâr daz ich noch nie getete:
mîne vlêhe und mîne bete
die wil ich êrste senden
mit herzen und mit henden
hin wider Elicône
ze dem niunvalten trône,
von dem die brunnen diezent,
ûz den die gâbe vliezent
der worte unde der sinne.
der wirt, die niun wirtinne,
Apolle und die Camênen,
der ôren niun Sirênen,
die dâ ze hove der gâben pflegent,
ir genâde teilent unde wegent,
als s'ir der werlde gunnen,
die gebent ir sinne brunnen
sô volleclîche manegem man,
daz sî mir einen trahen dâ van
mit êren niemer mugen versagen.
und mag ouch ich den dâ bejagen,
so behalte ich mîne stat dâ wol,
da man sî mit rede behalten sol.
der selbe trahen der eine
der ist ouch nie sô cleine,
er enmüeze mir verrihten,
verrihtende beslihten
beidiu zungen unde sin,
an den ich sus entrihtet bin.
diu mînen wort muoz er mir lân
durch den vil liehten tegel gân
der camênischen sinne
und muoz mir diu dar inne
ze vremedem wunder eiten,
dem wunsche bereiten
als golt von Arâbe.
die selben gotes gâbe
des wâren Elicônes,
des oberesten trônes,
von dem diu wort enspringent,
diu durch daz ôre clingent
und in daz herze lachent,
die rede durchliuhtec machent
als eine erwelte gimme,
die geruochen mîne stimme
und mîne bete erhoeren
oben in ir himelkoeren
und rehte als ich gebeten hân!
nu diz lât allez sîn getân,
daz ich des alles sî gewert,
des ich von worten hân gegert,
und habe des alles vollen hort,
senfte allen ôren mîniu wort,
ber iegelîchem herzen schate
mit dem ingrüenen lindenblate,
gê mîner rede als ebene mite,
daz ich ir an iegelîchem trite
rûme unde reine ir strâze
noch an ir strâze enlâze
dekeiner slahte stoubelîn,
ezn müeze dan gescheiden sîn,
und daz si niuwan ûfe clê
unde ûf liehten bluomen gê;
dannoch gewende ich mînen sin,
sô cleine als ich gesinnet bin,
kûme oder niemer dar an,
dar an sich alsô manic man
versuochet und verpirset hât.
deiswâr ich sol es haben rât.
wan kêrte ich alle mîne craft
ze ritters bereitschaft,
als weizgot maneger hât getân,
und seite iu daz, wie Vulkân
der wîse, der maere,
der guote listmachaere
Tristande sînen halsperc,
swert unde hosen und ander werc,
daz den ritter sol bestân,
durch sîne hende lieze gân
schône und nâch meisterlîchem site;
wie er'm entwürfe unde snite,
den kuonheit nie bevilte,
den eber an dem schilte;
wie er'm den helm betihte
und oben dar ûf rihte
al nâch der minnen quâle
die viurîne strâle;
wie er im al besunder
ze wunsche und ze wunder
bereite ein und ander
und wie mîn vrou Cassander,
diu wîse Troiaerinne,
ir liste und alle ir sinne
dar zuo haete gewant,
daz sî Tristande sîn gewant
berihte und bereite
nâch solher wîsheite,
sô si'z aller beste
von ir sinnen weste,
der geist ze himele, als ich'z las,
von den goten gefeinet was:
waz haete daz iht ander craft
dan alse ich die geselleschaft
Tristandes ê bereite
ze sîner swertleite?
mag ich die volge von iu hân,
sô ist mîn wân alsô getân,
und weiz daz wol: muot unde guot,
swer zuo den zwein gerâten tuot
bescheidenheit und höfschen sin,
diu vieriu würkent under in
als wol als ieman ander.
jâ Vulkân und Cassander
diu zwei bereiten ritter nie
baz ze prîse danne ouch die.
sît nû die vier rîcheite
rîlîche swertleite
sus kunnen gesprûvieren,
so bevelhen wir in vieren
unsern vriunt Tristanden.
die nemen in ze handen,
bereiten uns den werden man,
sît ez niht bezzer werden kan,
mit dem geziuge und mit dem snite,
dâ sîne reitgesellen mite
sô schône sint bereitet.
sus sî Tristan geleitet
ze hove und ouch ze ringe,
mit allem sînem dinge
sînen gesellen ebengelîch,
ebenziere und ebenrîch.
ich meine aber an der waete,
die mannes hant dâ naete,
niht an der an gebornen wât,
diu von des herzen kamere gât,
die sî dâ heizent edelen muot,
diu den man wolgemuoten tuot
und werdet lîp unde leben.
diu wât wart den gesellen geben
dem hêrren ungelîche.
jâ weizgot der muotrîche,
der êregire Tristan
truoc sunderlîchiu cleider an
von gebâre und von gelâze
gezieret ûz der mâze.
er haete s'alle an schoenen siten
unde an tugenden übersniten.
und iedoch an der waete,
die mannes hant dâ naete,
da enwas niht underscheidunge an.
des truoc der werde houbetman
in allen gelîche.
sus was der muotrîche,
der voget von Parmenîe
und al sîn massenîe
ze münster mit ein ander komen
und haeten messe vernomen
und ouch enpfangen den segen,
des man in dâ solte pflegen.
marke nam dô Tristanden
sînen neven ze handen,
swert unde sporn stricte er im an.
«sich» sprach er «neve Tristan,
sît dir nû swert gesegenet ist
und sît dû ritter worden bist,
nû bedenke ritterlîchen prîs
und ouch dich selben, wer dû sîs.
dîn geburt und dîn edelkeit
sî dînen ougen vür geleit.
wis diemüete und wis unbetrogen,
wis wârhaft und wis wolgezogen;
den armen den wis iemer guot,
den rîchen iemer hochgemuot;
ziere unde werde dînen lîp,
êre unde minne elliu wîp;
wis milte unde getriuwe
und iemer dar an niuwe!
wan ûf mîn êre nim ich daz,
daz golt noch zobel gestuont nie baz
dem sper unde dem schilte
dan triuwe unde milte.»
hie mite bôt er im den schilt dar.
er kuste in und sprach: «neve, nû var
und gebe dir got durch sîne craft
heil ze dîner ritterschaft!
wis iemer höfsch, wis iemer vrô!»
Tristan verrihte aber dô
sîne gesellen an der stete,
rehte als in sîn oeheim tete,
an swerte, an sporn, an schilte.
diemüete, triuwe, milte
die leite er iegelîches kür
mit bescheidenlîcher lêre vür.
und enwart ouch dâ nimê gebiten.
gebuhurdieret unde geriten
wart dâ, zewâre deist mîn wân.
wie s'aber von ringe liezen gân,
wie sî mit scheften staechen,
wie vil sî der zebraechen -
daz suln die garzûne sagen:
die hulfen ez zesamene tragen.
ine mag ir buhurdieren
niht allez becrôieren,
wan einen dienest biute ich in,
des ich in sêre willic bin:
daz sich ir aller êre
an allen dingen mêre
und in got ritterlîchez leben
z'ir ritterschefte müeze geben!
truoc ieman lebender staete leit
bî staeteclîcher saelekeit,
sô truoc Tristan ie staete leit
bî staeteclîcher saelekeit.
als ich ez iu bescheiden wil:
im was ein endeclîchez zil
gegeben der zweier dinge,
leides unde linge.
wan allez daz, des er began,
dâ lang im allerdickest an
und was ie leit der linge bî,
swie ungelîch diz jenem sî.
sus wâren diu zwei conterfeit,
staetiu linge und wernde leit,
gesellet an dem einen man.
«sô helfe iu got, nu sprechet an:
Tristan der hât nû swert genomen
und ist ze rîcher linge komen
mit ritterlîcher werdekeit.
lât hoeren, welher hande leit
haete er bî dirre linge?»
weiz got an einem dinge,
daz iegelîchem herzen ie
und ouch dem sînen nâhe gie:
daz ime der vater was erslagen,
als er Rûâlen hôrte sagen,
daz qual in in dem muote.
alsus was übel bî guote,
bî linge schade, bî liebe leit
eines herzen staetiu sicherheit.
ir aller jehe lît dar an,
haz der lige ie dem jungen man
mit groezerem ernest an
dan einem stündigen man.
ob aller sîner werdekeit
sô swebete Tristande ie daz leit
und daz verborgen ungemach,
daz nieman lebender an im sach,
daz im Riwalînes tôt
und Morgânes leben bôt.
daz leit lag ime mit sorgen an.
der sorcsame Tristan
und sîn getriulîcher rât,
der noch von triuwen namen hât,
der saelige Foitenant,
die bereiteten zehant
mit rîchem geraete,
des man den wunsch dâ haete,
eine rîlîche barken.
sus kâmen sî vür Marken.
Tristan sprach: «lieber hêrre mîn,
ez sol mit iuwern hulden sîn,
daz ich ze Parmenîe var
und neme nâch iuwerm râte war,
wie unser dinc dâ sî gewant
umbe liut und umbe lant,
daz ir dâ sprechet, ez sî mîn.»
der künec sprach: «neve, diz sol sîn.
swie kûme ich dîn doch müge enbern,
ich wil dich dirre bete gewern.
var heim ze Parmenîe,
dû und dîn cumpanîe.
bedarft dû ritterschefte mê,
die nim, als dir ze muote stê.
nim ros, nim silber unde golt
und swes dû bedürfen solt,
als dû's bedürfen wellest.
und swen dû dir gesellest,
dem biut ez sô mit guote,
mit geselleclîchem muote,
daz er dîn dienest gerne sî
und dir mit triuwen wese bî.
vil lieber neve, wirb unde lebe,
als dir dîn vater lêre gebe,
der getriuwe Rûal, der hie stât,
der michel triuwe und êre hât
mit dir begangen unze her.
und sî daz dich des got gewer,
daz dû dich dâ verrihtest
und dîn dinc dâ beslihtest
nâch vrumen und nâch êren,
sô soltu wider kêren.
kêre wider her ze mir.
ein dinc lob ich und leiste dir:
sê mîne triuwe in dîne hant,
daz ich dir mîn guot und mîn lant
iemer gelîche teile.
und sî'z an dînem heile,
daz dû mich sülest überleben,
sô sî dir allez z'eigene geben.
wan ich wil durch den willen dîn
êlîches wîbes âne sîn,
die wîle ich iemer leben sol.
neve, dû hâst vernomen wol
mîne bete und mînen sin.
bistû mir holt, als ich dir bin,
treistû mir herze, als ich dir trage,
weiz got sô sul wir unser tage
vrôlîche mit ein ander leben.
hie mite sî dir urloup gegeben.
der megede sun der hüete dîn!
und lâ dir wol bevolhen sîn
dîn gescheffede und dîn êre!»
hie enbiten s'ouch nimêre.
Tristan und sîn vriunt Rûal
die schiffeten von Curnewal,
sî unde ir massenîe,
heim wider ze Parmenîe.
ob iu nu lieb ist vernomen
umb dirre hêrren willekomen,
ich sage iu, alse ich hân vernomen,
wie sî dâ wâren willekomen:
ir aller leitaere,
der getriuwe, der gewaere
Rûal trat vor ûz an daz lant.
sîn hüetelîn und sîn gewant
leit er höfschlîche dort hin dan.
Tristanden lief er lachend an,
er kuste in und sprach: «hêrre mîn,
gote sult ir willekomen sîn,
iuwerm lande unde mir!
kieset, hêrre: sehet ir
diz schoene lant bî disem mer?
veste stete, starke wer
und manic schoene castêl:
seht, daz hât iuwer vater Canêl
an iuch geerbet unde brâht.
sît ir nu biderbe unde bedâht,
swes iuwer ouge hie gesiht,
des engât iu niemer niht.
des bin ich iemer iuwer wer.»
mit diser rede sô kêrte er her
mit rîchem herzen unde vrô.
vil vrôlîche enpfieng er dô
die ritter al besunder.
er begunde sî ze wunder
mit sînen worten süezen
salûieren unde grüezen.
hie mite vuorte er s'ûf Canoêl.
die stete unde diu castêl,
diu von Canêles jâren
in sîner pflege wâren
in allem dem lande,
diu gab er ûf Tristande
nâch vil getriuwelîchem site
und ouch diu sînen dâ mite,
diu in wâren an gevallen
von sînen vordern allen.
waz sol der rede nû mêre?
er haete rât und êre;
durch daz bôt er dem hêrren rât
als der, der rât und êre hât,
und mit im al den sînen.
daz vlîzen und daz pînen,
daz er mit süezem muote
in allen ze guote
und alle wîs an in begie,
dazn gesach mannes ouge nie.
wie dô? wie ist mir sus geschehen?
ich hân mich selben übersehen.
wâ sint nû mîne sinne?
die guoten marschalkinne,
die reinen, die staeten,
mîne vrouwen Floraeten,
daz ich die sus verswigen hân,
deist niht dâ her von hove getân.
ich sol ez aber der süezen
bezzeren unde büezen:
diu hôfsche, diu guote,
diu guote gemuote,
diu werdeste, diu beste,
ich weiz wol, daz si ir geste
niht eine mit dem munde enpfie.
wan swâ daz wort von munde gie,
dâ gie der süeze wille ie vor.
ir herze daz vuor rehte enbor,
als ez gevidert waere.
si wâren vil einbaere
beidiu ir wille und ir wort.
ich weiz wol, daz si über bort
vil geselleclîchen giengen,
dâ sî die geste enpfiengen.
diu saelige Floraete
waz vröude ir herze haete
wider ir hêrren unde ir kint,
daz kint, des disiu maere sint,
(ir sun Tristanden den mein ich)
entriuwen des erkenne ich mich
an manegen unde genuogen
ir tugenden unde ir vuogen,
die ich von der saeligen las.
daz der niht ein lützel was,
daz bewârte s'alsô wol,
als ein wîp allerbeste sol.
wan si schuof ir kinde
und sînem ingesinde
al die êre und daz gemach,
daz ie rittern geschach.
hie mite sô wurden besant
ze Parmenîe über al daz lant
die hêrren und diu hêrschaft,
die dâ haeten die craft
der stete und der castêle.
nû die ze Canoêle
gemeinlîche kâmen,
gesâhen und vernâmen
von Tristande die warheit,
als uns daz maere von im seit
und alse ir selbe habet vernomen,
dô vlugen tûsent willekomen
von iegelîches munde.
liut unde lant begunde
von langem leide erwachen
und sich ze vröuden machen,
ze wunderlîchem wunder.
sî empfiengen al besunder
ir lêhen, ir liut unde ir lant
von ir hêrren Tristandes hant.
si swuoren hulde und wurden man.
hier under haete ie Tristan
den tougenlîchen smerzen
verborgen in dem herzen,
der dâ von Morgâne gie.
der smerze der begab in nie
weder vruo noch spâte.
alsus gieng er ze râte
mit mâgen und mit mannen
und jach, er wolte dannen
ze Britanje gâhen,
sîn lêhen enpfâhen
von sînes vîendes hant,
durch daz er sînes vater lant
mit rehte haete deste baz.
diz sprach er unde tete ouch daz:
er vuor von Parmenîe
er und sîn cumpanîe
bereitet unde gewarnet wol,
alse der man ze rehte sol,
der ûf angestlîche tât
ernestlîchen willen hât.
dô Tristan ze Britanje kam,
von âventiure er dô vernam
und hôrte waerlîche sagen,
Morgân der herzoge rite dâ jagen
von walde ze walde.
nû hiez er îlen balde,
die ritter sich bereiten
und under ir rocke leiten
ir halsperge unde ir dinc,
und so daz nieman keinen rinc
ûz dem gewande lieze gân.
nu diz geschach, diz was getân.
und über daz leite ie der man
sîne reisekappen an
und sâzen ûf ir ors alsô.
ir gezoc hiezen si dô
stetelîche wider rîten
und niemannes bîten
und teilten ir ritterschaft.
dâ wart diu groezere craft
geschicket an die widervart,
daz der gezoc waere bewart,
dâ der ûf sîne strâze gie.
dô diz geschach, dô haeten die,
die mit Tristande kêrten hin,
wol drîzec ritter under in.
jene an der widerkêre
wol sehzic oder mêre.
vil schiere wart, daz Tristan
hunde unde jegere sehen began.
die selben vrâgte er maere,
wâ der herzoge waere.
die tâten ez im iesâ kunt.
und er des endes sâ zestunt
und vant ouch dâ vil schiere
ûf einer waltriviere
vil ritter Britûne.
den wâren pavelûne
und hüten ûf daz gras geslagen,
dar umbe und dar în getragen
loub unde liehter bluomen vil.
ir hunde unde ir vederspil
daz haeten sî ze handen.
die gruozten ouch Tristanden
und sîne rotte dâ mite
höfschlîche nâch dem hovesite.
die seiten im ouch iesâ,
Morgân ir hêrre rite dâ
vil nâhen in dem walde.
dar îlten sî dô balde.
dâ vunden s'ouch Morgânen
und ûfe castelânen
vil ritter Britûne haben.
nu sî begunden zuo z'im traben.
Morgân enpfie die geste,
der willen er niht weste
vil gestlîchen unde wol,
als man die geste enpfâhen sol.
sîn lantgesinde tete alsam:
ir iegelîcher der kam
gerant mit sînem gruoze
nâch diser unmuoze,
dô diz grüezen gar geschach,
Tristan ze Morgâne sprach:
«hêrre, ich bin komen dâ her
nâch mînem lêhen unde ger,
daz ir mir daz hie lîhet
und mir des niht verzîhet,
des ich ze rehte haben sol.
sô tuot ir höfschlîch unde wol.»
Morgân sprach: «hêrre, saget mir,
von wannen oder wer sît ir?»
Tristan sprach aber dô wider in:
«von Parmenîe ich bürtic bin
und hiez mîn vater Riwalîn.
hêrre, des erbe sol ich sîn.
ich selbe heize Tristan.»
Morgân sprach: «hêrre, ir komet mich an
mit alse unnützen maeren,
daz s'alse waege waeren
verswigen alse vür brâht.
ich bin des kurze bedâht:
soltet ir iht von mir hân,
des waere iu schiere state getân.
wan iu enwürre niht dar an,
ir enwaeret ein gezaeme man
einen iegelîchen êren,
daz ir ez soltet kêren.
wir wizzen aber alle wol,
(diu lant sint dirre maere vol)
in welher wîse Blanschefluor
mit iuwerm vater von lande vuor,
ze welhen êren ez ir kam,
wie diu vriuntschaft ende nam.»
«vriuntschaft? wie meinet ir daz?»
«ich ensage iu nû niht vür baz,
wan diser rede der ist alsô.»
«hêrre» sprach aber Tristan dô
«bî disem maere erkenne ich mich.
ir meinet ez alsô, daz ich
niht êlîche sî geborn
und süle dâ mit hân verlorn
mîn lêhen und mîn lêhenreht.»
«entriuwen, hêrre guot kneht,
dâ vür hân ichz und manic man.»
«ir redet übel» sprach Tristan
«ich wânde doch, ez waere
gevellec unde gebaere,
swer dem man leide taete,
daz er mit rede doch haete
sin unde vuoge wider in.
haetet ir nu vuoge unde sin,
sô leide als ir mir habet getân,
ir möhtet mir doch rede erlân,
diu niuwe swaere wecket
und alte schulde recket.
ir sluoget mir den vater doch.
hie mite endunket iuch noch
mînes leides niht genuoc,
irn jehet, mîn muoter, diu mich truoc,
diu trüege mich kebeslîche.
sem mir got der rîche!
ich weiz wol, sô manc edele man,
des ich hie niht genennen kan,
sîne hende mir gevalten hât.
und haeten sî dise untât,
der ir dâ jehet, an mir erkant,
ir keiner haete sîne hant
zwischen die mîne nie geleit.
die wizzen wol die wârheit,
daz mîn vater Riwalîn
mîne muoter an daz ende sîn
brâhte vür ein êlîch wîp.
ist daz ich daz ûf iuwern lîp
bewaeren unde bereden sol,
entriuwen daz berede ich wol.»
«ûz» sprach Morgân «in gotes haz!
iuwer bereden waz sol daz?
iuwer slac engât ze keinem man,
der ie ze hove reht gewan.»
«diz wirt wol schîn» sprach Tristan.
er zucte swert und rande in an.
er sluoc im obene ze tal
beidiu hirne und hirneschal,
daz ez im an der zungen want.
hie mite sô stach er ime zehant
daz swert gein dem herzen în.
dô wart diu wârheit wol schîn
des sprichwortes, daz dâ giht,
daz schulde ligen und vûlen niht.
Morgânes cumpanjûne,
die vrechen Britûne,
die enkunden ime dâ niht gevromen
noch ze helfe im nie sô schiere komen,
ern laege an dem valle.
iedoch sô wâren s'alle,
als sî dô mohten, an ir wer.
ir wart viel schiere ein michel her.
die ungewarneten man
si kâmen alle ir vînde an
mit manlîchem muote.
warnunge unde huote
der nam dâ lützel ieman war,
wan drungen et mit hûfen dar
und tâten s'alle mit gewalt
ûz hin se velde vür den walt.
hie huop sich ein michel ruoft,
michel weinen unde wuoft.
alsus vlouc Morgânes tôt
mit maneger hande clagenôt,
als ob er vlücke waere.
er seite leidiu maere
ûf die bürge und in daz lant.
in dem lande vlouc zehant
niht wan daz eine clagewort:
«â noster sires, il est mort!
welch rât wirt des landes nuo?
nu zieren helde, kêret zuo
von steten und von vesten
gelônen disen gesten,
des s'uns ze leide haben getân!»
sus liezen s'ûf ir rucke gân
mit staeteclîchem strîte;
ouch vunden s'alle zîte
an ir gesten vollen strît.
die kêrten ie ze maneger zît
mit einer ganzen rotte wider
und wurfen manigen dâ nider
und wâren doch ie vliehende
und allez wider ziehende,
dâ sî dâ westen ir craft.
sus kâmen s'ûf ir ritterschaft.
dâ nâmen s'ouch herberge
ûf einem vesten berge,
dar ûfe was ir wesen die naht.
der nehte wart des landes maht
sô starc und alsô veste,
daz s'aber ir leiden geste,
als schiere als ez wart tagende,
mit gewalte wurden jagende
und manegen nider stâchen,
den hûfen dicke brâchen
mit speren und mit swerten,
diu dâ niht lange werten.
dâ wâren swert unde sper
deiswâr in harte kurzer wer.
ir wart dâ manigez vertân,
so s'in die rotte liezen gân.
ouch was daz lützele her
sô vrechlîche an sîner wer,
daz dâ vil michel schade geschach,
dâ man in in den hûfen brach.
die schar die wurden beider sît
ze einer und ze maneger zît
mit grôzem schaden überladen.
si nâmen unde tâten schaden
vil schedelîche an manegem man.
sus triben si'z mit ein ander an,
biz daz daz innere her
begunde swachen an der wer,
wan in gienc abe und jenen zuo.
die mêrten sich spâte unde vruo
an ir state und an ir maht,
sô daz si dannoch vor der naht
besâzen aber die geste
in einer wazzerveste,
dâ sich die geste ûz werten
und sich die naht dâ nerten.
sus was daz her besezzen,
mit her al umbemezzen,
als ez beziunet waere.
die vremeden sorgaere,
Tristan unde sîne man,
nu wie geviengen s'ir dinc an?
daz sage ich iu, wie ez in ergie,
wie sich ir sorge zerlie,
wie sî von dannen kâmen,
sige an ir vînden nâmen.
Tristan dô der von lande schiet,
als ime sîn rât Rûal geriet,
sîn lêhen dâ z'enpfâhene
und iesâ wider ze gâhene,
sît des lac z'allem mâle
dem saeligen Rûâle
der selbe wân ze herzen ie,
reht alse ez ouch Tristande ergie.
iedoch geriet er die geschiht
umbe Morgânes schaden niht.
hundert ritter er besande
und kêrte nâch Tristande
eben unde rehte ûf sîne vart.
unlanges und vil schiere ez wart,
daz er ze Britanje kam.
vil rehte er al zehant vernam,
wie ez gevaren waere.
und nâch des landes maere
sô nam er sîner reise ein mez
ze den Britûnen ûf daz sez.
nu sî begunden nâhen,
daz sî die vînde sâhen,
do enwart an ir rotte
ir keinem ze spotte
weder nâch noch niender abe gezogen.
si kâmen alle samet gevlogen
mit vliegenden banieren.
dâ wart michel crôieren
under ir massenîe:
«schevelier Parmenîe!
Parmenîe schevelier!»
dâ jagete banier und banier
schaden und ungevüere
durch die hütesnüere.
si tâten die Britûne
durch ir pavelûne
mit toedegen wunden.
nu die inneren begunden
ir lantbaniere erkennen,
ir zeichen hoeren nennen,
si begunden ir rûm wîten,
ûz an die wîte rîten.
Tristan lie vaste strîten gân.
dâ wart michel schade getân
an den lantgesellen.
vâhen unde vellen,
slahen unde stechen,
daz begunde ir schar durchbrechen
ze beiden sîten in dem her
und brâhte s'ouch daz ûzer wer,
daz die zwô cumpanîe
«schevelier Parmenîe!»
sô vil geriefen unde getriben.
des wâren s'âne wer beliben.
under in was wer noch kêre
noch keines strîtes mêre
wan tuschen unde vliehen,
zogen unde ziehen
wider bürge und wider walt.
der strît der wart dâ manicvalt.
ir vluht was ir meistiu wer
und vür den tôt ir bestiu ner.
nu disiu schunfentiure ergie,
diu ritterschaft sich nider lie
und nâmen herberge sâ.
und die von ir gesinde dâ
ze velde lâgen erslagen,
die hiezen sî ze grabe tragen.
jene, die dâ wunt wâren,
die hiezen sî ûf bâren
und kêrten wider ze lande.
hie mite sô was Tristande
sîn lêhen und sîn sunderlant
verlihen ûz sîn selbes hant.
er was von dem hêrre unde man,
von dem sîn vater nie niht gewan.
sus haete er sich verrihtet
und al sîn dinc beslihtet:
verrihtet an dem guote,
beslihtet an dem muote.
sîn unreht daz was allez reht,
sîn swaerer muot lîht unde sleht.
er haete dô ze sîner hant
sînes vater erbe und al sîn lant
unversprochenlîche unde alsô,
daz nieman in den zîten dô
ansprâche haete an kein sîn guot.
hie mite sô kêrte er sînen muot,
als ime gebôt und ime geriet
sîn oeheim, dô er von im schiet,
hin wider ze Curnewâle
und enmohte ouch von Rûâle
niht gewenden sîn gemüete,
der alsô manege güete
mit veterlîcher staete
an ime erzeiget haete.
sîn herze daz lac starke
an Rûal unde an Marke.
an disen zwein was al sîn sin.
der sin stuont ime her unde hin.
nu spreche ein saeliger man:
der saelige Tristan
wie gewirbet er nû hie zuo,
daz er in beiden rehte tuo
und lône ietwederem, alse er sol?
iuwer iegelîch der weiz daz wol:
ern kan daz niemer bewarn,
ern müeze ir einen lâzen varn
und bî dem andern bestân.
lât hoeren, wie sol ez ergân?
vert er ze Curnewâle wider,
sô leit er Parmenîe nider
an aller sîner werdekeit
und ist ouch Rûal nider geleit
an vröuden unde an muote,
an allem dem guote,
von dem sîn wunne solte gân.
und wil er aber dâ bestân,
sone wil er sich niht kêren
ze hoeheren êren
und übergât ouch Markes rât,
an dem al sîn êre stât.
wie sol er sich hier an bewarn?
weiz got dâ muoz er wider varn.
daz sol man ime billîchen.
er sol an êren rîchen
und stîgen an dem muote,
wil ez sich ime ze guote
und ouch ze saelden kêren.
er sol wol aller êren
billîche muoten unde gern.
wil ouch in saelde der gewern,
des hât sî reht, daz sî daz tuo,
wan al sîn muot der stât dar zuo.
Tristan der sinnerîche
der kam vil sinneclîche
sînes willen über ein,
daz er sich sînen vetern zwein
als ebene teilen wolte,
als man in snîden solte.
sich selben teilet er inzwei
gelîche und ebene alse ein ei
und gab ir ietwederem daz,
daz er wiste, daz im baz
an allen sînen dingen kam.
swer nû die teile nie vernam,
die man an ganzem lîbe hât,
dem sage ich, wie diu teile ergât:
dane hât nieman zwîvel an,
zwô sache enmachen einen man,
ich meine lîp, ich meine guot.
von disen zwein kumt edeler muot
und werltlîcher êren vil.
der aber diu zwei scheiden wil,
sô wirt daz guot ein armuot.
der lîp, dem nieman rehte tuot,
der kumt von sînem namen dervan,
und wirt der man ein halber man
und doch mit ganzem lîbe.
als habet iu von dem wîbe:
ez sî man oder wîp,
sô muoz ie guot unde lîp
mit gemeinlîchen sachen
einen ganzen namen machen.
und werdent s'aber gescheiden,
sone ist niht an in beiden.
dise rede die huop Tristan
rîche unde willeclîchen an
und ante s'ouch mit sinnen:
er hiez ime gewinnen
schoeniu ros und edele wât,
spîse und anderen rât,
des man ze hôhgezîten pflît,
und machete eine hôhgezît.
dar ladete er unde besande
die besten von dem lande,
an den des landes craft dô stuont.
die tâten, als die vriunde tuont,
und kâmen, alse in wart geseit.
nû was ouch Tristan bereit
mit allen sînen dingen.
er gap zwein jungelingen,
sînes vater Rûâles sünen, swert,
wan er ir z'erben haete gert
nâch ir vater Rûâle.
und swaz er zuo dem mâle
z'ir wirde und z'ir êren
sîner koste mohte kêren,
dâ haete er spâte unde vruo
als inneclîchen willen zuo,
als ob sî waeren sîniu kint.
nû daz sî ritter worden sint
und zwelf gesellen mit in zwein,
nû was der zwelf gesellen ein
Curvenal der hovelîche.
Tristan der tugende rîche
nam sîne bruoder an die hant,
wan ez ime ze höfscheit was gewant,
und vuorte sî bihanden dan.
sîne mâge unde sîne man
und alle, die dâ wâren
von sinnen oder von jâren
oder aber von in beiden
betrehtic unde bescheiden,
die wurden alle zehant
ze hove geladet unde besant.
nu hêrre, die sint alle dâ.
Tristan stuont ûf vor in sâ.
«ir hêrren alle» sprach er z'in
«den ich iemer gerne bin
mit triuwen und mit durnehtekeit
an allem dienste bereit,
als verre alse ich iemer kan,
mîne mâge und mîne liebe man,
von der genâden ich ez hân,
swaz mir got êren hât getân,
von iuwer helfe hân ich mich
verrihtet alles, des ich
in mînem herzen gerte.
swie mich's got gewerte,
sô weiz ich doch wol, daz ez ie
von iuwer vrümede vollegie.
waz mag ich nû mêre sagen?
ir habet in disen unmangen tagen
iuwer êre und iuwer saelekeit
sô manege wîs an mich geleit,
daz ich des keinen zwîvel hân,
disiu werlt diu enmüeze ê zergân,
ê ir mir iemer keine zît
mînes willen wider gesît.
vriunt unde man und alle die,
die durch mînen willen hie
oder durch ir selber tugende sîn,
nû lâzet iu die rede mîn
niht sêre missevallen.
ich künde und sage iu allen,
als Rûal mîn vater, der hie stât,
gesehen und ouch gehoeret hât:
daz mir mîn oeheim sîn lant
gesetzet hât in mîne hant
und wil ouch durch den willen mîn
êlîches wîbes âne sîn,
durch daz ich sîn erbe sî,
und wil, daz ich im wone bî,
swâ er sî oder swar er var.
nû hân ich mich bewegen dar
und stât mir al mîn muot dar zuo,
daz ich al sînen willen tuo
und wider zuo z'im kêre.
mîn urbor und mîn êre,
die ich in disen landen hân,
die wil ich lîhen unde lân
mînem vater Rûâle,
ob mir'z ze Curnewâle
iht anders danne wol ergê,
sweder ich sterbe oder dâ bestê,
daz ez sîn erbelêhen sî.
sô stânt ouch sîne süne hie bî
und mit im ander sîniu kint.
die aber sîn erben vürbaz sint,
die haben alle reht dar an.
mîne man und mîne dienestman,
diu lêhen über allez lant
diu wil ich haben ze mîner hant
al mîniu jâr und mîne tage.»
hie wart grôz jâmer unde clage
under aller dirre ritterschaft.
si wurden alle unherzehaft.
ir muot, ir trôst was aller hin.
«â hêrre» sprâchen s'under in
«nû waere uns michel baz geschehen,
und haete wir iuch nie gesehen.
sone waere ouch disses leides niht,
daz uns nû von iu geschiht.
hêrre, unser trôst und unser wân
der was alsô hin z'iu getân,
uns waere ein leben an iu gegeben.
nein leider unser aller leben,
daz wir ze vröuden solten haben,
daz ist erstorben unde begraben,
swenne ir von hinnen kêret.
hêrre, ir habt uns gemêret
und niht geminret unser leit.
unser aller saelekeit
diu was ein lützel ûf gestigen
und ist nû wider nider gesigen.»
ich weiz ez wârez alse den tôt,
swie starc ir aller clagenôt
und swie grôz ir swaere
von disem maere waere -
Rûal, dem ez ze guote ergienc,
der grôze vrume dâ von enpfienc
und michel êre an guote,
daz ez im in dem muote
unsanfter danne in allen tete.
er enpfieng ein lêhen an der stete,
weiz got daz er dekeinez nie
mit solhem jâmer enpfie.
nu Rûal unde siniu kint
belêhent unde g'erbet sint
von ir hêrren Tristandes hant,
Tristan ergab liut unde lant
gote und vuor von lande.
ouch kêrte mit Tristande
Curvenal sîn meister dan.
Rûal und ander sîne man,
daz lantliut al gemeine,
ob ir clage iht cleine
unde ir herzeswaere
nâch ir trûthêrren waere?
entriuwen daz verweiz ich wol:
Parmenîe daz was vol
clage unde clagemaere.
ir clage was sagebaere.
diu marschalkîn Floraete,
diu triuwe und êre haete,
diu leite marter an in lîp
als mit allem rehte ein wîp,
der got ein gerehtez leben
an wîbes êren hât gegeben.
waz leite ich nû mê hier an?
der lantlôse Tristan,
dô der ze Curnewâle kam,
ein maere er al zehant vernam,
daz ime vil swaere was vernommen:
daz von Îrlande waere komen
Môrolt der sêre starke
und vorderte von Marke
mit kampflîchen handen
den zins von beiden landen,
von Curnwal und von Engelant.
umbe den zins was ez sô gewant:
der dô z'Îrlanden künic was,
als ich'z an der istôrje las
und als daz rehte maere seit,
der hiez Gurmûn Gemuotheit
und was geborn von Affricâ
und was sîn vater künic dâ.
dô der verschiet, dô viel daz lant
an in und sînes bruoder hant,
der als wol erbe was als er.
Gurmûn was aber sô rîcher ger
und alse hôhe gemuot,
daz er dekein gemeine guot
mit niemanne wolte hân.
sîn herze enwolte in niht erlân,
ern müese selbe ein hêrre wesen.
er begunde ûz welen unde ûz lesen
die starken, die muotvesten
und zuo der nôt die besten,
die ieman erkande,
ritter und sarjande,
die er mit sînem guote
oder mit höfschlîchem muote
zuo z'ime gewinnen kunde,
und liez ouch an der stunde
sînem bruoder al sîn lant.
sus kêrte er dannen zehant
und nam von den maeren,
den gewaltegen Rômaeren
urloup unde botschaft,
swaz er betwünge mit craft,
daz er daz z'eigen haete
und ouch in dâ von taete
eteslîch reht und êre.
und enbeite ouch dô niemêre.
er vuor mit eime starken her
über lant und über mer,
biz daz er z'Îrlande kam
und an dem lande sige genam
und sî mit strîte des betwanc,
daz sî'n ze hêrren âne ir danc
und ze künege nâmen
und sît her dar an kâmen,
daz s'ime z'allen zîten
mit stürmen und mit strîten
diu bîlant hulfen twingen.
in disen selben dingen
betwanc er ouch ze sîner hant
Curnewal und Engelant.
dô was aber Marke ein kint,
als kint ze wer unveste sint,
und kam alsô von sîner craft
und wart Gurmûne zinshaft.
ouch half Gurmûnen sêre
und gab im craft und êre,
daz er Môroldes swester nam.
von dem sô wart er vorhtsam.
der was ein herzoge dâ
und haete ouch vil gerne eteswâ
selbe ein lant besezzen;
wan er as wol vermezzen
und haete lant und michel guot,
lîp unde manlîchen muot.
der was sîn vorvehtaere.
waz aber des zinses waere,
den man z'Îrlanden sande
von ietwederem lande,
des bescheide ich iuch reht und vür wâr:
si sanden in daz êrste jâr
driu hundert marc messinges
und anders keines dinges;
daz ander silber, daz dritte golt;
des vierden sô kam Môrolt
der starke von Îrlanden dar
ze wîge und ouch ze kampfe gar.
vür den sô wurden besant
ze Curnewâle und z'Engelant
barûne und ir genôze.
die giengen ouch ze lôze
ze sîner gegenwürte,
welher im antwürte
sîn kint, daz dienestbaere
und an dem lîbe waere
sô schoene und sô genaeme,
als ez dem hove gezaeme,
niht megede, niuwan knebelîn,
und solten ouch der drîzec sîn
von ietwederem lande.
und ensolte dirre schande
nieman anders widerstân,
ez enmüese mit einwîge ergân
oder aber mit lantvehte.
nu enmohten s'aber ze rehte
mit offenlîcher wer niht komen,
wan diu lant haeten abe genomen.
sô was ouch Môrolt alse starc,
als unerbermig unde als arc,
daz wider in lützel kein man,
sach er in under ougen an,
getorste wâgen den lîp
ihte mêre danne ein wîp.
und alse der zins ûf sîne vart
hin wider Îrlant geschicket wart
und daz vünfte jâr în gie,
sô muosen aber diu zwei lant ie
iemer ze sunnewenden
die boten ze Rôme senden,
die Rôme wol gezaemen,
und daz die dâ vernaemen,
welch gebot und welhen rât
der gewaltege sênât
enbüte unde sande
einem iegelîchem lande,
daz undertân ze Rôme was.
wan man in alle jâr dâ las
und tete in ouch kunt mit maeren,
wie sî nâch Rômaeren
loys unde lantreht solten wegen,
wie s'ir gerihtes solten pflegen.
und muosen ouch reht alsô leben,
als in dâ lêre wart gegeben.
diz zinsreht unde disen prîsant
den liezen disiu zwei lant
in dem vünften jâre ie schouwen
die werden Rôme, ir vrouwen.
doch buten s'ir dise êre
niht ellîche alsô sêre
weder durch reht noch durch got
sô durch Gurmûnes gebot.
nu sul wir wider zem maere komen.
Tristan der haete wol vernomen
diz leit ze Curnewâle.
ouch was im vor dem mâle
wol kunt, mit welher sicherheit
der selbe zins was ûf geleit.
iedoch sô hôrte er alle tage
von der lantliute sage
des landes laster und sîn leit,
swelhen enden er gereit
vür stete oder vür castêl.
und als er aber ze Tintajêl
zuo dem hovegesinde kam,
seht, dâ hôrte er und vernam
in gazzen unde in strâzen
von clage al solch gelâzen,
daz ez in muote starke.
vil schiere kâmen Marke
und hin ze hove maere,
daz Tristan komen waere.
des wâren s'alle samet vrô.
vrô meine ich aber, als ez in dô
nâch ir leide was gewant.
wan die allerbesten, die man vant
in allem Curnewâle,
die wâren zuo dem mâle
alle dar ze hove komen
ze laster, alse ir habet vernomen.
die edelen lantgenôze
die giengen dâ ze lôze
ir kinden z'einem valle.
sus vant si Tristan alle
kniuwende und an ir gebete,
daz iegelîcher sunder tete
unschamelîch unde untougen,
mit riezenden ougen,
mit inneclîchem smerzen
des lîbes unde des herzen:
daz im got der guote
beschirmete unde behuote
sîn edelkeit und ouch sîn kint.
nu s'alle an ir gebete sint,
Tristan kam zuo gegangen.
wie wart aber er enpfangen?
daz ist iu lîhte geseit:
Tristan wart von der wârheit
under allem dem gesinde
von keinem muoterkinde
noch ouch von Markes gruoze
enpfangen niht sô suoze,
als er doch waere getân,
und haete sî diz leit verlân.
des nam aber Tristan cleine war,
wan gienc et baltlîchen dar,
dâ man in daz lôz dâ maz,
dâ Môrolt unde Marke saz.
«ir hêrren» sprach er «alle samet,
alle mit einem namen genamet,
die hie ze lôze loufent,
ir edelkeit verkoufent,
schamt ir iuch der schanden niht,
diu disem lande an iu geschiht?
sô manhaft alse ir alle zît
alle unde an allen dingen sît,
sô soltet ir billîche
beide iuch und iuwer rîche
ahpaeren unde hêren
und an den êren mêren!
nu habet ir iuwer vrîheit
iuwern vînden geleit
ze vüezen und ze handen
mit zinslîchen schanden.
und iuwer edelen kindelîn,
diu iuwer wunne solten sîn,
iuwer lust und iuwer leben,
diu gebet ir und habet gegeben
ze schalken unde z'eigen
und enkunnet niht gezeigen,
wer iuch betwinge dar zuo
oder welher hande nôt ez tuo
niwan ein einwîc unde ein man.
kein ander nôt enist hier an.
und enkunnet under iu allen
an einen niht gevallen,
der wider einen man sîn leben
an die wâge welle geben,
weder er belîbe oder gesige.
nû sî daz, daz er dâ belige,
deiswâr so ist doch der kurze tôt
und disiu lange lebende nôt
ze himele und ûf der erde
in ungelîchem werde.
ist aber, daz er dâ gesiget
und daz daz unreht geliget,
sô hât er iemer mêre
dort gotes lôn, hie êre.
jâ suln vetere vür ir kint,
wan sî mit in ein leben sint,
ir leben geben: deist mit gote.
ez ist gâr wider gotes gebote,
der sîner kinde vrîheit
der eigenschefte vür leit,
daz er sî ze schalken gebe
und er mit vrîheite lebe.
sol ich iu rât umbe iuwer leben
nâch gote und nâch den êren geben,
sô râte ich zwâre dar an,
daz ir iu kieset einen man,
swâ sô man den vinde
under disem lantgesinde,
der ze kampfe sî getân
und an gelücke welle lân,
weder er genese oder entuo.
und bitet den alle derzuo
durch gotes willen allermeist,
daz ime der heilege geist
gelücke gebe und êre,
und envürhte niht ze sêre
Môroldes groeze und sîne craft.
sî et an gote gemuothaft,
der nie dekeinen man verlie,
der mit dem rehten umbe gie.
wol balde gêt ze râte.
berâtet iuch wol drâte,
wie ir iuch dirre schande erwert
und iuch vor einem manne ernert!
g'unêret niemer mêre
iur geburt und iuwer êre!»
«â hêrre» sprâchen s'alle dô
«jâ ist disem manne niht alsô.
ime kan nieman vor genesen.»
Tristan sprach: «lât die rede wesen!
durch got versinnet iuch doch noch.
nû sît ir an gebürte doch
allen künegen ebengrôz
und aller keisere genôz,
und wellet iuwer edelen kint,
diu iu gelîche edele sint,
versellen und versachen
und ze schalken machen?
und ist daz, daz ir keinen man
niht muget geherzen hier an,
daz er durch iuwer aller leit
und durch des landes armekeit
getürre nâch dem rehten
in gotes namen vehten
gegen dem einem manne,
geruochet ir es danne
an got gelâzen unde an mich,
deiswâr, ir hêrren, sô wil ich
mîne jugent und mîn leben
durch got an âventiure geben
und wil den kampf durch iuch bestân.
got lâze in iu ze guote ergân
und bringe iuch wider ze rehte!
ouch swie mir an der vehte
iht anders danne wol geschiht,
daz enschadet iu z'iuwerm rehte niht.
gelige ich an dem kampfe tôt,
dâ mite ist iuwer keines nôt
weder abe noch an gekêret,
geminret noch gemêret.
sô stât ez aber rehte als ê.
sî daz ez aber ze heile ergê,
daz ist binamen von gotes gebote.
des endanket nieman niuwan gote.
wan den ich eine sol bestân,
als ich vil wol vernomen hân,
der ist von muote und ouch von craft
ze ernestlîcher ritterschaft
ein lange her bewaeret man.
sô gân ich alrêrest an
an muote und an der crefte
und bin ze ritterschefte
niht alsô kürbaere,
als uns nu nôt waere.
wan daz ich aber zer vehte
an gote und ouch an rehte
zwô sigebaere helfe hân,
die suln mit mir ze kampfe gân!
dar zuo hân ich willigen muot,
der selbe ist ouch ze kampfe guot.
und helfent mir die selben drî,
swie unversuoht ich anders sî,
sô hân ich guoten trôst dar an,
ich genese wol vor einem man.»
«hêrre» sprach al diu ritterschaft
«diu heilege gotes craft,
diu al die werlt geschaffen hât,
diu vergelte iu trôst unde rât
unde den saeleclîchen wân,
den ir uns allen habet getân.
hêrre, lât iu daz ende sagen:
unser rât mag lützel vür getragen.
solte unser saelde hân geruoht,
sô vil sô wir sîn haben versuoht,
als ofte es ie begunnen wart,
ez waere niht biz her gespart.
wirn haben niht z'einem mâle
wir hie ze Curnewâle
umbe unser angest rât genomen.
wir sîn an manege sprâche komen
und enkunden doch dekeinen nie
under uns vinden, ern wolt ie
sîn kint vür eigen gerner geben,
dan er verlür sîn selbes leben
wider disen vâlandes man.»
«wie redet ir sus!» sprach Tristan
«jâ ist der dinge vil geschehen.
man hât des wunder gesehen,
daz unrehtiu hôhvart
mit cleiner craft genidert wart.
daz möhte ouch vil wol noch ergân,
der ez getörste bestân.»
nu Môrolt der hôrte allez an
und verdûhte in sêre, daz Tristan
sô vaste nâch dem kampfe sprach,
dô er'n sô kindeschen sach,
und truog im in dem herzen haz.
Tristan sprach aber dô vürbaz:
«ir hêrren alle, redet hie zuo,
waz ist iu noch liep, daz ich tuo?»
«hêrre» sprachen s'alle dô
«kunde ez iemer werden sô,
der wân, den ir uns habet getân,
daz der möhte vür sich gân:
daz waere unser aller ger.»
«ist iu daz liep?» sprach aber er.
«sît daz ez danne an dise vrist
und her ze mir behalten ist,
wil's danne got geruochen,
sô wil ich versuochen,
ob iu got habe ûf geleit
an mir dekeine saelekeit
und ob ich selbe iht saelden habe.»
hie begunde in Marke leiten abe
mit allen sînen sinnen.
er wânde im abe gewinnen,
ob er'z in lâzen hieze,
daz er ez durch in lieze.
nein er, weiz got, er entete.
weder mit gebote noch mit bete
kund er ime sô vil niht mite gegân,
daz er'z durch in wolde lân.
wan gieng et hin, dâ Môrolt saz
und redete aber dô vürbaz:
«hêrre» sprach er «saget mir,
sô helfe iu got, waz werbet ir?»
«vriunt» sprach Môrolt sâ zestunt
«wes vrâget ir? iu ist doch wol kunt,
waz ich hie wirbe und wes ich ger.»
«ir hêrren alle, hoeret her:
der künec mîn hêrre und sîne man!»
sprach aber der wîse Tristan;
«mîn hêr Môrolt, ir habet wâr,
ich weiz ez unde erkennez gâr:
al sî ez lasterbaere,
ez ist iedoch ein maere,
daz nieman undertreten mac.
man hât den zins nu manegen tac
von hinnen und von Engelant
z'Îrlanden âne reht gesant.
dar zuo brach ez sich lange
mit michelem getwange,
mit manigem gewalte;
wan man den landen valte
beidiu bürge unde stete
und in ouch an den liuten tete
sô grôzen und sô manegen schaden,
biz daz si wurden überladen
mit gewalte und mit unrehte,
unz daz die guoten knehte,
die dannoch wâren genesen,
die muosen undertaenic wesen
alles des man in gebôt,
durch daz si vorhten den tôt
und enmohten, alse in was getân,
die zît niht anders ane gegân.
als ist daz michel unreht,
als ir noch hiutes tages seht,
an in begangen iemer sît
und waere zwâre lange zît,
daz sî der grôzen swacheit
mit wîge haeten widerseit;
wan sî sint sêre vür komen.
diu lant diu habent zuo genomen
an kunden unde an gesten,
an steten unde an vesten,
an guote und an den êren.
man sol ez wider kêren,
daz uns her verkêret ist,
wan unser aller genist
muoz sus hin an gewalte wesen.
sul wir iemer genesen,
daz müeze wir beherten
mit wîge und mit herverten.
unser dinc stât an den liuten wol.
diu lant sint beidiu liute vol.
man sol ez uns her wider geben,
daz man uns allez unser leben
mit gewalte hât genomen.
wir suln dar selbe zuo z'in komen,
swenne uns got schiereste lât.
swaz man des unseren dâ hât,
es sî lützel oder vil,
der mînes willen volgen wil
und mînes râtes dar an pflegen:
man muoz ez uns her wider wegen
unz an den jungesten rinc.
ie noch möht unser messinc
ze rôtem golde werden.
ez ist vil ûf der erden
vremeder dinge geschehen,
der man sich minre hât versehen.
und dirre hêrren edeliu kint,
diu dâ ze schalken worden sint,
diu möhten noch wol werden vrî,
swie ungedâht es in doch sî.
got sî, der mich noch des gewer!
wan ich's in sînem namen ger,
daz ich noch mit mîn selbes hant
den hervanen in Îrlant
mit disen lantgenôzen
alsô müez ûf gestôzen,
daz daz lant und diu erde
von mir genidert werde!»
Môrolt sprach aber: «hêr Tristan,
naemet ir iuch minre an
dirre dinge und dirre maere,
ich waene, ez iu guot waere.
wan swaz hier under rede geschiht,
wirn lâzen doch dar umbe niht,
des wir ze rehte sulen hân.»
hie mite gieng er vür Marken stân:
«künec Marke» sprach er «sprechet hie,
lât hoeren ir und alle die,
die hie ze gegenwürte sint
mit mir ze redene umbe ir kint,
bescheidet mich der maere baz.
ist iuwer aller wille daz
und lît ouch iuwer muot dar an,
als iuwer voget hêr Tristan
mit worten hie bescheiden hât?»
«jâ hêrre, eist unser aller rât,
unser wille und unser muot,
swaz er gesprichet oder getuot.»
Môrolt sprach aber: «sô brechet ir
mînem hêrren unde mir
iuwer triuwe und iuwern eit
und alle die sicherheit,
diu under uns allen ie geschach.»
der höfsche Tristan aber dô sprach:
«nein hêrre, ir misseredet hier an.
ez lûtet übele, swer dem man
an sîne triuwe sprichet.
ir aller keiner brichet
weder triuwe noch eit.
ein gelübede unde ein sicherheit
wart wîlent under iu getân,
die sol man ouch noch staete lân:
daz s'alle jâr z'Îrlanden
mit guotem willen sanden
von Curnewal und von Engelant
den zins, der in dâ wart benant,
oder aber si sazten sich ze wer
mit einwîge oder mit lanther.
sint s'iu der dinge noch bereit
und loesent ir triuwe unde ir eit
mit zinse oder aber mit vehte,
sô tuont s'iu allez rehte.
hêrre, hie zuo denket ir:
berâtet iuch und saget mir,
weder iu lieber sî getân.
an swederz ir iuch wellet lân,
an kampf oder aber an lantstrît,
des sît ir nû und alle zît
an uns gewis und ouch gewert.
ez müezen doch sper unde swert
under uns und iu bescheiden.
nu kieset under den beiden
ir einez unde saget uns daz.
der zins enlîchet nû niht baz.»
Môrolt sprach aber: «hêr Tristan,
hie bin ich schiere komen an.
ich weiz wol, wederz ich dâ wil.
mîn ist hie nû niht alse vil,
daz ich ze lantstrîte
iht gewerlîche rîte.
ich vuor von lande über mer
mit einem heinlîchen her
und kam vil vridelîche
her in disiu rîche,
als ich ê mâles hân getân.
ich wânde, ez sus niht solte ergân.
in versach mich dirre geschiht
an dise lanthêrren niht.
ich wânde varn von hinnen
mit rehte und ouch mit minnen.
nû habet ir mir wîc vür geleit,
dar zuo bin ich noch unbereit.»
Tristan sprach: «hêrre, ist iuwer muot
ze einem lantstrîte guot,
sô kêret umbe zehant,
vart wider heim in iuwer lant,
besendet iuwer ritterschaft,
besamenet alle iuwer craft
und kumet her wider und lât uns sehen,
wie unde waz uns süle geschehen.
und tuot ir des niht zwâre
in disem halben jâre,
sô nemet ir unser dâ z'iu war:
sô komen wir sicherlîchen dar.
man hât uns doch hie vor gezalt,
gewalt hoere wider gewalt
und craft wider crefte.
sît man mit ritterschefte
lant unde reht sol swachen,
hêrren ze schalken machen
und daz ein billîch wesen sol,
sô getrûwen wir des gote wol,
daz unser aller swacheit
noch werde wider hin z'iu geleit.»
«got weiz» sprach Môrolt «hêr Tristan,
ich hoere vil wol, daz ein man,
der nie ze solhem schalle kam
noch dirre drô nie niht vernam,
dem waeren disiu maere
sorclîch und angestbaere.
ich trûwe ir aber vil wol genesen.
ich bin ouch dicker dâ gewesen,
dâ schallen unde hôhvart
mit solher rede getriben wart.
ez ist wol der geloube mîn,
Gurmûn welle âne sorge sîn
umbe sîn liut und umbe sîn lant
vor iuwerm vanen unde iuwer hant.
ouch wirt dise übermüetekeit,
man enbreche uns danne triuwe und eit,
niemer gespart z'Îrlanden.
wir suln ez hie mit handen,
wir zwêne under uns beiden
in einem ringe scheiden,
weder ir reht habet oder ich.»
Tristan sprach aber: «diz muoz ich
mit gotes helfe erzeigen,
und müeze den geveigen,
der unreht under uns beiden habe!»
sînen hantschuoch zôh er abe.
er bôt in Môrolde dar.
«ir hêrren» sprach er «nemet war:
der künec mîn hêrre und alle die,
die hie sîn, die hoeren, wie
ich disen kampf bespreche,
daz ich daz reht niht breche.
daz mîn hêr Môrolt, der hie stât,
noch der in her gesendet hât,
noch mit gewalt kein ander man
zins ze rehte nie gewan
ze Curnewal noch z'Engelant:
daz wil ich mit mîner hant
wâr machen und wârbaeren,
got unde der werlt bewaeren
ûf disen hêrren, der hie stât,
der unz her gevrumet hât
daz laster und daz ungemach,
daz disen zwein landen ie geschach.»
dâ rief an der stunde
von herzen und von munde
manec edeliu zunge hin ze gote,
daz got mit sînem gebote
bedaehte ir laster unde ir leit
und lôste sî von schalcheit.
swaz aber ir aller swaere
von disem kampfe waere,
daz gie Môrolde cleine
ze herzen oder ze beine:
er was vil unrekomen dâ van.
der wol gestandene man
der enleite ez niender nidere.
er bôt ouch ime dâ widere
des kampfes bewaerde
mit herter gebaerde,
mit fierer contenanze.
in dûhte disiu schanze
vil wol nâch sînem willen wesen.
er trûte ir harte wol genesen.
nû diz gewisset was alsô,
der kampf der wart den hêrren dô
unz an den dritten tac gespart.
nû daz der dritte tac dô wart,
dô kam al diu lantschaft
und volkes ein sô michel craft,
daz der stat bî dem mer
aller bevangen was mit her.
Môrolt vuor wâfenen sich.
mit des gewaefene wil ich
noch mit sîner sterke
mînes herzen merke
noch mînes sinnes spitze sehe
mit nâhe merkender spehe
niht stumpfen noch lesten,
sô dicke als er zem besten
an rehter manheit ist gezalt.
diu zal von ime ist manicvalt,
daz er an muote, an groeze, an craft
ze vollekomener ritterschaft
daz lob in allen rîchen truoc.
hie sî des lobes von ime genuoc.
ich weiz wol, daz er kunde
dô unde z'aller stunde
ze kampfe und ouch ze vehte
nâch ritteres rehte
sînem lîbe vil wol mite gân.
er haete es ê sô vil getân.
der guote künic Marke
dem gie der kampf sô starke
mit herzeleide an sînen lîp,
daz nie kein herzelôsez wîp
die nôt umbe einen man gewan.
er enhaete keinen trôst dar an,
ez enwaere Tristandes tôt,
und haete gerne jene nôt
iemer umbe den zins geliten,
daz der kampf waere vermiten.
nu ergieng ez aber allez baz
umbe diz und umbe daz,
umbe zins und umbe man.
der unversuohte Tristan
ze nôtlîchen dingen
der begunde ouch sich mit ringen
warnen an der stunde,
sô er allerbeste kunde.
sînen lîp und sîniu bein
diu bewârte er schone und wol in ein.
dar über leite er edel werc,
zwô hosen und einen halsperc,
die wâren lieht unde wîz,
als der meister sînen vlîz
und alle sîne wîsheit
an sî haete geleit.
zwên edele sporen starke
die spîen im sîn vriunt Marke
und sîn getriuwer dienestman
mit weinendem herzen an.
sîne wâfenriemen er im bant
alle mit sîn selbes hant.
ein wâfenroc wart dar getragen,
der was, alse ich hôrte sagen,
mit drîhen in den spelten
zen vuogen und zen velten,
z'allen sînen enden
mit vrouwînen henden
in vremedem prîse bedâht
und noch prîslîcher vollebrâht.
hî! dô er den an sich genam,
wie lustic und wie lobesam
er dô dar inne waere,
daz waere sagebaere!
wan daz aber ichz niht lengen wil.
der rede der würde alze vil,
ob ich ez allez wolte
ergründen, alse ich solte.
und sult ir doch wol wizzen daz:
der man gezam dem rocke baz
und truog in lobes und êren an
vil mêre danne der roc den man.
swie guot, swie lobebaere
der wâfenroc doch waere,
er was doch sîner werdekeit,
der in dô haete ane geleit,
kûme unde kûmeclîche wert.
dar über gurte im Marke ein swert,
daz sîn leben und sîn herze was,
von dem er allermeist genas
vor Môrolde und ouch dicke sider.
und wac daz alsô rehte nider
und lac ûf sîner strâze
in sô gevüeger mâze,
daz ez noch ûf noch nider wac
wan rehte, dâ sîn weide lac.
ein helm wart ouch besendet dar,
der was als ein cristalle var,
lûter unde veste,
der schoeneste unde der beste,
den ie ritter ûf genam.
ich waene ouch ie sô guoter kam
inz lant ze Curnewâle.
dar ûffe stuont diu strâle,
der minnen wîsaginne,
diu sît her mit der minne
an ime vil wol bewaeret wart,
swie lange ez würde dar gespart.
den sazte im Marke ûf unde sprach:
«â neve, daz ich dich ie gesach,
daz wil ich gote vil tiure clagen.
ich wil dem allem widersagen,
des kein man ze vröuden giht,
ist, daz mir leide an dir geschiht.»
ein schilt der wart ouch dar besant.
an dem haete ein gevüegiu hant
gewendet allen ir vlîz
und was der niuwan silberwîz,
durch daz er einbaere
helm unde ringen waere.
er was aber gebrûnieret,
mit lûtere gezieret
reht alse ein niuwe spiegelglas.
ein eber dar ûf gesniten was
vil meisterlîchen unde wol
von swarzem zobel alsam ein kol.
den leite im aber sîn oeheim an.
der stuont dem keiserlîchem man
und vuogete ime zer sîten
dô unde z'allen zîten,
als er dar gelîmet waere.
nû daz der lobebaere,
der genaeme kindesche man
Tristan den schilt an sich gewan,
nû lûhten disiu vier werc,
helm unde halsperc,
schilt unde hosen ein ander an
sô schône, ob sî der wercman
alle viere alsô haete ûf geleit,
daz iegelîches schônheit
dem andern schoene baere
und sîn geschoenet waere,
sone kunde ir aller vierer schîn
ebenliehter niemer sîn.
und aber daz niuwe wunder,
daz dar inne und dar under
ze schaden und ze sorgen
den vînden was verborgen,
haete aber daz dekeine craft
wider dirre vremeden meisterschaft,
diu ûzen an gebildet lac?
ich weiz ez wârez alse den tac:
swie sô der ûzer waere,
der innere bildaere
der was baz betihtet,
bemeistert unde berihtet
ze ritters figiure
dan diu ûzere faitiure.
daz werc daz was dar inne
an geschepfede unde an sinne
vil lobelîchen ûf geleit.
des wercmannes wîsheit
hî, wie wol diu dar an schein!
sîn brust, sîn arme und sîniu bein
diu wâren hêrlîch unde rîch,
wol gestalt und edelîch.
im stuont daz îsen dar obe
wol und ze wunderlîchem lobe.
sîn ors daz habete ein knappe dâ.
in Spanjenlant noch anderswâ
wart nie kein schoenerez erzogen.
ezn was niender în gesmogen:
ez was rîch und offen
zer brust und zuo den goffen,
starc ze beiden wenden,
erwünschet z'allen enden.
sîne vüeze und sîniu bein
diu behielten ouch vil wol in ein
al ir geschepfede unde ir reht.
die vüeze sinewel, diu bein sleht,
ûfrihtic alle viere
als einem wilden tiere;
ouch was ez kurzlîcher kust:
hin vor dem satel und vor der brust
dâ stuont ez alsô rehte wol,
als ein ros iemer beste sol.
dar ûffe ein wîziu decke lac,
lieht unde lûter alse der tac,
den andern ringen gelîch,
und was diu lanc und alsô rîch,
daz sî wol ebene nider gie
dem orse vaste vür diu knie.
nû daz Tristan ze vehte
nâch ritteres rehte
nâch kampfes gewonheit
wol und ze prîse was bereit,
die dô wol kunden prîsen
beidiu man und îsen,
die kâmen alle samet dar an,
daz beidiu, îsen unde man,
geworhten schoener bilde nie.
swie wol daz aber schîne hie,
ez schein doch vil und verre baz,
sît dô er ûf daz ors gesaz
und sper ze handen genam,
dô was daz bilde lussam,
dô was der ritter lobelîch,
ob dem satel und unden rîch.
arme und ahsele beide
die haeten breite weide.
in den satel kunde er sich wol,
dâ man den satel sitzen sol,
gesetzen unde gevüegen.
hin neben des orses büegen
dâ swebeten sîniu schoeniu bein
strac unde sleht alsam ein zein.
dô stuont daz ors, dô stuont der man
sô rehte wol ein ander an,
als ob si waeren under in zwein
mit ein ander unde in ein
alsô gewahsen unde geborn.
die gebaerde wâren ûz erkorn,
staetelîch und staete,
die Tristan z'orse haete.
dar zuo swie wol gebaere
gebaerdehalp er waere,
sô was doch innerthalp der muot
sô reine g'artet und sô guot,
daz edeler muot und reiner art
under helme nie bedecket wart.
sus was den kempfen beiden
ein kampfstat bescheiden,
ein cleiniu insel in dem mer,
dem stade sô nâhe unde dem her,
daz man dâ wol bereite sach,
swaz in der insele geschach.
und was ouch daz beredet dar an,
daz âne dise zwêne man
nieman dar în kaeme,
biz der kampf ende naeme.
daz wart ouch wol behalten.
sus wurden dar geschalten
den kempfen zwein zwei schiffelîn,
der ietwederz mohte sîn,
daz ez ein ors und einen man
gewâfent wol trüege dan.
nû disiu schif diu stuonden dâ.
Môrolt zôch in ir einez sâ.
daz ruoder nam er an die hant,
er schiffete anderhalp an lant.
und alse er ûz zem werde kam,
sîn schiffelîn er iesâ nam,
zuo dem stade hafte er daz.
ûf sîn ors er balde saz,
an sîne hant nam er sîn sper,
al über den wert sô liez er her
rîlîche gân punieren,
hin unde her laisieren.
und wâren sîn puneize
in dem ernestcreize
sô ringe und sô schimpfbaere,
als ez ze schimpfe waere.
als Tristan ouch ze schiffe kam,
sîn dinc dar în ze sich genam,
beidiu sîn ors und ouch sîn sper.
vorn in dem schiffe dâ stuont er.
«künec» sprach er «hêrre Marke,
nune sorget niht ze starke
umbe mînen lîp und umbe mîn leben.
wir suln ez allez gote ergeben.
unser angest hilfet hie zuo niht.
waz obe uns lîhte baz geschiht,
dan man uns habe ûf geleit?
unser sige und unser saelekeit
diu enstât an keiner ritterschaft
wan an der einen gotes craft.
lât alle vorvorhte wesen,
wan ich mac harte wol genesen.
mir ist ze disem dinge
mîn gemüete harte ringe.
als tuot ouch ir: gehabet iuch wol!
ez ergât doch niuwan, alse ez sol.
und aber swie sô mîn ding ergê,
an swelhem ende sô'z gestê,
sô lât ir iuch doch hiute,
iuwer lant und iuwer liute,
an den ich mich verlâzen hân.
got selbe, der mit mir sol gân
ze ringe und ouch ze vehte,
der bringe reht ze rehte!
got muoz binamen mit mir gesigen
oder mit mir sigelôs beligen.
der walte es unde müeze es pflegen!»
hie mite bôt er in sînen segen.
sîn schiffelîn daz stiez er an
und vuor in gotes namen dan.
hie wart sîn lîp und ouch sîn leben
von manegem munde gote ergeben.
im wart von maneger edelen hant
manec süeze segen nâch gesant.
und alse er ûz ze stade gestiez,
sîn schiffelîn er vliezen liez
und saz ûf sîn ors iesâ.
nu was ouch Môrolt iesâ dâ.
«sag an» sprach er «waz tiutet daz,
durch welhen list und umbe waz
hâstû daz schif lâzen gân?»
«daz hân ich umbe daz getân:
hie ist ein schif unde zwêne man,
und enist ouch dâ kein zwîvel an,
belîbent die niht beide hie,
daz aber binamen ir einer ie
ûf disem werde tôt beliget,
sô hât ouch jener, der dâ gesiget,
an disem einen genuoc,
daz dich dâ her zem werde truoc.»
Môrolt sprach aber: «ich hoere wol,
daz diz unwendic wesen sol,
der kampf enmüeze vür sich gân.
liezestû'n noch understân
und schiede wir mit minnen
ûf solhe rede von hinnen,
daz ich mîn zinsreht staete
von disen zwein landen haete.
daz diuhte mich dîn saelekeit.
wan zwâre mir ist sêre leit,
ist daz ich dich slâhen sol.
mirn geviel nie ritter alsô wol,
den ich mit ougen ie gesach.»
der gemuote Tristan aber dô sprach:
«der zins muoz vürder sîn getân,
sol kein suone under uns ergân.»
«entriuwen» sprach der ander dô
«diu suone wirdet niht alsô.
sus kome wir niht ze minnen.
der zins muoz mit mir hinnen.»
«sô trîbe wir» sprach Tristan
«vil harte unnütziu teidinc an.
Môrolt, sît daz du danne mîn
ze slahene sô gewis wilt sîn,
sô wer dich, wellestû genesen.
hie enmac niht anders an gewesen.»
daz ors daz warf er umbe,
er machte ûz einer crumbe
eine rihtige slihte.
er lie her gân enrihte
mit aller sînes herzen ger
mit gesenketem sper.
mit vliegenden schenkelen,
mit sporn und mit enkelen
nam er daz ors zen sîten.
wes mohte ouch jener dô bîten,
dem ez umbe daz leben dô stuont?
der tete reht als sî alle tuont,
die ûf rehte manheit
alle ir sinne hânt geleit:
er nam ouch eine kêre
nâch sînes herzen lêre
wol balde hin und balder wider.
sper warf er ûf und iesâ nider.
sus kam er her gerüeret,
als den der tiuvel vüeret.
beidiu ros unde man
kâmen Tristanden vliegende an
noch balder danne ein smirlîn.
als giric was ouch Tristan sîn.
si kâmen mit gelîcher ger
gelîche vliegende her,
daz sî diu sper zestâchen,
daz s'in den schilten brâchen
wol ze tûsent stucken.
dô gieng ez an ein zucken
der swerte von den sîten.
si giengen z'orse strîten.
got selbe möhte ez gerne sehen.
nu hoere ich al die werlde jehen
und stât ouch an dem maere,
daz diz ein einwîc waere,
und ist ir aller jehe dar an,
hiene waeren niuwan zwêne man.
ich prüeve ez aber an dirre zît,
daz ez ein offener strît
von zwein ganzen rotten was.
swie ich doch daz nie gelas
an Tristandes maere,
ich mache ez doch wârbaere.
Môrolt, als uns diu wârheit
ie hât gesaget und hiute seit,
der haete vier manne craft,
diz was vier manne ritterschaft.
daz was der strit in eine sît.
sô was anderhalp der strît:
daz eine got, daz ander reht,
daz dritte was ir zweier kneht
und ir gewaerer dienestman,
der wol gewaere Tristan,
daz vierde was willeger muot,
der wunder in den noeten tuot.
die viere und jene viere
ûz den gebilde ich schiere
zwô ganze rotte oder ahte man,
als übel als ich doch bilden kan.
ê dûhte iuch, daz diz maere
gâr ungevüege waere,
daz ûf zwein orsen zwei her
iemer möhten komen ze wer.
nû habt ir'z vür wâr vernomen,
daz hie zesamene waeren komen
under einem helme ieweder sît
vier ritter oder vier ritter strît.
die riten ouch zuo den zîten
vaste ûf ein ander strîten.
alsus kam ein geselleschaft,
Môrolt mit vier manne craft,
Tristanden alse ein dunre an.
der veige vâlandes man
der sluoc sô crefteclîche ûf in,
daz er im craft unde sin
vil nâch mit slegen haete benomen.
waere ime der schilt ze staten niht komen,
under dem er sich mit listen
kunde schirmen unde vristen,
weder helm noch halsperc
noch kein sîn ander kampfwerc
daz enhaete in dâ niht vür getragen,
ern haete in durch die ringe erslagen.
ern liez im nie die state geschehen,
daz er vor slegen möhte ûf gesehen.
sus gieng er in mit slegen an,
biz er'm mit slegen an gewan,
daz Tristan von der slege nôt
den schilt ze verre von im bôt
unde den schirm ze hôhe truoc,
biz er im durch daz diech sluoc
einen alsô hezlîchen slac,
der vil nâch hin zem tôde wac,
daz ime daz vleisch und daz bein
durch hosen und durch halsperc schein
und daz daz bluot ûf schraete
und after dem werde waete.
«wie dô?» sprach Môrolt «wiltu jehen?
hier an mahtû wol selbe sehen,
daz nieman unreht vüeren sol.
dîn unreht schînet hier an wol.
noch denke, wellestû genesen,
in welher wîse ez müge gewesen;
wan zwâre, Tristan, disiu nôt
diu ist dîn endeclîcher tôt.
ich eine enwende ez danne,
von wîbe noch von manne
sone wirdestû niemêr gesunt.
du bist mit eime swerte wunt,
daz toedic unde gelüppet ist.
arzât noch arzâte list
ernert dich niemer dirre nôt,
ez entuo mîn swester eine, Îsôt,
diu künegîn von Îrlande.
diu erkennet maneger hande
wurze und aller crûte craft
und arzâtlîche meisterschaft.
diu kan eine disen list
und anders nieman, der der ist.
diun ner dich, dû bist ungenesen.
wiltû mir noch gevolgic wesen
und mir des zinses jehende sîn,
mîn swester diu künigîn
diu muoz dich selbe heilen
und ich wil mit dir teilen
geselleclîche, swaz ich hân,
und wil dir nihtes abe gân,
dâ dich dîn wille zuo getreit.»
Tristan sprach: «mîne wârheit
und mîn êre die engibe ich
durch dîne swester noch durch dich.
ich hân in mîner vrîen hant
dâ her gevuort zwei vrîiu lant,
diu varnt ouch mit mir hinnen
oder ich muoz ir gewinnen
groezern schaden oder aber den tôt.
ouch enbin ich noch ze solher nôt
mit einer wunden niht getriben,
daz ez allez hier an sî beliben.
der kampf ist under uns beiden
ie noch vil ungescheiden.
der zins ist dîn tôt oder der mîn.
hie enmac niht anders ane gesîn.»
hie mite ruorte er in aber an.
nu sprichet daz vil lîhte ein man,
ich selbe spriche ez ouch dar zuo:
«got unde reht, wâ sint sî nuo,
Tristandes strîtgesellen?
ob s'im iht helfen wellen,
des nimt mich michel wunder.
si sûment sich hier under.
ir rotte und ir geselleschaft
diu ist sêre worden schadehaft.
sine komen danne drâte,
sô koment s'al ze spâte.
von diu sô komen schiere!
hie rîtent zwêne an viere
und strîtent niuwan umbe ir leben.
daz selbe deist ouch sêre ergeben
an zwîvel unde an untrôst.
suln s'iemer werden erlôst,
daz muoz vil kurzlîche sîn!» -
got unde reht diu riten dô în
mit rehtem urteile,
ir rotte ze heile,
ir vînden ze valle.
hie begunden sî sich alle
gelîche rottieren:
viere wider vieren.
alsus reit schar wider schar.
und Tristan, alse er wart gewar
der sînen strîtgesellen,
dô wuohs im muot und ellen.
im brâhte sîn geselleschaft
beidiu herze unde craft.
daz ors er mit den sporn nam.
sô sêre er her gerüeret kam,
daz er nâch sîner gelust
hurtende mit des orses brust
den vînt sô sêre erschalte,
daz er'n zer erden valte
mit orse mit alle.
und alse er von dem valle
ein lützel sich erholte
und wider zem orse wolte,
nû was ouch Tristan iesâ dâ.
den helm den sluog er ime iesâ,
dar er waete al dort hin dan.
hie mite sô lief in Môrolt an.
durch die covertiure er sluoc
Tristandes orse abe den buoc,
daz ez under ime dar nider gesaz,
und er tete weder wirs noch baz,
wan sprang et anderhalp dervan.
Môrolt der listege man
den schilt ze rucke er kêrte,
als in sîn witze lêrte.
mit der hant sô greif er nider,
den helm den nam er aber wider.
er haete in sîner wîsheit
alsô gedâht und ûf geleit,
sô er wider z'orse kaeme,
daz er den helm ûf naeme
und rite aber Tristanden an.
nû er den helm ze sich gewan
und hin zem orse gâhete
und dem alsô genâhete,
daz er die hant zem brîtel liez
und den linken vuoz gestiez
wol vaste in den stegereif
und mit der hant den satel ergreif,
nu haete in ouch Tristan erzogen.
er sluoc im ûf dem satelbogen
daz swert und ouch die zeswen hant,
daz si beidiu vielen ûf den sant
mit ringen mit alle.
und under disem valle
gab er im aber einen slac
reht obene, dâ diu kuppe lac,
und truoc ouch der sô sêre nider,
dô er daz wâfen zucte wider,
daz von dem selben zucke
des swertes ein stucke
in sîner hirneschal beleip,
daz ouch Tristanden sider treip
ze sorgen und ze grôzer nôt:
ez haete in nâch brâht ûf den tôt.
Môrolt, daz trôstelôse her,
do er âne craft und âne wer
sô sêre türmelende gie
und sich an den val verlie,
«wie dô, wie dô?» sprach Tristan
«sô dir got, Môrolt, sag an,
ist dir dirre maere iht kunt?
mich dunket, dû sîst sêre wunt.
ich waene, dîn dinc übele stê.
swie ez mîner wunden ergê,
dir waere guoter wurze nôt.
swaz sô dîn swester Îsôt
von erzenîe hât gelesen,
des wirt dir nôt, wiltû genesen.
der rehte und der gewaere got
und gotes waerlîch gebot
die habent dîn unreht wol bedâht
und reht an mir ze rehte brâht.
der müeze mîn ouch vürbaz pflegen!
disiu hôhvart diu ist gelegen!»
hie mite trat er im nâher baz.
daz swert daz nam er und gab daz
ze beiden sînen handen.
er sluoc sînem anden
daz houbet mit der cuppen abe.
sus kêrte er wider zuo der habe,
dâ er Môroldes schif dâ vant.
dâ saz er în und vuor zehant
gein dem stade und gein dem her.
aldâ gehôrte er bî dem mer
grôze vröude und grôze clage,
vröude unde clage, als ich iu sage.
der saelde an sîner sige lac,
den was ein saeleclîcher tac
und michel vröude erstanden.
si slageten mit handen,
si lobeten got mit munde,
si sungen an der stunde
ze himele michel sigeliet.
so was ez aber der vremeden diet,
den leiden gesten von Îrlant,
die dar wâren gesant,
ze michelem leide ertaget.
von den wart als vil geclaget,
als von disen gesungen.
si wunden unde twungen
ir jâmer under ir henden.
die jâmerigen ellenden,
die clagenden Îrlandaere,
die wîle si in ir swaere
ze schiffen wolten gâhen,
Tristan begunde in nâhen
und an dem stade bekam er in.
«ir hêrren» sprach er «kêret hin,
enpfâhet jenez zinsreht,
daz ir dort ûf dem werde seht,
und bringet iuwerm hêrren heim
und saget im, daz mîn oeheim
der künic Marke und sîniu lant
diu senden ime den prîsant
unde enbieten ime dâ bî:
swenne ez an sînem willen sî,
daz er's geruoche unde ger,
daz er sîne boten her
nâch solhem zinse sende,
wir enlâzen s'îtelhende
niemer wider gekêren.
mit sus getânen êren
sende wir s'im hinnen,
swie kûme wir'z gewinnen.»
und swaz hier under rede ergie,
mit dem schilte dacte er ie
daz bluot und die wunden
vor den unkunden
und ernerte in ouch daz selbe sider.
wan jene die kâmen alsô wider,
daz ez ir keiner nie bevant.
wan si schieden dan zehant
und vuoren hin zem werde sâ
und vunden vür ir hêrren dâ
einen zestucketen man.
den selben vuorten s'ouch von dan.
nu sî ze lande kâmen,
ze handen si nâmen
den jaemerlîchen prîsant,
der bî in dar was gesant.
diu stucke meine ich elliu driu.
zesamene leiten si diu,
daz ieman iht dâ von verlür.
ir hêrren truogen sî si vür
und seiten ime, als ich ê las,
vil rehte als ime enboten was.
ich waene und versihe mich wol,
des ich mich wol versehen sol:
der künec Gurmûn Gemuotheit
der haete unmuot und michel leit
und gieng in ouch des nôt an.
er verlôs an disem einen man
herze unde muot, trôst unde craft
und maneges mannes ritterschaft.
diu schîbe, diu sîn êre truoc,
die Môrolt vrîlîche sluoc
in den bîlanden allen,
diu was dô nider gevallen.
diu künigîn sîn swester,
der leit was aber noch vester,
ir jâmer unde ir clagenôt.
sî unde ir tohter Îsôt
die quelten manege wîs ir lîp,
als ir wol wizzet, daz diu wîp
vil nâhe gênde clage hânt,
dâ in diu leit ze herzen gânt.
si sâhen disen tôten man
durch niht niwan durch jâmer an,
durch daz ir herzeswaere
al deste groezer waere.
daz houbet kusten s'und die hant,
diu in liute unde lant
haete gemachet undertân,
als ich hie vor gesaget hân.
des houbetes wunden
besâhen s'oben und unden
ange unde jaemerlîche.
nû ersach diu sinnerîche,
diu wîse küniginne
die scharten dar inne.
si besante ein cleinez zengelîn;
dâ mite sô reichte sî dar în
unde gewan die scharten dan.
sî unde ir tohter sâhen s'an
mit jâmer und mit leide
und nâmen sî dô beide
und leiten sî in einen schrîn,
dâ sît daz selbe stuckelîn
Tristanden brâhte ze nôt.
nû hêrre Môrolt der ist tôt.
tribe ich nu michel maere
von ir aller swaere
und von ir clage, waz hülfe daz?
uns waere nihtes deste baz.
wer möhte ir aller leit beclagen?
Môrolt der wart ze grabe getragen,
begraben alse ein ander man.
Gurmûn dô trûren began
und hiez gebieten al zehant
über al daz rîche z'Îrlant,
daz man genôte naeme war,
swaz in der werlde lebendes dar
von Curnewâle kaeme,
daz man ime den lîp naeme,
ez waere wîp oder man.
diz gebot und dirre ban
der gie vür sich sô sêre,
daz nieman keine kêre
ze keiner slahte stunde
dâ hin gehaben kunde
von curnewalscher diete,
daz er dekeine miete
möhte gebieten oder gegeben,
ez engienge im niuwan an daz leben,
biz maneger muoter kint dâ van
unschuldeclîche schaden gewan.
und was daz allez âne nôt,
wan Môrolt lac billîche tôt.
der was niwan an sîner craft
und niht an gote gemuothaft
und vuorte z'allen zîten
ze allen sînen strîten
gewalt unde hôhvart,
in den er ouch gevellet wart.
nû grîfe wider, dâ ich'z liez.
Tristan dô der ze stade gestiez
âne ros und âne sper,
nû kâmen tûsent rotte her
gedrungen mit ir gruoze
ze orse und ze vuoze.
si enpfiengen in vrôlîche.
künec unde künicrîche
dien gelebeten nie sô lieben tac,
des man in wol getrûwen mac.
wan in was ûf erstanden
grôz êre ûz sînen handen.
ir aller laster unde ir leit
daz haete er eine hin geleit.
und aber die wunden, die er truoc,
die beclageten sî genuoc
und gieng in sêre nâhen.
wan sî sich aber versâhen,
daz er von dirre swaere
schiere genesen waere,
done ahten sî'z ze nihte.
si vuorten in in rihte
hin wider zem palas under in.
wol balde entwâfenten si in
und schuofen ime senfte unde gemach,
als er oder ieman vor gesprach.
arzâte man besande,
von bürgen und von lande
die allerbesten die man vant.
wie dô? die wâren besant,
die leiten allen ir sin
mit arzâtlîchem liste an in.
waz truoc daz vür oder waz half daz?
im was doch nihtes deste baz.
daz s'alle samet wisten
von arzâtlîchen listen,
daz enmohte im niht ze staten gestân.
daz gelüppe was alsô getân,
daz sî'z mit nihte kunden
gescheiden von der wunden,
unz ez im al den lîp ergienc
und eine varwe gevienc
sô jaemerlîcher hande,
daz man in kûme erkande.
dar zuo gevie der selbe slac
einen sô griulîchen smac,
daz ime daz leben swârte,
sîn eigen lîp unmârte.
ouch was sîn meistez ungemach,
daz er daz alle zît wol sach,
daz er den begunde swâren,
die sîne vriunde ê wâren,
und erkande ie baz unde baz
Môroldes rede. ouch haete er daz
ê mâles dicke wol vernomen,
wie schoene und wie vollekomen
Îsôt sîn swester waere.
wan von ihr vlouc ein maere
in allen den bîlanden,
diu ir namen erkanden:
diu wîse Îsôt, diu schoene Îsôt
diu liuhtet alse der morgenrôt.
Tristan der sorchafte man
hie gedâhte er z'allen zîten an
und wiste wol: solt er genesen,
daz enkünde niemer gewesen
wan eine von ir liste,
diu disen list dâ wiste,
diu sinnerîche künigîn.
wie'z aber möhte gesîn,
des enkunde er niht betrahten.
nu begunde er aber daz ahten,
sît ez sîn tôt doch waere,
sô waere im alsô maere
der lîp gewâget oder tôt
als disiu tôtlîche nôt.
hie mite besazte er sînen sin,
er wolte binamen dâ hin,
er engienge im, swie got wolte,
genaese, ob er solte.
sînen oeheim den besande er.
er seite im al von ende her
sîn tougen unde sînen muot,
als ein vriunt sînem vriunde tuot,
wes im wille waere
nâch Môroldes maere.
diz geviel im übele unde wol.
wan daz man schaden ze noeten sol
dulten, als man beste kan.
under zwein übelen kiese ein man,
daz danne minner übel ist.
daz selbe ist ouch ein nütze list.
sus wurden sî zwêne under in zwein
ir dinges alles inein,
als ez ouch allez gendet wart,
wie er volante sîne vart:
wie manz verswîgen solte,
daz er z'Îrlanden wolte;
wie man solte sagen maere,
daz er in Salerne waere
durch sînes lîbes genist.
nu disiu rede besetzet ist,
Curvenal wart ouch besant.
dem selben sageten s'ouch zehant
ir beider willen unde ir muot.
diz dûhte Curvenâlen guot
und jach, er wolte mit im wesen,
mit ime ersterben oder genesen.
und alse ez âbendende wart,
nu bereite man in zuo z'ir vart
eine barken unde ein schiffelîn
und schuof in vollen rât dar în
an lîpnar unde an spîse,
an anderre schifwîse.
da wart der arme Tristan
mit maneger clage getragen an
vil tougenlîche unde alsô,
daz dirre schiffunge dô
vil lützel ieman wart gewar,
wan die man ouch besande dar.
sînem oeheime Marke
dem bevalh er harte starke
sîn gesinde und ander sîn dinc.
daz sînes dinges iemer rinc
von ein ander kaeme,
biz man von ime vernaeme
gewislîchiu maere,
wie'z ime ergangen waere.
sîne harphen er besande.
die vuorte er ouch von lande
und sînes dinges nie niht mê.
hie mite so stiezen s'an den sê.
sus vuoren sî von dannen
niwan mit ahte mannen.
die selben haeten ouch ir leben
ze bürgen und ze pfande geben
und ouch versichert bî gote,
daz s'ûz ir zweier gebote
niemer vuoz getraeten.
nu sî geschiffet haeten
und Marke nâch Tristande sach,
sîn kurzewîle und sîn gemach,
ich weiz wol, daz was cleine.
ze herzen und ze beine
gieng ime daz selbe scheiden.
wan daz ez aber in beiden
ze vröuden und ze liebe kam.
nu daz daz lantvolc vernam,
mit wie getâner swaere
Tristan gevaren waere
hin wider Salerne durch genesen,
waere er ir aller kint gewesen,
sîn leit enwaere in allen nie
nâher gegangen, danne ez gie.
und wan im ouch sîn ungemach
in ir dieneste geschach,
al deste nâher gieng ez in.
nu Tristan der vuor allez hin
über state und über maht
beidiu tac unde naht
die rihte wider Îrlant,
als in des marnaeres hant
wol geleiten kunde.
und als daz schif begunde
Îrlande alsô genâhen,
daz sî daz lant wol sâhen,
Tristan den stiurmeister bat,
daz er sich gein der houbetstat
ze Develîne wante,
wan er daz wol erkante,
daz diu wîse küniginne
haete ir wesen dar inne.
des endes er dô gâhete.
und alse er ir genâhete,
daz er si kôs und ebene sach,
«seht hêrre» er zuo Tristande sprach
«ich sihe die stat: waz râtet ir?»
Tristan dô sprach: «dâ sulen wir
hie enkeren unde belîben,
disen âbent hie vertrîben
und ouch der naht ein teil hie sîn.»
sus wurfen sî den anker în
und ruoweten den âbent dâ.
und in der naht dô hiez er sâ
gein der stat hin lâzen gân.
und alse daz dô was getân,
daz sî sô nâhe kâmen,
daz s'ir gemerke nâmen
eine halbe mîle von der stat,
Tristan ime dô geben bat
daz aller ermeste gewant,
daz man in der barken vant.
und als man ime daz ane getete,
er hiez sich legen an der stete
ûz der barken in daz schiffelîn.
sîne harpfen hiez er ouch dar în
und in der mâze spîse geben,
daz er ir möhte geleben
drî tage oder viere.
nû diz was allez schiere
nâch sînem willen getân.
Curvenâlen hiez er vür sich gân
und ouch die schifman mit im.
«vriunt Curvenal» sprach er «nû nim
dise barken und diz liut an dich
und pflig ir schône und wol durch mich
alle stunde und alle zît!
und alse ir wider komen sît,
sô lône in alsô rîche,
daz s'unser heinlîche
getriuwelîche mit uns tragen
und nieman niht hier umbe sagen.
und kêre balde wider heim.
grüeze mînen oeheim
und sage im daz, daz ich noch lebe
und müge ouch noch mit gotes gebe
wol vürbaz leben unde genesen.
er ensol niht leidic umbe mich wesen.
und sage im daz zewâre,
ich kome in disem jâre,
ist daz ich genesen sol.
gelinget mînen dingen wol,
daz wirt im schiere bekant.
sage in den hof und in daz lant,
daz ich belîbe in dirre nôt
under wegen ûf der verte tôt.
mîn gesinde, daz ich noch dâ habe,
des lâ binamen niht komen abe.
sich, daz si mîn dâ bîten
biz zuo den selben zîten,
als ich dir hie gesaget hân.
und ist aber ez alsô getân,
daz mir in dirre jâres vrist
gelücke niht geschehen ist,
sô muget ir iuch mîn wol bewegen,
sô lât ir got der sêle pflegen
und nemet ir iuwer selbe war:
sô nim dû mîn liut unde var
hin heim ze Parmenîe wider
und lâ dich bî Rûâle nider,
mînem lieben vater. dem sage von mir,
daz er mir mîner triuwe an dir
durch sîne triuwe lône
und biete dir ez schône
und tugentlîche, als er wol kan,
und underwîse in ouch dar an:
die mir habent gedienet her,
daz er mich an den gewer
einer bete und keiner mê:
als iegelîches dienest stê,
daz er im danke und lône alsô.
nû lieben liute» sprach er dô
«hie mite sô sît ir gote ergeben,
vart iuwer strâze und lât mich sweben.
ich muoz ze disen zîten
der gotes genâden bîten.
sô habet ouch ir zît, daz ir vart,
iuwern lîp und iuwer leben bewart.
ez nâhet vaste gein dem tage.»
sus kêrten sî mit maneger clage
und mit manegem jâmer hin.
mit manegem trahene liezen s'in
swebende ûf dem wilden sê.
in getete nie scheiden alsô wê.
ein iegelîch getriuwer man,
der ie getriuwen vriunt gewan
und weiz, wie man den meinen sol,
entriuwen der verstât sich wol
umbe Curvenâles swaere.
swie swaere im aber waere
al sîn herze und al sîn sin,
sô schiffete er doch allez hin.
Tristan beleip al eine dâ.
der swebete dâ wâ unde wâ
mit jâmer und mit sorgen
unz an den liehten morgen.
unde als die von Develîn
daz wîselôse schiffelîn
in dem wâge ersâhen,
sie hiezen balde gâhen
und nemen des schiffelînes war.
die boten die kêrten iesâ dar.
nu sî begunden nâhen
und dannoch nieman sâhen,
nu gehôrten s'al dort her
suoze unde nâch ir herzen ger
eine süeze harpfen clingen
und mit der harpfen singen
einen man sô rehte suoze,
daz sîz in z'eime gruoze
und ze âventiure nâmen
und von der stat nie kâmen,
die wîle er harpfete unde sanc.
diu vröude diu was aber unlanc,
die sî von im haeten an der stete,
wan swaz er in dâ spiles getete
mit handen oder mit munde,
daz engie niht von grunde:
daz herze dazn was niht dermite.
so enist ez ouch niht spiles site,
daz man'z dekeine wîle tuo,
daz herze daz enstê darzuo.
al eine geschehe es harte vil,
ez enheizet doch niht rehte spil,
daz man sus ûzen hin getuot
âne herze und âne muot.
wan daz diu jugent Tristanden
mit munde und ouch mit handen
ir z'einer kurzewîle twanc,
daz er ir harpfete unde sanc,
ez was dem marteraere
ein marter unde ein swaere.
und alse er sîn spil dô verliez,
daz ander schif dar nâher stiez.
sus griffen s'an sîn schiffelîn
und warten widerstrît dar în.
nu si sîn begunden nemen war
und in sô jaemerlîche var
und sô getânen sâhen,
nu begunde ez in versmâhen,
daz er daz wunder kunde
mit handen und mit munde.
doch gruozten s'in als einen man,
der guoten gruoz verdienen kan,
mit munde und ouch mit handen
und bâten dô Tristanden,
daz er in seite maere,
wie'z ime ergangen waere.
«diz sage ich iu» sprach Tristan
«ich was ein höfscher spilman
und kunde genuoge
höfscheit unde vuoge.
sprechen unde swîgen,
lîren unde gîgen,
harpfen unde rotten,
schimpfen unde spotten,
daz kunde ich allez alsô wol,
als sô getân liut von rehte sol.
dâ mite gewan ich sô genuoc,
biz mich daz guot über truoc
und mêre haben wolte,
dan ich von rehte solte.
sus liez ich mich an koufrât,
daz mir den lîp verrâten hât.
zuo gesellen ich gewan
einen rîchen koufman
und luode wir zwêne einen kiel
mit allem dem, als uns geviel,
dâ heime ze Hispanje
und wolten ze Britanje.
alsus bestuont uns ûf dem mer
in einem schiffe ein roupher,
die nâmen uns cleine unde grôz
und sluogen mînen koufgenôz
und allez, daz dâ lebende was.
daz aber ich eine genas
mit dirre wunden, die ich hân,
daz hât diu harpfe getân,
an der ir iegelîcher sach,
als ich in selbe verjach,
ich waere ein art spilman.
sus gewan ich in mit noeten an
diz selbe cleine schiffelîn
und sô vil spîse dar în,
daz ich ir hân biz her gelebet.
sus bin ich eine sider geswebet
mit marter und mit maneger clage
wol vierzic naht und vierzic tage,
swar mich die winde sluogen,
die wilden ünde truogen
wîlent her und wîlent hin.
und enkan niht wizzen, wâ ich bin,
und weiz noch minre, war ich sol.
nu tuot ir hêrren alsô wol,
daz iu lône unser trehtîn,
und helfet mir, dâ liute sîn!»
«geselle» sprâchen aber die boten
«dîner süezen stimme und dîner noten
der soltu hie geniezen.
dune solt niht langer vliezen
âne trôst und âne rât.
swaz sô dich her gevüeret hât,
got oder wazzer oder wint,
wir bringen dich, dâ liute sint.»
diz tâten s'ouch: si vuorten in
mit schiffe mit alle hin
reht in die stat, als er si bat.
sîn schif daz haften s'an den stat
und sprâchen aber: «sich, spilman,
nim war, sich dise burc an
und dise schoene stat hie bî.
weistu noch, waz stete ez sî?»
«nein hêrre, in weiz niht, waz ez ist.»
«sô sage wir dir daz, daz du bist
ze Develîne in Îrlant.»
«des lobe ich den heilant,
daz ich doch under liuten bin!
wan eteswer ist under in,
der sîne güete an mir begât
und tuot mir eteslîchen rât.»
hie mite kêrten die boten hin
unde begunden under in
mit rede von sînen sachen
vil michel wunder machen.
si seiten wider ze maere,
daz in widervaren waere
âventiure an einem man,
dâ man sich es lützel an
und niemer solte versehen.
si seiten, alse ez was geschehen:
ê sî dar nâher kaemen,
daz s'aldort her vernaemen
einen alsô süezen harpfen clanc
und mit der harpfen einen sanc.
got möhte in gerne hoeren
in sînen himelkoeren.
und jâhen, daz daz waere
ein armer marteraere,
ein tôtwunder spilman.
«wol hin, ir seht ez ime wol an,
er stirbet morgen oder noch.
und in der marter hat er doch
einen muot sô lebelîchen.
in allen künicrîchen
envünde man ein herze niht,
daz alsô grôzer ungeschiht
möhte genemen sô cleine war.»
die burgaere kêrten dar
und triben maneger hande
maere mit Tristande
und vrâgeten in sus unde sô.
aber seite er iegelîchem dô
in der gelegenheite,
als er den boten ê seite.
sus baten s'in, er harpfete in.
und er kêrte allen sînen sin
an ir gebot und an ir bete,
wan er'z von allem herzen tete.
swâ mite er sich in kunde
mit handen oder mit munde
gelieben, daz was al sîn ger,
des vleiz er sich und daz tete er.
und alse der arme spilman
wider sînes lîbes state began
sîn harpfen und sîn singen
sô rehte suoze bringen,
ez begunde s'alle erbarmen.
sus hiezen sî den armen
ûz sînem schiffelîne tragen
und einem arzâte sagen,
daz er'n ze hûse naeme.
und swaz im rehte kaeme,
daz er des vlîz haete
und umbe ir guot im taete
beidiu helfe unde gemach.
diz wart getân und diz geschach.
und alse er'n heim brâhte,
al sîn gemach bedâhte,
alse er'z allerbeste
von sînem liste weste,
dô half ez allez cleine.
diz maere wart gemeine
über al die stat ze Develîn.
ein schar gienc ûz, diu ander în
und clageten sîn ungemach.
in der wîle ez dô geschach,
daz ein pfaffe dar în kam
und sîne vuoge vernam
an handen unde an munde.
wan er ouch selbe kunde
list unde kunst genuoge,
mit handen manege vuoge
an iegelîchem seitspil
und kunde ouch vremeder sprâche vil.
an vuoge unde an höfscheit
haete er gewendet unde geleit
sîne tage und sîne sinne.
der was der küniginne
meister unde gesinde
und haete sî von kinde
gewitzeget sêre
an maneger guoten lêre,
mit manegem vremedem liste,
den sî von im wiste.
ouch lêrte er ie genôte
ir tohter Îsôte,
die erwünscheten maget,
von der diu werlt elliu saget
und von der disiu maere sint:
diu was ir einegez kint,
und haete alle ir vlîzekeit
sît des tages an sî geleit,
daz s'iht gelernen kunde
mit handen oder mit munde.
die haete er ouch in sîner pflege.
die lêrte er dô und alle wege
beidiu buoch und seitspil.
dô der an Tristande alse vil
schoener künste und vuoge ersach,
in erbarmete sîn ungemach
vil inneclîche sêre
und enbeite ouch dô niemêre.
er gie zer küniginne dan
und seite ir, daz ein spilman
in der stat dâ waere,
der waere ein marteraere
und tôt mit lebendem lîbe
und daz nie man von wîbe
sîner künste als ûz erkorn
noch baz gemuot würde geborn.
«â» sprach er «edeliu künigîn,
möhte ez iemer gesîn,
daz wir dar zuo gedaehten,
daz wir in eteswar braehten,
dar ir mit vuoge kaemet,
daz wunder vernaemet,
daz ein sterbender man
als inneclîche suoze kan
geharpfen unde gesingen
und doch an sînen dingen
weder rât noch helfe kan gewesen.
wan ern kan niemer genesen.
sîn meister und sîn arzât,
der sîn biz her gepflegen hât,
der hât in ûz der pflege gelân,
ern mag im niht ze staten gestân
mit keiner slahte sinne.»
«sich» sprach diu küniginne
«ich sol den kameraeren sagen,
müge er ez iemer vertragen
und verdoln, daz man in handele
und under handen wandele,
daz sî'n uns her ûf bringen,
ob ime ze sînen dingen
dekeiner slahte helfe tüge
oder obe in iht generen müge.»
diz wart getân und diz geschach.
nu daz diu künigîn gesach
sîn angest al begarwe,
die wunden unde ir varwe,
nu erkande sîz gelüppe dâ.
«ach armer spilman» sprach si sâ
«dû bist mit gelüppe wunt.»
«ine weiz» sprach Tristan sâ zestunt
«ine kan niht wizzen, waz ez ist,
wan mir enmac kein arzâtlist
gehelfen noch gevrumen hie zuo.
nune weiz ich mêre, waz getuo,
wan daz ich mich gote muoz ergeben
und leben, die wîle ich mac geleben.
swer aber genâde an mir begê,
sît ez mir kumberlîche stê,
dem lône got: mirst helfe nôt,
ich bin mit lebendem lîbe tôt.»
diu wîse sprach im aber zuo:
«spilman, sag an, wie heizestuo?»
«vrouwe, ich heize Tantris.»
«Tantris, nu wis an mir gewis,
daz ich dich binamen neren sol.
wis gemuot, und gehabe dich wol!
ich wil dîn arzât selbe sîn.»
«genâde, süeziu künigîn,
diu zunge diu gruone iemer,
daz herze ersterbe niemer,
diu wîsheit diu müeze iemer leben,
den helfelôsen helfe geben,
dîn name der müeze werden
gewerdet ûf der erden!»
«Tantris» sprach aber diu künigîn
«möhte ez an dînen staten gesîn,
wan dazt aber alse uncreftic bist,
als ez kein wunder an dir ist,
sô hôrte ich gerne harpfenspil.
des kanstu, hoere ich sagen, vil.»
«nein vrouwe, sprechet alsô niht.
mich enirret kein mîn ungeschiht,
ine tuo und müge ez harte wol,
daz iuwer dienest wesen sol.»
sus wart sîn harpfe dar besant.
ouch besande man zehant
die jungen küniginne.
daz wâre insigel der minne,
mit dem sîn herze sider wart
versigelt unde vor verspart
aller der werlt gemeiner
niuwan ir al einer,
diu schoene Îsôt si kam ouch dar
und nam vil vlîzeclîche war,
dâ Tristan harpfende saz.
nu harpfete er ouch michel baz,
dan er ie dâ vor getaete.
wan er gedingen haete,
sîn ungelücke waere hin,
dâ sang er unde harphete in
niht alse ein lebelôser man,
er vieng ez lebelîchen an
und alse der wol gemuote tuot.
er machete ez in sô rehte guot
mit handen und mit munde,
daz er in der kurzen stunde
ir aller hulde alsô gevienc,
daz ez im z'allem guote ergienc.
und al des spiles, des er getete,
beide anderswâ und an der stete,
sô smacte ie der veige slac
und machete einen solhen smac,
daz nieman keine stunde
bî ime belîben kunde.
aber sprach diu küniginne dô:
«Tantris, swenne ez gevüege alsô,
daz dir dîn dinc alsô gestê,
daz dirre smac an dir zergê
und ieman bî dir müge genesen,
sô lâ dir wol bevolhen wesen
dise jungen maget Îsôte,
diu lernete ie genôte
diu buoch und dar zuo seitspil
und kan des ouch billîche vil
nâch den tagen und nâch der vrist,
als sî derbî gewesen ist.
und kanstu keiner lêre
und keiner vuoge mêre
danne ir meister oder ich,
des underwîse sî durch mich.
dar umbe wil ich dir dîn leben
und dînen lîp ze miete geben
wol gesunt und wol getân.
diu mag ich geben unde lân,
diu beidiu sint in mîner hant.»
«jâ ist ez danne alsô gewant»
sprach aber der sieche spilman
«daz ich sô wider komen kan
und mit spil genesen sol,
ob got wil, sô genise ich wol.
saeligiu küniginne,
sît daz iuwer sinne
alsô stânt, als ir dâ saget,
umbe iuwer tohter die maget,
sô trûwe ich harte wol genesen.
ich hân der buoche gelesen
in der mâze und alsô vil,
daz ich mir wol getrûwen wil,
ich gediene iu wol ze danke an ir.
dâ zuo sô weiz ich wol an mir,
daz mîner jâre kein man
sô manic edele seitspil kan.
swaz ir dar über geruochet
und her ze mir gesuochet,
daz ist allez getân,
als verre als ich's state hân.»
sus beschiet man ime ein kamerlîn
und schuof im alle tage dar în
alle die pflege und daz gemach,
daz er selbe vor gesprach.
alrêrste was diu wîsheit
ze vrumen und ze staten geleit,
die er in dem schiffe begienc,
dô er den schilt zer sîten hienc
und barc sîne wunden
vor den unkunden,
vor der îrlandeschen diet,
dô sî von Curnewâle schiet.
hie von sô was in unkunt
und enwisten niht, daz er was wunt.
wan haeten s'iht bevunden
umbe keine sîne wunden,
sô wol als in daz was erkant,
wie'z umbe die wunden was gewant,
die Môrolt mit dem swerte sluoc,
daz er in allen noeten truoc,
ezn waere Tristande nie
ergangen, alse ez ime ergie.
nû half aber ime, daz er genas,
daz er sô vorbedaehtic was.
hie mac ein man erkennen an
und wizzen wol, wie dicke ein man
guote vorbedaehte
ze guotem ende braehte,
der gerne sinnebaere
und vorbesihtic waere.
diu wîse küniginne
diu kêrte alle ir sinne
und alle ir witze dar an,
wie sî generte einen man,
umbe des lîp und umbe des leben
si gerne haete gegeben
ir lîp und alle ir êre.
si hazzete in noch mêre
dan sî sich selben minnete.
und swes si sich versinnete,
daz ime ze senfte und ze vromen
und ze heile möhte komen,
dâ was si spâte unde vruo
betrehtic unde gescheffec zuo.
daz enwas kein wunderlîch geschiht.
sine erkande ir vîndes niht.
und möhte sî daz wizzen,
an wen sî was vervlizzen
und wem sî half ûz tôdes nôt.
waere iht ergers danne der tôt,
den haete s'ime zewâre gegeben
vil michel gerner dan daz leben.
nu enwiste aber sî dâ niuwan guot
und truog im niuwan guoten muot.
ob ich iu nû vil seite
und lange rede vür leite
von mîner vrouwen meisterschaft,
wie wunderlîche guote craft
ir arzenîe haete
und wie s'ir siechen taete,
waz hülfe ez und waz solte daz?
in edelen ôren lûtet baz
ein wort, daz schône gezimt,
dan daz man ûz der bühsen nimt.
als verre als ichz bedenken kan,
so sol ich mich bewarn dar an,
daz ich iu iemer wort gesage,
daz iuwern ôren missehage
und iuwerm herzen widerstê.
ich spriche ouch deste minner ê
von iegelîcher sache,
ê ich iu daz maere mache
unlîdic unde unsenfte bî
mit rede, diu niht des hoves sî.
umbe mîner vrouwen arzâtlist
und umbe ir siechen genist
wil ich iu kurzlîche sagen:
si half im inner zweinzec tagen,
daz man in allenthalben leit
und nieman durch die wunden meit,
der anders bî im wolte sîn.
sît gie diu junge künigîn
alle zît ze sîner lêre.
an die sô leite er sêre
sînen vlîz und sîne stunde.
daz beste daz er kunde,
sô schuollist, sô hantspil,
daz ich niht sunder zalen wil,
daz leite er ir besunder vür,
daz sî nâch ir selber kür
ze lêre dar ûz naeme,
swes sô sî gezaeme.
Îsôt diu schoene tete alsô:
daz allerbeste, daz si dô
under allen sînen listen vant,
des underwant si sich zehant
und was ouch vlîzec dar an,
swes s'in der werlde began.
ouch half si harte sêre
diu vordere lêre.
si kunde ê schoene vuoge
und höfscheit genuoge
mit handen und mit munde.
diu schoene si kunde
ir sprâche dâ von Develîn,
si kunde franzois und latîn,
videlen wol ze prîse
in welhischer wîse.
ir vingere die kunden,
swenne sî's begunden,
die lîren wol gerüeren
und ûf der harpfen vüeren
die doene mit gewalte.
sie steigete unde valte
die noten behendeclîche.
ouch sanc diu saeldenrîche
suoze unde wol von munde.
und swaz s'ê vuoge kunde,
dâ kam si dô ze vrumen an.
ir meister der spilman
der bezzerte si sêre.
under aller dirre lêre
gab er ir eine unmüezekeit,
die heizen wir morâliteit.
diu kunst diu lêret schoene site.
dâ solten alle vrouwen mite
in ir jugent unmüezic wesen.
morâliteit daz süeze lesen
deist saelic unde reine.
ir lêre hât gemeine
mit der werlde und mit gote.
si lêret uns in ir gebote
got unde der werlde gevallen.
s'ist edelen herzen allen
ze einer ammen gegeben,
daz sî ir lîpnar unde ir leben
suochen in ir lêre.
wan sîne hânt guot noch êre,
ezn lêre sî morâliteit.
diz was ir meiste unmüezekeit
der jungen küniginne.
hie banekete s'ir sinne
und ir gedanke dicke mite.
hie von sô wart si wol gesite,
schône unde reine gemuot,
ir gebaerde süeze unde guot.
sus kam diu süeze junge
ze solher bezzerunge
an lêre und an gebâre
in dem halben jâre,
daz von ir saelekeite
allez daz lant seite
und ouch ir vater der künec dâ van
vil grôze vröude gewan.
ir muoter ward ez sêre vrô.
nu gevuogete ez sich dicke alsô,
ir vater sô der was vröudehaft
oder alse vremediu ritterschaft
dâ ze hove vor dem künege was,
daz Îsôt in den palas
vür ir vater wart besant.
und allez daz ir was bekant
höfschlîcher liste und schoener site,
dâ kürzete s'ime die stunde mite
und mit im manegem an der stete.
swaz vröude sî dem vater getete,
daz vröute s'al gelîche:
arme unde rîche
sî haeten an ir beide
eine saelige ougenweide,
der ôren unde des herzen lust.
ûzen und innerhalp der brust
dâ was ir lust gemeine.
diu süeze Îsôt, diu reine
si sang in, si schreip und si las.
und swaz ir aller vröude was,
daz was ir banekîe.
si videlte ir stampenîe,
leiche und sô vremediu notelîn,
diu niemer vremeder kunden sîn,
in franzoiser wîse
von Sanze und San Dinîse.
der kunde s'ûzer mâze vil.
ir lîren unde ir harpfenspil
sluoc sî ze beiden wenden
mit harmblanken henden
ze lobelîchem prîse.
in Lût noch in Thamîse
gesluogen vrouwen hende nie
seiten süezer danne hie
la dûze Îsôt, la bêle.
si sang ir pasturêle,
ir rotruwange und ir rundate,
schanzûne, refloit und folate
wol unde wol und alze wol.
wan von ir wart manc herze vol
mit senelîcher trahte.
von ir wart maneger slahte
gedanke und ahte vür brâht.
durch sî wart wunder gedâht,
als ir wol wizzet, daz geschiht,
dâ man ein solich wunder siht
von schoene und von gevuocheit,
als an Îsôte was geleit.
wem mag ich sî gelîchen
die schoenen, saelderîchen
wan den Syrênen eine,
die mit dem agesteine
die kiele ziehent ze sich?
als zôch Îsôt, sô dunket mich,
vil herzen unde gedanken în,
die doch vil sicher wânden sîn
von senedem ungemache.
ouch sint die zwô sache,
kiel âne anker unde muot,
ze ebenmâzene guot.
si sint sô selten beide
an staeter wegeweide,
sô dicke in ungewisser habe,
wankende beidiu an und abe,
ündende hin unde her.
sus swebet diu wîselôse ger,
der ungewisse minnen muot,
rehte als daz schif âne anker tuot
in ebengelîcher wîse.
diu gevüege Îsôt, diu wîse,
diu junge süeze künigîn
alsô zôch sî gedanken în
ûz maneges herzen arken,
als der agestein die barken
mit der Syrênen sange tuot.
si sanc in maneges herzen muot
offenlîchen unde tougen
durch ôren und durch ougen.
ir sanc, den s'offenlîche tete
beide anderswâ und an der stete,
daz was ir süeze singen,
ir senftez seiten clingen,
daz lûte und offenlîche
durch der ôren künicrîche
hin nider in diu herzen clanc.
sô was der tougenlîche sanc
ir wunderlîchiu schoene,
diu mit ir muotgedoene
verholne unde tougen
durch diu venster der ougen
in vil manic edele herze sleich
und daz zouber dar în streich,
daz die gedanke zehant
vienc unde vâhende bant
mit sene und mit seneder nôt.
sus haete sich diu schoene Îsôt
von Tristandes lêre
gebezzeret sêre.
sî was suoze gemuot,
ir site und ir gebaerde guot.
si kunde schoeniu hantspil,
schoener behendekeite vil:
brieve und schanzûne tihten,
ir getihte schône slihten,
si kunde schrîben unde lesen.
nu was ouch Tristan genesen
ganz unde geheilet garwe,
daz ime lîch unde varwe
wider lûteren begunde.
nu vorhte er alle stunde,
daz in eteswer erkande
von gesinde oder von lande,
und was in staeter trahte,
mit wie gevüeger ahte
er urloup genaeme
und ûz den sorgen kaeme.
wan er wol wiste, möhte ez sîn,
im solte ietweder künigîn
kûme oder niemer urloup geben.
nu bedâhte er aber, daz sîn leben
z'allen zîten was geleit
in michel ungewisheit.
er gie zer küniginne
und begunde in schoenem sinne
sîne rede besetzen an der stete,
als er an allen steten tete.
er kniete vür si unde sprach:
«vrouwe, genâde unde gemach
und helfe, die ir mir habet getân,
die lâze iu got ze staten gestân
in dem êwigen rîche!
ir habet sô saeleclîche
mit mir geworben und sô wol,
daz es iu got iemer lônen sol
und ich ez iemer dienen wil
unz an mînes tôdes zil,
an swelher stat ich armer man
iuwer lop gevürdern kan.
saeligiu künigîn,
ez sol mit iuwern hulden sîn,
daz ich wider ze lande var,
wan mîn dinc stât alsô dar,
daz ich langer niht belîben kan.»
diu vrouwe lachete in an.
«dîn smeichen» sprach si «deist ein wiht,
ich engibe dir urloubes niht,
dune kumest niht hinnen zwâre
vor disem ganzen jâre.»
«nein edeliu küniginne,
nemet in iuwer sinne,
wie ez umbe die gotes ê
und umbe herzeliebe stê.
ich hân dâ heime ein êlîch wîp,
die minne ich als mîn selbes lîp
und weiz wol, daz sich diu versiht
und enhât ouch zwîvel dar an niht,
ich ensî binamen tôt.
und ist mîn angest und mîn nôt:
wirt s'einem andern gegeben,
sô ist mîn trôst und mîn leben
und al diu vröude dâ hin,
ze der ich dingende bin,
und enwirde niemer mêre vrô.»
«entriuwen» sprach diu wîse dô
«Tantris, diu nôt ist êhaft.
alsus getâne geselleschaft
sol nieman guoter scheiden.
got der genâde iu beiden,
dînem wîbe unde dir!
swie rehte ungerne ich dîn enbir,
sô wil ich dîn durch got enbern.
urloubes muoz ich dich gewern
und bin dir willic unde holt.
ich und mîn tohter Îsôlt
wir geben dir ze dîner var
und ze dîner lîpnar
zwô marc von rôtem golde.
die habe dir von Îsolde!»
sus vielt der ellende
ietwedere sîne hende
des lîbes unde der sinne
ietwederer küniginne,
beidiu der muoter unde der maget.
«iu beiden» sprach er «sî gesaget
von gote genâde und êre!»
und enbeite ouch dô niemêre,
er vuor von dannen z'Engelant,
von Engelanden al zehant
ze Curnewâle wider heim.
nu Marke sîn oeheim
und daz lantliut vernam,
daz er gesunder wider kam,
si wurden al gelîche
von allem dem rîche
rehte unde ûz allem herzen vrô.
der künec sîn vriunt der vrâgte in dô,
wie'z ime ergangen waere.
und er seite ime daz maere
von obene hin ze grunde
so'r ebeneste kunde.
des nam s'ouch alle wunder
und begunden hier under
vil schimpfen unde lachen
und michel lahter machen
von sîner verte in Îrlant,
von sîner vîndinne hant,
wie schône in diu generte,
von allem dem geverte,
daz er under in begie.
si jâhen, sine gevrieschen nie
solhes wunders gemach.
nu diz allez geschach,
daz sîn genist und sîn vart
sêre unde wol belachet wart,
dô vrâgeten s'in genôte
von der maget Îsôte.
«Îsôt» sprach er «daz ist ein maget!
daz al diu werlt von schoene saget,
deist allez hie wider alse ein wint.
diu liehte Îsôt daz ist ein kint
von gebaerden und von lîbe,
daz kint noch maget von wîbe
als lustic unde als ûz erkorn
nie wart noch niemer wirt geborn.
diu lûtere, diu liehte Îsolt,
diu ist lûter alse arâbesch golt.
des ich ie waenende was,
alse ich'z an den buochen las,
diu von ir lobe geschriben sint,
aurôren tohter unde ir kint,
Tyntarides diu maere,
daz an ir eine waere
aller wîbe schônheit
an einen bluomen geleit:
von dem wâne bin ich komen,
Îsôt hât mir den wân benomen
ine geloube niemer mê,
daz sunne von Mycêne gê.
ganzlîchiu schoene ertagete nie
ze Criechenlant, si taget hie.
alle gedanke und alle man
die kapfen niuwan Îrlant an.
dâ nemen ir ougen wunne,
sehen, wie diu niuwe sunne
nâch ir morgenrôte
Îsôt nâch Îsôte,
dâ her von Develîne
in elliu herze schîne!
diu liehte wunneclîche
si erliuhtet elliu rîche.
daz s'alle lobes von wîben sagent,
swaz sî mit lobe ze maeren tragent,
deist allez hie wider ein niht.
der Îsôt under ougen siht,
dem liutert'z herze unde muot,
rehte als diu gluot dem golde tuot:
ez liebet leben unde lîp.
mit ir enist kein ander wîp
erleschet noch geswachet,
als maneger maere machet.
ir schoene diu schoenet,
si zieret unde croenet
wîp unde wîplîchen namen.
des ensol sich ir dekeiniu schamen.»
als Tristan haete gesaget
von sîner vrouwen der maget,
der wunneclîchen von Îrlant,
dâ nâch als ez im was erkant,
swer dô dâ bî dem maere was
und ez rehte in sîn herze las,
dem süezete diu rede den muot
rehte alse des meien tou die bluot:
si haeten alle muot dâ van.
der wol gemuote Tristan
der greif dô wider an sîn leben.
im was ein ander leben gegeben:
er was ein niuborner man.
ez huop sich êrste umbe in an.
er was dô geil unde vrô.
künec unde hof die wâren dô
ze sînem willen gereit,
biz sich diu veige unmüezekeit,
der verwâzene nît,
der selten iemer gelît,
under in begunde üeben,
der hêrren vil betrüeben
an ir muote und an ir siten,
daz sî'n der êren beniten
unde der werdekeite,
die der hof an in leite
und al daz lantgesinde.
si begunden vil swinde
reden ze sînen dingen
und in ze maere bringen,
er waere ein zouberaere.
diu vorderen maere,
wie er ir vînt Môrolden sluoc,
wie sich sîn dinc z'Îrlant getruoc,
des begunden s'under in dô jehen,
ez waere ûz zoubere geschehen.
«seht» sprâchen s'alle «merket hie
und sprechet, wie genas er ie
vor dem starken Môrolde?
wie betroug er Îsolde
die wîsen küniginne,
sîne tôtvîndinne,
daz si sîn alsô vlîzec was,
biz daz er von ir hant genas?
merket wunder, hoeret her:
der pârâtiere, wie kan er
gesehendiu ougen blenden
und allez daz verenden,
daz er ze endene hât!»
hie mite gevielen s'an den rât,
die Markes râtes pflâgen,
daz si Marke an lâgen
beidiu vruo und spâte
mit vlîzeclîchem râte,
daz er ein wîp naeme,
von der er z'erben kaeme
einer tohter oder eines suns.
marke sprach: «got der hât uns
einen guoten erben geben.
got helfe uns, daz er müeze leben!
Tristan die wîle er leben sol,
sô wizzet endelîche wol,
sone sol niemer künigîn
noch vrouwe hie ze hove gesîn.»
hie mite wart aber des hazzes mê,
des nîdes aber dô mê dan ê,
den sî Tristande truogen,
und begunde ouch an genuogen
ûz brechen alsô sêre,
daz sî'z in dô nie mêre
vor verhelen kunden
und ime ze manegen stunden
die gebaerde buten und diu wort,
daz er ervorhte den mort
und was in den sorgen ie,
daz s'eteswenne und eteswie
den rât in ein getrüegen,
daz sî'n mortlîche slüegen.
sînen oeheim Marken den bat er,
daz er der lanthêrren ger
z'einem ende braehte
und durch got bedaehte
sîn angest unde sîne nôt.
er enwiste, wenne ez sîn tôt
und sîn ende waere.
sin oeheim der gewaere
der sprach: «neve Tristan,
swîc, ine kume hie niemer an.
ine ger niht erben niuwan dîn;
ouch soltu gâr âne angest sîn
umbe dînen lîp und umbe dîn leben:
ich wil dir guoten vride geben.
ir aller nîden unde ir haz
nu sô dir got, waz schadet dir daz?
hazzen unde nîden
daz muoz der biderbe lîden.
der man der werdet al die vrist,
die wîle und er geniten ist.
wirde unde nît diu zwei diu sint
rehte alse ein muoter unde ir kint.
diu wirde diu birt alle zît
und vuoret haz unde nît.
wen gevellet ouch mê hazzes an
dan einen saeligen man?
diu saelde ist arm unde swach,
diu nie dekeinen haz gesach.
lebe iemer und wirp iemer daz,
daz du einen tac sîst âne haz.
dû enwirbest niemer daz,
daz du iemer werdest âne haz.
wellest aber von boeser diet
ungehazzet sîn, sô sing ir liet
und wis mit in ein boese wiht,
sône hazzent sî dich niht.
Tristan, swaz ieman getuo,
sô rihte dû dich ie dar zuo,
daz tû hôhes muotes sîs.
wis vor bedenkende alle wîs
dînen vrumen und dîn êre
und enrât mir niht mêre,
daz dir ze schaden müge ergân!
swaz rede hier umbe wirt getân,
des envolge ich weder in noch dir.»
«hêrre, sô gebietet mir,
sô wil ich von dem hove varn.
ine mac mich vor in niht bewarn.
sol ich bî disem hazze wesen,
sone kan ich niemer genesen.
ê ich sus angestlîche
elliu künicrîche
wolte haben ze mîner hant,
ich waere ê iemer âne lant.»
dô Marke sînen ernest sach,
er bat in swîgen unde sprach:
«neve, swie gerne ich staete
und triuwe zuo dir haete,
sone gestatestû mir's niht.
swaz sô nû hier ûz geschiht,
dâ bin ich gâr unschuldic an.
swie ich dir nû gevolgen kan,
dâ bin ich aber bereite zuo.
sag an, waz wiltu daz ich tuo?»
«dâ besendet iuwern hoverât,
der iuch hier ûf geleitet hât,
und ervaret iegelîches muot:
vrâget, wie si dunke guot,
daz ir hie mite gebâret,
ir willen sô gevâret,
daz ez mit êren müge gestân.»
nu diz wart schiere getân,
daz s'alle wâren besant.
nu die gerieten ouch zehant
und niwan durch Tristandes tôt:
möhte ez gesîn, diu schoene Îsôt
diu gezaeme im wol ze wîbe
an gebürte, an tugende, an lîbe,
und statten ouch den rât alsô.
vür Marken kâmen s'alle dô.
ir einer, der ez kunde,
der sprach mit einem munde
ir aller willen unde ir muot:
«hêrre» sprach er «uns dunket guot:
diu schoene Îsôt von Îrlant,
als al den landen ist bekant,
diu uns und in gelegen sint,
diu ist ein maget unde ein kint,
an die wîplîchiu saelekeit
alle die saelde hât geleit,
die si dar gelegen kunde,
als ir ze maneger stunde
von ir selbe habet vernomen,
diu ist saelic unde vollekomen
an lebene unde an lîbe,
mag iu diu ze wîbe
und uns ze vrouwen werden,
sone kan uns ûf der erden
an wîbe niemer baz geschehen.»
der künic sprach: «lât hêrre sehen:
ob ich die gerne wolte hân,
wie solte ez iemer ergân?
wan nemet ir doch in iuwern sin,
wie'z under uns und under in
nu guote wîle sî gewant:
und hazzet liut unde lant.
Gurmûn ist mir von herzen gram
und hât ouch reht, ich bin im sam.
wer getrüege iemer under uns zwein
sô grôze vriuntschaft inein?»
«hêrre» sprâchen s'aber dô
«ez vüeget sich vil dicke alsô,
daz under landen schade ergât.
sô suln si beidenthalben rât
beidiu suochen unde vinden
und suln ez mit ir kinden
wider ze suone bringen.
ûz hezlîchen dingen
wirt dicke michel vriuntschaft.
sît ir hie zuo gedanchaft,
ir muget doch wol geleben den tac,
daz Îrlant iuwer werden mac.
Îrlant stât niuwan an in drîn:
künic unde künigîn
an Îsôte eine g'erbet sint.
sî ist ir einegez kint.»
des antwurte in dô Marke:
«Tristan der hât mich starke
in gedanke durch si brâht.
ich hân vil durch sî gedâht,
als er si lobete wider mich.
von den gedanken bin ouch ich
von den andern allen
sô sêre an sî gevallen,
sine müge mir danne werden,
sone wirt ûf diser erden
niemer dekeiniu mîn wîp,
sam mir got und mîn selbes lîp!»
den eit tete er niht umbe daz,
daz im sîn gemüete iht baz
sô hin stüende danne her.
durch die kündekeit swuor er,
daz es im gâr was ungedâht,
daz ez iemer würde z'ende brâht.
des küneges rât sprach aber dô:
«hêrre, gevüeget ir'z alsô,
daz mîn hêr Tristan, der hie stât,
der dâ ze hove künde hât,
iuwer boteschaft dâ werben wil,
sô ist ez allez an ein zil
und an ein staetez ende brâht.
der ist wîse und wol bedâht
und saelic z'allen dingen.
der mag ez ze ende bringen.
er kan ir aller sprâche wol.
er endet, swaz er enden sol.»
«ir râtet übel» sprach Marke
«ir vlîzet iuch ze starke
Tristandes schaden und sîner nôt.
er ist doch z'einem mâle tôt
vür iuch und iuwer erben.
ir sult in aber sterben
zem anderen mâle.
nein ir von Curnewâle,
ir müezet selbe dâ hin.
niemêre râtet mir ûf in!»
«hêrre» sprach aber Tristan
«sine misseredent niht hier an.
ez waere wol gevüege,
swâ iuch der muot zuo trüege,
griffe ich ez beltlîcher an
und bereiter danne ein ander man.
und ist ouch reht, daz ich ez tuo.
herre, ich bin harte guot dar zuo.
ez enwirbet zwâre nieman baz.
gebietet et in allen daz,
daz si selbe mit mir varn,
hin unde her mit mir bewarn
iuwer dinc und iuwer êre.»
«nein, dû enkumest niht mêre
in ir gewalt und in ir hant,
sît dich got wider hât gesant.»
«hêrre, zewâre diz muoz wesen.
suln si sterben oder genesen,
daz muoz ouch mir mit in geschehen.
ich wil si selbe lâzen sehen,
belîbet diz lant erben vrî,
ob daz von mînen schulden sî.
heizet si sich bereiten!
ich wil den kiel leiten
und vüeren mit mîn selbes hant
in daz saelige Îrlant
hin wider ze Develîne
gegen dem sunnenschîne,
der manegem herzen vröude birt.
wer weiz, ob uns diu schoene wirt?
hêrre, werde iu diu schoene Îsôt,
laege wir dan alle tôt,
dâ waere lützel schaden an.»
und alse Markes râtman
gehôrten, war diu rede gie,
sine wurden alsô trûric nie
in allen ir jâren,
sô sî der rede wâren.
nu muose ez unde solte wesen.
Tristan hiez ûz dem hove lesen
des küneges heinlîchaere,
zweinzec ritter gewaere
und zuo der nôt die besten.
von lande und von gesten
gewan er sehzic umbe solt.
des râtes haete er âne golt
zweinzec lantbarûne.
sus was der cumpanjûne
hundert unde dekeiner mê.
mit den vuor Tristan über sê,
die wâren sîn geselleschaft,
und vuorte ouch râtes die craft
an spîse unde an waete,
an anderm schifgeraete,
daz sô vil liuten zuo z'ir vart
nie kiel sô wol berâten wart.
si lesent an Tristande,
daz ein swalwe z'Îrlande
von Curnewâle kaeme,
ein vrouwen hâr dâ naeme
z'ir bûwe und z'ir geniste
(ine weiz, wâ sî'z dâ wiste)
und vuorte daz wider über sê.
genistet ie kein swalwe mê
mit solhem ungemache,
sô vil sô sî bûsache
bî ir in dem lande vant,
daz s'über mer in vremediu lant
nâch ir bûgeraete streich?
weiz got, hie spellet sich der leich,
hie lispet daz maere.
ouch ist ez alwaere,
swer saget, daz Tristan ûf daz mer
nâch wâne schiffete mit her
und ensolte des niht nemen war,
wie lange er vüere oder war,
und enwiste ouch niht wen suochen.
waz rach er an den buochen,
der diz hiez schrîben unde lesen?
jâ waeren s'alle samet gewesen,
der künic, der sî ûz sande,
sîn rât von dem lande,
die boten gouche unde soten,
waeren s'alsô gewesen boten.
nû Tristan was ûf sîne vart
und schiffete allez hinewart,
er unde sîn geselleschaft.
der was ein teil vil sorchaft.
ich meine die barûne,
die zweinzic cumpanjûne,
den rât von Curnewâle.
die haeten zuo dem mâle
vil michel angest unde nôt.
sie wânden alle wesen tôt.
sie vluocheten der stunde
mit herzen und mit munde,
daz der reise unde der vart
ze Îrlande ie gedâht wart.
sine kunden umbe ir eigen leben
in selben keinen rât gegeben.
si rieten her, si rieten hin
und enkunden nie niht under in
gerâten, daz in töhte
und daz rât heizen möhte.
und enwas ouch daz kein wunder:
hier umbe noch hier under
was râtes niht wan zweier ein,
in müese einez under zwein
bringen umbe ir leben vrist:
âventiure oder list.
der list was aber dâ tiure.
sô was ouch âventiure
ir keinem in wâne.
si wâren beider âne.
doch sprâchen ir genuoge:
«wîsheit unde vuoge
der ist harte vil an disem man.
ist daz uns got gelückes gan,
wir mugen vil wol mit ime genesen,
wolte er dekeiner mâze wesen
an sîner blinden vrecheit.
der ist ze vil an in geleit.
er ist ze vrech und ze gemuot,
ern ruochet hiute, waz er tuot.
ern gaebe niht ein halbez brôt
umbe uns noch umbe sîn selbes tôt.
und iedoch unser bester wân
der muoz an sînen saelden stân.
sîn witze muoz uns lêre geben,
wie wir gevristen daz leben.»
dô sî z'Îrlande kâmen,
ir gelende dâ genâmen,
dâ man in sagete maere,
daz der künic waere
ze Weisefort vür die stât,
Tristan den anker werfen bât
wol alse verre von der habe,
daz man mit einem bogen dar abe
niht möhte haben geslagen zuo z'in.
sîne lantbarûne bâten in,
daz er durch got in seite,
mit waz gelegenheite
er wolte werben umbe daz wîp.
ez gienge in sêre an den lîp.
ez diuhte sî und waere ouch guot,
daz er in seite sînen muot.
Tristan sprach: «dâ entuot niemê,
bewart, daz iuwer keiner gê
hin vür den liuten z'ougen.
weset alle hinne tougen!
wan knehte und marnaere,
die vorschen der maere
ûf der brucke vor der schiftür,
und iuwer keiner kome dar vür!
swîget unde tuot iuch în!
ich wil selbe dâ vor sîn,
wan ich die lantsprâche kan.
man wirt uns schiere komende an
von den burgaeren
mit übelîchen maeren.
den muoz ich liegen disen tac,
swaz ich in geliegen mac.
helet ir iuch hier inne.
wan wirt man iuwer inne,
sô habe wir strît an der hant
und bestât uns allez daz lant.
die wîle ich morgen ûze sî
(wan ich wil rîten hie bî
ûf âventiure vil vruo,
mir gelinge sone tuo)
sô sî Curvenal dâ vor
und andere mit im an dem tor,
den diu sprâche sî bekant.
und eines dinges sît gemant:
ist daz ich under wegen sî
vier tage oder drî,
zehant enbîtet mîn nimê,
entrinnet wider über sê
und neret leben unde lîp!
sô hân ich eine daz wîp
verzinset mit dem lîbe,
sô râtet ir ze wîbe
iuwerm hêrren, swar iuch dunke guot.
diz ist mîn rât und ouch mîn muot.»
des küneges marschalc von Îrlant,
in des gewalt und in des hant
ez allez stuont, stat unde habe,
der kam gerüeret dort her abe
gewâfent unde wîcgar
mit einer michelen schar
beidiu der burgaere unde ir boten,
als in von hove was geboten
und als daz maere hie vor giht,
der dâ vor an daz maere siht:
swer dar ze stade gestieze,
daz man in vâhen hieze,
biz man vil rehte erkande,
ob er von Markes lande
und des gesindes waere.
die selben wîzenaere,
die leiden mortaeten,
die manegen mort haeten
begangen mit unschulden
ir hêrren ze hulden,
die kâmen in die habe gezogen
mit armbrusten und mit bogen
und mit anderre wer
als von rehte ein roupher.
des kieles meister Tristan
leit eine reisekappen an
durch anders niht wan umbe daz,
daz er sich haele deste baz.
ouch hiez er einen kopf dar tragen
von rôtem golde geslagen
und geworht ze vremedem prîse
in engeloyser wîse.
sus trat er in ein schiffelîn
und Curvenal zuo z'ime dar în
und kêrte hin gegen der habe
und bôt in sînen gruoz hin abe
mit gebaerden und mit munde,
sô er suozeste kunde.
swaz aber des gruozes waere,
genuoge burgaere
zen schiffelînen liefen,
von stade genuoge riefen:
«habe an lant, habe an lant!»
Tristan stiez in die habe zehant.
«ir hêrren» sprach er «saget mir,
wie komet ir sus? waz tiutet ir
mit disem ungeverte?
iur gebaerde die sint herte.
ine weiz, wes mich versehen sol.
durch gotes willen tuot sô wol.
si ieman bî iu an der habe,
der gewalt von dem lande habe,
der hoere und verneme mich!»
«jâ» sprach der marschalc «hie bin ich.
mîn gebaerde und mîn geverte
diu werdent iu sô herte,
daz ich binamen wizzen wil
iuwer geverte unz ûf ein zil.»
«entriuwen hêrre» sprach Tristan
«dâ habet ir mich bereiten an.
der mir geswîgen hieze
und mich ze spruche lieze,
des selben wolte ich gerne biten,
daz man mit guotlîchen siten
und sô mîn wort vernaeme,
als ez dem lande zaeme.»
hie mite wart ime ein stille gegeben.
«hêrre» sprach Tristan «unser leben,
unser geburt und unser lant
dar umbe ist ez alsô gewant,
als ich iu hie bediute.
wir sîn werbende liute
und mugen uns des niht geschamen.
koufliute heizen wir binamen,
ich und mîn cumpanîe,
und sîn von Normandîe.
unser wîp und unser kint sint dâ.
wir selbe sîn wâ unde wâ
von lande ze lande
koufende aller hande
und gewinnen, daz wir uns betragen.
und innen disen drîzec tagen
dô vuore wir von lande dan,
ich und zwêne ander koufman.
wir drî wir wolten under uns drîn
mit geselleschaft z'Iberne sîn
und sint wol ahte tage iezuo,
daz uns an einem tage vruo
von hinnen verre ein wint bestuont,
als uns die winde dicke tuont.
der hât uns drî gescheiden,
mich einen von in beiden
und enweiz niht, wie si sîn gevarn,
wan got der müeze sî bewarn,
sî sîn lebende oder tôt!
ich bin mit micheler nôt
vil manegen übelen wec geslagen
in disen swaeren ahte tagen.
und gester umbe den mitten tac,
dô sturm unde wint gelac,
dô erkante ich berge unde lant.
durch ruowen kêrte ich zehant
und ruowete unze hiute dâ.
hiute an dem morgen iesâ
dô ez liehtende wart,
dô streich ich aber ûf mîne vart
alhie her wider Weisefort.
nu vert ez hie wirs danne dort.
ich waene, ich bin noch ungenesen.
doch wânde ich hie genesen wesen,
wan ich die stat erkenne
und bin ouch eteswenne
mit koufliuten hie gewesen.
deste baz wânde ich genesen
und hie genâde vinden.
nu bin ich sturmwinden
alrêrste in die hant gevarn,
doch mag mich got noch wol bewarn.
sît ich bî disem gesinde
weder vride noch ruowe vinde,
sô kêre ich wider ûf daz mer.
dâ hân ich al der werlde wer
und strît genuogen an der vluht.
geruochet aber ir iuwer zuht
und iuwer êre an mir begân,
der mâze als ich hie guotes hân,
daz teile ich iu vil gerne mite
umbe eine kurzlîche bite,
daz ir mir und mîner habe
schaffet vride in dirre habe,
biz ich besuoche unde besehe,
ob mir diu saelde geschehe,
daz ich mîn lantgesinde
ervorsche unde ervinde.
und wellet ir mich des gewern,
sô heizet mir ouch vride bern:
si gâhent vaste dort her,
ine weiz welhe oder wer,
in cleinen schiffelînen.
oder ich var wider zen mînen
und vürhte iuch alle niht ein strô.»
der marschalc der hiez s'alle dô
wider kêren an daz lant.
zem gaste sprach er aber zehant:
«waz welt ir dem künege geben,
daz ich iu guot unde leben
in disem rîche bewar?»
aber sprach der ellende dar:
«hêrre, ich gibe im alle tage,
swâ ich'z gewinne oder bejage
eine marc von rôtem golde.
und sult ir iu ze solde
und ze miete disen kopf hân,
ob ich mich an iuch mag verlân.»
«jâ» sprachen s'alle zehant,
«er ist hie marschalc über diz lant.»
der marschalc sîne gâbe nam,
diu dûhte in rîche und lobesam,
und hiez in stôzen in die habe.
sînem lîbe und sîner habe
vride unde genâde er dô gebôt.
dâ wâren sî rîch unde rôt,
ich meine zins unde solt.
rîch unde rôt des küneges golt,
des boten solt rôt unde rîch.
si wâren beidiu rîlîch.
daz half ouch ime, daz ime geschach
beidiu genâde unde gemach.
nû Tristan der ist ze vride komen.
ie noch hât nieman vernomen,
waz er welle ane gân.
nu sol manz iuch wizzen lân,
sone belanget iuch des maeres niht.
daz maere saget unde giht
von einem serpande,
der was dô dâ ze lande.
der selbe leide vâlant
der haete liute unde lant
mit alsô schedelîchem schaden
sô schedelîchen überladen,
daz der künec swuor einen eit
bî küniclîcher wârheit:
swer ime benaeme daz leben,
er wolte im sîne tohter geben,
der edel und ritter waere.
diz selbe lantmaere
und daz vil wunneclîche wîp
diu verluren tûsenden den lîp,
die dar ze kampfe kâmen,
ir ende dâ genâmen.
des maeres was daz lant vol.
diz maere erkande ouch Tristan wol.
diz eine sterkete in dar an,
daz er der reise ie began,
diz was sîn meistiu zuoversiht,
anders trôstes haete er niht.
«nu ist es zît, nu kêre zuo!»
des anderen tages vruo
nu wâfent er sich alsô wol,
als ein man ze noeten sol.
ûf ein starkez ors saz er,
er hiez im reichen ein sper
grôz unde veste,
daz sterkeste und daz beste,
daz man in dem kiele vant.
ûf sînen wec reit er zehant
über velt und über gevilde.
er nam im in der wilde
manege kêre und manege vart.
und alse der tac stîgende wart,
dô liez er vaste hine gân
wider daz tal z'Anferginân.
daz was des trachen heimwist,
alsô man an der geste list.
nu sach er verre dort hin dan
vier gewâfende man
über ungeverte und über velt
ein lützel balder danne enzelt
vliehende gâlopieren,
der einer von den vieren
truhsaeze was der künigîn.
der was ouch unde wolte sîn
der jungen küniginne amîs,
wider ir willen alle wîs.
und alse ie man ze velde reit
durch gelücke und durch manheit,
sô was ouch der truhsaeze dâ
eteswenne und eteswâ
durch niht, wan daz man jaehe,
daz man ouch in dâ saehe,
dâ man nâch âventiure rite,
und anders was ouch niht dermite,
wan ern gesach den trachen nie,
ern kêrte belderîchen ie.
nu Tristan wart vil wol gewar
an der vliehenden schar,
der trache der waere eteswâ dâ,
und stapfet ouch des endes sâ
und reit unlange, unz er gesach
sîner ougen ungemach,
den egeslîchen trachen.
der warf ûz sînem rachen
rouch unde vlammen unde wint
alse des tiuveles kint
und kêrte gein im aldort her.
Tristan der sancte daz sper,
daz ors er mit den sporen nam.
sô swinde er dar gerüeret kam,
daz er'm daz sper zem giele în stach,
sô daz ez ime den rachen brach
und innen an dem herzen want
und er selbe ûf den serpant
sô sêre mit dem orse stiez,
daz er daz ors dâ tôtez liez
und er dâ von vil kûme entran.
der trache gieng ez aber an
mit vrâze und mit viure,
unz ez der ungehiure
vor dem satele gâr verswande.
nu was im aber als ande
daz sper, daz in dâ sêrte,
daz er von dem orse kêrte
hin wider ein steingevelle.
Tristan sîn kampfgeselle
der kêrte im nâch rehte ûf sîn spor.
der veige streich im allez vor
mit solher ungedulte,
daz er den walt vulte
mit egeslîcher stimme
und hürste vil von grimme
abe brande und ûz der erden sluoc.
des treib er vil und sô genuoc,
biz in der smerze überwant
und under eine steinwant
vil nâhen sich gedructe.
Tristan sîn swert dô zucte
und wânde, er vünde in âne strît.
nein, ez wart engestlîcher sît,
dan ez ê mâles waere.
doch enwas ez nie sô swaere,
Tristan ruorte aber den trachen an,
der trache wider an den man
und brâhte in z'alsô grôzer nôt,
daz er wânde wesen tôt.
ern liez in nie ze were komen,
er haete im schiere benomen
beidiu slege unde wer.
dô was sîn ouch ein michel her.
er vuorte mit im an den kampf
beidiu rouch unde tampf
und andere stiure
an slegen unde an viure,
an zenen unde an griffen:
die wâren gesliffen,
sêre scharpf unde wahs,
noch wahser danne ein scharsahs.
dâ mite treib er in umbe
manege engestlîche crumbe
von boumen ze buschen.
dâ muose er sich vertuschen
und vristen, swie er mohte,
wan ime der kampf niht tohte.
und haete ez doch sô sêre
versuochet mit der kêre,
daz ime der schilt vor der hant
vil nâch ze koln was verbrant,
wan er gieng in mit viure an,
daz er im kûme vor entran.
doch werte ez niht vil lange.
der mortsame slange
der kam schiere dar an,
daz er zwîvelen began
und ime daz sper sô nâhe gie,
daz er sich aber nider lie
und want sich ange und ange.
Tristan was aber unlange.
er kam gerüeret balde her,
daz swert daz stach er zuo dem sper
zem herzen în unz an die hant.
nu lie der veige vâlant
einen dôz und eine stimme
sô griulîch und sô grimme
ûz sînem veigen giele,
als himel und erde viele
und daz der selbe mortschal
verre in daz lant erhal
und Tristan harte sêre erschrac.
und alse der trache dô gelac,
daz er in tôten gesach,
den giel er im ûf brach,
mit micheler arbeit.
ûz dem rachen er im sneit
der zungen mit dem swerte
der mâze, als er ir gerte.
in sînen buosem er si stiez;
den giel er wider ze samene liez.
sus kêrte er gein der wilde hin.
daz tete er aber durch den sin:
er wolte sich verbergen dâ,
den tac geruowen eteswâ
und wider komen ze sîner maht
und wolte danne hin ze naht
ze sînen lantgesellen wider.
nu zôch in aber diu hitze nider,
die er beidiu von der arbeit
und dâ zuo von dem trachen leit,
und müedete in sô sêre,
daz er iezuo niemêre
und vil kûme mohte leben.
nu gesach er eine lachen sweben
smal unde mâzlîche grôz,
in die von einem velse vlôz
ein küelez cleinez brunnelîn.
dâ viel er alse gewâfent în
und sancte sich unz an den grunt.
er lie hie vor niwan den munt.
dâ lag er den tac und die naht.
wan ime benam al sîne maht
diu leide zunge, die er truoc.
der rouch, der von der an in sluoc,
der eine entworhte in garwe
an crefte und an der varwe,
daz er von dannen niht enkam,
unz in diu künigîn dâ nam.
der truhsaeze, alse ich hân gesaget,
der der saeligen maget
vriunt unde ritter wolte sîn,
dem begunden die gedanke sîn
ûf swellen harte grôze
von des trachen dôze,
der alsô griulîch und sô grôz
über walt und über velt dôz.
in sîn herze er allez las,
rehte alse ez ouch ergangen was,
und dâhte: «er ist binamen tôt
oder aber in alsô grôzer nôt,
daz ich in mag gewinnen
mit eteslîchen sinnen.»
von jenen drîn er sich verstal,
eine halden stapfet er ze tal
und lie wol balde hine gân,
hin dâ der schrei dâ was getân.
und alse er zuo dem orse kam,
eine ruowe er ime dâ nam.
bî dem sô habete er lange
trahtende cleine und ange.
in nam der kurzen reise
grôz angest unde vreise.
iedoch genante er über lanc
und reit als âne sînen danc
erschrocken unde herzelôs
die rihte hin, dâ er dâ kôs,
daz daz loup und daz gras
vor ime abe gesenget was,
und kam in kurzer vriste,
ê danne er sîn iht wiste,
rehte ûf den trachen, dâ er lac.
und er der truhsaeze erschrac
als inneclîche sêre,
daz er nâch eine kêre
zer erden haete genomen,
durch daz er ime sô bî was komen
und ime sô nâhen gereit.
nu was er aber zehant bereit:
daz ors warf er sô balde wider,
daz er mit dem orse nider
ze einem hûfen gelac.
nu er sich wider ûf gewac
(ich meine von der erden),
done mohte im state niht werden
vor vorhten, die er haete,
daz er sô vil getaete,
daz er ûf daz ors gesaeze.
der leide truhsaeze
er liez ez stân unde vlôch.
dô ime dô nieman nâch zôch,
dô gestuont er unde sleich dô wider,
nâch sînem sper greif er nider,
daz ors er bî dem zügele nam,
z'einem ronen er gezogen kam,
ûf daz ors gesaz er,
sînes schaden vergaz er:
er sprancte verre dort hin dan
und sach her wider den trachen an,
waz ampaere er haete,
ob er lebete oder entaete.
nu er in tôten ersach,
«heil, ob got wil» er dô sprach
«hie ist âventiure vunden.
ich bin ze guoten stunden
und ze heile komen her!»
hie mite sô neicte er daz sper,
mit dem zügel er hancte,
er hiu unde sprancte
und lie hin gân punieren,
punierende crôieren:
«schevalier damoysêle!
ma blunde Îsôt, ma bêle!»
er stach ûf in mit solher craft,
der starke eschîne schaft
daz er im durch die hant reit.
daz er aber dô niemere streit,
daz liez er niuwan durch den list.
er dâhte: «ob dirre in lebene ist,
der disen trachen hât erslagen,
sone kan ez mich niht vür getragen,
daz ich hie mite hân ûf geleit.»
er kêrte dannen unde reit
und suohte her unde hin
ûf den gedingen, ob er in
iender haete vunden
sô müeden oder sô wunden,
daz ime der strît töhte
und mit im strîten möhte,
daz ern erslagen wolte haben
und in erslagenen begraben.
und alse er sîn dô niene vant,
«lâ hêrre varn!» dâhte er zehant
«sweder er lebe oder entuo,
bin ich der êrste darzuo,
mich enwîset nieman dâ van.
ich bin gevriunt unde geman,
sô wert und sô genaeme,
swer sich'z an genaeme,
der haete doch dar an verlorn.»
er lie hin rîten gân mit sporn
ze sînem strîtgesellen wider
und erbeizete dâ zer erden nider.
an sînen strît er wider vie
rehte an der stete, dâ er in lie.
mit dem swerte, daz er truoc,
dâ mite gebecte er unde gesluoc
den vînt sô vil wâ unde wâ
biz ern verschriet dâ unde dâ.
genuoc versuohte er'z an den cragen.
den haete er ime gerne abe geslagen;
dô was er sô herte und sô grôz,
daz in der arbeit verdroz.
über einen ronen brach er daz sper.
daz vorder stucke daz stach er
dem trachen zuo dem gorgen în,
als ez ein tjoste solte sîn.
ûf sînen spanjôl saz er dô.
er begunde vrôlîch unde vrô
ze Weisefort în rüeren
und hiez bald ûz vüeren
vier pferit und einen kanzwagen,
der daz houbet solte tragen,
und seite in allen maere,
wie ime gelungen waere
und waz er angeste hie mite
und kumberlîcher noete erlite.
«jâ hêrre, al diu werlt» sprach er
«diu enbiete niuwan ôre her,
betrahte und sehe daz wunder an,
waz der geherzete man
und der gestandene muot
durch liebes wîbes willen tuot!
daz ich der nôt, in der ich was,
ie dannen kam und ie genas,
des wundert unde wundert mich
und weiz ouch wol binamen, waer ich
senfte alse ein ander man gewesen,
ine waere niemer genesen.
ine weiz niht, wer er waere:
ein âventiuraere,
der ouch nâch âventiure reit,
der was ze sîner veicheit,
ê danne ich kaeme, zuo z'im komen,
der hât sîn ende dâ genomen.
got haete sîn vergezzen.
sî sint beidiu vrezzen,
ros unde man ist allez mort.
daz ros daz lît noch halbez dort
zekuwen unde besenget.
waz töhte ez iu gelenget?
ich hân mê noete erliten hie mite,
dan kein man ie durch wîp erlite.»
sîne vriunde er alle zuo sich nam,
zem serpande er wider kam
und zeigete in sîn wunder.
und bat ouch al besunder,
daz sî der wârheit jaehen,
als sî si dâ gesaehen.
daz houbet vuorte er mit im dan.
sîne mâge und sîne man
die ladete er, die besander,
nâch dem künege rander
und mante in sîner sicherheit.
der rede der wart ein tac geleit
ze Weisefort vür daz lant.
hie mite sô wart daz lant besant,
die lantbarûne die mein ich.
nu die bereiten alle sich,
als in von hove was getaget.
nu wart ouch al zehant gesaget
ze hove den vrouwen maere.
die marter und die swaere,
die s'alle haeten dâ van,
dien gesach an vrouwen nie kein man.
diu süeze maget, diu schoene Îsôt,
diu was rehte in ir herzen tôt.
sô leiden tac si nie gesach.
Îsôt ir muoter zuo z'ir sprach:
«nein schoeniu tohter, nein, lâ stân,
lâ dir diz niht sô nâhen gân!
wan sweder ez mit der wârheit
oder aber mit lüge ist ûf geleit,
wir suln ez doch wol undervarn.
ouch sol uns got dar vor bewarn.
niene weine, tohter mîne,
diu clâren ougen dîne
diu ensuln niemer werden rôt
umbe alsô swechlîche nôt.»
«â muoter» sprach diu schoene
«vrouwe, niene gehoene
dîne geburt unde dich!
ê ich's gevolge, sô stich ich
rehte in mîn herze ein mezzer ê.
ê sîn wille an mir ergê,
ich nim mir selber ê den lîp.
ern gewinnet niemer wîp
noch vrouwen an Îsôte,
ern habe mich danne tôte.»
«nein schoeniu tohter, vürhte niht.
swes er oder ieman hie von giht,
daz ist allez samet verlorn.
und haete es al diu werlt gesworn,
ern wirdet niemer dîn man.»
und alse ez nahten began,
diu wîse vrâgete unde sprach
umbe ir tohter ungemach
ir tougenlîche liste,
von den si wunder wiste,
daz s'in ir troume gesach,
daz ez niht alsô geschach,
als der lantschal sagete.
und iesâ dô ez tagete,
si rief Îsôte und sprach ir zuo:
«â süeziu tohter, wachestuo?»
«jâ» sprach si «vrouwe muoter mîn.»
«nu lâ dîn angesten sîn.
ich wil dir liebiu maere sagen:
ern hât den trachen niht erslagen.
swaz âventiure in her getruoc,
er ist ein gast, der in dâ sluoc.
wol ûf, wir suln vil balde dar,
der maere selbe nemen war!
Brangaene, stant ûf lîse
und sage uns Paranîse,
daz er uns satele schiere.
wir müezen varn wir viere,
ich und mîn tohter, dû und er.
und bringe er uns diu pferit her,
so ez schiereste müge gesîn,
vür unser hâltürlîn,
dâ der boumgarte
hin ze velde warte!»
nu diz was allez gereit,
diu rotte saz ûf unde reit
des endes, dâ si hôrten sagen,
daz der trache was erslagen.
nu sî daz ors vunden,
daz gereite sî begunden
bemerken unde betrahten
und in ir sinnen ahten,
sin gesaehen nie z'Îrlande
gereite solher hande,
und kâmen alle dar an,
swer sô er waere, der man,
den daz ors dar trüege,
daz der den trachen slüege.
vürbaz riten si dô zehant
und kâmen ûf den serpant.
nu was des tiuvels genôz
als ungehiure und alsô grôz,
diu liehte vrouwîne schar
daz diu wart alse ein tôte var
vor angesten, dô s'in ersach.
diu muoter aber zer tohter sprach:
«ei wie sicher ich es bin,
der truhsaeze daz er in
ie getorste bestân!
wir mugen'z âne sorge lân.
und zwâre, tohter Îsôt,
dirre man sî lebende oder tôt,
mich anet sêre, daz er sî
verborgen eteswâ hie bî.
ez wîsaget mir mîn muot.
von dannen, dunket ez dich guot,
sô kêren an die suoche,
ob unser got sô ruoche,
daz wir in eteswâ vinden
und mit im überwinden
die grundelôsen herzenôt,
diu uns beswaeret alse der tôt.»
des berieten sî sich schiere.
die gereisen alle viere
si riten von ein ander sâ,
diu suohte hie und disiu dâ.
nu ergieng ez, alse ez solte
und alse der billîch wolte,
diu junge künigîn Îsôt
daz sî ir leben unde ir tôt,
ir wunne unde ir ungemach
ze allerêrste gesach.
von sînem helme gienc ein glast,
der vermeldete ir den gast.
nu sî des helmes wart gewar,
si kêrte und rief ir muoter dar:
«vrouwe île, rît her nâher baz!
ich sihe dort glesten, ine weiz waz.
ez ist rehte alse ein helm getân.
ich waene in rehte ersehen hân.»
«entriuwen» sprach diu muoter dô
«mich selben dunket ouch alsô.
got der wil unser ruochen.
ich waene, den wir suochen,
daz wir den haben vunden.»
sus riefen s'an den stunden
den anderen zwein zuo z'in
und riten alle viere hin.
nu si ime begunden nâhen
und in sô ligen sâhen,
nu wânden s'alle, er waere tôt.
«er ist tôt!» sprach ieweder Îsôt
«unser gedinge der ist hin.
der truhsaeze der hât in
mortlîche ermordet unde erslagen
und hât in in diz mos getragen.»
si erbeizeten alle viere
und haeten in vil schiere
her ûz gezogen an daz lant.
den helm enstricten s'ime zehant
und stricten ime die cuppen dan.
diu wîse Îsôt diu sach in an
und sach wol, daz er lebete
und aber sîn leben clebete
kûme alse an einem hâre.
«er lebet» sprach si «zwâre.
nu balde, entwâfent in!
ist daz ich alsô saelic bin,
daz er niht verchwunden hât,
sô mag es alles werden rât.»
die schoenen alle drîe,
diu liehte cumpanîe,
dô si den ellenden
mit snêwizen henden
entwâfenen begunden,
die zungen sî dô vunden.
«sich, warte» sprach diu künigîn
«waz ist diz oder waz mag diz sîn?
Brangaene, höfschiu niftel, sprich!»
«ez ist ein zunge, dunket mich.»
«du sprichest wâr, Brangaene.
mich dunket unde ich waene,
sô was ouch sî des trachen.
unser saelde diu wil wachen.
herzetohter, schoene Îsôt,
ich weiz ez alse mînen tôt,
wir sîn zer rehten verte komen.
diu zunge hât ouch ime benomen
beidiu craft unde sin.»
hie mite entwâfenten s'in
und dô s'an ime niht vunden
weder slege noch wunden,
dô wâren s'alle samet vrô.
trîaken nam diu wîse dô,
diu listege künigîn
und vlôzte im der alsô vil în,
biz daz er switzen began.
«er wil genesen» sprach sî «der man,
der tampf gerûmet schiere hie,
der von der zungen an in gie,
sô mag er sprechen unde ûf sehen.»
daz was ouch schiere geschehen.
er lag unlange, unz ez geschach,
daz er beide ûf und umbe sach.
nu er der saeligen schar
bî ime und umbe in wart gewar,
er gedâhte in sînem muote:
«â hêrre got der guote,
dû hâst mîn unvergezzen.
mich hânt driu lieht besezzen,
diu besten, diu diu werlt hât,
manges herzen vröude unde rât
und maneges ougen wunne:
Îsôt diu liehte sunne
und ouch ir muoter Îsôt
daz vrôlîche morgenrôt,
diu stolze Brangaene
daz schoene volmaene!»
hie mite genante er unde sprach
kûme unde kûmeclîchen: «ach,
wer sît ir unde wâ bin ich?»
«â ritter, mahtu sprechen? sprich!
wir helfen dir ze dîner nôt!»
sprach aber diu sinnerîche Îsôt.
«jâ süeziu vrouwe, saelic wîp,
und ine weiz, wie mir der lîp
und al mîn craft in kurzer vrist
geswachet unde geswichen ist.»
diu junge Îsôt diu sach in an:
«diz ist Tantris der spilman»
sprach sî «ob ich in ie gesach.»
der andern ietwederiu sprach:
«uns dunket ouch entriuwen sô.»
diu wîse diu sprach aber dô:
«bistû'z Tantris?» «vrouwe, jâ.»
«sag an» sprach aber diu wîse sâ
«wâ bistû her komen oder wie
oder waz wirbestu hie?»
«saeligest aller wîbe,
ine hân ez an dem lîbe
noch leider an der crefte niht,
daz ich iu mîne geschiht
bescheidenlîche müge gesagen.
heizet mich vüeren oder tragen
durch gotes willen eteswar,
dâ mîn ieman neme war
doch disen tag und dise naht.
und kume ich wider ze mîner maht,
so ist reht, daz ich tuo unde sage,
swaz iu lîche und iu behage.»
sus nâmen sî Tristanden
si viere ze handen,
ûf ein pferit huoben s'in
und under in vuorten s'in hin.
sus brâhten s'in heinlîchen în
wider durch ir hâltürlîn,
daz umbe ir reise und umbe ir vart
nie nieman nihtes inne wart.
dâ schuofen s'ime helfe unde gemach.
die zungen, alse ich ê dâ sprach,
sîn îsen und sîn ander dinc
des enbleip dâ weder vadem noch rinc.
si vuorten'z allez mit in dan,
beidiu harnasch unde man.
nu daz der ander tac dô kam,
diu wîse in aber ze handen nam.
«nu Tantris» sprach si «sage mir
bî den genâden, alse ich dir
nû unde ê mâles hân getân,
daz ich dich zwirnt erneret hân
und bin dir willic unde holt,
und als du dînem wîbe solt.
wenne kaeme dû in Îrlant?
wie slüege dû den serpant?»
«vrouwe, daz wil ich iu sagen.
ich kam in disen kurzlîchen tagen,
es sint drî tage von hiute,
ich und ander koufliute
mit eime kiele in dise habe.
dô kam ein roupher hinnen abe,
ine weiz durch welhe geschiht,
die wolten uns, haete ich ez niht
mit mînem guote underkomen,
den lîp zem guote hân genomen.
nu ist ez uns alsô gewant:
wir müezen dicke vremediu lant
heinlîchen unde bûwen
und enwizzen wem getrûwen,
wan man uns vil gewaltes tuot.
sô weiz ich wol, mir waere guot,
mit swelher slahte dingen
ich'z dâ zuo möhte bringen,
daz mich diu lant erkanden.
künde in vremeden landen
diu rîchet den koufman.
seht, vrouwe, dâ gedâhte ich an,
wan mir ist umbe den serpant
daz lantmaere lange erkant
und sluog in niuwan umbe daz.
ich waene, daz ich deste baz
vride unde genâde vinde
bî disem lantgesinde.»
«vride unde genâde» sprach Îsôt
«diu müezen dich an dînen tôt
mit wernden êren bringen!
du bist ze guoten dingen
dir selbem unde uns komen her.
nu trahte, wes dîn herze ger.
daz ist getân, daz schaffe ich dir
von mînem hêrren und von mir.»
«genâde, vrouwe, sô ergib ich
mînen kiel unde mich
vil verre an iuwer triuwe.
seht, daz mich iht geriuwe,
daz ich iu guot unde leben
an iuwer triuwe hân ergeben.»
«nein zwâre Tantris, ez entuot.
umbe dîn leben unde umbe dîn guot
ensorge nû niemêre.
mîne triuwe und mîn êre,
sê hie, die nim in dîne hant.
daz dir niemer ze Îrlant
bî mînem lebene leit geschiht.
entwer mich einer bete niht
und biut mir eteslîchen rât
umbe eine sache, an der nu stât
mîn êre und al mîn saelekeit.»
und seite im, alse ich hân geseit,
wes sich der truhsaeze
umbe dise tât vermaeze.
wie sêre und wie genôte
er spraeche nâch Îsôte
und wie er den valsch und die lüge
ze offenlîchem kampfe züge,
ob ieman über in kaeme,
der sich ez an genaeme.
«saeligiu vrouwe» sprach Tristan
«hie enhabet keine sorge van.
ir habet mir zwirnt lîp unde leben
mit gotes helfe wider gegeben,
diu suln ouch iu ze rehte
beidiu ze dirre vehte
und z'allen noeten bî stân,
die wîle ich sî gesunde hân.»
«got lône dir, lieber Tantris!
des bin ich gerne an dir gewis
und wil dir ouch des wol verjehen:
ist daz diz wunder sol geschehen,
sô sîn wir beide, ich unde Îsôt,
iemer mit lebendem lîbe tôt.»
«nein vrouwe, tuot die rede hin.
sît ich in iuwerm vride bin
und mînen lîb und swaz ich hân
an iuwer êre hân verlân
und dar an sicher wesen sol,
trût vrouwe, sô gehabet iuch wol!
helfet mir ze lîbe wider,
ich gelege ez allez eine nider.
und saget mir, vrouwe, ist iu bekant:
die zungen, die man bî mir vant,
beleip diu oder war tete man die?»
«entriuwen nein, ich hân si hie
und allez, daz du haben solt.
mîn schoeniu tohter selbe, Îsôlt,
und ich wir brâhten'z allez dan.»
«diz kumt uns rehte» sprach Tristan;
«nu saeligiu künigîn,
lât aller slahte sorge sîn
und râtet mir ze mîner craft,
sô ist ez allez endehaft.»
die küniginne beide,
beide âne underscheide,
si nâmen in ze handen
und swaz si beide erkanden,
daz ime ze heile und ze vromen
an sînem lîbe möhte komen,
daz was ir meiste unmüezekeit.
hier under haete michel leit
sîn kiel und sîn geselleschaft,
der was genuoc als angesthaft,
daz s'ungenesen wânden wesen.
ir dekeiner trûwete genesen,
wan s'innerhalp den zwein tagen
nie niht von ime gehoerten sagen.
ouch haeten sî den schal vernomen,
der von dem trachen ûz was komen.
und was des maeres vil getriben,
dâ waere ein ritter tôt beliben,
des ors daz laege halbez dâ.
nu dâhten ouch die sîne sâ:
«wer waere daz niwan Tristan?
dane ist binamen kein zwîvel an,
haete ez ime der tôt niht benomen,
er waere sît her wider komen.»
hie mite gerieten s'under in
und santen Curvenâlen hin,
daz er des orses naeme war.
daz tete er: Curvenal reit dar
und vant daz ors und erkande daz.
nu reit er aber vürbaz.
den trachen vant er ouch zehant
und alse er dô nimêre vant
von keinen sînen dingen
an gewande noch an ringen,
dô kam in michel zwîvel an.
«â» dâhte er «hêrre Tristan,
weder bistu lebende oder tôt?
ôwî, ôwî» sprach er «Îsôt,
ôwî, daz dîn lop und dîn nam
ie hin ze Curnewâle kam!
was dîn schoene und edelkeit
ze solhem schaden ûf geleit
einer der saeligesten art,
diu ie mit sper versigelt wart,
der dû ze wol geviele?»
sus kêrte er wider zem kiele
weinende unde clagende,
diu maere wider sagende,
als er si haete ervunden.
diu maere begunden
genuogen missevallen
und iedoch niht in allen.
daz selbe swaere maere
was niht ir aller swaere.
genuoge ez wol vertruogen.
ouch sach man an genuogen,
daz ez in grôze riuwe bar,
und was ouch der diu meiste schar.
sus was ir wille unde ir muot
undersniten übel unde guot.
mit disem wehsele geviel
der gezweiete kiel
an sprâchen unde an rûnen.
den zweinzic barûnen
den was niht inneclîche leit
der zwîvel, der in was geseit.
si wânden dannen komen dar mite.
und daz man sîn niht langer bite,
des bâten s'al gemeine
(die zweinzic meine ich eine).
si rieten alle dar an,
daz man des nahtes vüere dan.
sô rieten aber ander daz,
daz sî beliben unde baz
ervüeren diu maere,
wie'z ime ergangen waere.
alsus zehullen s'under in.
dise wolten gerne hin,
jene wolten dâ bestân.
sus ward ez dô dar an verlân,
sît daz sîn tôt niht waere
gewis noch offenbaere,
daz sî dâ langer beliben,
ir vorsche unde ir vrâge triben
zem minnesten doch zwêne tage:
daz was der barûne clage.
hie mite sô was ouch der tac komen,
der ze Weisefort was genomen,
dar Gurmûn haete getaget
umbe sîne tohter die maget
und umbe den truhsaezen.
Gurmûnes umbesaezen,
sîne man und sîne mâge,
als er si durch râtvrâge
ze sînem tage haete besant,
die wâren alle dâ zehant.
die nam ouch er besunder
und suohte rât hier under
sô verre und alsô sêre,
als dem ez umbe sîn êre
und ouch niht anders enstât.
dar zuo besande er an den rât
sîn liebez wîp, die künigîn.
si mohte im ouch wol liep sîn,
wan er haete an ir einer dô
sunderlîcher saelden zwô,
der allerbesten, die der man
an liebem wîbe vinden kan:
schoene unde wîsheit,
der was der mâze an sî geleit,
daz s'ime wol mohte liep sîn.
diu saelige künigîn,
diu schoene wîse was ouch dâ.
ir vriunt der künic nam si sâ
von dem râte dort hin dan.
«wie râtestû?» sprach er «sag an.
mir ist disiu rede swaere alse der tôt.»
«gehabet iuch wol» sprach aber Îsôt
«wir suln uns wol hier an bewarn.
ich hân ez allez undervarn.»
«wie? herzevrouwe, sage ouch mir.
sô vröuwe ich mich der rede mit dir.»
«unser truhsaeze, als er dâ giht,
seht, der ensluoc des trachen niht,
und der in sluoc, den weiz ich wol.
daz bewaere ich, swenne ich sol.
al iuwer angest leget nider!
gêt balde z'iuwerm râte wider.
saget in allen unde jehet,
als ir gehoeret unde gesehet
des truhsaezen wârheit,
ir loeset gerne iuwern eit,
den ir dem lande habet getân.
heizet s'alle mit iu gân
und sitzet an'z gerihte.
envürhtet iu ze nihte.
lât den truhsaezen clagen
und sagen, swaz er welle sagen.
und alse ez danne zît sî,
sô bin ich unde Îsôt dâ bî.
sô gebietet mir'z, sô spriche ich
vür iuch, vür Îsôt und vür mich.
hie mite lât dise rede stân.
ich wil nâch mîner tohter gân
und komen ouch iesâ wider, wir zwo.»
nâch ir tohter gie si dô,
der künic in den palas wider.
an daz gerihte saz er nider
und mit im vil barûne,
des landes cumpanjûne.
dâ was schoeniu ritterschaft,
von ritterschefte michel craft,
niht durch des küneges êre
sô starke noch sô sêre,
sô daz si gerne wolten sehen,
waz dâ solte geschehen
ûz disem lantschalle.
des wunderte s'alle.
die saeligen Îsôte zwô
nu daz si mit ein ander dô
zem palas în giengen,
si gruozten unde enpfiengen
die hêrren al besunder.
hie mitten und hier under
wart vil gesprochen unde gedâht,
rede unde gedanke vil vür brâht
von ir beider saelekeit.
und iedoch mêre geseit
von des truhsaezen linge
dan von der vrouwen dinge.
si sprâchen unde gedâhten dar:
«nu kieset alle, nemet war,
wirt disem unsaeligen man,
der nie saelde gewan,
disiu saelege maget,
sô ist im elliu saelde ertaget,
diu ime oder dekeinem man
an einer maget ertagen kan.»
sus kâmen sî zem künege hin.
der künec stuont ûf engegen in:
lieplîche sazte er sî ze sich.
«nû» sprach der künec «truhsaeze, sprich.
waz ist dîn bete und dîn ger?»
«vil gerne, hêrre künec» sprach er;
«hêrre, ich ger unde bite,
daz ir dem lande küneges site
niemer zebrechet an mir.
welt ir's jehen, sô sprâchet ir
und lobetet ez ouch beide
mit rede und mit dem eide:
swelh ritter disen serpant
slüege mit sîn eines hant,
ir gaebet ime ze solde
iuwer tohter Îsolde.
der eit verlôs vil manegen man.
dâ sach aber ich vil lützel an,
durch daz ich minnete daz wîp
unde wâgete den lîp
dicke engeslîcher danne ie man,
biz mir ze jungeste dar an
alsô gelanc, daz ich in sluoc.
ist ez dâ mite genuoc:
hie lît daz houbet, seht ez an.
daz selbe urkünde brâhte ich dan.
nu loeset iuwer wârheit.
küneges wort und küneges eit
diu suln wâr unde bewaeret sîn.»
«truhsaeze» sprach diu künigîn
«der alsô rîlîchen solt,
als mîn tohter ist, Îsolt,
ungedienet haben wil,
entriuwen des ist alze vil.»
«ei» sprach der truhsaeze dô
«vrouwe, ir tuot übel, wie redet ir sô?
mîn hêrre, der ez enden sol,
der kan doch selbe sprechen wol.
der spreche und antwürte mir.»
der künec sprach: «vrouwe, sprechet ir
vür iuch, vür Îsôt und vür mich!»
«genâde hêrre, daz tuon ich.»
aber sprach diu küniginne:
«truhsaeze, dîne minne
die sint lûter unde guot
und hâst sô menlîchen muot.
du bist wol guotes wîbes wert.
swer aber sô hôhes lônes gert,
dâ er sîn niht verdienet hât,
entriuwen, deist ein missetât.
du hâst dir selbem ûf geleit
eine tât und eine manheit,
der dû mit alle unschuldic bist,
als ez mir zuo gerûnet ist.»
«vrouwe, ir redet, ine weiz wie.
ich hân doch diz wortzeichen hie.»
«sô hâstu brâht ein houbet dan.
daz braehte ouch lîhte ein ander man,
ich meine, ob er Îsolde
dâ mite verdienen solde.
sine wirt aber gewunnen niht
mit alsô cleiner geschiht.»
«nein zwâre» sprach diu junge Îsôt
«durch alsô maezlîche nôt
enwil ich niemer veile sîn.»
«âhî vrou junge künigîn»
sprach aber der truhsaeze dô
«daz ir ze mînen dingen sô
mit arge sprechende sît
der noete, der ich ze maneger zît
durch iuwer minne erliten hân!»
«daz sol ze guoten staten gestân,
daz ir mich minnet» sprach Îsolt
«ine wart iu nie getriu noch holt
noch zwâre niemer werden sol.»
«jâ» sprach der ander «ich weiz wol,
ir tuot vil rehte als elliu wîp.
ir sît alle alsô gelîp,
alsô g'artet unde gemuot:
iuch dunket ie daz arge guot,
daz guote dunket iuch ie arc.
diu art ist an iu allen starc.
ir sît verkêret alle wîs:
iu sint die tumben alle wîs,
iu sint die wîsen alle tump;
ir machet ûz dem slehten crump
und ûz dem crumben wider sleht;
ir habet allen ungereht
an iuwer seil gevazzet:
ir minnet, daz iuch hazzet;
ir hazzet, daz iuch minnet.
wie sît ir sus gesinnet,
wie minnet ir sô harte
der dinge widerwarte,
daz man der sô vil an iu siht!
der iuch dâ wil, desn welt ir niht
und welt den, der iuch niene wil.
ir sît daz irresameste spil,
daz ieman ûf dem brete kan.
er ist ein sinnelôser man,
der âne bürgen durch daz wîp
iemer geveilet den lîp.
und zwâre iedoch dar umbe niht,
swes ir jeht oder mîn vrouwe giht,
ez wirt al anders ûf geleit
oder man brichet mir den eit.»
aber sprach diu küniginne:
«truhsaeze, dîne sinne
die sint starc unde spaehe,
der spaehe an sinnen saehe.
si habent dem gelîchen schîn,
als sî ze kemenâten sîn
in der vrouwen tougenheit bedâht.
dar zuo hâstû si vür brâht
rehte alse ein vrouwen ritter sol.
du weist der vrouwen art ze wol.
du bist dar în ze verre komen.
ez hât dir der manne art benomen.
du minnest ouch ze harte
der dinge widerwarte.
mich dunket, dir ist ouch wol dar mite.
du hâst die selben vrouwen site
sêre an dîn seil gevazzet:
du minnest, daz dich hazzet;
du wilt, daz dich niht enwil.
diz ist doch unser vrouwen spil.
waz nimest dû dich hie mit an?
sô dir got, du bist ein man,
lâz uns unser vrouwen art.
dune bist niht wol dar mite bewart.
habe dînes mannes sinne
und minne, daz dich minne.
welle, daz dich welle.
daz spil hât guot gevelle.
du seist uns ie genôte,
du wellest Îsôte
und sî enwelle dîn niht.
daz ist ir art: wer mac des iht?
si lât der dinge vil hin gân,
die sî doch vil wol möhte hân.
ir ist der vil unmaere,
dem sî doch vil liep waere,
der dû ze hant der êrste bist.
daz selbe ir von mir g'artet ist.
ich selbe enwart dir ouch nie holt.
ich weiz wol, alse entuot Îsolt:
ez ist ir g'artet von mir.
du verliusest michel minne an ir.
diu schoene, diu reine
si waere ze gemeine,
ob si iegelîchen solte
wellen, der si wolte.
truhsaeze, als du hâst geseit,
mîn hêrre der sol sînen eit
vil gerne an dir bewaeren.
sich, daz du dînen maeren
und dîner rede sô mite gâst,
daz dû s'iht under wegen lâst:
volge dînen sachen!
ich hoere sagen, den trachen
den habe ein ander man erslagen.
sich, waz du dâ zuo wellest sagen.»
«wer waere der?» «ich weiz in wol
und wil in bringen, swenne ich sol.»
«vrouwe, ez enist dekein man,
der sich hier umbe iht nimet an
und mich von mînen êren
mit valsche waenet kêren,
der mir state und reht wil geben,
dane sî mîn lîp umbe und mîn leben
gewâget unde geveilet,
swie mir der hof erteilet,
hant wider hende,
ê ich den vuoz gewende!»
«diz lobe ich» sprach diu künigîn
«und wil des selbe bürge sîn,
daz ich dich diser rede gewer
und dir'n ze kampfe bringe her
von hiute unz an den dritten tac,
wan ich iezuo enmac,
den selben der den trachen sluoc.»
der künic sprach: «des ist genuoc.»
ouch sprâchen al die herren dô:
«truhsaeze, ez ist genuoc alsô.
diz ist ein kurzlîchiu bite.
gâ dar, bestaete den kampf hie mite,
und tuo mîn vrouwe selbe alsam.»
der künec dô von in beiden nam
triuwe unde gewisse gîselschaft,
daz dirre kampf endehaft
des dritten tages waere.
hie mite zergie diz maere.
die vrouwen giengen beide dan
und nâmen aber ir spilman
in ir vlîz und in ir pflege.
ir beider vlîz was alle wege
mit süezer bedaehtekeit
niuwan an diu dinc geleit,
diu sîn helfe solten wesen.
ouch was er iezuo wol genesen,
lieht an dem lîbe und schône var.
nu nam Îsôt sîn dicke war
und marcte in ûzer mâze
an lîbe und an gelâze.
si blickte im dicke tougen
an die hende und under d'ougen.
si besach sîn arme und sîniu bein,
an den ez offenlîche schein,
daz er so tougenlîche hal.
si bespehete in obene hin zetal.
swaz maget an manne spehen sol,
daz geviel ir allez an im wol
und lobete ez in ir muote.
nu daz diu schoene, guote
sîne geschepfede sô rîch
und sîne site sô hêrlîch
sunder bespehete unde besach,
ir herze tougenlîche sprach:
«got hêrre wunderaere,
ist iht des wandelbaere,
dest ie begienge oder begâst,
und dest an uns geschaffen hâst,
sô ist hie zewâre wandel an,
daz dirre hêrlîche man,
an den du solhe saelekeit
lîbes halben hâst geleit,
daz der als irreclîche
von rîche ze rîche
sîne nôtdürfte suochen sol.
im solte billîch unde wol
ein rîche dienen oder ein lant,
des dinc alsô waere gewant.
diu werlt stât wunderlîche,
sô vil manic künicrîche
besetzet ist mit swacher art,
daz ime der einez niht enwart.
ein lîp alsô gebaere,
der sô getugendet waere,
der solte guot und êre hân.
an ime ist sêre missetân.
got hêrre, dû hâst ime gegeben
dem lîbe ein ungelîchez leben.»
sus redete s'ofte diu maget.
nu haete ir muoter ouch gesaget
ir vater umbe den koufman
al von ende her dan,
als ir ez selbe habet vernomen,
diz dinc wie'z allez her ist komen
und wie er nihtes gerte,
wan daz man in gewerte
vrides dâ nâch mêre,
swenne er dekeine kêre
naeme in daz künicrîche.
diz haete s'ime heinlîche
von ende unz ende gesaget.
hier under hiez ouch ime diu maget
ir knappen Paranîsen
sînen harnasch und sîn îsen
wîz unde schoene machen
und z'andern sînen sachen
wol unde vlîzeclîchen sehen.
nu diz was allez geschehen.
ez was schône und wol bereit
und über ein ander hin geleit.
nu gie diu maget heinlîche dar
und nam es alles sunder war.
nu ergieng ez aber Îsolde,
alsô der billîch wolde:
daz si aber ir herzequâle
zem anderen mâle
vor den andern allen vant.
ir herze daz was dar gewant,
ir ouge allez dar wac,
dâ der harnasch dâ lac.
und enweiz niht, wie si des gezam,
daz sî daz swert ze handen nam,
als juncvrouwen unde kint
gelustic unde gelengic sint
und weizgot ouch genuoge man.
si zôch ez ûz und sach ez an
und schouwete ez wâ unde wâ.
nu sach si den gebresten dâ.
si begunde an die scharten
lange unde sêre warten
und gedâhte in ir muote:
«sam mir got der guote,
ich waene, ich den gebresten hân,
der hier inne solte stân,
und zwâre ich wil es nemen war.»
si brâhte in unde sazte in dar.
nu vuogete diu lucke
und daz vertâne stucke
und wâren alse einbaere,
als ob ez ein dinc waere,
als ouch gewesen wâren
innerhalp zwein jâren.
nu begunde ir herze kalten
umbe ir schaden den alten.
ir varwe diu wart beide
von zorne und von leide
tôtbleich und iesâ viuwerrôt.
«â» sprach si «saeldelôse Îsôt,
owê mir unde wâfen!
wer hât diz veige wâfen
von Curnewâle her getragen?
hie wart mîn oeheim mite erslagen,
und der in sluoc, der hiez Tristan.
wer gab ez disem spilman?
der ist doch Tantris genant.»
die namen begunde sî zehant
beide in ir sinnen ahten,
ir beider lût betrahten.
«â hêrre» sprach si wider sich
«dise namen die beswaerent mich.
ine kan niht wizzen, wie in sî.
si lûtent nâhe ein ander bî.
Tantris» sprach si «und Tristan,
dâ ist binamen heinlîche an.»
nu sî die namen begunde
zetrîben in dem munde,
nu geviel si an die buochstabe,
dâ man si beide schepfet abe,
und vant in disem al zehant
die selben, die s'in jenem vant.
nu begunde s'an in beiden
die sillaben scheiden
und sazte nâch alse vor
und kam rehte ûf des namen spor.
si vant ir ursuoche dar an.
vür sich sô las si Tristan,
her wider sô las si Tantris.
hie mite was sî des namen gewis.
«jâ jâ» sprach aber diu schoene dô
«ist disen maeren danne sô,
disen valsch und dise trügeheit
hât mir mîn herze wol geseit.
wie wol ich wiste al dise vart,
sît ich in merkende wart,
sît ich an ime lîp unde gebar
und sîn dinc allez alsô gar
besunder in mîn herze las,
daz er gebürte ein hêrre was!
wer haete ouch diz getân wan er,
daz er von Curnewâle her
ze sînen tôtvînden vert
und wir in zwirnt haben ernert!
ernert? er ist nû vil ungenesen.
diz swert daz muoz sîn ende wesen!
nu île, rich dîn leit, Îsôt!
gelît er von dem swerte tôt,
dâ mite er dînen oeheim sluoc,
sô ist der râche genuoc!»
si nam daz swert ze handen,
si gienc über Tristanden,
dâ er in einem bade saz.
«jâ» sprach si «Tristan, bistu daz?»
«nein vrouwe, ich bin'z Tantris.»
«sô bistu, des bin ich gewis,
Tantris unde Tristan.
die zwêne sint ein veiger man.
daz mir Tristan hât getân,
daz muoz ûf Tantrîsen gân.
du giltest mînen oehein!»
«nein süeziu juncvrouwe, nein!
durch gotes willen, waz tuot ir?
gedenket iuwers namen an mir.
ir sît ein vrouwe unde ein maget.
swâ man den mort von iu gesaget,
dâ ist diu wunneclîche Îsôt
iemer an den êren tôt.
diu sunne, diu von Îrlant gât,
diu manic herze ervröuwet hât,
â, diu hât danne ein ende!
owê der liehten hende,
wie zimet daz swert dar inne?»
nu gie diu küniginne,
ir muoter, zuo den türen în:
«wie nû?» sprach sî «waz sol diz sîn?
tohter, was tiutest dû hie mite?
sint diz schoene vrouwen site?
hâstû dînen sin verlorn?
weder ist diz schimpf oder zorn?
waz sol daz swert in dîner hant?»
«â vrouwe muoter, wis gemant
unser beider herzeswaere.
diz ist der mordaere,
Tristan, der dînen bruoder sluoc.
nu habe wir guoter state genuoc,
daz wir uns an im rechen
und diz swert durch in stechen.
ez enkumet uns beiden niemer baz.»
«ist diz Tristan? wie weistu daz?»
«ich weiz ez wol, ez ist Tristan.
diz swert ist sîn, nu sich ez an
und sich die scharten dar bî
und merke danne, ob er'z sî.
ich sazte iezuo diz stuckelîn
ze dirre veigen scharten în.
owê, dô sach ich, daz ez schein
einbaerelîche und rehte als ein.»
«â» sprach diu muoter zehant,
«Îsôt, wes hâstu mich gemant?
daz ich mîn leben ie gewan!
und ist diz danne Tristan,
wie bin ich dar an sô betrogen!»
nu haete ouch Îsôt ûf gezogen
daz swert und trat hin über in.
ir muoter kêrte zuo z'ir hin:
«lâ stân, Îsôt» sprach sî «lâ stân!
weist iht, waz ich vertriuwet hân?»
«ine ruoche, zwâre ez ist sîn tôt.»
Tristan sprach: «merzî, bêle Îsôt!»
«î übeler man» sprach Îsôt «î,
unde vorderstû merzî?
merzî gehoeret niht ze dir.
dîn leben daz lâzest dû mir!»
«nein tohter» sprach diu muoter dô
«ez enstât nû leider niht alsô,
daz wir uns mügen gerechen,
wir enwellen danne brechen
unser triuwe und unser êre.
engâhe niht ze sêre.
er ist in mîner huote
mit lîbe und mit guote.
ich hân in, swie'z dar zuo sî komen,
genzlîche in mînen vride genomen.»
«genâde vrouwe» sprach Tristan,
«vrouwe, gedenket wol dar an,
daz ich iu guot unde leben
an iuwer êre hân ergeben
unde enpfienget mich alsô.»
«du liugest!» sprach diu junge dô
«ich weiz wol, wie diu rede ergie.
sine gelobete Tristande nie
weder vride noch huote
an lîbe noch an guote.»
hie mite sô lief s'in aber an.
hie mite rief aber Tristan:
«â bêle Îsôt, merzî, merzî!»
ouch was diu muoter ie dâ bî,
diu durnehte künigîn.
er mohte sunder sorge sîn.
ouch waere er zuo den stunden
in daz bat gebunden,
und Îsôt eine dâ gewesen:
er waere doch vor ir genesen.
diu süeze, diu guote,
diu siure an wîbes muote
noch herzegallen nie gewan,
wie solte diu geslahen man?
wan daz s'et von ir leide
und ouch von zorne beide
solhe gebaerde haete,
als ob si'z gerne taete,
und haete ouch lîhte getân,
möhte sî daz herze hân.
daz was ir aber tiure
ze sus getâner siure.
doch was ir herze nie sô guot,
sine haete zorn und unmuot,
wan sî den hôrte unde sach,
von dem ir leide geschach.
si hôrte ir vînt unde sahen
und mohte sîn doch niht geslahen.
diu süeze wîpheit lag ir an
unde zucte sî dâ van.
an ir striten harte
die zwô widerwarte,
die widerwarten conterfeit
zorn unde wîpheit,
diu übele bî ein ander zement,
swâ si sich ze handen nement.
sô zorn an Îsolde
den vînt slahen wolde,
sô gie diu süeze wîpheit zuo.
«nein» sprach si suoze «niene tuo!»
sus was ir herze in zwei gemuot,
ein herze was übel unde guot.
diu schoene warf daz swert dernider
und nam ez aber iesâ wider.
sine wiste in ir muote
under übel und under guote,
ze wederem si solte:
si wolte unde enwolte;
si wolte tuon unde lân.
sus lie der zwîvel umbe gân,
biz doch diu süeze wîpheit
an dem zorne sige gestreit,
sô daz der tôtvînt genas
und Môrolt ungerochen was.
hie mite warf sî daz swert von ir,
weinende sprach si: «ouwê mir,
daz ich ie disen tac gesach!»
diu wîse, ir muoter, zuo z'ir sprach:
«herzetohter mîne,
die herzeswaere dîne,
die selben die sint leider mîn
baz unde harter danne dîn.
nâch gotes genâden sî engânt dir
niht alse nâhen alse mir.
mîn bruoder leider der ist tôt.
daz was biz her mîn meistiu nôt.
nu vürhte ich eine nôt von dir,
entriuwen tohter, diu gât mir
vil nâher danne jeniu tuo.
mir wart nie niht sô liep sô duo.
ê daz mir iht an dir geschehe,
daz ich rehte ungerne sehe,
ich lâze ê gerne disen haz.
ich lîde sanfter unde baz
eine swaere danne zwô.
mîn dinc daz stât mir iezuo sô
umbe den unsaeligen man,
der uns mit kampfe sprichet an.
wir ensehen genôte dar zuo,
dîn vater, der künec, ich unde duo
wir haben iemer mêre
verloren unser êre
und enwerden niemer mêre vrô.»
jener in dem bade der sprach dô:
«saeligen vrouwen beide,
eist wâr, ich hân iu leide
und aber mit grôzer nôt getân.
welt ir iuch, alse ir sult, enstân,
sô wizzet ir wol, daz diu nôt
niht anders was niwan der tôt.
den lîdet nôte ein ieclîch man,
die wîle er sich generen kan.
swie'z aber dar umbe ergangen ist,
swie'z iu nû ze dirre vrist
ze dem truhsaezen ist gewant,
daz kêret allez z'einer hant.
dem sol ich ein guot ende geben,
ich meine, ob ir mich lâzet leben
und es enirre mich der tôt.
vrouwe Îsôt und aber Îsôt,
ich weiz wol, daz ir alle zît
sinnic unde saelic sît,
getriuwe unde bescheiden.
möht ich mich hin z'iu beiden
einer rede verlâzen
und woltet ir iuch mâzen
übeler gebaerde her ze mir
und ouch des hazzes, des ir
Tristande lange habet getragen,
ich wolte iu guotiu maere sagen.»
Îsôte muoter Îsôt
si sach in lange an und wart rôt.
ir liehten ougen wurden vol.
«owê!» sprach sî «nu hoere ich wol
und weiz vür wâr, daz ir ez sît.
ich zwîvelte unz an dise zît.
nu habet ir mir die wârheit
ungevrâget geseit.
ôwî ôwî, hêr Tristan,
daz ich iuwer ie gewalt gewan
sô guoten, alse ich iezuo hân,
und der alsô niht ist getân,
daz ich in alsô g'üeben müge,
als ez mir wege und alse ez tüge!
gewalt ist aber sô manicvalt.
ich waene, ich mac wol disen gewalt
an mînem vînde üeben,
daz reht sô vil getrüeben
an einem übelen manne.
jâ hêrre, wil ich danne?
entriuwen jâ, ich waene.»
ie mitten kam Brangaene
diu stolze, diu wîse
lachende unde lîse,
schône unde wol gestrichen
aldort her în geslichen
und sach daz swert dâ ligen bar,
die vrouwen beide riuwevar.
«wie nû?» sprach diu gevüege dô
«disen gebaerden wiest den sô?
waz maere trîbet ir driu?
disiu vrouwen ougen wie sint diu
alsus trüebe und alsô naz?
diz swert hie lît, waz tiutet daz?»
«sich» sprach diu guote künigîn,
«Brangaene, herzeniftel mîn,
sich, wie wir alle sîn betrogen.
wir haben ze blintlîche erzogen
den slangen vür die nahtegalen,
dem rappen kerne vür gemalen,
der der tûben solte sîn.
wie haben wir, hêrre trehtîn,
den vînt vür den vriunt ernert,
dem übelen tôde zwirnt erwert
mit unser selber handen
unsern vînt Tristanden!
sich, warte, er sitzet: deist Tristan.
nu hân ich zwîvel dar an,
weder ich mich reche oder entuo.
niftel, waz raetest dû dar zuo?»
«nein vrouwe, tuot die rede hin!
iuwer saelde und iuwer sin
diu sint hie zuo ze guot,
daz ir iemer keinen muot
ûf solhe untât gewinnet
und iemer sô g'unsinnet,
daz ir ze manslahte
iemer gewinnet ahte
unde ouch danne z'einem man,
des ir iuch habet genomen an
ze vride und ze huote.
es enwart iu nie ze muote,
des ich gote wol getrûwen sol.
ouch sult ir des gedenken wol,
waz rede iuch mit im ane gât,
diu niwan umbe iuwer êre stât.
soltet ir iuwer êre geben
umbe keines iuwers vîndes leben?»
«waz wiltu danne, daz ich tuo?»
«vrouwe, dâ denket selbe zuo.
gât hinnen, lât in ûz gân.
die wîle muget ir rât hân,
waz iu daz waegeste sî.»
hie mite giengen si dan si drî
durch rât in ir heinlîche.
Îsôt diu sinnerîche
«seht» sprach si «ir beide, sprechet an:
waz mag er meinen, dirre man?
er sprach wider uns beide daz,
wolten wir lâzen disen haz,
den wir im lange haben getragen,
er wolte uns guotiu maere sagen.
waz diz sî, des wundert mich.»
Brangaene sprach: «dâ râte ich,
daz in nieman innen bringe
dekeiner slahte undinge,
biz wir bevinden sînen muot.
sîn muot ist lîhte vil guot
hin z'iuwer beider êren.
man sol den mantel kêren,
als ie die winde sint gewant.
wer weiz, ob er in Îrlant
durch iuwer êre komen ist.
hüetet sîn ze dirre vrist
und lobet ouch eines iemer got:
daz dirre ungevüege spot
umbe des truhsaezen valscheit
mit ime sol werden hin geleit.
got der haete unser ruoche
an unserre suoche.
wan waere er an den stunden
niht kurzlîche vunden,
weiz got, sô waere er iesâ tôt.
wizze Crist, juncvrouwe Îsôt,
sô vüere ez wirs, danne ez var.
habet niht ungebaerde dar,
wan wirt er ihtes innen
und mag er danne entrinnen,
des hât er reht, daz er daz tuo.
von diu dâ denket beide zuo:
bietet ime ez alse wol,
alse man von rehte sol.
daz râte ich iu, des volget mir.
Tristan der ist als edel als ir
unde ist höfsch unde wîs,
vollekomen alle wîs.
swie iu daz herze hin z'im sî,
sît ime doch höfschlîche bî.
binamen, swes er habe gedâht,
in hât ernest ûz brâht.
sîn gewerp und sîn gerinc
der ist umbe ernestlîchiu dinc.»
sus stuonden s'ûf und giengen dan
und kâmen hin, dâ Tristan
heinlîche an sînem bette saz.
Tristan sîn selbes niht vergaz.
er vuor ûf balde gegen in
und viel sâ gegen in allen hin
und lac den höfschen süezen
vlêhlîche zuo den vüezen
und sprach ouch mit dem valle:
«genâde, ir süezen alle,
habet genâde wider mich!
lât mich geniezen, daz ich
durch iuwer êre und iuwern vromen
her bin in iuwer rîche komen.»
diu liehte cumpanîe,
die liehten alle drîe,
ieglîchiu warf ir ougen dan
und sâhen alle ein ander an.
si stuonden unde er lac alsô.
«vrouwe» sprach Brangaene dô
«der ritter lît ze lange dâ.»
diu küniginne sprach iesâ:
«waz wiltu nû, daz ich im tuo?
mîn herze stât mir niht dar zuo,
daz ich sîn vriunt gewesen müge.
ine weiz niht, waz getuo, daz tüge.»
Brangaene diu sprach aber z'ir:
«nu liebiu vrouwe, volget mir,
ir und mîn juncvrouwe Îsôt.
ich weiz ez wârez alse den tôt,
daz ir'n in iuwern sinnen
unsanfte muget geminnen
vor iuwerm alten leide.
sô gelobet im doch daz beide,
daz er des lîbes sicher sî.
er geredet vil lîhte dâ bî
sînes vrumen aber eteswaz.»
die vrouwen sprâchen: «nû sî daz.»
hie mite sô hiez si in ûf stân.
nû diz gelübede was getân,
si sâzen alle viere nider.
Tristan greif an sîn maere wider.
«seht» sprach er «vrouwe künigîn,
welt ir nû mîn guot vriunt sîn,
ich wil iu daz in ein tragen
noch innen disen zwein tagen
(deiswâr ân allen argen list),
iuwer tohter, diu iu lieb ist,
daz s'einen edelen künic nimet,
der ir ze hêrren wol gezimet,
schoene unde milte,
zem spere und zem schilte
ein ritter edel und ûz erkorn,
von künigen unz her geborn
und ist ouch danne dâ bî
vil rîcher danne ir vater sî.»
«entriuwen» sprach diu künigîn
«möhte ich der rede gewis sîn,
ich volgete unde taete,
swes mich ieman baete.»
«vrouwe» sprach aber Tristan
«ich gewisse iuch schiere dar an.
bewaere ich'z iu zehant niht,
sô diu suone geschiht,
sô lât mich ûz dem vride wesen
und lât mich niemer genesen.»
diu wîse sprach: «Brangaene, sprich,
waz raetestû, wie dunket dich?»
«dâ dunket mich sîn rede guot
und râte ouch daz, daz ir ez tuot.
leget allen zwîvel hin
und stât ûf beide und küsset in!
al sî ich niht ein künigîn,
ich wil ouch an der suone sîn.
er was mîn mâc, swie arm ich sî.»
sus kusten s'in dô alle drî.
doch tet ez Îsôt diu junge
mit langer widerunge.
nu disiu suone alsus geschach,
Tristan aber zen vrouwen sprach:
«nu weiz ez got der guote,
ine wart in mînem muote
sô vrô nie, alse ich iezuo bin.
ich hân al den sorgen hin
gewartet unde nâch gesehen,
die mir möhten geschehen,
daz ich mich des versehen sol
(ine versihe mich's niht, ich weiz ez wol),
daz ich in iuwern hulden bin.
nu leget alle sorge hin.
ich bin iu z'êren und ze vromen
von Curnewâle z'Îrlant komen.
sît mîner êreren vart,
daz ich hie generet wart,
sît sprach ich iemer mêre
iuwer lop und iuwer êre
ze mînem hêrren Marke,
unz ime den muot sô starke
mit râte an iuch gewante,
daz er dar an genante -
kûme, unde sage iu umbe waz.
beidiu er vorhte den haz
und wolte ouch durch den willen mîn
êlîches wîbes âne sîn,
daz ich sîn erbaere
nâch sînem tôde waere.
hie wîsete aber ich in van,
unz er mir volgen began.
sus wurden wir zwêne under uns zwein
dirre selben reise in ein.
durch daz kam ich in Îrlant,
durch daz sluoc ich den serpant.
und habet ir iuwer arbeit
vil saeleclîche an mich geleit,
des sol mîn juncvrouwe sîn
vrouwe unde künigîn
ze Curnewâle und z'Engelant.
nu ist iu mîn geverte erkant.
saeligiu massenîe,
saeligen alle drîe.
nu lât ez ouch verholn sîn.»
«nu saget mir» sprach diu künigîn
«ob ich ez mînem hêrren sage
und eine suone in ein trage:
missetuon ich iht dar an?»
«nein ir, vrouwe» sprach Tristan
«er sol'z von rehte wizzen.
sît et dar an gevlizzen,
daz mir kein schade iht ûf erstê.»
«nein hêrre, vürhtet iu nimê,
dane ist niemêre sorgen an.»
hie mite giengen die vrouwen dan
in ir heinlîche sunder
und ahteten hier under
sîn gelücke und sîne linge
an iegelîchem dinge.
ir iegelîchiu seite
von sîner wîsheite,
diu muoter sus, Brangaene sô.
«sich, muoter» sprach diu tohter dô
«wie wunderlîchen ich bevant,
daz er Tristan was genant:
dô ich des swertes z'ende kam,
die namen ich ze handen nam
Tantris unde Tristan.
nu ich si trîben began,
nu bedûhte mich an in zwein,
si haeten eteswaz in ein.
dâ nâch begunde ich trahten
und anclîchen ahten
und vant dô mit den buochstaben,
die man ze beiden namen sol haben,
daz ez allez ein was.
wan swederthalp ich hin las,
sone was ie niemê dar an
wan Tantris oder Tristan
und ie an einem beide.
nu muoter, nu scheide
disen namen Tantris
in ein tan und in ein tris
und sprich daz tris vür daz tan,
sô sprichestû Tristan.
sprich daz tan vür daz tris,
sô sprichest aber Tantris.»
diu muoter segenete sich.
«got» sprach si «der gesegene mich!
von wannen kam dir ie der sin?»
nu sî drî von im under in
geredeten maneger hande,
diu künigîn diu sande
nâch dem künege; der kam dar.
«seht, hêrre» sprach si «nemet war:
ir sult uns einer bete gewern,
der wir drî ernestlîche gern.
tuot ir'z, ez kumet uns allen wol.»
«ich volge, swes ich volgen sol.
swaz ir wellet, deist getân.»
«habet ir'z danne an mich verlân?»
sprach aber diu guote künigîn.
«jâ, swaz ir wellet, daz sol sîn.»
«genâde hêrre, deist genuoc.
hêrre, der mînen bruoder sluoc,
Tristan, den hân ich hinne.
den sult ir iuwer minne
und iuwer hulde lâzen hân.
sîn gewerp der ist alsô getân,
daz diu suone vuoge hât.»
der künec sprach: «triuwen, disen rât
den lâze ich baltlîche an dich.
er gât dich mêre an danne mich.
Môrolt dîn bruoder der was dir
nâher gesippe danne mir.
hastu'z umbe in varen lân,
wiltû, sô hân ouch ich'z getan.»
sus seite sî dem künege dô
Tristandes maere rehte alsô,
als er ir selbe sagete.
diz maere daz behagete
dem künege wol und sprach ir zuo:
«nu sich, daz er'z mit triuwen tuo.»
diu künigîn dô sande
Brangaenen nâch Tristande.
und alse Tristan în gie,
dem künege er sich ze vüezen lie.
«genâde, hêrre künec!» sprach er.
«stât ûf, hêr Tristan, gât her»
sprach Gurmûn «unde küsset mich.
ungerne sô verkiuse ich,
iedoch verkiuse ich disen zorn,
sît in die vrouwen hânt verkorn.»
«hêrre» sprach aber Tristan
«an dirre suone dâ ist an
mîn hêrre und beidiu sîniu lant?»
«jâ hêrre» sprach Gurmûn zehant.
nu disiu suone z'ende kam,
diu künigîn Tristanden nam
und sazte in zuo z'ir tohter nider
und bat in ouch daz maere wider
ir hêrren al von êrste sagen,
wie ez sich haete dar getragen
an allen disen sachen
beidiu umbe den trachen
und umbe des küneges Markes ger.
daz seite er aber von ende her.
der künec sprach aber: «hêr Tristan,
nu wie bewar ich mich hier an,
daz ich der rede gewis sî?»
«vil wol, hêrre, ich hân hie bî
mînes hêrren vürsten alle.
swaz gewisheit iu gevalle,
die saget ir mir. diu ist getân,
die wîle und ich ir einen hân.»
hie mite sô schiet der künic dan.
die vrouwen unde Tristan
die beliben aber eine dâ.
Tristan nam Paranîsen sâ.
«geselle» sprach er «gâ hin abe.
dâ stât ein kiel in der habe,
dâ ganc geswâslîche hin
und vrâge, welher under in
Curvenal dâ sî genant.
dem selben rûne zehant,
daz er ze sînem hêrren gê.
und sage ouch nieman niemê
und bringe in lîse, als höfsch du sîs.»
nu hêrre, daz tet Paranîs.
er brâhte in alsô lîse dar,
daz sîn nieman wart gewar.
nu s'în zer kemenâten
vür die vrouwen trâten,
im neic diu küniginne
und nieman mê dar inne.
sine nâmen sîn durch daz niht war,
er enkam niht alse ein ritter dar.
nu Curvenal Tristanden
den vrouwen under handen
vrôlîchen unde gesunden sach,
in franzoiser wîse er sprach:
«hâ bêâ dûz sire,
durch gotes willen, waz tuot ir,
daz ir sus wunneclîche
in disem himelrîche
sus lûzet verborgen
und lât uns in den sorgen?
wir wânden alle sîn verlorn.
biz iezuo haete ich wol gesworn,
daz ir niht lebende waeret.
wie habet ir uns beswaeret!
iuwer kiel und iuwer liute
die geswuoren wol noch hiute
und habent ez dâ vür, ir sît tôt,
und sint mit micheler nôt
her unze an dise naht beliben
und haeten daz in ein getriben,
si wolten hînaht hinnen sîn.»
«nein» sprach diu guote künigîn
«er lebet gesunder unde vrô.»
und Tristan der begunde dô
britûnsch sprechen wider in.
«Curvenal» sprach er «gâ balde hin
und sage hin nider, mîn dinc stê wol
und ich ez allez enden sol,
dâ nâch wir ûz sîn gesant.»
hie mite sô seite er ime zehant
sîne linge al von grunde,
so er ebeneste kunde.
nû er im haete geseit
sîn gelücke und sîn arbeit,
«nu» sprach er «balde, gâ hin nider.
sage mînen lanthêrren wider
und ouch den rittern dar zuo,
daz ir iegelîcher vruo
mit sînen dingen sî bereit
wol gestrichen unde gecleit
mit der aller besten wât,
die ir iegelîcher hât,
und nemen mînes boten war.
swenne ich in den sende dar,
sô rîten her ze hove ze mir.
ouch sende ich morgen vruo ze dir,
sô sende mir den cleinen schrîn,
dâ mîniu cleinoede inne sîn
und mîniu cleider dâ mite,
diu von dem allerbesten snite.
dich selben cleide ouch alsô wol,
alse ein hövesch ritter sol.»
Curvenal neic und kêrte dan.
Brangaene sprach: «wer ist der man?
in dunket waerlîche
hier inne ein himelrîche.
weder ist er ritter oder kneht?»
«vrouwe, swâ vür ir in geseht,
er ist ein ritter unde ein man.
dane habet dekeinen zwîvel an,
daz disiu sunne nie beschein
tugenthafter herze kein.»
«â, saelic müeze er iemer sîn!»
sprach ietwederiu künigîn
und mîn vrou Brangaene ouch dermite,
diu höfsche und diu wol gesite.
nu Curvenal zem schiffe kam,
sîne rede ze handen genam
dâ nâch, als ime was vür geleit,
er seite in, alse im was geseit
und ouch wie er Tristanden vant.
nû gebârten sî zehant,
rehte alse der tôt ist gewesen
und von dem tôde ist wider genesen.
als vröuten sî sich alle dô.
dâ wâren aber genuoge vrô
durch die lantsuone mêre
dan durch Tristandes êre.
die nîdegen barûne
si griffen an ir rûne
und an ir sprâchen wider als ê.
si zigen Tristanden aber dô mê
durch dise rîchen linge
zouberlîcher dinge.
iegelîcher sprach besunder:
«hie merket alle wunder,
waz dirre man wunders kan.
jâ hêrre, waz kan dirre man,
daz er ez allez endet,
dar an er sich gewendet!»
hie mite sô was ouch der tac komen,
der dâ zem kampfe was genomen,
und was vil michel hêrschaft,
des lantvolkes michel craft
vor dem künege in dem sal.
ouch was dâ maneger hande zal
under den guoten knehten.
si vrâgeten, wer dâ vehten
vür die maget Îsolde
mit dem truhsaezen wolde.
diu vrâge gie her unde hin.
nune was et nieman under in,
der iht hier umbe erkande.
under diu was ouch Tristande
sîn schrîn und sîniu cleider komen.
dâ haete er sunder ûz genomen
drî gürtele den vrouwen drîn,
daz keiserîn noch künigîn
nie keinen bezzeren gewan.
schapel unde vürspan,
seckel unde vingerlîn,
der was ebene vol der schrîn
und was daz allez alsô guot,
daz niemer keines herzen muot
des gedenken möhte,
waz ez bezzer töhte.
des enkam ouch nie niht dervan,
wan alse vil daz Tristan
im selben dar van genam:
einen gürtel, der im rehte kam,
ein schapel unde ein spengelîn,
diu ime gebaere mohten sîn.
«ir schoenen» sprach er «alle drî,
disen schrîn und swaz dar inne sî,
dâ mite sô schaffet alle
und tuot, swaz iu gevalle.»
mit disen maeren gieng er dan.
sîniu cleider leite er an
und kêrte dâ zuo sînen pîn
und vleiz sich, wie er sich dar în
gefeitierte alsô wol,
als ein volmüete ritter sol.
ze wunsche stuonden ime ouch die.
nu er wider în zen vrouwen gie
und sî'n begunden schouwen,
nu begunden in die vrouwen
durch ir gedanke lâzen gân.
er dûhte s'alle drî getân
schône unde saeliclîche.
die drî saeldenrîche
si gedâhten alle in einer vrist:
«zewâre, dirre man der ist
ein menlîch crêatiure;
sîn wât und sîn figiure
si schepfent wol an ime den man.
si zement sô wol ein ander an.
sîn dinc ist allez wol gewant.»
nu haete ouch Tristan besant
sîne cumpanîe. diu was komen
und haeten einen stuol genomen
nâch ein ander in dem sal.
dâ gie diu michel werlde al
und beschouweten besunder
der cleidere wunder,
diu s'an in allen sâhen.
genuoge dâ jâhen,
ezn getrüege nie sô manic man
als ebenguotiu cleider an.
daz s'aber alle stille swigen,
dem lantgesinde rede verzigen,
daz geschach durch die geschiht:
sine kunden der lantsprache niht.
hie mite sante ouch der künic în
einen boten nâch der künigîn,
daz sî ze hove kaeme
und ir tohter zuo z'ir naeme.
«Îsôt» sprach sî «wol ûf, gâ wir!
hêr Tristan, sô belîbet ir.
ich tuon zehant nâch iu gesant,
sô neme iuch Brangaene an ir hant
und gât ir zwei nâch uns dar în!»
«gerne, vrouwe künigîn.»
sus kam diu küniginne Îsôt,
daz vrôlîche morgenrôt,
und vuorte ir sunnen an ir hant,
daz wunder von Îrlant,
die liehten maget Îsôte.
diu sleich ir morgenrôte
lîse unde staetelîche mite
in einem spor, in einem trite,
suoze gebildet über al,
lanc, ûf gewollen unde smal,
gestellet in der waete,
als sî diu Minne draete
ir selber z'einem vederspil,
dem wunsche z'einem endezil,
dâ vür er niemer komen kan.
si truoc von brûnem samît an
roc unde mantel, in dem snite
von Franze, und was der roc dâ mite
dâ engegene, dâ die sîten
sinkent ûf ir lîten,
gefranzet unde g'enget,
nâhe an ir lîp getwenget
mit einem borten, der lac wol,
dâ der borte ligen sol.
der roc der was ir heinlîch,
er tete sich nâhen zuo der lîch.
ern truoc an keiner stat hin dan,
er suohte allenthalben an
al von obene hin ze tal.
er nam den valt unde den val
under den vüezen alse vil,
als iuwer iegelîcher wil.
der mantel was ze vlîze
mit hermîner wîze
innen al ûz gezieret,
bî zîlen geflottieret.
ern was ze kurz noch ze lanc.
er swebete, dâ er nider sanc,
weder zer erden noch enbor.
dâ stuont ein höfscher zobel vor
der mâze, als in diu Mâze sneit,
weder ze smal noch ze breit,
gesprenget, swarz unde grâ.
swarz unde grâ diu waren dâ
alsô gemischet under ein,
daz ir dewederez dâ schein.
der nam ouch sîne crumbe
rehte an der wîze al umbe,
dâ der zobel die vuoge nimet,
dâ diz bî dem sô wol gezimet.
diu tassel dâ diu solten sîn,
dâ was ein cleinez snuorlîn
von wîzen berlîn în getragen.
dâ haete diu schoene în geslagen
ir dûmen von ir linken hant.
die rehten haete sî gewant
hin nider baz, ir wizzet wol,
dâ man den mantel sliezen sol,
und slôz in höfschlîche in ein
mit ir vingere zwein.
vürbaz dâ viel er selbe wider
und nam den valt al z'ende nider,
daz man diz unde daz dâ sach,
ich meine vederen unde dach.
man sach ez inne und ûzen
und innerthalben lûzen
daz bilde, daz diu Minne
an lîbe und an dem sinne
sô schône haete gedraet.
diu zwei, gedraet unde genaet,
diun vollebrâhten nie baz
ein lebende bilde danne daz.
gevedere schâchblicke
die vlugen dâ snêdicke
schâchende dar unde dan.
ich waene, Îsôt vil manegen man
sîn selbes dâ beroubete.
si truoc ûf ir houbete
einen cirkel von golde
smal, alse er wesen solde,
geworht mit spaehem sinne.
dâ lâgen gimmen inne,
erwünschete steine,
vil lieht und iedoch cleine,
die besten von dem lande.
smaragde und jachande,
saphîre und calcedône,
und wâren die sô schône
wâ unde wâ dar în geleit,
daz wercmannes wîsheit
nâch rehter spâcheite
nie steine baz geleite.
dâ lûhte golt unde golt,
der cirkel unde Îsolt
in widerstrît ein ander an.
da enwas kein alse wîse man,
haete er der steine niht gesehen,
daz er iemer haete verjehen,
daz dâ kein cirkel waere.
sô gelîch und alse einbaere
was ir har dem golde.
sus gienc Îsôt Îsolde,
diu tohter ir muoter bî,
vrô und aller sorgen vrî.
ir trite die wâren unde ir swanc
gemezzen weder kurz noch lanc
und iedoch beider mâze.
si was an ir gelâze
ûfreht und offenbaere.
gelîch dem sperwaere,
gestreichet alse ein papegân.
si liez ir ougen umbe gân
als der valke ûf dem aste.
ze linde noch ze vaste
haeten si beide ir weide.
si weideten beide
als ebene und alse lîse
und in sô süezer wîse,
daz dâ vil lützel ougen was,
in enwaeren diu zwei spiegelglas
ein wunder unde ein wunne.
diu wunnebernde sunne
si breite ir schîn über al,
si ervröute liute unde sal
slîchende neben ir muoter hin.
si zwô si wâren under in
in süezer unmuoze
mit zweier hande gruoze
grüezende unde nîgende,
sprechende unde swîgende.
ir reht was an in beiden
besetzet unde bescheiden.
ir eine gruozte, diu ander neic,
diu muoter sprach, diu tohter sweic.
diz triben die wol gezogen zwô.
diz was ir unmuoze dô.
nu daz sich Îsôt unde Îsôt,
diu sunne unde ir morgenrôt,
haeten nider gelâzen,
dem künege bî gesâzen,
nu nam der truhsaeze allez war
und vrâgete her unde dar,
wâ der gewaltesaere,
der vrouwen kempfe waere.
des was er unberihtet dâ.
sîne mâge nam er sâ.
der was ein michel her umb in.
vür den künec sô gieng er hin.
dem gerihte antwurte er sich.
«nu hêrre» sprach er «hie bin ich
und vordere mîn kampfreht.
wâ ist nû der guote kneht,
der mich an mînen êren
hie waenet umbe kêren?
ich hân noch vriunde unde man.
ouch ist mîn reht sô guot hier an:
tuot mir daz lantreht, alse ez sol.
ich geteidinge wol.
gewalt entsitze ich cleine,
ir entuot ez danne al eine.»
«truhsaeze» sprach diu künigîn
«sol dirre kampf unwendic sîn,
sone weiz ich rehte, waz getuo.
ich bin dar ungewarnet zuo.
und zwâre woltestû'n noch lân
ûf solhe rede understân,
daz Îsôt dirre maere
ledic und âne waere,
truhsaeze, zwâre ez kaeme dir
ze alse guoten staten als ir.»
«ledic?» sprach der ander dô
«jâ vrouwe, ir taetet ouch alsô,
ir liezet ouch gewunnen spil.
swaz ir geredet, ich waene, ich wil
mit vrumen und mit êren
von disem spile kêren.
ich haete michel arbeit
unsinneclîchen an geleit,
solte ich nû dar vone gân.
vrouwe, ich wil iuwer tohter hân.
daz ist daz ende dar an.
ir wizzet in sô wol, den man,
der den trachen dâ sluoc.
den bringet, sô ist der rede genuoc.»
«truhsaeze» sprach diu künigîn
«ich hoere wol, ez muoz et sîn.
ich muoz mîn selbe nemen war.»
si wincte Paranîse dar.
«gâ hin» sprach sî «und brinc den man.»
nu sâhen s'alle ein ander an,
ritter und barûne.
under in wart michel rûne,
vil vrâge und manic maere,
wer der kempfe waere.
nune wiste ez ir dekeiner dâ.
hie mite kam ouch geslichen sâ
diu stolze Brangaene,
daz schoene volmaene,
und vuorte ze handen
ir geverten Tristanden.
diu stolze und diu wol gesite
si gieng im sitelîche mite,
an lîbe und an gelâze
liutsaelic ûzer mâze,
ir muotes stolz unde vrî.
ouch gieng ir ir geverte bî
in stolzlîcher wîse.
des dinc was ouch ze prîse
und ze wunder ûf geleit
an iegelîcher saelekeit,
diu den ritter schepfen sol.
ez stuont allez an im wol,
daz ze ritters lobe stât.
sîn geschepfede und sîn wât
die gehullen wunneclîche in ein.
si bildeten under in zwein
einen ritterlîchen man.
er truoc cyclâdes cleider an,
diu wâren ûzer mâze rîch,
vremede unde lobelîch.
sine wâren niht von hove geben.
daz golt daz was dar în geweben
niht in der hovemâze.
die sîdenen strâze
die kôs man kûmelîche dâ:
si wâren wâ unde wâ
sô mit dem golde ertrenket
und in daz golt versenket,
daz man daz werc dâ kûme sach.
ein netze daz was ûf daz dach
von cleinen berlîn getragen.
die maschen alse wît geslagen,
als ein hant an der breite hât.
dar durch sô bran der cyclât
rehte alse ein glüejender kol.
er was von timît innen vol,
vil brûner danne ein vîolate,
rehte ebenbrûn der gloien blate.
der selbe pfelle der tet sich
an den valt und an den strich
alse nâhe und alse wol,
als ein pfelle beste sol.
er stuont dem lobelîchen man
wol unde lobelîchen an
und alle wîs nâch sîner ger.
ûf sînem houbete truoc er
von spaehem werke spaehen schîn,
ein wunneclîch schapelekîn,
daz rehte alsam ein kerze bran.
dâ lûhten alse sterne van
topâzen und sardîne,
crisolîten und rubîne.
ez was lieht unde clâr,
ez haete im houbet unde hâr
clârlîchen umbevangen.
sus kam er în gegangen
rîch unde hôhe gemuot.
sîn gebâr was hêrlîch unde guot.
al sîn geverte daz was rîch.
er was selbe rîlîch
an allen sînen sachen.
si begunden ime rûm machen,
dâ er zem palas în gie.
hie mite sô wurden sîn ouch die
von Curnewâle gewar.
si sprungen vrôlîche dar,
si gruozten unde enpfiengen,
dâ sî bihanden giengen,
Brangaenen und Tristanden.
si nâmen sî ze handen
die geverten beide, sî und in,
und condewierten s'under in
schône unde hêrlîche
hin vür daz künicrîche.
künec, ietweder künigîn
si tâten ime ir tugende schîn:
si stuonden ûf und gruozten in.
Tristan der neic in allen drîn.
dâ nâch gruozten si drîe
Tristandes cumpanîe
hêrlîche und alsô wol,
als man von rehte hêrren sol.
hie mite kam al diu ritterschaft
zuo gedrungen herhaft
und gruozten die geste,
der geverte ir keiner weste.
jene bekanden aber iesâ
ir vetere unde ir mâge dâ,
die von Curnewâle z'Îrlant
ze zinse wâren gesant.
dâ lief vor vröuden manic man
veter unde mâge weinende an.
vröude unde clage der was dâ vil,
der ich niht sunder rechen wil.
der künec dô Tristanden nam
selb andern, alse er dar kam,
in und Brangaenen die mein ich,
unde sazte sî ze sich
und vuogete aber under in daz,
daz Tristan innerthalben saz.
sô sâzen anderthalben sîn
die saeligen zwô künigîn.
ritter und barûne,
Tristandes cumpanjûne,
die sâzen ûf den esterîch.
und aber alsô, daz iegelîch
dem gerihte under ougen sach,
und sâhen, swaz sô dâ geschach.
hie mite huop von Tristande
daz gesinde von dem lande
manec gerûne und manic zale.
ich weiz ez wol, daz in dem sale
ûz maneges mannes munde
lobebrunnen vil begunde
ûf wallen unde enspringen
von allen sînen dingen.
si sageten ime lob unde prîs
maneger hande und manege wîs.
ir genuoge sprâchen daz:
«wâ geschuof ie got figiure baz
ze ritterlîchem rehte?
hî, wie ist er ze vehte
und ze kampfwîse
gestellet sô ze prîse!
wie sint diu cleider, diu er treit,
sô rîlîchen ûf geleit!
ezn gesach nie man in Îrlant
sus rehte keiserlîch gewant.
sîn massenîe diust gecleit
mit küniclîcher rîcheit.
und waerlîche, swer er sî
erst muotes unde guotes vrî.»
alsolher rede was dâ genuoc.
der truhsaeze der truoc
den ezzich in den ougen.
diu rede ist âne lougen.
nu hiez man ruofen in den sal
eine stille über al.
diz was getân. nu daz geschach,
daz nieman wort noch halbez sprach,
der künic sprach: «truhsaeze, sprich,
wes vermizzest dû dich?»
«hêrre, ich sluoc den serpant.»
der gast stuont ûf und sprach zehant:
«hêrre, ir entâtet.» «hêrre, ich tete,
ich bewaere ez wol an dirre stete.»
«mit waz bewaerde?» sprach Tristan.
«diz houbet, seht, daz brâhte ich dan.»
«hêrre künec» sprach Tristan dô
«sît er des houbetes sô
ze bewaerde wil jehen,
sô heizet in daz houbet sehen.
vindet man die zungen dâ,
ich entwîche mînes rehtes sâ
und wil von mîme criege gân.»
sus wart daz houbet ûf getân
und niht dar inne vunden.
Tristan hiez an den stunden
die zungen bringen: diu kam dar.
«ir hêrren» sprach er «nemet war
und seht, ob sî des trachen sî.»
nu stuonden si's im alle bî
und jahen's al gemeine
wan der truhsaeze al eine,
der wolte ez widerreden ie.
nune wiste er aber rehte wie.
der veige der begunde
mit zungen und mit munde,
mit rede und mit gedanken
schranken unde wanken.
ern kunde sprechen noch gelân,
ern wiste, waz gebaerde hân.
«ir hêrren alle» sprach Tristan
«hie merket alle wunder an,
wie sich diz hie zuo habe getragen.
dô ich den trachen haete erslagen
und ime mit lîhter arbeit
ûz sînem tôten rachen sneit
dise zungen und si dannen truoc,
daz er in sider ze tôde sluoc.»
die hêrren sprâchen alle:
«an disem lantschalle
ist lützel êren bejaget.
swaz ieman sprichet oder gesaget,
unser iegelîch der weiz daz wol,
ob man ze rehte reden sol,
der aller êrest dar kam
und die zungen dâ nam,
der sluoc ouch den serpant.»
des wart gevolget zehant.
nu daz dem valschen gebrast
unde der valschelôse gast
des hoves volge gewan,
«hêr künec» sprach aber Tristan
«nu sît der triuwen gemant:
iuwer tohter stât in mîner hant.»
der künec sprach: «hêrre, des gihe ich,
als ir gelobetet wider mich.»
«nein hêrre» sprach der valsche dô
«durch got ensprechet niht alsô.
swie'z hier umbe ergangen sî,
dâ ist zewâre untriuwe bî
und ist mit valsche hie zuo komen.
ê aber mir werde benomen
mîn êre mit unrehte,
si muoz mir ê mit vehte
und mit kampfe hin gân.
hêrre, ich wil den kampf bestân.»
«truhsaeze» sprach diu wîse Îsôt
«du teidingest âne nôt.
mit wem wiltû kampfrehten?
dirre hêrre wil niht vehten.
er hât doch an Îsolde
behabet, daz er wolde.
er waere tumber danne ein kint
und vaehte er mit dir umbe den wint.»
«war umbe, vrouwe?» sprach Tristan
«ê danne er jehe, daz wir'n hier an
gewalten unde unrehten,
ich wil ê mit im vehten.
hêrre unde vrouwe, sprechet dar,
gebietet ime daz, daz er var
wol balde wâfenen sich.
bereite sich, als tuon ich mich.»
alse der truhsaeze sach,
daz sich diu rede ze kampfe brach,
sîne mâge und sîne man
die nam er alle und gie dan
an eine sprâche sunder
und suohte rât hier under.
nu dûhte sî daz maere
sô rehte lasterbaere,
daz er dâ lützel râtes vant.
ir iegelîcher sprach zehant:
«truhsaeze, dîniu tagedinc
diu haeten boesen ursprinc,
ze boesem ende sint s'ouch komen.
waz hâstû dich an genomen?
wiltû dich mit unrehte
bieten ze vehte,
daz gât dir waetlîch an daz leben.
waz râtes müge wir dir gegeben?
hiene gehoeret rât noch êre zuo.
verliusest dû daz leben nuo
ze gâr verlorner êre,
so ist aber des schaden noch mêre.
und dunket alle und sehen daz wol,
der wider dich dâ vehten sol,
derst ein geherzet man zer nôt.
bestâstu'n, zwâre ez ist dîn tôt.
sît dich des vâlandes rât
verrâten an den êren hât,
sô behabe dînen lîp doch.
versuoche unde besich noch,
ob diz laster und die lüge
ieman hin gelegen müge
mit keiner slahte maere.»
dô sprach der lügenaere:
«wie welt ir, daz ich daz getuo?»
«dâ râte wir dir kurze zuo.
gâ wider în unde gich,
dîne vriunt die heizen dich
dise vorderunge varen lân.
nu wellestû dâ von gân.»
der truhsaeze tete alsô.
er gie wider în und seite dô,
sîne mâge und sîne man
die haeten in genomen dâ van,
nu wolte er ouch dâ von sîn.
«truhsaeze» sprach diu künigîn
«dazn wânde ich niemer geleben,
daz du iemer soltest ûf gegeben
alse gar gewunnen spil.»
alsolhes spottes wart dâ vil
getriben über den palas.
der arme truhsaeze was
ir gîge unde ir rotte.
si triben in mit spotte
umbe und umbe als einen bal.
dâ wart von spotte michel schal.
sus nam der valsch ein ende
mit offenlîcher schende.
dô disiu rede g'endet was,
der künec seite in den palas
sînes landes cumpanjûnen,
rittern und barûnen,
daz diz Tristan waere,
und kündete in diz maere,
als er ez haete vernomen,
war umbe er z'Îrlant waere komen
und wie er gelobet haete,
er solte ez ime dâ staete
mit Markes vürsten machen
mit allen den sachen,
als er im vor benande.
daz gesinde von Îrlande
waz dirre maere sêre vrô.
die lanthêrren sprâchen dô,
daz diu suone waere
gevellic unde gebaere,
wan langez hazzen under in
tribe ie die zît mit schaden hin.
der künec gebôt unde bat,
daz in Tristan an der stat
der rede gewis taete,
als er'm gelobet haete.
er tete ouch alsô: Tristan
und alle sînes hêrren man
die swuoren zuo dem mâle
daz lant ze Curnewâle
ze morgengâbe Îsolde,
und daz si wesen solde
vrouwe über allez Engelant.
hie mite bevalch Gurmûn zehant
Îsolde hant von hande
ir vînde Tristande.
ir vînde spriche ich umbe daz:
si was im dannoch gehaz.
Tristan der nam s'an sîne hant.
«künec» sprach er «hêrre von Îrlant,
wir biten iuch, mîn vrouwe und ich,
daz ir durch sî und ouch durch mich,
ez sîn ritter oder kint,
die her ze zinse geben sint
von Curnwal und von Engelant,
die suln in mîner vrouwen hant
billîchen und von rehte sîn,
wan si ist der lande künigîn,
daz ir ir die lâzet vrî.»
«vil gerne» sprach der künec «daz sî.
eist wol mit mînen minnen,
varnt s'alle mit iu hinnen.»
der maere wart manc herze vrô.
Tristan der hiez gewinnen dô
einen kiel ze sînem kiele
und daz ouch der geviele
im selben unde Îsolde
und dâ zuo, swem er wolde.
und alse ouch der bereit wart,
Tristan bereite sich zer vart.
in allen den enden,
dâ man die ellenden
ze hove und in dem lande vant,
die besande man zehant.
die wîle und sich ouch Tristan
mit sînen lantgesellen dan
bereite unde berihtete,
die wîle sô betihtete
Îsôt diu wîse künigîn
in ein glasevezzelîn
einen tranc von minnen,
mit alsô cleinen sinnen
ûf geleit und vor bedâht,
mit solher crefte vollebrâht:
mit sweme sîn ieman getranc,
den muose er âne sînen danc
vor allen dingen meinen
und er dâ wider in einen.
in was ein tôt unde ein leben,
ein triure, ein vröude samet gegeben.
den tranc den nam diu wîse,
si sprach Brangaenen lîse.
«Brangaene» sprach si «niftel mîn,
lâ dir die rede niht swaere sîn,
du solt mit mîner tohter hin.
dâ nâch sô stelle dînen sin.
swaz ich dir sage, daz vernim.
diz glas mit disem tranke nim,
daz habe in dîner huote
hüete es vor allem guote.
sich, daz es ûf der erde
ieman innen werde.
bewar mit allem vlîze
daz es ieman enbîze.
vlîze dich wol starke:
swenne Îsôt unde Marke
in ein der minne komen sîn,
sô schenke in disen tranc vür wîn
und lâ si'n trinken ûz in ein.
bewar daz, daz sîn mit in zwein
ieman enbîze. daz ist sin.
noch selbe entrink es niht mit in.
der tranc der ist von minnen.
daz habe in dînen sinnen.
ich bevilhe dir Îsôte
vil tiure und vil genôte.
an ir sô lît mîn beste leben.
ich unde sî sîn dir ergeben
ûf alle dîne saelekeit.
hie mite sî dir genuoc geseit.»
«trût vrouwe» sprach Brangaene dô
«ist iuwer beider wille alsô,
sô sol ich gerne mit ir varn,
ir êre und al ir dinc bewarn,
sô ich iemer beste kan.»
urloup nam dô Tristan
und al sîn liut hie unde dort.
si schieden ze Weisefort
mit michelen vröuden abe.
nu volgete ime unz in die habe
durch Îsôte minne
künec unde küniginne
und al ir massenîe.
sîn unverwânde amîe,
sîn unverwantiu herzenôt,
diu liehte wunneclîche Îsôt
diu was im z'allen zîten
weinende an der sîten.
ir vater, ir muoter beide
vertriben mit manegem leide
die selben kurzen stunde.
manec ouge dâ begunde
riezen unde werden rôt.
Îsôt was maneges herzen nôt.
si bar vil manegem herzen
tougenlîchen smerzen.
diu weineten genôte
ir ougen wunne, Îsôte.
dâ was gemeine weine.
dâ weineten gemeine
vil herzen und vil ougen
offenlîchen unde tougen.
und aber Îsôt und aber Îsôt,
diu sunne unde ir morgenrôt,
und ouch daz volmaene,
diu schoene Brangaene,
dô sî sich muosen scheiden,
diu eine von den beiden,
dô sach man jâmer unde leit.
diu getriuwelîche sicherheit
schiet sich mit manegem leide.
Îsôt kuste si beide
dicke und ze manegem mâle.
nu die von Curnewâle
unde ouch Îrlandaere,
der vrouwen volgaere,
alle ze schiffe wâren komen
und haeten urloup genomen.
Tristan der gie ze jungest în.
diu liehte junge künigîn,
diu bluome von Îrlant,
Îsôt diu gieng im an der hant
trûric unde sêre unvrô.
si zwei si nigen dem lande dô
und bâten den gotes segen
der liute unde des landes pflegen.
si stiezen an und vuoren dan.
mit hôher stimme huoben s'an
und sungen eines unde zwir:
«in gotes namen varen wir»
und strichen allez hinewart.
nu was den vrouwen zuo z'ir vart
mit Tristandes râte
ein kielkemenâte
nâch heinlîcher sache
gegeben zuo z'ir gemache.
dâ was diu küniginne
mit ir juncvrouwen inne
und mit in lützel kein man
wan underwîlen Tristan.
der gie wîlent dar în
und trôste die künigîn,
dâ si weinende saz.
die weinde unde clagete daz,
daz s'alsô von ir lande,
dâ sî die liute erkande,
und von ir vriunden allen schiet
und vuor mit der unkunden diet,
sine wiste war oder wie.
sô trôste sî Tristan ie,
sô er suozeste kunde.
ze iegelîcher stunde,
alse er zuo z'ir triure kam,
zwischen sîn arme er si nam
vil suoze unde lîse
und niuwan in der wîse,
als ein man sîne vrouwen sol.
der getriuwe der versach sich wol,
daz er der schoenen waere
ein senfte zuo z'ir swaere.
und alse dicke als ez ergie,
daz er sîn arme an sî verlie,
sô gedâhte ie diu schoene Îsôt
an ir oeheimes tôt
und sprach ie danne wider in:
«lât stân, meister, habet iuch hin,
tuot iuwer arme hin dan!
ir sît ein harte müelîch man.
war umbe rüeret ir mich?»
«ei schoene, missetuon ich?»
«jâ ir, wan ich bin iu gehaz.»
«saeligiu» sprach er «umbe waz?»
«ir sluoget mînen oehein.»
«deist doch versüenet.» «des al ein:
ir sît mir doch unmaere,
wan ich waere âne swaere
und âne sorge, enwaeret ir.
ir alterseine habet mir
disen kumber allen ûf geleit
mit pârât und mit kündekeit.
waz hât iuch mir ze schaden gesant
von Curnewâle in Îrlant?
die mich von kinde hânt erzogen,
den habet ir mich nu an ertrogen
und vüeret mich, in weiz wâ hin.
ine weiz, wie ich verkoufet bin,
und enweiz ouch, waz mîn werden sol.»
«nein schoene Îsôt, gehabet iuch wol.
jâ muget ir michel gerner sîn
in vremede ein rîchiu künigîn
dan in der künde arm unde swach.
in vremedem lande êre unde gemach
und schame in vater rîche,
diu smeckent ungelîche.»
«jâ meister Tristan» sprach diu maget
«ich naeme ê, swaz ir mir gesaget,
eine maezlîche sache
mit liebe und mit gemache
dan ungemach und arbeit
bî micheler rîcheit.»
«ir redet wâr» sprach Tristan;
«swâ man aber gehaben kan
die rîcheit bî gemache,
die saeligen zwô sache
die loufent baz gemeine
dan ietwedere al eine.
nu sprechet, waere ez dâ zuo komen,
dar ir müeset hân genomen
den truhsaezen ze manne,
wie vüere ez aber danne?
ich weiz wol, sô waeret ir vrô.
und danket ir mir danne alsô,
daz ich iu kam ze trôste
und iuch von ime erlôste?»
«des wirt iu spâte» sprach diu maget
von mir iemer danc gesaget.
wan lôstet ir mich von im dô,
ir habet mich aber sider sô
verclüteret mit swaere,
daz mir noch lieber waere
der truhsaeze ze man genomen,
dan ich mit iu waere ûz komen.
wan swie tugendelôs er sî,
waere er mir keine wîle bî,
er lieze sîne untugent durch mich.
got weiz, dar an erkante ouch ich,
daz ich im liep waere.»
Tristan sprach: «disiu maere
sint mir ein âventiure.
daz wider der natiure
kein herze tugentlîche tuo,
dâ gehoeret michel arbeit zuo.
ez hât diu werlt vür eine lüge,
daz iemer unart g'arten müge.
schoeniu, gehabet ir iuch wol!
in kurzen zîten ich iu sol
einen künec ze hêrren geben,
an dem ir vröude und schoene leben,
guot unde tugent und êre
vindet iemer mêre.»
hie mite strichen die kiele hin.
si beide haeten under in
guoten wint und guote var.
nu was diu vrouwîne schar,
Îsôt und ir gesinde,
in wazzer unde in winde
des ungevertes ungewon.
unlanges kâmen sî dâ von
in ungewonlîche nôt.
Tristan ir meister dô gebôt,
daz man ze lande schielte
und eine ruowe hielte.
nu man gelante in eine habe,
nu gie daz volc almeistic abe
durch banekîe ûz an daz lant.
nu gienc ouch Tristan zehant
begrüezen unde beschouwen
die liehten sîne vrouwen.
und alse er zuo z'ir nider gesaz
und redeten diz unde daz
von ir beider dingen,
er bat im trinken bringen.
nune was dâ nieman inne
âne die küniginne
wan cleiniu juncvrouwelîn.
der einez sprach: «seht, hie stât wîn
in disem vezzelîne.»
nein, ezn was niht mit wîne,
doch ez ime gelîch waere.
ez was diu wernde swaere,
diu endelôse herzenôt,
von der si beide lâgen tôt.
nu was aber ir daz unrekant.
si stuont ûf und gie hin zehant,
dâ daz tranc und daz glas
verborgen unde behalten was.
Tristande ir meister bôt si daz.
er bôt Îsôte vürbaz.
si tranc ungerne und über lanc
und gap dô Tristande unde er tranc
und wânden beide, ez waere wîn.
iemitten gienc ouch Brangaene în
unde erkande daz glas
und sach wol, waz der rede was.
si erschrac sô sêre unde erkam,
daz ez ir alle ir craft benam
und wart reht alse ein tôte var.
mit tôtem herzen gie si dar.
si nam daz leide veige vaz,
si truoc ez dannen und warf daz
in den tobenden wilden sê.
«owê mir armen!» sprach si «owê,
daz ich zer werlde ie wart geborn!
ich arme, wie hân ich verlorn
mîn êre und mîne triuwe!
daz ez got iemer riuwe,
daz ich an dise reise ie kam,
daz mich der tôt dô niht ennam,
dô ich an dise veige vart
mit Îsôt ie bescheiden wart!
ouwê Tristan unde Îsôt,
diz tranc ist iuwer beider tôt!»
nu daz diu maget unde der man,
Îsôt unde Tristan,
den tranc getrunken beide, sâ
was ouch der werlde unmuoze dâ,
minne, aller herzen lâgaerîn,
und sleich z'ir beider herzen în.
ê sî's ie wurden gewar,
dô stiez s'ir sigevanen dar
und zôch si beide in ir gewalt.
si wurden ein und einvalt,
die zwei und zwîvalt wâren ê.
si zwei enwâren dô niemê
widerwertic under in.
Îsôte haz der was dô hin.
diu süenaerinne Minne
diu haete ir beider sinne
von hazze gereinet,
mit liebe alsô vereinet,
daz ietweder dem anderm was
durchlûter alse ein spiegelglas.
si haeten beide ein herze.
ir swaere was sîn smerze,
sîn smerze was ir swaere.
si wâren beide einbaere
an liebe unde an leide
und hâlen sich doch beide,
und tete daz zwîvel unde scham.
si schamte sich, er tete alsam;
si zwîvelte an im, er an ir.
swie blint ir beider herzen gir
an einem willen waere,
in was doch beiden swaere
der urhap unde der begin.
daz hal ir willen under in.
Tristan dô er der minne enpfant,
er gedâhte sâ zehant
der triuwen unde der êren
und wolte dannen kêren.
«nein» dâhte er allez wider sich
«lâ stân, Tristan, versinne dich,
niemer genim es keine war.»
sô wolte et ie daz herze dar.
wider sînem willen criegete er,
er gerte wider sîner ger.
er wolte dar und wolte dan.
der gevangene man
versuohte ez in dem stricke
ofte unde dicke
und was des lange staete.
der getriuwe der haete
zwei nâhe gêndiu ungemach:
swenne er ir under ougen sach,
und ime diu süeze Minne
sîn herze und sîne sinne
mit ir begunde sêren,
sô gedâhte er ie der Eren,
diu nam in danne dar van.
hie mite sô kêrte in aber an
minne, sîn erbevogetîn.
der muose er aber gevolgec sîn.
in muoten harte sêre
sîn triuwe und sîn êre.
sô muote in aber diu Minne mê,
diu tete im wirs danne wê.
si tete im mê ze leide
dan Triuwe und Ere beide.
sîn herze sach si lachende an,
und nam sîn ouge der van.
als er ir aber niht ensach,
daz was sîn meistez ungemach.
dicke besatzte er sînen muot,
als der gevangene tuot,
wie er ir möhte entwenken,
und begunde ofte denken:
«kêre dar oder her,
verwandele dise ger,
minne und meine anderswâ!»
sô was ie dirre stric dâ.
er nam sîn herze und sînen sin
und suohte anderunge in in,
sone was ie niht dar inne
wan Îsôt unde Minne.
alsam geschach Îsôte.
diu versuohte ez ouch genôte;
ir was diz leben ouch ande.
dô sî den lîm erkande
der gespenstegen minne
und sach wol, daz ir sinne
dar în versenket wâren,
si begunde stades vâren,
si wolte ûz unde dan.
sô clebete ir ie der lîm an.
der zôch si wider unde nider.
diu schoene strebete allez wider
und stuont an iegelîchem trite.
si volgete ungerne mite.
si versuohte ez manegen enden.
mit vüezen und mit henden
nam sî vil manege kêre
und versancte ie mêre
ir hende unde ir vüeze
in die blinden süeze
des mannes unde der minne.
ir gelîmeten sinne
die enkunden niender hin gewegen
noch gebrucken noch gestegen
halben vuoz noch halben trite,
minne diu enwaere ie dâ mite.
Îsôt, swar sî gedâhte,
swaz gedanke sî vür brâhte,
sone was ie diz noch daz dar an
wan minne unde Tristan.
und was daz allez tougen.
ir herze unde ir ougen
diu missehullen under in.
diu scham diu jagete ir ougen hin,
diu minne zôch ir herze dar.
diu widerwertige schar
maget unde man, minne unde scham,
diu was an ir sêre irresam.
diu maget diu wolte den man
und warf ir ougen der van.
diu scham diu wolte minnen
und brâhte es nieman innen.
waz truoc daz vür? scham unde maget,
als al diu werlt gemeine saget,
diu sint ein alsô haele dinc,
sô kurze wernde ein ursprinc:
sine habent sich niht lange wider.
Îsôt diu leite ir criec der nider
und tete, als ez ir was gewant.
diu sigelôse ergap zehant
ir lîp unde ir sinne
dem manne unde der minne.
si blicte underwîlen dar
und nam sîn tougenlîche war.
ir clâren ougen unde ir sin
diu gehullen dô wol under in.
ir herze unde ir ougen
diu schâcheten vil tougen
und lieplîchen an den man.
der man der sach si wider an
suoze und inneclîchen,
er begunde ouch entwîchen
do's in diu minne niht erlie.
man unde maget si gâben ie
ze iegelîchen stunden,
sô sî mit vuogen kunden,
ein ander ougenweide.
die gelieben dûhten beide
ein ander schoener vil dan ê.
deist liebe reht, deist minnen ê.
ez ist hiure und was ouch vert
und ist, die wîle minne wert,
under gelieben allen,
daz s'ein ander baz gevallen,
sô liebe an in wahsende wirt,
die bluomen unde den wuocher birt
lieplîcher dinge,
dan an dem urspringe.
diu wuocherhafte minne
diu schoenet nâch beginne:
daz ist der sâme, den si hât,
von dem si niemer zegât.
si dunket schoener sît dan ê.
dâ von sô tûret minnen ê.
diuhte minne sît als ê,
sô zegienge schiere minnen ê.
die kiele stiezen aber an
und vuoren vrôlîche dan,
wan alse vil daz Minne
zwei herze dar inne
von ir strâze haete brâht.
diu zwei diu wâren verdâht,
bekumberet beide
mit dem lieben leide,
daz solhiu wunder stellet.
daz honegende gellet,
daz süezende siuret,
daz touwende viuret,
daz senftende smerzet,
daz elliu herze entherzet
und al die werlt verkêret.
daz haete sî versêret,
Tristanden unde Îsôte.
si twanc ein nôt genôte
und in seltsaener ahte:
ir dewederez enmahte
gehaben ruowe noch gemach,
wan sô ez daz andere sach.
sô s'aber ein ander sâhen,
daz gieng in aber nâhen,
wan sî enmohten under in zwein
ir willen niht gehaben in ein.
daz geschuof diu vremede und diu scham,
diu in ir wunne benam.
so s'eteswenne tougen
mit gelîmeten ougen
ein ander solten nemen war,
sô wart ir lîch gelîche var
dem herzen unde dem sinne.
minne die verwaerinne
die endûhte es niht dâ mite genuoc,
daz man s'in edelen herzen truoc
verholne unde tougen,
sine wolte under ougen
ouch offenbaeren ir gewalt.
der was an in zwein manicvalt.
unlange in ein ir varwe schein.
ir varwe schein unlange in ein.
si wehselten genôte
bleich wider rôte;
si wurden rôt unde bleich,
als ez diu Minne in understreich.
hie mite erkande ietwederez wol,
als man an solhen dingen sol,
daz eteswaz von minnen
in ietwederes sinnen
zem anderen was gewant,
unde begunden ouch zehant
lieplîche in ein gebâren,
zît unde state vâren
ir rûne unde ir maere.
der minnen wildenaere
leiten ein ander dicke
ir netze unde ir stricke,
ir warte unde ir lâge
mit antwürte und mit vrâge.
si triben vil maere under in.
Îsôte rede und ir begin
daz was vil rehte in megede wîs.
si kam ir trût und ir amîs
alumbe her von verren an.
von ende mante s'in her dan,
wie er ze Develîne
in einem schiffelîne
gevlozzen wunt und eine kam,
wie in ir muoter an sich nam
und wie s'in ouch generte.
von allem dem geverte,
wie si selbe in sîner pflege
schrîben lernete alle wege,
latîne unde seitspil.
der umberede der was vil,
die s'ime vür ougen leite
von sîner manheite
und ouch von dem serpande.
und wie s'in zwirnt erkande
in dem mose und in dem bade.
diu rede was under in gerade,
si seite ime und er seite ir.
«â» sprach Îsôt «dô ez sich mir
ze alsô guoten staten getruoc,
daz ich iuch in dem bade niht sluoc,
got hêrre, wie gewarb ich sô!
daz ich nu weiz, wiste ich ez dô,
binamen sô waere ez iuwer tôt.»
«war umbe» sprach er «schoene Îsôt?
waz wirret iu? waz wizzet ir?»
«swaz ich weiz, daz wirret mir.
swaz ich sihe, daz tuot mir wê.
mich müejet himel unde sê.
lîp unde leben daz swaeret mich.»
si stiurte unde leinde sich
mit ir ellebogen an in.
daz was der belde ein begin.
ir spiegelliehten ougen
diu volleten tougen.
ir begunde ir herze quellen,
ir süezer munt ûf swellen,
ir houbet daz wac allez nider.
ir vriunt begunde ouch sî dar wider
mit armen umbevâhen,
ze verre noch ze nâhen,
niwan in gastes wîse.
er sprach suoze unde lîse:
«ei schoene süeze, saget mir:
waz wirret iu, waz claget ir?»
der Minnen vederspil Îsôt,
«lameir» sprach sî «daz ist mîn nôt,
lameir daz swaeret mir den muot,
lameir ist, daz mir leide tuot.»
dô sî lameir sô dicke sprach,
er bedâhte unde besach
anclîchen unde cleine
des selben wortes meine.
sus begunde er sich versinnen,
l'ameir daz waere minnen,
l'ameir bitter, la meir mer.
der meine der dûhte in ein her.
er übersach der drîer ein
unde vrâgete von den zwein.
er versweic die minne,
ir beider vogetinne,
ir beider trôst, ir beider ger.
mer unde sûr beredete er.
«ich waene» sprach er «schoene Îsôt,
mer unde sûr sint iuwer nôt.
iu smecket mer unde wint.
ich waene, iu diu zwei bitter sint?»
«nein hêrre, nein! waz saget ir?
der dewederez wirret mir,
mirn smecket weder luft noch sê.
lameir al eine tuot mir wê.»
dô er des wortes z'ende kam,
minne dar inne vernam,
er sprach vil tougenlîche z'ir:
«entriuwen, schoene, als ist ouch mir,
lameir und ir, ir sît mîn nôt.
herzevrouwe, liebe Îsôt,
ir eine und iuwer minne
ir habet mir mîne sinne
gâr verkêret unde benomen,
ich bin ûzer wege komen
sô starke und alsô sêre:
in erhol mich niemer mêre.
mich müejet und mich swaeret,
mir swachet unde unmaeret
allez, daz mîn ouge siht.
in al der werlde enist mir niht
in mînem herzen liep wan ir.»
Îsôt sprach: «hêrre, als sît ir mir.»
dô die gelieben under in
beide erkanden einen sin,
ein herze und einen willen,
ez begunde in beidiu stillen
und offenen ir ungemach.
ietwederez sach unde sprach
daz ander beltlîcher an:
der man die maget, diu maget den man.
vremede under in diu was dô hin.
er kuste sî und sî kust in
lieplîchen unde suoze.
daz was der minnen buoze
ein saeleclîcher anevanc.
ietwederez schancte unde tranc
die süeze, diu von herzen gie.
sô sî die state gewunnen ie,
sô gie der wehsel under in
slîchende her unde hin
vil tougenlîchen unde alsô,
daz nieman in der werlde dô
ir willen unde ir muot bevant
wan sî, der er doch was bekant:
Brangaene diu wîse.
diu blickete dicke lîse
und vil tougenlîche dar
und nam ir tougenheite war
und dâhte dicke wider sich:
«ouwê, nû verstân ich mich,
diu minne hebet mit disen an.»
vil schiere wart, daz sî began
den ernest an in beiden sehen
und ûzen an ir lîbe spehen
den inneren smerzen
ir muotes unde ir herzen.
si muote ir beider ungemach,
wan sî si z'allen zîten sach
ameiren unde amûren,
siuften unde trûren,
trahten und pansieren,
ir varwe wandelieren.
sin genâmen nie vor trahte war
dekeiner slahte lîpnar,
biz sî der mangel und daz leit
an dem lîbe als überstreit,
daz es Brangaenen angest nam
und in die vorhte dâ von kam,
ez waere ir beider ende,
und dâhte: «nû genende,
ervar, waz dirre maere sî!»
si gesaz in eines tages bî
heinlîchen unde lîse.
diu stolze, diu wîse
«hie ist nieman» sprach si «wan wir driu.
saget mir ir zwei, waz wirret iu?
ich sihe iuch z'allen stunden
mit trahte gebunden,
siuften, trûren unde clagen.»
«höfschiu, getörste ich'z iu gesagen,
ich sagete ez iu» sprach Tristan.
«jâ hêrre, vil wol: sprechet an;
swaz ir welt, daz saget mir!»
«saeligiu guotiu» sprach er z'ir
«in getar niht sprechen vürbaz,
irn gewisset uns ê daz
mit triuwen und mit eiden,
daz ir uns armen beiden
guot unde genaedic wellet wesen.
anders sô sîn wir ungenesen.»
Brangaene bôt ir triuwe hin.
si gelobete unde gewissete in
mit ir triuwen und mit gote
ze lebene nâch ir gebote.
«getriuwiu guotiu» sprach Tristan
«nu sehet got ze vorderst an
und dar nâch iuwer saelekeit.
bedenket unser zweier leit
und unser angestlîche nôt.
ich armer und diu arme Îsôt,
ine weiz wie'z uns ergangen ist,
wir zwei wir sîn in kurzer vrist
unsinnic worden beide
mit wunderlîchem leide.
wir sterben von minnen
und enkunnen niht gewinnen
weder zît noch state dar zuo,
ir irret uns spâte unde vruo.
und sicherlîche: sterben wir,
dâst nieman schuldic an wan ir.
unser tôt und unser leben
diu sint in iuwer hant gegeben.
hie mite ist iu genuoc gesaget.
Brangaene, saeligiu maget,
nu helfet unde genâdet ir
iuwerre vrouwen unde mir!»
Brangaene wider Îsôte sprach:
«vrouwe, ist iuwer ungemach,
als er dâ giht, von solher nôt?»
«jâ herzeniftel!» sprach Îsôt.
Brangaene sprach: «daz riuwe got,
daz der vâlant sînen spot
mit uns alsus gemachet hât!
nu sihe ich wol, es ist niht rât,
ine müeze durch iuch beide
mir selber nâch leide
und iu nâch laster werben.
ê ich iuch lâze sterben,
ich wil iu guote state ê lân,
swes ir wellet ane gân.
durch mich enlât niemêre,
swes ir durch iuwer êre
niht gerne wellet lâzen.
swâ ir iuch aber gemâzen
und enthaben muget an dirre tât,
dâ enthabet iuch, daz ist mîn rât.
lât diz laster under uns drîn
verswigen unde beliben sîn.
breitet ir'z iht mêre,
ez gât an iuwer êre.
ervert ez ieman âne uns driu,
ir sît verlorn und ich mit iu.
herzevrouwe, schoene Îsôt,
iuwer leben und iuwer tôt
diu sîn in iuwer pflege ergeben.
leitet tôt unde leben,
als iu ze muote gestê.
nâch dirre zît enhabet niemê
dekeine vorhte her ze mir.
swaz iu gevalle, daz tuot ir.»
des nahtes, dô diu schoene lac,
ir triure unde ir trahte pflac
nâch ir trûtamîse,
nu kam geslichen lîse
zuo der kemenâten în
ir amîs unde ir arzatîn,
Tristan und diu Minne.
minne diu arzatinne
si vuorte ze handen
ir siechen Tristanden.
ouch vant s'Îsôte ir siechen dâ.
die siechen beide nam si sâ
und gab in ir, im sîe
ein ander z'arzatîe.
wer haete ouch dise beide
von dem gemeinem leide
vereinet unde bescheiden
wan einunge an in beiden,
der stric ir beider sinne?
minne diu strickaerinne
diu stricte zwei herze an in zwein
mit dem stricke ir süeze in ein
mit alsô grôzer meisterschaft,
mit alsô wunderlîcher craft,
daz si unreloeset wâren
in allen ir jâren.
ein langiu rede von minnen
diu swaeret höfschen sinnen.
kurz rede von guoten minnen
diu guotet guoten sinnen.
swie lützel ich in mînen tagen
des lieben leides habe getragen,
des senften herzesmerzen,
der innerhalp des herzen
sô rehte sanfte unsanfte tuot,
mir wîsaget doch mîn muot,
des ich im wol gelouben sol,
den zwein gelieben waere wol
und sanfte in ir muote,
dô sî die leiden huote,
die wâren suht der minne,
der Minnen vîendinne
von ir stîgen haeten brâht.
ich hân von in zwein vil gedâht
und gedenke hiute und alle tage.
swenne ich liebe und senede clage
vür mîniu ougen breite
und ir gelegenheite
in mînem herzen ahte,
sô wahsent mîne trahte
und muot, mîn hergeselle,
als er in diu wolken welle.
swenne ich bedenke sunder
daz wunder und daz wunder,
daz man an liebe vünde,
der ez gesuochen künde;
waz vröude an liebe laege,
der ir mit triuwen pflaege:
sô wirt mîn herze sâ zestunt
groezer danne Setmunt
und erbarmet mich diu minne
von allem mînem sinne,
daz meistic alle, die der lebent,
an minnen hangent unde clebent
und ir doch nieman rehte tuot.
wir wellen alle haben muot
und mit minnen umbe gân.
nein, minne ist niht alsô getân,
als wir s'ein ander machen
mit velschlîchen sachen.
wir nemen der dinge unrehte war.
wir saejen bilsensâmen dar
und wellen danne, daz uns der
liljen unde rôsen ber.
entriuwen des mac niht gewesen.
wir müezen daz her wider lesen,
daz dâ vor gewerket wirt,
und nemen, daz uns der sâme birt.
wir müezen snîden unde maen
daz selbe, daz wir dar gesaen.
wir bûwen die minne
mit gegelletem sinne,
mit valsche und mit âkust
und suochen danne an ir die lust
des lîbes unde des herzen.
sone birt si niuwan smerzen,
unguot und unvruht unde unart,
als ez an ir gebûwen wart.
als ez uns danne riuwe birt
und innerthalp des herzen swirt
und toetet uns dar inne,
sô zîhen wir's die minne
und schuldegen sî dar an,
diu schulde nie dar an gewan.
wir saejen alle valscheit,
sô snîden laster unde leit.
tuo uns daz leit iht sêre wê,
sô bedenken ez ê:
saejen bezzer unde baz
unde snîden ouch daz.
wir, die zer werlde haben muot,
swie sô er sî boese oder guot,
wie tuon wir unseren tagen,
die wir vertrîben und verjagen
in dem namen der minne
und vinden niht dar inne
niwan die selben arbeit,
die wir haben an sî geleit:
misselinge und ungeschiht!
des guoten vinde wir dâ niht,
des unser iegelîcher gert
und des wir alle sîn entwert:
daz ist der staete vriundes muot,
der staeteclîche sanfte tuot,
der die rôsen bî dem dorne treit,
die senfte bî der arbeit;
an dem ie lît verborgen
diu wunne bî den sorgen;
der an dem ende ie vröude birt,
als ofte als er beswaeret wirt.
den vindet lützel ieman nuo;
alsô vorwerke wir dar zuo.
ez ist vil wâr, daz man dâ saget:
«minne ist getriben unde gejaget
in den endelesten ort.»
wirn haben an ir niwan daz wort.
uns ist niwan der name beliben
und han ouch den alsô zetriben,
alsô verwortet und vernamet,
daz sich diu müede ir namen schamet
und ir daz wort unmaeret.
si swachet unde swaeret
ir selber ûf der erde.
diu êrelôse unwerde,
si slîchet under hûsen biten
und treit von lasterlîchen siten
gemanicvaltet einen sac,
in dem s'ir diube und ir bejac
ir selbes munde verseit
und ez ze strâze veile treit.
ôwê! den market schaffen wir.
daz wunder trîbe wir mit ir
und wellen des unschuldic sîn.
minne, aller herzen künigîn,
diu vrîe, diu eine
diu ist umbe kouf gemeine!
wie habe wir unser hêrschaft
an ir gemachet zinshaft!
wir haben ein boese conterfeit
in daz vingerlîn geleit
und triegen uns dâ selbe mite.
ez ist ein armer trügesite,
der vriunden alsô liuget,
daz er sich selben triuget.
wir valschen minnaere,
der Minnen trügenaere,
wie vergânt uns unser tage,
daz wir unserre clage
sô selten liebez ende geben!
wie vertuon wir unser leben
âne liep und âne guot!
nu gît uns doch daz guoten muot,
daz uns ze nihte bestât.
swaz ieman schoener maere hât
von vriuntlîchen dingen,
swaz wir mit rede vür bringen
von den, die wîlent wâren
vor manegen hundert jâren,
daz tuot uns in dem herzen wol
und sîn der selben state sô vol,
daz lützel ieman waere
getriuwe unde gewaere
und wider den vriunt âne âkust,
ern möhte sus getâne lust
von sîn selbes sachen
in sînem herzen machen.
wan uns daz selbe z'aller zît
mit jâmer under vüezen lît,
dâ von ez allez ûf erstât:
deist triuwe, diu von herzen gât.
diu treit sich uns vergebene an.
sô kêre wir daz ouge dan
und trîben die süezen
unruochlîch under vüezen.
wir haben si mit unwerde
vertreten in der erde.
ob wir si gerne suohten dâ,
wirn wizzen alles gâhes wâ.
sô guot, sô lônbaere
triuwe under vriunden waere,
war umbe lieben wir si niht?
ein blic, ein inneclîch gesiht
ûz herzeliebes ougen,
der leschet âne lougen
hundert tûsent smerzen
des lîbes unde des herzen.
ein kus in liebes munde,
der von des herzen grunde
her ûf geslichen kaeme,
ôhî waz der benaeme
seneder sorge und herzenôt!
ich weiz wol, Tristan unde Îsot,
die gebitelôsen beide
benâmen ouch ir leide
unde ir triure ein ander vil,
dô sî begriffen daz zil
gemeines willen under in.
jener gelange was dô hin,
der die gedanken anget.
swes gelieben gelanget,
des triben s'under in genuoc,
sô sich diu zît alsô getruoc.
sô sî z'ir state kâmen,
si gâben unde nâmen
mit getriuwelîchem sinne
in selben unde der minne
willegen zins unde zol.
in was vil inneclîche wol
an der reise und an der vart.
dô diu vremede hine wart,
dô was ir heinlîche
rîlîch unde rîche.
und was daz wîsheit unde sin.
wan die sich helent under in,
sît daz si sich enbârent
und danne ir schame vârent
und gestent sich an liebe,
die sint ir selber diebe.
sô sî sich danne ie mêre helent,
sô s'ie mêre in selben stelent
und mischent liep mit leide.
dise gelieben beide
die enhâlen sich ze nihte.
mit rede und mit gesihte
wâren si heinlîch under in.
sus triben sî die reise hin
mit wunneclîchem lebene
und doch niht gâr vergebene:
in tete diu vorvorhte wê.
sî bevorhten daz ê
dâ ez ouch sider zuo kam,
daz in sît vröude vil benam
und brâhte sî ze maneger nôt:
daz was daz, daz diu schoene Îsôt
dem manne werden solte,
dem sî niht werden wolte.
ouch twanc si beidiu noch ein leit:
daz was Îsôte wîpheit.
hier umbe was in leide.
diz leidete si beide.
doch was in disiu swaere
lîht unde tragebaere,
wan sî ir willen under in zwein
vrîlîche haeten in ein
dicke und ze manegem mâle.
nu daz si Curnewâle
gevuoren alsô nâhen,
daz sî daz lant wol sâhen,
des vröuten sî sich alle dô.
si wâren sîn alle vrô
wan eine Tristan unde Îsôt.
der angest was ez unde ir nôt.
der wille waere der geschehen,
sine haeten niemer lant gesehen.
diu vorhte ir beider êren
diu begunde ir herze sêren.
sine kunden sich berâten nie,
waz sî getaeten oder wie,
daz Îsôte wîpheit
dem künege würde verseit.
und doch swie unrâtbaere
kindesche minnaere
in ir kintheite sint,
der rât geviel doch an daz kint.
sô minne an tumben kinden
ir spil gerâtet vinden,
sô muge wir an den kinden
witze unde liste vinden.
lange umberede sî hin geleit:
Îsôt vant in ir kintheit
eine witze und einen list,
den allerbesten zuo der vrist:
daz sî niemêre taeten,
niwan Brangaenen baeten,
daz si an der êrsten naht
sunder rede und sunder braht
bî Marke ir hêrren laege,
geselleschefte im pflaege.
ezn würde im niemer baz entsaget,
wan sî was schoene und was ouch maget.
alsus sô lêret minne
durnehteclîche sinne
ze valsche sîn vervlizzen,
die doch niht solten wizzen,
waz ze sus getâner trüge
und ze valscheit gezüge.
die gelieben alsô tâten:
Brangaenen sî bâten
alse lange und alsô vil,
biz sî si brâhten ûf daz zil,
daz s'in zer urtaete
gelobete, daz siz taete.
und lobete ez ouch mit maneger nôt.
sine wart niht z'einem mâle rôt
und missevar von dirre bete,
als ez ir michel nôt tete.
diu bete was ouch seltsaene.
«trût vrouwe» sprach Brangaene
«iuwer muoter, diu vrouwe mîn,
diu saelige künigîn
diu bevalch iuch mir in mîne pflege
und solte iuch selbe an disem wege
unde an dirre veigen vart
vor disem leide haben bewart.
nu habet ir laster unde leit
von mîner warlôsekeit.
von diu darf ich ez mâze clagen,
muoz ich daz laster mit iu tragen,
und waere ouch wol gevüege,
daz ich ez eine trüege,
möhtet ir dâ von gesîn.
genaedeclîcher trehtîn,
wie vergaeze dû mîn sô!»
Îsôt sprach zuo Brangaenen dô:
«stolziu niftel, sage mir,
waz meinestû, waz wirret dir?
mich wundert sêre, waz tu clages.»
«vrouwe, dâ warf ich anders tages
ûz dem schiffe ein glasevaz.»
«sô taete dû, waz wirret daz?»
«owî!» sprach sî «daz selbe glas
und der tranc, der dar inne was,
der ist iuwer beider tôt.»
«war umbe, niftel?» sprach Îsôt
«wie ist disem maere?» «im ist alsô.»
Brangaene seite in beiden dô
die rede von ende her dan.
«nu walte es got!» sprach Tristan
«ez waere tôt oder leben:
ez hât mir sanfte vergeben.
ine weiz, wie jener werden sol;
dirre tôt der tuot mir wol.
solte diu wunneclîche Îsôt
iemer alsus sî mîn tôt,
sô wolte ich gerne werben
umbe ein êweclîchez sterben.»
lât alle rede belîben.
welle wir liebe trîben,
ezn mac sô niht belîben,
wirn müezen leide ouch trîben.
swie sanfte uns mit der liebe sî,
sô müeze wir doch ie dâ bî
gedenken der êren.
swer sich an niht wil kêren
wan an des lîbes gelust,
daz ist der êren verlust.
swie wol Tristande taete
daz leben, daz er haete,
sîn êre zôch in doch dervan.
sîn triuwe lac im allez an,
daz er ir wol gedaehte
und Marke sîn wîp braehte.
die beide, triuwe und êre,
die twungen im sêre
sîn herze und sîne sinne.
die dâ vor an der minne
wâren worden sigelôs,
dô er die minne vür si kôs.
die selben sigelôsen zwô
die gesigeten an der minne dô.
Tristan der sante boten zehant
in zwein batêlen wider lant
und enbôt Marke maere,
wie ez ergangen waere
umbe die schoenen von Îrlant.
marke besande zehant,
swen er besenden kunde.
dâ randen an der stunde
tûsent boten nâch ritterschaft.
man enpfienc mit micheler craft
die kunden und die geste.
daz ergest und daz beste,
daz Marke an disen zwein enpfie,
mit den sîn leben ouch hine gie,
daz selbe enpfienc er alse wol,
als ein man daz enpfâhen sol,
daz ime vor allen dingen ist.
marke der hiez an der vrist
den lantbarûnen allen sagen,
daz s'inner ahzehen tagen
alle ze hove kaemen,
als sî im wol gezaemen
ze sîner brûtleite.
diz allez was bereite.
si kâmen rîlîche dar.
dar kam manc wunneclîchiu schar
von rittern und von vrouwen
ir ougen wunne schouwen,
die liehten Îsôte.
diu wart vil unde genôte
und ze wunder an gesehen
und niwan des einen gejehen:
«Îsôt, Îsôt la blunde
marveil de tû le munde.
Îsôt diu ist besunder
über al die werlt ein wunder.
ez ist wâr, daz man dâ saget
von dirre saeligen maget.
si gît der werlde wunne
gelîche alsam diu sunne.
ezn gewunnen elliu rîche
nie maget sô wunneclîche.»
nu sî z'ir ê bestatet wart
und an ir rehte bewart,
daz Curnewal und Engelant
sô wart besetzet in ir hant,
ob sî niht erben baere,
daz Tristan erbe waere,
unde ir hulde wart getân.
des nahtes dô si solte gân
slâfen z'ir hêrren Marke,
nu haeten sî sich starke
sî und Brangaene und Tristan
vor hin gevlizzen dar an,
daz sî ir state unde ir stat
wîslîchen haeten besat
und wol vor hin berâten.
in Markes kemenâten
was nieman wan si vieriu,
der künic selbe und si driu.
nu was ouch Marke nider komen.
Brangaene haete an sich genomen
der küniginne cleider.
diu cleider ir beider
wâren verwandelt under in.
Tristan vuorte Brangaenen hin
die marter lîden und die nôt.
diu lieht diu laschte ir vrouwe Îsôt.
marke Brangaenen zuo z'im twanc.
ine weiz, wie ir der anevanc
geviele dirre sache.
si dolte sô gemache,
daz ez gâr âne braht beleip.
swaz ir gespil mit ir getreip,
si leiste unde werte,
swes er hin z'ir gegerte,
mit messing und mit golde,
als wol alse er wolde.
ich wil mich ouch des wol versehen,
daz ez ê selten sî geschehen,
daz ie sô schoene messinc
vür guldîniu teidinc
ze bettegelte würde gegeben.
deiswâr ich sazte ez wol mîn leben,
daz sît Adâmes tagen
als edel valsch nie wart geslagen
noch nie sô gaebiu trügeheit
an mannes sîten wart geleit.
die wîle ouch sî zwei lâgen,
ir bettespiles pflâgen,
al die wîle haete Îsôt
michel angest unde nôt.
si dâhte allez wider sich:
«got hêrre, nû beware mich
und hilf mir, daz mîn niftelîn
wider mich getriuwe müeze sîn!
trîbet sî diz bettespil
iht ze lange und iht ze vil,
ich vürhte ez ir sô wol behage,
daz sî vil lîhte dâ betage.
sô werde wir alle
ze spotte und ze schalle.»
nein, ir gedanke unde ir muot
die wâren lûter unde guot.
dô si vür Îsolde
geleiste, daz si solde,
unde ir teidinc ergie,
von dem bette sî sich lie.
nû was ouch Îsôt hantgar.
vür daz bette saz si dar,
als ez diu selbe solte sîn.
zehant iesch ouch der künec den wîn.
dâ volgete er dem site mite,
wan ez was in den zîten site,
daz man des ellîche pflac,
swer sô bî einer megede lac
und ir den bluomen abe genam,
daz eteswer mit wîne kam
und lie si trinken beide
samet âne underscheide.
der selbe site ergieng ouch dâ.
Tristan sîn neve der brâhte iesâ
beidiu lieht unde wîn.
der künec tranc und diu künigîn.
ouch sagent genuoge maere,
daz ez des trankes waere,
von dem Tristan unde Îsôt
gevielen in ir herzenôt.
nein des trankes was nimê.
Brangaene warf in in den sê.
nu sî dem site gegiengen mite,
beidiu getrunken nâch dem site,
diu junge künigîn Îsôt
diu leite sich mit maneger nôt,
mit tougenlîchem smerzen
ir muotes unde ir herzen
zuo dem künege ir hêrren nider.
der greif an sîne vröude wider;
er twanc si nâhe an sînen lîp.
in dûhte wîp alse wîp.
er vant ouch die vil schiere
von guoter maniere.
ime was ein als ander.
an ietwederre vander
golt unde messinc.
ouch leisten s'ime ir teidinc
alsô dan und alsô dar,
daz er nie nihtes wart gewar.
Îsôt diu was dô starke
von ir hêrren Marke
geminnet unde gehêret,
geprîset unde g'êret
von liute und von lande.
wan man sô maneger hande
vuoge unde saelde an ir gesach,
ir lop unde ir êre sprach,
swaz lop gesprechen kunde.
under dirre stunde
haete sî und ir amîs
ir kurzewîle manege wîs,
ir wunne spâte unde vruo,
wan nieman wânde niht dar zuo.
dane dâhte weder wîp noch man
dekeiner slahte undinges an.
wan si was in sîner pflege
alle stunde und alle wege
und lebete, swie si dûhte guot.
hie mite sô nam si in ir muot
und bedâhte allez ir dinc.
sît nieman ir haelinc
unde ir trügeliste
niwan Brangaene wiste,
enwaere sî danne eine,
sô dörfte s'iemer cleine
gesorgen umbe ir êre.
si sorgete sêre
und vorhte harte starke,
Brangaene ob sî ze Marke
dekeine liebe haete,
daz sî im kunt taete
ir laster unde ir maere,
als ez ergangen waere.
diu sorchafte künigîn
diu tete an disen dingen schîn,
daz man laster unde spot
mêre vürhtet danne got.
zwêne knehte sî besande
vremede von Engelande.
die selben hiez si beide
swern eide und eide,
triuwe über triuwe geben.
dâ zuo gebôt s'in an ir leben,
swaz sî si hieze ane gân,
daz daz beidiu getân
und ouch verholn waere.
sus seite s'in ir maere.
diu mortraete sprach zuo z'in:
«nu merket beide mînen sin.
ich sende eine maget mit iu,
die nemet und rîtet ir driu
heinlîchen unde balde
eteswar z'einem walde,
er sî verre oder bî,
der iu dar zuo gevellec sî,
dâ nieman heinlîche habe,
und slahet ir daz houbet abe.
und alle ir rede die merket ir,
und swaz si sage, daz saget mir.
ir zungen bringet mir her dan.
und sît ouch des gewis dar an,
swie sô ich ez in ein getrage,
daz ich iuch morgen an dem tage
mit rîlîcher sache
beide ritter mache
und wil iu lîhen unde geben,
die wîle ich iemer sol geleben.»
diu rede diu wart gewisset dâ.
Îsôt diu nam Brangaenen sâ
«Brangaene» sprach si «nim hie war:
bin ich iht sêre missevar?
ine weiz, wie mir mîn dinc stê.
mîn houbet tuot mir sêre wê.
du muost uns wurze bringen.
wir müezen disen dingen
eteslîchen rât geben
oder ez gât mir an daz leben.»
diu getriuwe Brangaene sprach:
«vrouwe, iuwer ungemach
daz müet mich harte sêre.
nune bîtet ouch niemêre.
heizet mich wîsen eteswar,
dâ ich eteswaz ervar,
daz z'iuwern dingen guot sî.»
«sich, zwêne knappen sint hie bî.
mit den rît, die wîsent dich.»
«gerne vrouwe, daz tuon ich.»
si saz ûf unde reit mit in.
nu sî zem walde kâmen hin,
dâ wurze, crût unde gras
der volle nâch ir willen was,
Brangaene wolte erbeizet sîn.
nu vuorten sî si baz hin în
in die wüeste und in die wilde.
nu sî von dem gevilde
verre hin în kâmen,
die höfschen si nâmen,
die getriuwen, die werden,
und sazten sî zer erden
mit triure und mit leide
und zucten swert beide.
Brangaene dô sô sêre erschrac,
daz si an der erden gelac
und lac alsô lange nider.
ir herze erbibete und alle ir lider.
erschrockenlîche sî ûf sach.
«hêrre genâde!» si sprach
«durch got waz welt ir ane gân?»
«dâ sult ir iuwer leben lân.»
«ôwê, war umbe? saget mir!»
ir einer sprach: «waz habet ir
begangen wider die künigîn?
diu hiez iuch slahen. nu muoz ez sîn.
iuwer und unser vrouwe Îsôt
diu hât geschaffet iuwern tôt.»
Brangaene vielt ir hende in ein;
weinende sprach si: «hêrre nein,
durch iuwer güete und durch got,
sô vristet beide diz gebot
und lât mich alsô lange leben,
daz ich iu antwürte müge geben.
dâ nâch habt ir mich schiere erslagen.
ir sult mîner vrouwen sagen
und wizzet selbe, daz ich nie
wider ir hulden niht begie,
dar an ich mich versaehe,
daz ir leit geschaehe,
ezn waere danne alse vil,
des ich doch niht getrûwen wil:
dô wir zwô vuoren von Îrlant,
dô haeten wir zwô zwei gewant.
diu haeten wir uns beiden
erwelt und ûz gescheiden
von anderm gewande.
diu vuorten wir von lande:
zwei hemede wîz alsam ein snê.
dô wir dô kâmen ûf den sê
her wider lant ûf unser vart,
sô heiz ir von der sunnen wart,
daz sî vil selten in den tagen
an ir iht kunde vertragen
niwan ir hemede al eine,
daz wîze, daz reine.
sus liebete ir daz hemede an.
dô sî ez üeben began,
biz daz si'z über üebete,
sîne wîze gar betrüebete,
dô haete aber ich daz mîne
heinlîche in mînem schrîne
in reinen wîzen valten
verborgen unde behalten.
und als mîn vrouwe her kam,
den künec ir hêrren genam
und zuo z'im slâfen solte gân,
nune was ir hemede niht getân
sô schône, alse ez solte
und als sî gerne wolte.
daz ich ir dô daz mîne lêch
und ir's et eines verzêch
und mich sô vil an ir vergaz,
ir enwerre danne daz,
sô wizze got wol, daz ich nie
ze keinen zîten übergie
weder ir bete noch ir gebot.
nu tuot ez beide samet durch got,
grüezet si von mir alsô wol,
als ein juncvrouwe ir vrouwen sol.
und got durch sîne güete
der bewar ir unde behüete
ir êre und ir lîp unde ir leben!
und mîn tôt der sî ir vergeben.
die sêle die bevilhe ich gote,
den lîp hin z'iuwerem gebote.»
nu sâhen dise zwêne man
erbermeclîche ein ander an
und erbarmete s'an der reinen
ir inneclîchez weinen.
si gerou vil sêre beide
und nâmen'z in ze leide,
daz sî gelobet haeten,
daz sî den mort taeten.
dô sî an ir niht vunden
noch niht ervinden kunden,
daz morde gebaere
und tôtbaere waere,
si giengen râten under in zwein
unde gerieten in ein:
ez ergienge in, swie ez in möhte ergân,
si wolten si leben lân.
die getriuwen bunden si sâ
hôhe ûf einen boum dâ,
daz sî die wolve iht naemen,
biz daz si wider kaemen,
und sniten an der stunde
eime ir vogelhunde
die zungen ûz und riten dan.
sus seiten dise zwêne man
Îsôte der mortraeten,
daz sî s'ermordet haeten
mit jâmer und mit leide.
si sageten ir beide,
diu selbe zunge diu waere ir.
Îsôt diu sprach: «nu saget mir,
waz maeres sagete iu diu maget?»
si sageten, alse in was gesaget,
al von ende ir rede her dan
und verswigen nie niht dar an.
«jâ» sprach si «seite s'iu nimê?»
«nein vrouwe.» Îsôt diu rief: «ôwê
und wâfen dirre maere!
unsaeligen mordaere,
waz habet ir an gegangen?
ir müezet beide hangen!»
«hêrre» sprâchen jene dô
«wie lûtent disiu maere sô?
vil wunderlîchiu vrouwe Îsôt,
ir habet uns doch mit maneger nôt
ervlêhet unde benoetet,
daz wir si haben ertoetet.»
«ine weiz, waz ir von vlêhe saget.
ich bevalch iu mîne maget
in iuwer huote und iuwer pflege,
daz ir ir pflaeget ûf dem wege,
dâ sî mir solte bringen
ein teil ze mînen dingen.
die müezet ir mir wider geben
oder ez gât iu an daz leben.
ir veigen mortslangen
ir werdet beide erhangen
oder ûf einer hurt verbrant!»
«entriuwen» sprâchen jene zehant
«vrouwe, iuwer herze und iuwer muot
diun sint niht lûter unde guot,
iuwer zunge ist harte manicvalt.
nu vrouwe, vristet disen gewalt.
ê wir verliesen unser leben,
wir wellen s'iu ê wider geben
schoene unde wol gesunde.»
Îsôt sprach an der stunde
weinende harte sêre:
«nune lieget mir niht mêre.
lebet Brangaene ald ist si tôt?»
«si lebet noch, wunderlîche Îsôt.»
«ôwê, sô bringet mir si her
den worten, daz ich iuch gewer,
swes ich iu gelobet hân.»
«vrouwe Îsôt, daz sî getân.»
Îsôt behabete ir einen dâ.
der ander reit dannen sâ
hin wider, dâ er Brangaenen lie.
Îsôte ir vrouwen brâhte er die.
und dô si vür Îsôte kam,
Îsôt si zwischen arme nam
und kuste ir wange unde ir munt
ze einer und ze maneger stunt.
den zwein gab sî ze solde
zweinzec marc von golde
den worten, daz diz maere
von in verholen waere.
nu daz diu küniginne Îsôt
Brangaenen in der endenôt
getriuwe unde staete
und an ir muote haete
durnehte in alle wîs bekant
und in dem tegele gebrant
unde geliutert alse ein golt,
sît des was Brangaene unde Îsolt
von herzen und von sinne
sô getriuwe und sô geminne,
daz nie niht under in beiden
ir dinges wart gescheiden.
si wâren mit ein ander dô
ir muotes unde ir herzen vrô.
Brangaene was des hoves dô wol,
der hof der was ir lobes vol.
si was geminne in allen.
sine truoc niemanne gallen
ûzen noch innerhalp der wât.
si was râtgebe unde rât
des küneges unde der künigîn.
ze kamere kunde niht gesîn,
Brangaene enmüese ez wizzen.
ouch was sî vervlizzen
ze dieneste Îsolde.
si diende ir, swie si wolde,
an Tristande ir amîse.
daz triben s'alse lîse,
daz nie nieman dervan
dekeinen arcwan gewan.
ir gebaerde, ir rede, ir maere
oder swaz ir dinges waere,
des nam in lützel ieman war.
nieman haete wân dar.
in was sanfte und alsô wol,
alse zwein gelieben sol,
den ir state unde ir zît
ze staten und ze willen lît.
dâ was amîe unde amîs
alle zît und alle wîs
in der minnen bejage.
si begunden dicke in dem tage
ir ougen understricken
mit inneclîchen blicken
in der menege und under liuten,
dâ blicke sulen tiuten
und wehselmaere meinen,
mit den man sich vereinen
aller gelieben liebe mac.
daz triben sî naht unde tac
und was daz âne vâre.
an rede und an gebâre
wâren si beidiu gênde,
sitzende unde stênde
vrîlîch und offenbaere.
ir offenlîchiu maere,
mit den si wunder kunden,
diu begunden s'under stunden
mit clebeworten underweben.
man sach dicke in ir maeren cleben
der minnen werc von worten
als golt in dem borten.
es gedâhte aber nieman niht,
daz ir wort und ir geschiht
an liebe haeten keine craft
wan eine von der mâcschaft,
die man sô grôze erkande
under Marke und Tristande.
mit der verkouften si vil,
mit der ertrugen s'ir minnenspil.
mit der verspilte Minne
vil maneges herzen sinne,
der sich nie keinez kunde enstân,
wie ez umbe ir liebe was getân.
diu was an in reine unde guot.
ir beider sin, ir beider muot,
daz was allez ein und ein,
jâ unde jâ, nein unde nein.
jâ unde nein, nein unde jâ
entriuwen daz was niender dâ.
an in was niht gescheiden.
dâ wâren beide an beiden.
sus triben sî zwei under in
die stunde lieplîche hin
wîlent sus und wîlent sô.
si wâren underwîlen vrô
und underwîlen ungemuot,
als liebe under gelieben tuot.
diu briuwet in ir herzen
die senfte bî dem smerzen,
bî vröude kumber unde nôt.
sô Tristan und sîn vrouwe Îsôt
ir state zuo z'ir dingen
niht kunden vollebringen,
daz was ir nôt. sus unde sô
wâren si trûrec unde vrô.
ouch enwart niht under in verborn,
dane waere ouch underwîlen zorn.
ich meine zorn âne haz.
und sprichet aber ieman daz,
daz zorn ungebaere
under sô gelieben waere,
binamen dâ bin ich sicher an,
daz der nie rehte liep gewan.
wan diz daz ist der Minnen site,
hie en zündet sî gelieben mite,
hie mite sô viuret sî den muot.
wan alse in zorn vil wê getuot,
sô süenet sî diu triuwe,
so ist aber diu liebe niuwe
und aber der triuwen mê dan ê.
wie aber ir zorn ûf erstê,
wie s'âne rât ze suone komen,
daz habet ir dicke vernomen.
gelieben dunket lîhte,
die dicke und ie gedîhte
ein ander mugen gewesen bî,
daz eteswer dâ lieber sî
und nâher gênde dan si sîn,
und machent umbe ein dunkelîn
ein michel zornmaere,
ûz einer cleinen swaere
eine rîlîche suone.
und ist ouch daz ze tuone;
daz sol man in billîchen.
hie von sol liebe rîchen,
jungen unde niuwen
und viuren an den triuwen.
liebe armet unde altet,
si kuolet unde kaltet,
swâ sî ir viures niene hât.
sô der zorn an ir zegât,
zehant engruonet si niht.
swenne under vriunden geschiht
dekeiner slahte zornelîn,
so ist triuwe ie dâ diu süenaerîn,
vrisch und iteniuwe.
diz niuwet die triuwe,
diz liutert liebe alse golt.
alsus treip Tristan unde Îsolt
mit liebe und leide ir stunde hin.
liep unde leit was under in
in micheler unmüezekeit;
liep meine ich âne herzeleit.
sine haeten dannoch beide
dekeine herzeleide
noch niht solher ungeschiht,
diu hin in daz herze siht.
sî verswigen ouch ir dinc
und hâlen ir haelinc
vil anclîch und vil ange
und triben ouch daz lange.
si wâren beide hôchgemuot,
ir muotes vrî unde vruot.
Îsôt diu küniginne
diu was dô geminne
mit liute und mit lande.
ouch sagete von Tristande
beidiu liut unde lant.
er was genenne unde erkant,
ervorhten wunderlîche
in al dem künicrîche.
nu Tristan was gemuothaft.
ze erneste und ze ritterschaft
vertete er sîner stunde vil.
er dienete mit vederspil
sînen müezegen tagen.
er reit birsen unde jagen,
so'z an der zît alsô geviel.
in den zîten kam ein kiel
ze Curnewâle in Markes habe.
dâ reit ein ritter ûz und abe,
ein edel barûn von Îrlant,
der was Gandîn genant
und was höfsch, schoene unde rîch,
des lîbes alsô menlîch,
daz allez Îrlant seite
von sîner manheite.
der kam schône gecleit
mit ritterlîcher schônheit
und mit hêrlîchen siten
al eine ûf Markes hof geriten
âne schilt und âne sper.
über sînen rucke vuorte er
eine rotten, diu was cleine,
mit golde und mit gesteine
geschoenet unde gezieret,
ze wunsche gecordieret.
unde als er erbeizet was,
er gienc in den palas
und gruozte, alse er solde,
marken unde Îsolde.
der ritter unde der amîs
was er gewesen manege wîs
und ouch ze manegem mâle
und kam ze Curnewâle
durch ir willen von Îrlant.
nu bekande ouch sî'n zehant:
«dêu sal, messire Gandîn!»
sprach diu gevüege künigîn.
«merzî» sprach Gandîn «bêle Îsolt,
schoene und schoener danne golt
in Gandînes ougen!»
nu seite ouch Îsôt tougen
dem künege, wer er waere.
den dûhte ez alwaere
unde wundert in genuoc,
daz er die rotten ûf im truoc.
und nam si's alle wunder.
samet unde sunder
bemarcten sî ez starke.
iedoch sô vleiz sich Marke
ze sînen êren sêre
sô durch sîn selbes êre
sô durch die bete Îsôte.
diu bat in ie genôte,
daz er im êre baere,
wan er ir lantman waere.
des was er gerne gemant.
er sazte in bî sich zehant
und vrâgete in aller hande
von liute und von lande,
von vrouwen und von höfscheit.
nu daz daz ezzen was bereit
und daz gesinde wazzer nam
und daz wazzer hin z'im kam,
dô wart er vil unde vil
gebeten, daz er sîn rottenspil
von im haete getân.
des enkunde in nieman über gân.
künic unde künigîn
die liezen ez mit guote sîn.
sô dûhte ez aber genuoge
unhöfscheit unde unvuoge.
ouch engieng ez sô niht hin,
sine begunden's under in
vil lachen unde spotten.
der ritter mit der rotten,
der hêrre mit der harnschar
der nam es alles keine war.
er was nider gesezzen
ze Markes sîten ezzen.
er tranc und az, als in gezam.
nu man die tische dan genam,
er stuont ûf und gie dannen
sitzen ze Markes mannen.
die gâben ime geselleschaft,
die wâren mit im kumberhaft
mit manegem hovemaere.
der künec der hovebaere,
marke der tugende rîche
der bat in offenlîche,
ob er iht rotten kunde,
daz er in allen gunde,
daz sî vernaemen sîn spil.
der gast sprach: «hêrre, ine wil,
ine wizze danne umbe waz.»
«hêrre, wie meinet ir daz?
welt ir iht, des ich hân,
daz ist allez getân.
lât uns vernemen iuwern list,
ich gib iu, swaz iu liep ist.»
«diz sî!» sprach der von Îrlant.
er tete in einen leich zehant,
der in allen sanfte tete.
der künec der bat in sâ ze stete,
daz er aber einen machete.
der trügenaere erlachete
vil inneclîche wider sich;
«diu miete» sprach er «lêret mich,
daz ich iu rotte, swaz ich sol.»
und tete den zwirnt alse wol.
nu daz der ander was getân,
Gandîn gie vür den künic stân,
die rotten truog er an der hant.
«nu hêrre» sprach er «sît gemant,
des ir gelobetet wider mich.»
der künec sprach: «gerne, daz tuon ich.
saget mir, waz wellet ir?»
«Îsolde» sprach er «gebet mir!»
«vriunt» sprach er «swaz ir âne die
gebietet, daz ist allez hie.
diz mag noch sus noch sô gesîn.»
«entriuwen hêrre» sprach Gandîn
«ine wil grôz noch cleine
niwan Îsôte al eine.»
der künec sprach: «triuwen, dazn geschiht.»
«hêrre, sô enwelt ir niht
behalten iuwer wârheit?
werdet ir des überseit,
daz ir urwaere sît,
so ensult ir nâch der selben zît
dekeines landes künic wesen.
heizet küneges reht lesen.
vindet ir ez niht dâ,
ich gân von mînem rehte sâ.
ouch jehet ir oder swer es giht,
ir gelobetet mir niht,
dâ volge ich mînem rehte hin
wider iuch und wider in,
swie mir der hof erteilet.
mîn lîp der ist geveilet
mit kampfe und mit vehte,
ine kome ze mînem rehte.
swer sô ir wellet oder ir,
der rîte in einen rinc mit mir.
ich wil bereden an dirre vrist,
daz diu schoene Îsôt mîn ist.»
der künec der sach her unde dar
und nam allenthalben war,
obe er ieman möhte hân,
der in getörste bestân.
nune was dâ nieman, der sîn leben
an eine wâge wolte geben,
noch Marke selbe enwolde
niht vehten umbe Îsolde,
wan Gandîn was von solher craft,
sô menlîch und sô herzehaft:
ir keiner kêrte sich dar an.
nu was ouch mîn hêr Tristan
birsen geriten ze walde.
der enwas ouch nie sô balde
von walde wider ze hove komen,
ern haete ûf dem wege vernomen
diu leiden niuwen maere,
daz s'ime g'antwürtet waere.
ez was ouch wâr, si was alsô.
Gandin haete die schoenen dô
vil inneclîche weinende
und manege clage erscheinende
von hove gevüeret an den stat
und an den stat was ime gesat
ein pavilûne, diu was rîch,
wol schoene unde hêrlîch.
dâ gieng er und diu künigîn
al die wîle sitzen în,
biz daz mer wider kaeme
unde der kiel genaeme
den vluz und die vlieze,
wan er lac an dem grieze.
nu Tristan wider heim kam
und von der rotten vernam
diu maere baz unde baz,
zehant er ûf sîn ors saz,
sîne harpfen nam er an die hant,
er kam wol balde gerant
bî unde nâhe zuo der habe
und kêrte dô mit listen abe
ze einem busche und bant dâ vaste
sîn ors zuo z'einem aste.
sîn swert daz hancte er dar an.
mit sîner harpfen lief er dan
und kam zer pavelûne
und vant ouch dem barûne
sitzende under armen
die vröudelôsen armen,
die weinenden Îsôte.
die trôste er ie genôte.
nu half ez aber cleine,
biz daz si den al eine
mit der harpfen gesach.
den gruozte Gandîn unde sprach:
«dê te saut, bêâs harpiers!»
«merzî, gentil schevaliers!
hêrre, ich hân» sprach aber er
«gegâhet harte sêre her.
man sagete mir an dirre zît,
daz ir von Îrlande sît.
hêrre, dannen bin ouch ich.
durch iuwer êre, vüeret mich
hin wider heim in Îrlant!»
der von Îrlande sprach zehant:
«geselle, daz gelobe ich dir.
nu sitze nider, harphe mir.
getroestest dû die vrouwen mîn,
daz sî ir weinen lâzet sîn,
ich gibe dir die aller besten wât,
die disiu pavilûne hât.»
«diz lobe ich, hêrre» sprach Tristan
«ouch hân ich guoten trôst dar an,
ez ensî dan alse vil,
daz sî durch kein mannes spil
ir weinen welle lâzen,
sô muoz si sich es mâzen.»
sînes werkes er begunde,
er harphete an der stunde
sô rehte süezen einen leich,
der Îsôte in ir herze sleich
und ir gedanken alle ergie
sô verre, daz s'ir weinen lie
und an ir amîs was verdâht.
nu daz der leich was vollebrâht,
dô was dem kiele wazzer komen
und haete sînen vluz genomen.
hie mite sô sprâchen jene her abe
von dem kiele in die habe:
«hêrre, hêrre, gât her an!
und kumet mîn hêr Tristan,
die wîle ir an dem lande sît,
uns begât ein übel zît.
ez stât gâr in sîner hant
beidiu liut unde lant.
ouch ist er selbe, sô man seit,
von alsô grôzer vrecheit,
sô geherze und sô gemuot,
daz er iu lîhte schaden tuot.»
diu rede was Gandîne ungemach.
ûz grôzem unwerde er sprach:
«nu müeze ich haben gotes haz,
ob ich von hinnen umbe daz
tâlanc deste ê ze schiffe gê!
geselle, mache dû mir ê
den leich von Dîdône.
du harpfest alsô schône,
daz ich ez an dich minnen sol.
nu harpfe mîner vrouwen wol!
ich vüere dich ze minnen
mit mir und mit ir hinnen
und gibe dir ouch alhie zehant
dînen geheiz und dîn gewant,
daz aller beste, daz ich hân.»
Tristan sprach: «hêrre, deist getân.»
der spilman huob aber an.
sîn harpfenspil er aber began
sô rehte suoze bringen,
daz Gandîn sînen dingen
vil vlîzeclîchen ôre bôt
und sach ouch wol, daz Îsôt
sêre an die harpfen was verdâht.
nu daz der leich was vollebrâht,
Gandîn der nam die künigîn
und wolte hin ze schiffe sîn.
nu was diu vlieze unde der vlôz
vor der schifbrucken alsô grôz,
daz nieman an der stunde
âne ein vil hôch ors kunde
zer schifbrucken komen în.
«waz getuon wir nû?» sprach Gandîn
«wie kumet mîn vrouwe dar an?»
«seht, hêrre» sprach der spilman
«sît daz ich des gewis bin,
daz ir mich mit iu vüeret hin,
swes ich ze Curnewâle hân,
des sol hie lützel bestân.
ich hân ein hôhez ors hie bî,
ich waene ez ouch wol sô hôch sî,
mîne vrouwen, iuwer vriundîn,
daz ich si wol zer brucken în
sô schône gevüere,
daz sî daz mer iht rüere.»
Gandîn sprach: «lieber spilman.
balde île, brinc dîn ors her dan
und nim ouch iesâ dîn gewant!»
Tristan der brâhte daz ors zehant,
und iesâ dô er wider kam,
sîne harpfen er ze rucke nam.
«nu hêrre von Îrlant» sprach er
«bietet mir mîne vrouwen her,
ich vüere sî vor mir dar în.»
«nein spilman» sprach Gandîn
«dune solt sî niht rüeren,
ich wil si selbe vüeren.»
«wê hêrre!» sprach diu schoene Îsôt
«diz maere ist allez âne nôt,
daz er mich niht rüeren sol.
nu wizzet endelîche wol,
daz ich niemêre kume dar an,
mich envüere der spilman.»
Gandîn bôt ime Îsôte dar.
«geselle» sprach er «nim ir war
und vüere s'alsô schône,
daz ich dir's iemer lône.»
nu er Îsolde z'ime gewan,
er sprancte ein lützel her dan.
und alse ez Gandîn gesach,
unwertlîche er im nâch sprach:
«inâ gouch! waz sol diz sîn?»
«nein nein» sprach Tristan «gouch Gandîn!
vriunt, ir stât an des gouches zil.
wan daz ir mit dem rottenspil
dem künege Marke ertruget an,
daz vüere ich mit der harpfen dan.
ir truget, nu sît ouch ir betrogen.
Tristan der hât iu nâch gezogen,
biz daz er iuch beswichen hât.
vriunt, ir gebt rîlîche wât.
ich hân daz beste gewant,
daz ich in dem gezelte vant!»
Tristan reit sîne strâze.
Gandîn was âne mâze
trûric unde trûresam.
im tete schade unde scham
vil sêre und inneclîche wê.
er kêrte wider über sê
mit schame und mit leide.
jene geverten beide,
Tristan und Îsôt kêrten hin.
ob s'under wegen under in
iender ze vröuden kaemen,
ruowe in den bluomen naemen,
daz wil ich âne waenen lân.
ich sol waenen unde wân
mînenthalben legen nider.
Tristan der brâhte Îsôte wider
sînem oeheime Marke
und strâfete in starke:
«hêrre» sprach er «wizze crist,
sô lieb als iu diu künegîn ist,
sô ist ez ein michel unsin,
daz ir si gebet sô lîhte hin
durch harpfen oder durch rotten.
ez mac diu werlt wol spotten.
wer gesach ie mêre künigîn
durch rottenspil gemeine sîn?
her nâch sô bewâret daz
und hüetet mîner vrouwen baz!»
Tristandes lob und êre
diu bluoten aber dô mêre
ze hove und in dem lande.
si lobeten an Tristande
sîne vuoge und sîne sinne.
er und diu küniginne
si wâren aber vrô unde vruot,
si gâben beide ein ander muot,
sô s'iemer beste kunden.
in den selben stunden
haete Tristan einen cumpanjûn,
der was ein edeler barûn,
des küneges lantsaeze,
sîn oberster truhsaeze,
und was geheizen Marjodô.
der selbe was Tristande dô
gevriunt unde geminne
durch die süezen küniginne.
der truog er tougenlîchen muot,
als manec man maneger vrouwen tuot,
dâ sî sich lützel kêret an.
der truhsaeze unde Tristan
si zwêne haeten under in zwein
gemeine herberge in ein
und wâren gerne ein ander mite.
ouch was des truhsaezen site,
wan Tristan schoener maere phlac,
daz er'm ie nahtes sô bî lac,
daz er bereite hin z'im sprach.
eines nahtes ez geschach,
dô haete er mit Tristande
vil unde maneger hande
rede unde maere getriben
und was slâfende beliben.
der minnaere Tristan
der stal sich tougenlîche dan
an sîne strichweide
ze manegem herzeleide
im selben unde der künigîn.
do er unvermeldet wânde sîn
und sicher sîner dinge,
dô haete im misselinge
ir stricke, ir melde, ir arbeit
an den selben pfat geleit,
den er underwîlen ie
z'Îsôte vrôlîche gie.
der was des nahtes besnît.
ouch schein der mâne zuo der zît
vil liehte und vil clâre.
Tristan nam keiner vâre
noch keiner slahte merke war,
wan gieng et baltlîche dar,
dâ man im sîne tougenheit
bescheiden haete und ûf geleit.
nu er in die kemenâten kam,
Brangaene ein schâhzabel nam.
vür daz lieht leinde si daz.
nune weiz ich, wie si des vergaz,
daz sî die tür offen lie
und si wider slâfen gie.
die wîle und aber daz geschach,
der truhsaeze der gesach
in sîme troume, dâ er slief,
einen eber, der ûz dem walde lief,
vreislîch unde vreissam.
ûf des küneges hof er kam
schûmende unde wetzende
und sich ze wîge setzende
ûf allez daz, daz er dâ vant.
nu kam geloufen al zehant
des hovegesindes michel craft.
dâ lief michel ritterschaft
umbe den eber her unde hin
und enwas doch nieman under in,
der in getorste bestân.
sus liez er allez hine gân
limmende durch den palas.
dâ Markes kemenâte was,
dâ brach er zuo den türen în.
daz sîn bette solte sîn,
daz zewarf er hin unde her.
mit sînem schûme solget er
daz bette und al die bettewât,
diu küneges bette bestât.
diz sâhen alle Markes man
und nam sich'z doch ir keiner an.
nu Marjodoc erwachet was,
den troum er in sîn herze las.
wan er was ime sêre ande.
hie mite rief er Tristande
und wolte im sagen maere,
waz ime getroumet waere.
nun antwurte im nieman dâ.
nu rief er aber und aber sâ
und reichte mit der hant dô dar,
und alse er nihtes wart gewar
noch an dem bette nieman vant,
nû bewânde er in zehant
umbe tougenlîchiu teidinc.
aber umbe sînen haelinc
hin zuo der küniginne
des enhaete er keine sinne,
ern haete keinen wân dar an.
doch nam er ime hin z'ime dâ van
ein vriuntlîchez zornelîn,
sô liep als er im solte sîn,
daz er im niht enseite
von sîner tougenheite.
Marjodoc stuont ûf zehant
und leite an sich sîn gewant.
er sleich vil lîse hin zer tür
unde wartete dervür
und sach Tristandes spor dervor.
hie mite sô volgete er dem spor
hin durch ein boumgertelîn.
ouch leitete in des mânen schîn
über snê und über gras,
dâ er vor hin gegangen was,
unz an der kemenâten tür.
dâ gestuont er vorhtende vür
und misseviel im al zehant,
daz er die tür als offen vant.
sus trahtete er dâ lange
nâch Tristandes gange.
er bedâhte übel unde guot.
iezuo sô kam im in den muot,
Tristan der waere komen dar în
durch eteslîch juncvrouwelîn.
sô der wân iezuo was getân,
sô was al zehant sîn wân,
er waere dar inne
durch die küniginne.
der wân gie hin unde her.
ze jungeste genante er
und gie vil lîse dar în
und envant dâ lieht noch mânen schîn;
wan von der kerzen, diu dâ bran,
dâ gesach er lützel van.
dâ leinde ein schâhzabel vor.
sus gieng er allez enbor
und greifende mit henden
an mûren unde an wenden,
biz er z'ir beider bette kam,
si beidiu samet dar an vernam
und hôrte al ir gelegenheit.
diz was im inneclîche leit
und tete im in dem herzen wê,
wan er haete Îsolde allez ê
liebe unde holden muot getragen.
nu was daz allez underslagen
mit hazze und mit leide.
er haete an ir dô beide
haz unde leit, leit unde haz.
in muote diz, in muote daz.
ern kunde sich verrihten niht,
wie er ze dirre geschiht
alsô gewerben möhte,
als ez vuogete unde töhte.
in reizete haz unde leit
ûf die grôzen unhöfscheit,
daz er ir ding lûtbaerete
und ez al dâ vermaerete.
sô zôch in aber Tristan
und diu vorhte dervan,
die er hin z'ime haete,
ob er'm iht leides taete.
sus kêrte er umbe und gie dan.
als ein geleidegeter man
leite er sich aber wider nider.
nu kam ouch Tristan schiere wider.
vil lîse er an sîn bette seic.
er sweic unde jener sweic,
daz ir deweder nie wort gesprach,
daz in doch selten ê geschach
und des ê wâren ungewon.
von dirre vremede und hie von
sô sach im Tristan daz wol an,
daz er eteswaz hie van
arcwânde in sînem muote,
und haete sîne huote
an rede und an gelâze
in bezzerre mâze,
dan er ê mâles taete.
nu was ez aber ze spaete.
sîn tougen was vermaeret,
sîn haelinc g'offenbaeret.
der nîdege Marjodô
der nam den künec verholne dô
und seite im, daz ein maere
dâ ze hove ensprungen waere
von Îsolde und Tristande,
daz liute unde lande
harte sêre missezaeme.
daz er es war naeme
und rât dar umbe haete,
waz er dar zuo getaete.
ez gienge im harte sêre
an sîn ê und an sîn êre.
ern gewuoc im aber des niht,
daz er die wâren geschiht
als endeclîche weste.
der getriuweste unde der beste,
der einvalte Marke
den wunderte es starke
und volgete es ungerne,
daz er den leitesterne
sîner vröuden an Îsolde
iemer bewaenen solde
an keiner slahte unguote.
doch truog er'z in dem muote
leitlîchen unde swâre
und was in staeter vâre
alle zît und alle stunde,
ob er s'ervinden kunde
an keiner bewaerde.
ir rede und ir gebaerde
daz bemarcte er allez sunder
und enkunde sî hier under
an keiner wârheit ervarn.
wan Tristan der bat si'z bewarn
und haete Îsolde kunt getân
des truhsaezen arcwân.
jedoch versuohte ez Marke
anclîchen unde starke
und wartete es naht unde tac.
eines nahtes, dô er bî ir lac
und sî zwei triben under in
ir wehselrede her unde hin,
er rihtete unde leite
mit einer kündekeite
einen stric der küniginne
und vienc si ouch dar inne.
«nu vrouwe» sprach er «saget mir,
wie dunket iuch, wie râtet ir?
ich wil in kurzen zîten
in beteverte rîten
und bin vil lîhte lange in wege.
in wes huote und in wes pflege
welt ir al die wîle sîn?»
«got segene!» sprach diu künigîn
«durch nôt sprechet ir daz!
in wes huote waere ich baz
und iuwer liut und iuwer lant
danne in iuwers neven hant,
der unser wol gepflegen kan?
iuwer swestersun, hêr Tristan,
der ist manhaft unde wîs
und wol bedaehtic alle wîs.»
die rede begunde Marke
bewaenen harte starke
und misseviel im harte.
sîne lâge und sîne warte
leite er ir aber mê unde mê
und huote ir aber mê dan ê
und seite dem truhsaezen sâ,
als er ez haete ervunden dâ.
der truhsaeze antwurte im dô
«zewâre hêrre, im ist alsô.
ir muget hie selbe merken an,
daz sî sich niht gehelen kan
der grôzen liebe, die s'im treit,
und ist ein michel tumpheit,
daz ir in lîdet dâ bî.
als liep iu wîp und êre sî,
so enlîdet in nimêre.»
diz muote Marken sêre.
der zwîvel unde der arcwân,
den er zem neven solte hân,
der tôte in z'allen stunden,
und in ouch unervunden
und unervaren haete
an aller slahte untaete.
diu betrogen Îsôt diu was dô vrô.
si seite Brangaenen dô
vil vrôlîche lachende
und michel vröude machende
von ir hêrren betevart,
und ouch wie sî gevrâget wart,
in wes pflege si wolte sîn.
Brangaene sprach dô: «vrouwe mîn,
lieget mir niht und saget mir,
sô helfe iu got, wen ieschet ir?»
Îsôt seite ir die wârheit,
rehte alse ez dâ wart ûf geleit.
«â tumbe!» sprach Brangaene dô
«war umbe sprâchet ir alsô?
swaz sô hier an geredet ist,
daz hoere ich wol, daz ist ein list,
und weiz vür wâr, daz disen rât
der truhsaeze ûf geleget hât.
hie mite sô wellent s'iuch ervarn.
ir sult iuch her nâch baz bewarn.
gewehene er's iu iht mêre,
sô tuot, als ich iuch lêre.
sprechet sus unde sô.»
ir vrouwen lêrte si dô,
waz antwürte ir gebaere
ze disen listen waere.
hier under was ie Marke
bekumbert harte starke
mit zweier hande leide:
in leideten beide
der zwîvel unde der arcwân,
den er haete und muose hân.
er arcwânde genôte
sîn herzeliep Îsôte.
er zwîvelte an Tristande,
an dem er niht erkande,
daz valsche gebaere
und wider den triuwen waere.
sîn vriunt Tristan, sîn vröude Îsôt
diu zwei wâren sîn meistiu nôt.
si twungen ime herze unde sin.
er arcwânde sî und in
und zwîvelte sî ouch beide.
dem gebeidetem leide
dem gieng er rehte nâch dem site
und nâch dem billîche mite.
wan alse er an Îsolde
der liebe dienen wolde,
sô wante es in der arcwân.
dem wolte er danne ie nâch gân
und volgen ûf die wârheit.
als ime diu danne wart verseit,
sô tete im aber der zwîvel wê,
sô was ez aber rehte als ê.
waz mag ouch liebe nâher gân
dan zwîvel und arcwân?
waz anget liebe gernden muot
sô sêre, sô der zwîvel tuot?
dâ mite enweiz er, war er sol;
wan iezuo sô geswüere er wol
von eteslîcher ungeschiht,
die er gehoeret oder gesiht,
er waere ûf dem ende.
ê man die hant gewende,
sô widerwirfet sich daz
und gesiht aber eteswaz,
daz im aber zwîvel birt,
dâ von er aber verirret wirt.
wan daz ez al diu werlt tuot,
sô ist ez ein harte unwîser muot
und ist ein michel tumpheit,
daz man an liebe zwîvel treit.
wan nieman ist mit liebe wol,
an dem er zwîvel haben sol.
so ist aber noch sêrre missetân,
swer sô den zwîvel unde den wân
ûf die gewisheit bringet.
wan swanne er daz erringet,
daz er den zwîvel wâren weiz,
swes er sich ie dâ vor gevleiz
ze pirsene ûf die wârheit,
daz ist im danne ein herzeleit
vor allem herzeleide.
diu vorderen beide,
diu im ê beswaereten den muot,
diu diuhten in danne guot.
möhte er si danne wider hân,
sô naeme er zwîvel unde wân,
daz er der wâren künde
niemer niht bevünde.
sus kumet, daz übel übele vrumet,
biz daz daz ergere kumet.
sô daz danne wirs tuot,
sô diuhte danne übel guot.
swie swaere an liebe zwîvel sî,
ern ist nie sô swaere bî,
man lîde in vil und verre baz
dan den bewaereten haz.
ouch mag daz nieman verbern,
diu liebe müeze zwîvel bern.
zwîvel sol an liebe wesen.
mit dem muoz liebe genesen.
die wîle sî den zwîvel hât,
die wîle mag ir werden rât.
sô sî die wârheit ersiht,
zehant enist ir dinges niht.
ouch hât diu liebe einen site,
dâ sî sich allermeiste mite
verwirret und verworren hât:
swâ ir dinc nâch ir willen stât,
dane wil si keiner staete warn,
dâ lât si harte lîhte varn.
und swâ sô sî den zwîvel siht,
dâ von enscheidet sî sich niht,
dar ist ir nôt unde gâch.
dem gât si lâgende nâch
und strebet noch mêre durch daz dar,
daz sî herzeleit ervar
dan durch die lust, die sî dar an
ervinden unde gehaben kan.
dem selben sinnelôsen site
dem gieng ouch Marke vaste mite.
er wante spâte unde vruo
allen sînen sin dar zuo,
daz er den zwîvel unde den wân
gerne haete hin getân
und daz er mit der wârheit
ûf sîn herzeclîchez leit
vil gerne komen waere.
des was er gevaere.
aber kam ez eines nahtes sô,
als er ez unde Marjodô
ensamet haeten ûf geleit,
daz er aber sîne kündekeit
Îsolde vür leite
und sî mit kündekeite
gerne haete ervaren baz.
dô verkêrte sich daz.
den stric, den er ir rihtete
und ûf ir schaden tihtete,
dâ vie diu küniginne
den künec ir hêrren inne
mit ir Brangaenen lêre.
dâ half Brangaene sêre.
dâ vrumete in beiden samet, daz list
wider list gesetzet ist.
der künec der twanc die künigîn
vil nâhen an daz herze sîn
und kuste sî ze maneger stunt
in ir ouge und in ir munt.
«schoene» sprach er «nû enist mir
niht herzeclîche liep wan ir.
und ich von iu nu scheiden sol,
daz wizze got von himele wol,
daz nimet mir mîne sinne.»
diu gelêrte küniginne
si stiez sin wider sin.
siuftende sprach si wider in:
«ôwê mir, inneclîche ôwê!
ôwê! nu wânde ich allez ê,
daz diz vertâne maere
durch schimpf gesprochen waere.
nu hoere ich unde weiz ez wol,
daz ez ein ernest wesen sol.»
si huob an unde begunde
mit ougen und mit munde
leitlîche clage erscheinen,
sô clegelîche weinen,
daz sî dem einvalten man
sînen zwîvel allen an gewan
und wol gesworen haete,
daz sî'z von herzen taete.
wan an den vrouwen allen
enist nimêre gallen,
also man ûz ir munde giht,
noch enhabent dekeiner trüge niht
noch aller valsche keinen,
wan daz si kunnen weinen
âne meine und âne muot,
als ofte sô si dunket guot.
Îsôt diu weinde starke.
der geloubege Marke
«schoene» sprach er «saget mir,
waz wirret iu, waz weinet ir?»
«ich mag wol weinen» sprach Îsôt
«clage ich, daz tuot mir michel nôt.
ich bin ein ellende wîp
und hân nimê wan einen lîp
und sô vil sinne, sô ich hân.
diu zwei hân ich sô gâr verlân
an iuch und iuwer minne,
daz ich in mînem sinne
niht dinges kan gemeinen
noch geminnen wan iuch einen.
mirn ist niht rehte liep wan ir
und weiz daz wârez, daz ir mir
sô holdez herze niht entraget,
als ir gebâret unde saget.
daz ir den muot gewunnet ie,
daz ir hin vüeret und mich hie
in dirre vremede soltet lân,
dâ bî mac ich mich wol enstân,
daz ich iu vil unmaere bin.
des sol mîn herze und mîn sin
vil selten iemer werden vrô.»
«war umbe, schoene?» sprach er dô
«ir habet doch z'iuwerre hant
beidiu liute unde lant,
diu sint iuwer unde mîn.
dar über sît gebietaerîn.
daz sol z'iuwerm gebote stân.
swaz ir gebietet, deist getân.
die wîle ouch ich bin under wegen,
die wîle sô müeze iuwer pflegen,
der iuwer wol gepflegen kan:
mîn neve der höfsche Tristan.
der ist bedaehtic unde wîs,
der vlîzet sich in alle wîs,
wie er iu vröude und êre
gemach unde gemêre.
dem getrûwe ich alse wol,
als ich von grôzem rehte sol.
dem sît ir liep, alsô bin ich.
der tuot ez durch iuch und durch mich.»
«hêr Tristan?» sprach diu schoene Îsôt
«zewâre ich waere gerner tôt
und ê wolt ich begraben sîn,
ê danne ich mit dem willen mîn
in sîner pflege waere.
der selbe lôsaere,
der ist mir z'allen zîten
gelîchsende an der sîten
und allez smeichende bî
und giht, wie liep ich im sî.
iedoch weiz got wol sînen muot,
in welhen triuwen er ez tuot.
ouch weiz ich's selbe genuoc.
wan er mir mînen oeheim sluoc
und an mir vürhtet den haz,
durch die vorhte und umbe daz
ist er mich allez streichende,
listende unde smeichende
in einem velschlîchem site
und waenet allez dâ mite
erwerben mîne vriuntschaft.
nu hât ez aber arme craft,
sîn smeichen hilfet cleine.
und weizgot wan ir eine,
daz ich durch iuch noch mêre
dan durch mîn selbes êre
vriuntlîche dar gebâre,
sone gesaehe ich in zewâre
mit vriundes ougen niemer an.
und sît ich niht verberen kan,
ine müeze in hoeren unde sehen,
sô sol ez aber alsô geschehen,
daz mînes herzen dâ bî
und mîner triuwen lützel sî.
ich hân, daz ist unlougen,
mit herzelôsen ougen,
mit lügelîchem munde
dicke und ze maneger stunde
an in gewendet mînen vlîz
niuwan durch den itewîz.
man sprichet von den vrouwen daz,
si tragen ir manne vriunden haz.
durch daz hân ich im dicke
mit manegem lüggem blicke,
mit herzelôsem munde
betrogen sîne stunde,
daz er wol gesworen haete,
daz ich'z von herzen taete.
hêrre, enlât iuch niht dar an.
iuwer neve, mîn hêr Tristan
dern gepfliget mîn niemer tac.
ob ich's iuch erbiten mac,
ir müezet mîn zwâre under wegen,
ob ir gebietet, selbe pflegen.
swar ir wellet, dar wil ich,
ir eine enwendet es mich
und es enirre mich der tôt.»
sus lôsete diu lôse Îsôt
wider ir hêrren unde ir man,
biz daz si'm lôsend an gewan
beidiu zwîvel unde zorn
und er wol haete gesworn,
daz ir ernest waere.
marke der zwîvelaere
der was dâ wider ze wege komen.
sîn gesellîn diu haete ime benomen
beidiu zwîvel unde wân.
ez was allez wol getân,
daz sî gesprach unde getete.
der künec der seite sâ ze stete
dem truhsaezen von grunde,
so er ebeneste kunde,
ir antwürte unde ir maere,
und an ir dingen waere
dekeiner slahte valscheit.
diz was dem truhsaezen leit
und tete im in dem herzen wê.
iedoch lêrte er in aber dô mê
und seite im, wie er Îsolde
aber versuochen solde.
des nahtes, dô Marke aber lac,
sîner bettemaere mit ir pflac,
er leite ir aber mit vrâge
sîne stricke und sîne lâge
unde betrouc si aber dar în.
«seht» sprach er «vrouwe künigîn,
ich waene, es muoz uns nôt geschehen.
nu lât mich kiesen unde sehen,
wie vrouwen kunnen lant bewarn.
vrouwe, ich muoz von dem lande varn,
und ir hie derbî bestân
bî mînen vriunden, die ich hân.
ez sî der mâc, ez sî der man,
der mir dekeines guotes gan,
der muoz iu guot und êre bern,
als ir an in es wellet gern.
und swer iu niht vil senfte bî
und liep in iuwern ougen sî
under vrouwen unde mannen,
die scheidet alle dannen.
irn sult wider iuwerm muote
an liuten noch an guote
niht weder hoeren noch gesehen,
dar an iu leide müge geschehen.
ine wil ouch niht des minnen
von herzen noch von sinnen,
dem ir unholdez herze traget.
daz sî iu vür wâr gesaget.
weset ir vrô unde vruot
und lebet, swie iuch dunke guot.
dâ habet ir mînen willen an.
und sît mîn neve Tristan
unsenfte in iuwerm herzen ist,
sô scheide ich in in kurzer vrist
von hove und von gesinde,
swie ich die vuoge vinde.
er sol ze Parmenîe varn
und sol sîn selbes dinc bewarn.
des ist im unde dem lande nôt.»
«genâde hêrre» sprach Îsôt
«ir redet getriulîche unde wol.
sît ich an iu nu wizzen sol,
daz ir daz gerne unmaeret,
daz mînem herzen swaeret,
sô dunket ouch mich reht dâ bî,
swaz iuwern ougen senfte sî
und iuwerm muote lîche,
daz ich dar an entwîche,
sô ich verreste müge.
und swaz iu z'iuwern êren tüge,
daz ich dâ spâte unde vruo
rât unde helfe biete zuo.
und seht ir, hêrre, waz ir tuot.
ez enwirt mîn rât noch mîn muot
weder hiute noch niemer,
daz ir iuwern neven iemer
von iuwerm hove gekêret,
wan sô waere ich g'unêret.
dâ mite sô seite man zehant
über hof und über lant,
ich haete iu gerâten daz
durch die schulde und durch den haz,
daz er mînen oeheim sluoc.
dâ würde rede von genuoc,
diu mir lasterbaere
und iu kein êre waere.
ine gevolge es niemer,
daz ir durch mich iemer
iuwer vriunt gunmaeret
oder ieman beswaeret
und hazzet durch den willen mîn,
dem ir genaedic sület sîn.
ouch sult ir iuch versinnen:
und kêret ir von hinnen,
wer beschirmet iuwer zwei lant?
diu enstânt in eines wîbes hant
noch wol noch vridelîche.
swer zweier künicrîche
reht und nâch êren pflegen sol,
der bedarf sinne und herzen wol.
so enist in disen zwein landen
âne mînen hêrn Tristanden
kein hêrre, lâzet ir'n dâ bî,
daz er den landen vrume sî.
âne in sô kumet dâ nieman zuo,
durch den man lâze oder tuo.
ist daz urliuges nôt geschiht,
des man sich alle tage versiht
und z'allen zîten muoz versehen,
sô mag ez lîhte alsô geschehen,
daz uns dâ misselinget an.
sô wirt mir mîn hêr Tristan
mit itewîze und mit archeit
dicke under ougen geleit.
sô wirt des maeres vil gelesen:
«waere Tristan hie gewesen,
uns enwaere niht ze dirre vrist
sô misselungen, alse ez ist.»
und werdent mir dan alle
mit gemeinem schalle
gebende die schulde,
ich habe im iuwer hulde
iu und in ze schaden verlorn.
hêrre, ez ist bezzer verborn.
versinnet iuch der dinge baz.
bedenket diz unde daz.
eintweder lât mich mit iu varn
oder heizet in diu lant bewarn.
swie sô mîn herze hin z'im sî,
erst mir doch lieber dâ bî,
danne ob uns ein ander man
sûme unde velle dar an.
der künec enstuont sich al zehant,
daz al ir herze was gewant
ze Tristandes êren,
und begunde ouch iesâ kêren
an zwîvel unde an wân als ê.
hie von sô was er aber dô mê
versunken und vervallen
wider in die zorngallen.
Îsôt tet ouch Brangaenen kunt
ir beider rede unz ûf den grunt
und seite ir wider diz unde daz,
daz sî nie wortes vergaz.
diz was Brangaenen sêre leit,
daz s'alsô haete geseit
und daz diu rede ergangen was.
einen niuwen brief s'ir aber dô las,
waz aber ir rede solte sîn.
des nahtes, dô diu künigîn
z'ir hêrren aber slafen kam,
under ir arme sî in nam.
si halseten, si kusten,
z'ir senften linden brusten
twanc sî'n vil harte nâhen
und begunde aber dô vâhen
wider an ir wortlâge
mit antwürte und mit vrâge.
«hêrre» sprach si «saget mir
durch mînen willen: habet ir
von rehtem ernest ûf geleit
iuwer dinc, als ir mir habet geseit
von mînem hêrn Tristande,
daz ir in wider ze lande
welt senden durch den willen mîn?
möhte ich der rede gewis sîn,
ich wolte es iu genâde sagen
hiute unde in allen mînen tagen.
hêrre, ich getrûwe iu harte wol,
als ich wol mac und alse ich sol.
doch ist mîn vorhte hie bî,
daz ez gâr ein versuochen sî.
und wiste ich es gewisheit,
als ir mir habet vür geleit,
daz ir mir woltet vremeden daz,
dem ich waere gehaz,
sô erkande ich an dem maere,
daz ich iu liep waere.
ich haete lange mîne bete,
wan daz ich ez ungerne tete,
hier umbe gerne an iuch gewant.
wan mir ist harte wol bekant,
waz mir von ime mac ûf erstân,
sol ich sîn lange künde hân.
nu hêrre, nû bedenket daz
und iedoch niht durch mînen haz:
sol er nu dirre lande pflegen,
die wîle und ir sît underwegen,
ist daz iu danne missegât,
als lîhte an verten ûf erstât,
sô nimet er mir êre unde lant.
nu habet ir ez gâr erkant,
daz mir an ime gewerren kan.
nû gedenket ouch dar an
ze guote und alse der vriunt sol,
und loeset mich, sô tuot ir wol,
von mînem hêrn Tristande.
schicket in wider ze lande
oder schaffet, daz er mit iu var
und mich die wîle bewar
der truhsaeze Marjodô.
stüende aber iuwer muot alsô,
daz ir mich mit iu liezet varn,
ich lieze hie diu lant bewarn
und berihten, swer der wolte,
et daz ich mit iu solte.
über daz allez sô tuot ir
mit den landen und mit mir,
reht alse iuch selbe dunke guot.
daz ist mîn wille und mîn muot.
et ich gedenke dar zuo,
daz ich iuwern willen tuo,
ich lâze ez allez z'einer hant
beidiu liute unde lant.»
sus gie s'ir hêrren lôsende an,
biz daz si'm aber an gewan,
daz er den zwîvel aber lie
und aber von dem wâne gie
ir muotes unde ir minne
und aber die küniginne
mitalle unschuldic haete
vor aller slahte untaete.
den truhsaezen Marjodô
den haete er aber mitalle dô
ze einem lügenaere,
doch er'm diu wâren maere
und die rehten wârheit
von ir haete geseit.
nu daz der truhsaeze ersach,
daz sînes willen niht geschach,
er versuohte ez aber anderswâ.
ein getwerc was in dem hove dâ,
daz selbe solte namen hân
Melôt petit von Aquitân
und kunde ein teil, alsô man giht,
umbe verholne geschiht
an dem gestirne nahtes sehen.
ine wil aber nihtes von im jehen,
wan alse ich'z von dem buoche nim.
nune vinde ich aber niht von im
an dem wâren maere,
wan daz ez kündic waere,
listic unde rederîch.
daz was dem künege heinlîch
und ouch der kemenâten.
mit dem begunde er râten,
swenne ez zen vrouwen kaeme,
daz ez dâ war naeme
Tristandes unde der künigîn.
möhte ez im dâ zuo guot gesîn,
daz man die wâren künde
der minne an in bevünde,
ez haete es iemer mêre
wider Marken lôn und êre.
dâ kêrte ouch ez spâte unde vruo
sîne lüge und sîne lâge zuo.
ez leite sîne vâre
an rede und an gebâre
ze iegelîchen stunden
und haete ouch schiere ervunden
die liebe an den gelieben zwein.
wan si haeten under ein
sô süeze gebaerde,
daz Melôt die bewaerde
der minnen al zehant dâ vant,
und seite ouch Marken al zehant,
daz binamen dâ minne waere.
sus triben si drî diz maere,
Melôt und Marke und Marjodô,
biz si under in gevielen dô
mit gemeinem râte dar an:
würde mîn hêr Tristan
von dem hove gescheiden,
man möhte an in beiden
die wârheit offenbaere sehen.
nu diz was al zehant geschehen
reht alse ez wart gerâten dâ.
der künec bat sînen neven iesâ
durch sîn selbes êre,
daz er dekeine kêre
zer kemenâten naeme
noch niemer dâ hin kaeme,
da der vrouwen keiniu waere.
der hof der tribe ein maere,
man wolte es hüetende sîn,
dâ von ime unde der künigîn
leit unde laster möhte enstân.
nu diz was al zehant getân,
daz er gebôt und des er bat.
Tristan meit iegelîche stat,
dâ der vrouwen heinlîche was.
kemenâten unde palas
dâ enkam er niemer în.
daz ingesinde daz nam sîn
und sîner vremede grôze war.
si redeten ime ze leide dar
vil übele und anders danne wol.
sîn ôren wurden dicke vol
mit iteniuwem leide.
er unde Îsôt, si beide
si triben die zît mit sorgen hin.
triure unde clage was under in
in micheler unmüezekeit.
si haeten leit unde leit.
leit umbe Markes arcwân,
leit, daz sî niht mohten hân
keine state under in zwein,
daz sî geredeten in ein.
ietwederem begunde
von stunde ze stunde
herze unde craft geswîchen.
bleichen unde blîchen
begunde ir varwe unde ir lîp.
der man bleichete durch daz wîp,
daz wîp bleichete durch den man;
durch Îsôte Tristan,
durch Tristanden Îsôt.
daz tete in beiden michel nôt.
es wundert mich cleine,
was ir nôt gemeine
und ir leit ungescheiden.
ez enwas ouch an in beiden
niemê wan ein herze unde ein muot.
ir beider übel, ir beider guot,
ir beider tôt, ir beider leben
diu wâren alse in ein geweben.
swaz ir dewederem gewar,
des wart daz andere gewar.
swaz sô dem einem sanfte tete,
des enpfant daz ander an der stete.
si wâren beide under in zwein
mit übele und mit guote al ein.
ir gemeiniu herzeswaere
diu wart sô schînbaere
under ir beider ougen,
daz man vil cleine lougen
der minnen an ir varwe vant.
und Marke enstuont sich al zehant
und kôs wol an in beiden,
ir vremeden unde ir scheiden
daz in daz an ir herze gie.
westen sî wâ oder wie,
si saehen gerne ein ander.
ein ursuoche vander
und hiez an den stunden
die jegere mit den hunden
ze walde sich bereiten.
er enbôt in unde seiten
und hiez ouch in den hof sagen,
er wolte zweinzic tage jagen.
swer mit gejegede kunde
oder swer sô sîne stunde
dâ mite vertrîben wolte,
daz sich der reiten solte.
urloup nam er zer künigîn
und hiez si nâch ir willen sîn
dâ heime vrôlîch unde vrô.
verholne bevalh er dô
dem getwerge Melôte,
daz ez Tristande unde Îsôte
zuo z'ir tougenheite
lüge unde lâge leite.
ez genüzze es iemer wider in.
er selbe vuor ze walde hin
mit michelem geschelle.
sîn weidegeselle
Tristan beleip dâ heime
und enbôt dem oeheime,
daz er siech waere.
der sieche weidenaere
wolt ouch an sîne weide.
er unde Îsôt, si beide
beliben an ir triure
und suohten âventiure
in anclîcher trahte,
mit wie getâner ahte
daz iemer kunde geschehen,
daz sî sich möhten gesehen.
nune kunden sî'z ertrahten nie.
under disen dingen gie
Brangaene zuo Tristande,
wan sî vil wol erkande,
daz sîn herzeswaere
vil nâhe gênde waere.
si clagete ime und er clagt ir.
«â reine» sprach er «saget mir,
welch rât gewirdet dirre nôt?
wie gewirbe ich und diu arme Îsôt,
daz wir sus niht verderben?
ine weiz, wie wir gewerben,
daz wir behalten unser leben.»
«waz râtes mac ich iu gegeben?»
sprach aber diu getriuwe
«daz ez got iemer riuwe,
daz wir ie wurden geborn!
wir haben elliu driu verlorn
unser vröude und unser êre.
wir enkomen niemer mêre
an unser vrîheit als ê.
Îsôt ôwê! Tristan ôwê!
daz ich iuch mit ougen ie gesach
und allez iuwer ungemach
von mir ûf erstanden ist!
und enweiz nu weder rât noch list,
dâ mite ich iu gehelfen müge.
ine kan niht vinden, daz iu tüge.
ich weiz ez alse mînen tôt,
ir komet es in grôze nôt,
belîbet ir iht lange
in huote und in getwange.
sit ez niht bezzer mag gesîn,
sô volget doch dem râte mîn,
nu meine ich und ze dirre zît,
die wîle ir uns sus vremede sît.
als ir des werdet gewar,
daz iu diu state widervar,
sô nemet ein öleboumes rîs
und snîdet spaene in lange wîs
und zeichent die mit nihte mê,
wan machet einhalp ein Te
und machet anderhalp ein I,
daz niwan der êrste buochstap sî
von iuwer beider namen dar an,
und leget dâ weder zuo noch van
und gât zem boumgarten în.
ir wizzet wol daz bechelîn,
daz von dem brunnen dâ gât,
hin dâ diu kemenâte stât.
dar în sô werfet einen spân
und lât in vliezen unde gân
hin vür der kemenâten tür.
dâ gân wir z'allen ziten vür
ich und diu vröudelôse Îsôt
und weinen unser herzenôt.
als wir in danne ersehen dâ,
dâ bî bekennen wir iesâ,
daz ir dâ bî dem brunnen sît.
dâ der öleboum schate gît,
dâ wartet unde nemet war.
diu senede gât ie zuo z'iu dar,
mîn vrouwe und iuwer vriundîn,
und ich ouch, alse ez mac gesîn
und ez an iuwerm willen ist.
hêrre, diu selbe kurze vrist,
die ich noch ze lebene hân,
diu sol mit iu zwein hine gân,
daz ich iu beiden gelebe
und iu ze lebene rât gegebe.
solte ich umbe eine stunde,
in der ich iu zwein kunde
ze iuwern vröuden geleben,
mîner stunde tûsent geben:
ich verkoufte alle mîne tage,
ine gesenftet iuwer clage.»
«genâde schoene!» sprach Tristan
«ine hân dâ keinen zwîvel an,
an iu sî triuwe und êre.
der zweier wart nie mêre
in einem herzen begraben.
solte ich dekeine saelde haben,
die solte ich iu wol kêren
ze vröuden unde z'êren.
swie kumberlîche ez aber nu stê,
swie kûme sô mîn schîbe gê,
wiste ich, wie ich nu kunde
mîne tage und mîne stunde
ze iuwern vröuden hin gegeben,
ich wolte ouch deste kurzer leben.
des getrûwet unde geloubet mir!»
weinende sprach er aber z'ir:
«getriuwe, saeligez wîp!»
hie mite twanc er si an sînen lîp
mit armen nâhe und ange.
ir ougen unde ir wange
kuste er mit maneger quâle
dicke und ze manegem mâle.
«schoene» sprach er «nû tuot wol
und alse der getriuwe sol,
und lâzet iu bevolhen sîn
mich und die seneden sorgaerîn,
die saeligen Îsôte.
bedenket ie genôte
uns beidiu samet, si unde mich.»
«gerne hêrre, daz tuon ich.
gebietet mir, nu wil ich gân.
tuot, alse ich iu gerâten hân,
und sorget niht ze sêre.»
«got sî, der iuwer êre
und iuwern schoenen lîp bewar!»
Brangaene neic weinende dar
und gienc trûrende dan.
der trûraere Tristan
der sneit und warf die spaene,
als ime sîn rât Brangaene
ze sînen dingen lêre bôt.
sus kam er und sîn vrouwe Îsôt
zem brunnen an des boumes schate
vil heinlîch und ze guoter state
in ahte tagen wol ahte stunt,
daz ez nie nieman wart kunt,
noch ez kein ouge nie gesach.
wan eines nahtes ez geschach,
dô Tristan aber des endes gie,
dô wart sîn Melôt, ine weiz wie,
daz vertâne getwerc,
des vâlandes antwerc,
von ungelücke gewar
und sleich allez nâch im dar
und sach in zuo dem boume gân
und niht vil lange dâ bî stân,
unz daz ein vrouwe zuo z'im gie
und er die nâhe zuo z'im vie.
wer aber diu vrouwe waere,
des was ez ungewaere.
des anderen tages wart,
Melôt sleich aber ûf sîne vart
ein lützel vor dem mitten tage
und haete mit velschlîcher clage
und mit vil arger âkust
wol understôzen sîne brust
und kam ze Tristande hin.
«entriuwen» sprach er «hêrre, ich bin
mit sorgen her gegangen.
wan ir sît sô bevangen
mit merke und mit vâre,
daz ich mich her zewâre
verstolen hân mit maneger nôt
und daz mich diu getriuwe Îsôt,
diu tugenthafte künigîn,
erbarmet in dem herzen mîn,
diu leider nû ze dirre vrist
durch iuch in grôzen sorgen ist.
diu bat mich dâ her zuo z'iu gân,
wan s'anders nieman mohte hân,
der ir ze disem maere
alse gevellic waere.
si bat mich unde gebôt mir,
daz ich iuch gruozte von ir
und daz von herzen taete
und iuch vil verre baete,
daz ir si noch gespraechet dâ,
ine weiz, ir wizzet wol wâ,
da ir nâhest bî ir wâret,
und ouch vil rehte vâret
der selben stunde unde der zît,
als ir gewon ze komene sît.
ine weiz, wes s'iuch dâ warnen sol.
und sult ir mir gelouben wol,
ir leit und iuwer ungemach,
daz mir nie leider geschach,
dan mir geschehen ist dar an.
nu hêrre, mîn hêr Tristan,
ich wil varn, gebietet mir.
swaz ir welt, daz sage ich ir.
in getar hie langer niht gesîn.
daz hovegesinde, würde ez mîn
an dirre verte innen,
ich möhte es schaden gewinnen.
si jehent doch alle und ist ir wân,
swaz under iu zwein ist getân,
daz allez sî mit mir geschehen.
des wil ich hin ze gote jehen
und hin z'iu beiden, daz ez nie
mit keinem mînem râte ergie.»
«vriunt, troumet iu?» sprach Tristan
«waz maere trîbet ir mich an?
waz ist der hoveliute wân?
waz hât mîn vrouwe und ich getân?
ûz! strîchet balde in gotes haz!
und wizzet waerlîche daz:
swes ieman waenet oder giht,
liez ich ez allermeiste niht
durch mîn selbes êre,
irn geseitet niemer mêre
hin wider ze hove maere,
waz iu hie getroumet waere.»
Melôt gie dan und reit zehant
ze walde, dâ er Marken vant.
vür wâr er ime dô seite,
daz er der wârheite
ze ende waere komen dâ.
und seite im wie unde wâ,
als ez zem brunnen was geschehen.
«ir muget die wârheit selbe sehen»
sprach Melôt «hêrre, wellet ir,
ze naht sô rîtet dar mit mir.
ine versihe mich keines dinges baz,
swie sô sî gevüegen daz,
sine komen noch hînaht beide dar.
sô muget ir selbe nemen war,
wie sî gewerben under in.»
der künec reit mit Melôte hin
sînes herzeleides warten.
nu si in den boumgarten
bî nahtzîte kâmen,
ir gewerbes war genâmen,
done vant der künec noch daz getwerc
dekeine stat noch kein geberc,
daz in reht unde gebaere
zuo ir lâge waere.
nu stuont dâ, dâ der brunne vlôz,
ein öleboum, der was mâze grôz,
nider unde doch billîche breit.
dâ zuo tâten s'ir arbeit,
daz si ûf den beide gestigen.
ûf dem sâzen s'unde swigen.
Tristan, dô ez nahtende wart,
er sleich aber ûf sîne vart.
nu er in den boumgarten kam,
sîne boten er ze handen nam
und leite s'in die giezen
und lie si hine vliezen.
die seiten ie genôte
der seneden Îsôte,
daz ir geselle waere dâ.
Tristan gienc über den brunnen sâ,
dâ beidiu schate unde gras
von dem öleboume was.
aldâ gestuond er trahtende,
in sînem herzen ahtende
sîn tougenlîchez ungemach.
sus kam, daz er den schate gesach
von Marke und von Melôte,
wan der mâne ie genôte
durch den boum hin nider schein.
nu er des schates von in zwein
bescheidenlîche wart gewar,
nu haete er michel angest dar,
wan er erkande sich iesâ
der vâre unde der lâge dâ.
«got hêrre» dâhte er wider sich
«beschirme Îsôte unde mich!
ist daz si dise lâge niht
bî disem schate inzît ersîht,
sô gât si vür sich her ze mir.
geschiht ouch daz, sô werden wir
ze jâmer und ze leide.
got hêrre, habe uns beide
durch dîne güete in dîner pflege!
bewar Îsôte an disem wege.
beleite sunder alle ir trite.
warne die reinen eteswâ mite
dirre lâge und dirre archeit,
die man ûf uns zwei hât geleit,
ê s'iht gespreche oder getuo,
dâ man iht arges denke zuo!
jâ hêrre got, erbarme dich
über sî und über mich!
unser êre und unser leben
daz sî dir hînaht ergeben!»
sîn vrouwe diu künigîn
unde ir beider vriundîn,
Brangaene diu reine,
si zwô si giengen eine
Tristandes boten warten
in ir jâmergarten,
in dem si z'allen stunden,
sô sî vor vâre kunden,
ir jâmer clageten under in.
dâ giengen sî her unde hin
trûrende unde clagende,
ir senemaere sagende.
viel schiere wart Brangaene
der boten unde der spaene
in der vlieze gewar.
ir vrouwen wincte si dar.
Îsôt diu vienc si und sach s'an,
si las Îsôt, si las Tristan.
si nam ir mantel al zehant,
umbe ir houbet sî den want
und sleich durch bluomen und durch gras,
hin dâ boum und brunne was.
nu daz si kam sô nâhen,
daz si beide ein ander sâhen,
Tristan stuont allez ze stete,
daz er doch nie dâ vor getete.
sine kam ê mâles zuo z'im nie,
ern gienge verre gegen ir ie.
nu wunderte Îsôte
sêre unde genôte,
waz dirre maere waere.
ir herze daz wart swaere.
si begunde ir houbet nider lân
und vorhtlîche gegen im gân.
der verte sî grôz angest nam.
nu s'alsô lîse gênde kam
dem boume ein lützel nâher bî,
nu gesach si mannes schate drî
und wiste niuwan einen dâ.
hie bî verstuont si sich iesâ
der lâge unde der vâre
und ouch an dem gebâre,
den Tristan hin z'ir haete.
«â dirre mortraete»
gedâhte sî «waz wirdet der?
waz brâhte dise lâge her?
binamen mîn hêrre der ist hie bî,
swâ er hie bî verborgen sî.
ich waene ouch, wir verrâten sîn.
beschirme uns, hêrre trehtîn!
hilf uns, daz wir mit êren
von hinnen müezen kêren.
hêrre, bewar in unde mich!»
nu gedâhte s'aber wider sich:
«weiz Tristan nû dise ungeschiht
oder enweiz er ir niht?»
nû bedûhte sî zehant,
daz er die lâge haete erkant,
wan sî'n in den gebaerden sach.
si gestuont von verre unde sprach:
«hêr Tristan, mir ist harte leit,
daz ir mîner tumpheit
so gewis und alsô sicher sît,
daz ir mir ze dirre zît
dekeiner sprâche muotet.
daz ir iuwer êren huotet
wider iuwern oeheim unde mich,
diu rede vüegete sich
und stüende iuwern triuwen baz
und mînen êren danne daz,
daz ir sô spaetiu teidinc
und sus getânen haelinc
ûf leget und ahtet her ze mir.
nu sprechet an, waz wellet ir?
ich stân mit angesten hie,
wan daz mich's Brangaene niht erlie,
diu mich es bat und mir ez riet,
als si hiute von iu schiet,
daz ich her zuo z'iu kaeme
und iuwer clage vernaeme.
daz aber ich ir's gevolget hân,
daz ist vil sêre missetân.
si sitzet aber hie nâhe bî.
und ouch swie sicher ich hie sî,
ich gaebe ê doch zewâre
durch boeser liute vâre
ein mîn lit von mîner hant,
ê ieman waere bekant,
daz ich hie bî iu waere.
man hât sô michel maere
von iu gemachet und von mir.
si geswüeren alle wol, daz wir
vil harte waeren kumberhaft
mit valschlîcher vriuntschaft.
des wânes ist der hof vol.
nu weiz ez aber got selbe wol,
wie mîn herze hin ziu stê.
und wil ein lützel sprechen mê:
des sî got mîn urkünde
und enmüeze ouch mîner sünde
niemer anders komen abe,
wan alse ich iuch gemeinet habe,
mit welhem herzen unde wie.
und gihe's ze gote, daz ich nie
ze keinem manne muot gewan
und hiute und iemer alle man
vor mînem herzen sint verspart
niwan der eine, dem dâ wart
der êrste rôsebluome
von mînem magetuome.
daz mich mîn hêrre Marke
bewaenet alsô starke
durch iuwern willen, hêr Tristan,
weiz got dâ missetuot er an,
sô gâr als er erkunnet hât,
wie mîn herze hin z'iu stât.
die mich ze maere habent brâht,
weiz got, die sint vil unbedâht.
in ist mîn herze vil unkunt.
ich hân iu hundert tûsent stunt
vriundes gebaerde vor getân
durch die liebe, die ich hân
ze dem, den ich dâ lieben sol,
dan durch valsch, daz weiz got wol.
ez waere ritter oder kneht,
sô diuhte mich und waere ouch reht
und êret ouch mich starke,
swer mînem hêrren Marke
liep oder sippe waere,
daz ich dem êre baere.
nû verkêret man mir daz.
und enwil ich iu doch niemer haz
durch ir aller lüge getragen.
hêrre, swaz ir mir wellet sagen,
daz saget mir, wan ich wil gân.
ine mag niht langer hie bestân.»
«saeligiu vrouwe» sprach Tristan
«ine hân dâ keinen zwîvel an,
dâ ir's die volge haetet,
irn spraechet unde taetet,
swaz tugend und êre waere.
nune lânt iuch lügenaere,
die iuch mit mir sus hânt bedâht
und uns undurften habent brâht
ûz mînes hêrren hulden
mit michelen unschulden,
daz got vil wol erkennen sol.
saeligiu, nû bedenket wol,
tugenthaftiu küniginne,
und nemet in iuwer sinne,
daz ich sô rehte unschuldic bin
wider iuch und wider in,
und râtet mînem hêrren daz,
sînen zorn und sînen haz,
den er mir âne schulde treit,
daz er den durch sîne höfscheit
hele unde höfschlîche trage
niht langer wan dise ahte tage.
biz daz hab er und habet ouch ir
die gebaerde her ze mir,
als ob ir mir genaedic sît.
so bereite ouch ich mich in der zît,
daz ich von hinnen kêre.
wir verliesen unser êre,
der künec mîn hêrre und ir und ich.
ist daz ir alsus wider mich
gebâret, alse ich hinnen var,
sô sprechent unser vînde dar:
«entriuwen hie was eteswaz an.
nemt war, wie mîn hêr Tristan
gescheiden ist von hinnen
mit des küniges unminnen.»
«mîn hêr Tristan» sprach Îsôt
«ich lite sanfter den tôt,
dan ich mînen hêrren baete,
daz er iht des durch mich taete,
daz hin ze iu waere gewant.
nu ist iu doch daz wol erkant,
daz er mir iezuo lange vrist
durch iuch vil ungenaedic ist,
und wiste er und waere im kunt,
daz ich bî iu ze dirre stunt
eine unde nahtes waere,
ich kaeme es in daz maere,
daz er mir niemer mêre
erbüte liep noch êre.
ob ouch daz iemer sus geschiht,
entriuwen des enweiz ich niht
und wundert mich des starke,
wâ von mîn hêrre Marke
an disen arcwân kaeme,
von wem er den rât naeme,
und ich mich doch noch nie enstuont,
als doch diu wîp vil schiere tuont,
daz ir mir keine valscheit
mit gebaerden haetet vür geleit,
noch ich selbe hin z'iu nie
valsch noch üppekeit begie.
ine weiz, waz uns verrâten hât,
wan unser beider dinc daz stât
übel unde erbermeclîche,
alse ez got der rîche
enzît bedenken müeze
und ez bezzere unde büeze.
nu hêrre, nû gebietet mir.
ich wil gân, sô gât ouch ir!
iuwer swaere und iuwer arbeit,
daz wizze got, die sint mir leit.
ich haete schulde hin z'iu vil,
der ich doch nû niht haben wil,
daz ich iu solte sîn gehaz.
mich erbarmet aber daz,
daz ir durch mich ze dirre zît
âne schulde sus beswaeret sît.
durch daz wil ich ez übersehen,
und swenne der tac sol geschehen,
daz ir von hinnen müezet varn,
hêrre, sô müeze iuch got bewarn.
der himelischen künigîn
der müezet ir bevolhen sîn!
iuwer bete und iuwer boteschaft
und wiste ich, ob diu keine craft
von mîme râte haete,
ich riete unde taete,
swes sô ich mich versaehe,
dar an iu wol geschaehe.
nu vürhte ich aber sêre,
daz er mir'z verkêre.
swie sô ez aber dar umbe ergê,
swie harte ez mir ze vâre stê,
ich wil iuch doch geniezen lân,
daz ir niht valsches habet getân
wider mînen hêrren unde mich.
swie mir gelinge, sô wirb ich
iuwer bete, sô ich beste kan.»
«genâde vrouwe» sprach Tristan
«und swaz rede ir vindet dâ,
daz enbietet mir iesâ.
wirde aber ich ihtes gewar
und lîhte alsô von hinnen var,
daz ich iuch nie mêre sehe,
swaz sô mir danne geschehe,
vil tugenthaftiu künigîn,
sô müezet ir gesegenet sîn
von allem himelischem her!
wan got weiz wol, erde unde mer
diun getruogen nie sô reine wîp.
vrouwe, iuwer sêle und iuwer lîp,
iuwer êre und iuwer leben
diu sîn iemer gote ergeben!»
sus schieden sî sich under in.
diu küniginne diu gie hin
siuftende unde trûrende,
ameirend unde amûrende,
mit tougenlîchem smerzen
ir lîbes unde ir herzen.
der trûraere Tristan
der gienc ouch trûrende dan
und weinende starke.
der trûrige Marke,
der ûf dem boume dâ saz,
der betrûret aber daz
und gieng im rehte an sînen lîp,
daz er den neven und daz wîp
ze arge haete bedâht.
und die in dar an haeten brâht,
die vervluochte er tûsent stunde
mit herzen und mit munde.
er verweiz ie genôte
dem getwerge Melôte,
daz ez in haete betrogen
und ime sîn reine wîp belogen.
si stigen von dem boume nider
und riten an daz gejegede wider
mit jâmer und mit leide.
marke und Melôt beide
si haeten zweier hande leit.
Melôt durch die trügeheit,
die er begangen solte hân.
marke durch den arcwân,
daz er den neven und daz wîp
und allermeist sîn selbes lîp
sô haete beswaeret
und z'übele vermaeret
über hof und über lant.
des morgenes al zehant
hiez er den jegeren allen sagen,
daz sî beliben und vüeren jagen.
er selbe kêrte wider în.
«saget an» sprach er «vrou künigîn,
wie habet ir vertriben sît
iuwer stunde und iuwer zît?»
«hêrre, mîn unmüezekeit
daz was undurftenez leit.
sô was aber mîn vîre
diu harphe und diu lîre.»
«undurften leit?» sprach Marke dô
«waz was daz und wie was dem sô?»
Îsôt ersmierete unde sprach:
«swie ez geschaehe, ez geschach
und geschiht ouch hiute und alle tage.
triure und üppeclîchiu clage
deist mîn und aller vrouwen site.
hie reine wir diu herze mite
und liutern diu ougen.
wir nemen uns dicke tougen
ein michel leit von nihte
und lâzen'z ouch inrihte.»
alsus treip sî'z mit schimpfe hin.
doch nam ez Marke in sînen sin
und marcte ez al gemeine,
ir wort und ouch ir meine.
«nu vrouwe» sprach er «saget mir:
weiz ieman hinne oder wizzet ir,
wie Tristandes dinc stê?
man seite mir, im waere wê,
do ich aller nâhest hinnen reit.»
«hêrre, iu wart ouch wâr geseit»
sprach aber diu küniginne.
daz meinde sî zer minne.
si wiste wol sîn swaere,
daz diu von minnen waere.
der künec sprach aber dô vürbaz:
«waz wizzet ir, wer seite iu daz?»
«ine weiz, wan alse ich waene
unde als mir Brangaene
von sîner siecheite
in kurzen zîten seite.
diu sach in gester an dem tage
und enbôt mir, daz ich sîne clage
und sîn wort hin z'iu taete
und iuch durch got baete,
daz ir im niht sô sêre
gedaehtet an sîn êre
und haetet iuwer mâze
an übelem gelâze
dise ahte tage doch wider in,
biz daz verrihtet er sich hin,
und lâzet in mit êren
von iuwerm hove kêren
und von dem lande scheiden.
des gert er her z'uns beiden.»
und seite im alle sîne bete,
als er si bî dem brunnen tete
und alse er selbe wol vernam,
wie ez umbe ir beider rede kam.
der künec sprach aber: «vrou künigîn,
unsaelic müeze er iemer sîn,
der mich dar an ie brâhte!
daz ich in ie verdâhte,
daz ist mir inneclîche leit.
wan ich hân sîne unschuldekeit
in kurzen zîten wol vernomen.
ich bin es alles z'ende komen.
und saeligiu künigîn,
als liep als ich iu süle sîn,
so sî der zorn an iuch verlân.
swaz ir getuot, daz sî getân.
nemet uns beide mich und in
und leget ez under uns beiden hin.»
«hêrre, ine wil» sprach diu künigîn
«hie mite niht harte unmüezec sîn,
wan leite ich ez hiute nider,
ir griffet aber morgen wider
an iuwern arcwân als ê.»
«nein zwâre vrouwe, niemermê.
ine wil im niemer mêre
gedenken an sîn êre
und iuch, vrou küniginne,
umb ûzerlîche minne
iemer lâzen âne wân.»
diz gelübede wart dâ getân.
hie mite wart Tristan besant
unde der arcwân zehant
gâr hin geleit ze guote
mit lûterlîchem muote.
Îsôt wart aber Tristande
von hande ze hande
bevolhen wider in sîne pflege.
der pflag ir aber alle wege
mit huote und mit râte.
si und diu kemenâte
dien wâren niwan als er gebôt.
Tristan und sîn vrouwe Îsôt
diu lebeten aber liebe unde wol.
ir beider wunne diu was vol.
sus was in aber ein wunschleben
nâch ir ungemüete geben,
swie kurz ez wernde waere,
âne iteniuwe swaere.
ich spriche daz wol überlût,
daz keiner slahte nezzelcrût
nie wart sô bitter noch sô sûr
alse der sûre nâchgebûr,
noch nie kein angest alsô grôz
alse der valsche hûsgenôz.
ich meine daz zer valscheit:
der vriunde vriundes bilde treit
und in dem herzen vînt ist,
daz ist ein vreislîch mitewist.
wan der treit alle stunde
daz honec in dem munde,
daz eiter, dâ der angel lît.
dâ blaet der eiterîne nît
dem vriunde misselinge
an iegelîchem dinge,
daz er gehoeret unde gesiht,
und enhüetet nieman vor im niht.
swer aber offenbâre
dem vînde sîne vâre
ze schaden breitet unde leit,
daz enzel ich niht ze valscheit.
die wîle er vînt wesen wil,
die wîle enschadet er niht ze vil.
swenne er sich heinlîche dar,
sô neme der man sîn selbes war.
als tete Melôt und Marjodô.
si wâren aber Tristande dô
dicke und ze manegen zîten
valschlîchen an der sîten.
si truogen in gelîche
mit valsche und mit âswîche
ir dienest und ir heinlîch an.
hie vor haete aber Tristan
sîne warnunge ie genôte
und warnete ouch Îsôte.
«seht» sprach er «herzekünigîn,
nu hüetet iuwer unde mîn
an rede und an gebâre!
wir sîn mit grôzer vâre
besetzet unde bevangen.
uns gânt zwêne eiterslangen
in tûben bilde, in süezem site
smeichende alle stunde mite.
vor den habet iuwer sinne,
saeligiu küniginne!
wan swâ die hûsgenôze sint
g'antlützet alse der tûben kint
und alse des slangen kint gezagel,
dâ sol man criuzen vür den hagel
und segenen vür den gaehen tôt.
saeligiu vrouwe, schoene Îsôt,
nu hüetet iuch genôte
vor dem slangen Melôte
und vor dem hunde Marjodô!»
si beide wâren ouch alsô:
jener slange, dirre hunt.
wan si leiten z'aller stunt
den gelieben zwein ir vâre,
an allem ir gebâre,
an iegelîchem gange
als hunt unde slange.
si triben vruo unde spâte
mit rüege und mit râte
ir archeit wider Marken an,
biz daz er aber wider began
an sîner liebe wenken,
die gelieben aber bedenken
und aber ir tougenheite
lâge unde ursuoche leite.
in einem tage er z'âder liez,
als in sîn valscher rât gehiez,
und mit im Îsôt und Tristan.
diene wânden niht, daz in hier an
dekeiner slahte swaere
vür gebreitet waere,
und nâmen keiner vâre war.
sus lac diu heinlîche schar
nâch gemelîcher sache
den tac in ir gemache
âne schal und âne braht.
des anderen tages ze naht,
dô daz gesinde sich zerlie
und Marke slâfen gegie,
done lac ze kemenâten,
als ez vor was gerâten,
nieman wan Marke unde Îsôt
und Tristan unde Melôt,
Brangaene und ein juncvrouwelîn.
ouch wâren diu lieht unde ir schîn
durch den glast bevangen
under den umbehangen.
nu man zer mettînstunde
liuten begunde,
marke, der verdâhte man,
der leite sich al swîgende an
und hiez Melôten ûf stân
und mit im hin zer mettîn gân.
nu Marke von dem bette kam,
Melôt sîn mel ze handen nam.
den estrîch er besaete,
ob ieman bî getraete
dem bette dar oder dan,
daz man in spurte ab oder an.
hie mite giengen si zwêne hin.
ir andâht diu was under in
vil cleine an kein gebet gewant.
nu wart ouch Brangaene al zehant
der lâge bî dem mel gewar.
si sleich ze Tristande dar,
si warnete in und kêrte wider
und leite sich dô wider nider.
diu lâge was Tristande
vil inneclîchen ande.
sîn herze in sînem lîbe
daz wart nâch dem wîbe
volmüetic unde in trahte,
wie er dar komen mahte.
er tete diu gelîche wol,
daz minne âne ougen wesen sol
und liebe keine vorhte hât,
dâ sî von erneste gât.
«ôwê!» gedâhte er wider sich
«got hêrre, wie gewirbe ich
mit dirre veigen lâge?
nu stât mir disiu wâge
ze einem hôhen wette.»
er stuont ûf von dem bette
und nam allenthalben war,
mit welhem liste er kaeme dar.
nu was sô vil ouch liehtes dâ,
daz er daz mel gesach iesâ.
nu dûhte in diu gelegenheit
ze einem sprunge ze breit.
nu getorste er ouch dar niht gân.
iedoch muose er'z an daz lân,
daz dâ was waeger under den zwein.
er sazte sîne vüeze in ein
und trat vil vaste ze stete.
Tristan der minnen blinde tete
den poinder und die ritterschaft
ze harte über sîne craft.
er spranc hin an daz bette
und verlôs ouch an dem wette,
wan ime sîn âder ûf brach,
daz ime sît michel ungemach
unde leit begunde machen.
bette unde bettelachen
diu missevarte daz bluot,
alse bluot von rehte tuot.
ez verwete wâ unde wâ.
vil harte unlange lag er dâ,
biz purper unde plîât,
bette unde bettewât
mitalle wurden missevar
aber sprang er wider alse dar
an sîn bette unde lac
in trahte unz an den liehten tac.
nu Marke der kam schiere wider
und wartet an den estrîch nider.
dâ nam er sîner lâge war
und wart dâ nihtes gewar.
und aber dô er hin kam
und an dem bette war genam,
dô sach er bluot unde bluot.
daz beswaeret ime den muot.
«wie nû» sprach er «vrou künigîn,
waz sol dirre maere sîn?
von wannen kam diz bluot her an?»
«mîn âder brast, dâ gieng ez van.
diu ist kûme iezuo verstanden.»
nu begunde er ouch Tristanden
durch sîne hende lâzen gân,
als ez in schimpfe waere getân.
«wol ûf» sprach er «hêr Tristan!»
und warf daz deckelachen dan.
er vant dâ bluot alse dort.
nu sweig er unde gesprach nie wort.
er liez in ligen und kêrte hin.
sîne gedanke und sîn sin
die wurden swaere der van.
er dâhte und dâhte als ein der man,
dem ez ze cleinem liebe ertaget.
er haete ouch dâ vil nâch gejaget
unz ûf sîn herzeclîchez leit.
iedoch ir beider tougenheit
unde der wâren geschiht
der enwiste er anders niht,
wan alse er an dem bluote sach.
diu bewaerde diu was aber swach.
sîn zwîvel und sîn arcwân,
die er ê haete gâr verlân,
ze den sô was er aber geweten.
wan er den estrîch umbetreten
vor dem bette vunden haete,
dâ von wânde er untaete
von sînem neven âne sîn.
und wan er aber die künigîn
und sîn bette bluotic vant,
dâ von bestuont in al zehant
sîn ungedanc und sîn unmuot,
alse den zwîvelhaften tuot.
mit disem zwîvel enwiste er war.
er wânde her, er wânde dar,
ern wiste, waz er wolte
oder wes er waenen solte.
er haete zuo den stunden
an sînem bette vunden
diu schuldegen minnen spor
und vant dekeinez dervor.
hie mite was ime diu wârheit
beidiu geheizen und verseit.
mit disen zwein was er betrogen.
disiu zwei, wâr unde gelogen,
diu haete er beide in wâne
und was ouch beider âne.
ern wolte sî niht schuldic hân
und enwolte s'ouch niht schulde erlân.
diz was dem zwîvelaere
ein nâhe gêndiu swaere.
der verirrete Marke
alrêrste was er starke
bekumbert mit trahte,
mit wie getâner ahte
er sich hier ûz berihtete
und disen wân beslihtete.
wie er der zwîvelbürde
ledec und âne würde.
wie er den hof braehte
von der missedaehte,
die er treip ie genôte
von sînem wîbe Îsôte
und sînem neven Tristande.
sîne vürsten er besande,
dar er sich triuwen versach,
und kündete in sîn ungemach
und seite in, wie diz maere
da ze hove ersprungen waere
und vorhte harte sêre
sîner ê und sîner êre.
und jach, des in endûhte niht,
sît daz ir beider inziht
sô waere g'offenbaeret
und in daz lant vermaeret,
daz er binamen der künigîn
holt oder heinlîch wolte sîn,
sine behabete offenlîchen ê
wider in ir unschuld unde ir ê.
hier über suohte er ir aller rât,
den zwîvel umbe ir missetât,
wie er den sô hin getaete,
als er es êre haete,
eintweder abe oder an.
sîne vriunde und sîne man
die gerieten ime zehant;
daz er ze Lunders z'Engelant
ein concîlje leite
und dâ der pfafheite,
den witzegen antisten,
die gotes reht wol wisten,
sînen werren taete kunt.
daz concîlje daz wart sâ zestunt
ze Lunders besprochen
nâch der pfingestwochen
ze ûzgêndem meien.
pfaffen unde leien
der kam zem tage ein michel craft
durch des küneges boteschaft,
als er gebat und ouch gebôt.
nu dar kam Marke und kam Îsôt
bekumberet beide
mit vorhte und mit leide.
Îsôt diu vorhte sêre
verliesen lîp und êre.
sô haete Marke michel leit,
sîne vröude und sîne werdekeit
daz er die swachen solde
an sînem wîbe Îsolde.
nu Marke an daz concîlje gesaz,
sînen lantvürsten clagete er daz,
wie er beswaeret waere
mit disem lastermaere,
und bat si harte sêre
durch got und durch ir êre,
ob sî mit ihte kunden,
daz s'ime hier über vunden
etslîchen den list oder den rât,
dâ mite er dirre missetât
râche unde gerihte naeme
und ir ouch z'ende kaeme
eintweder abe oder an.
hier über sô redete manic man
in maneger wîse sînen muot,
einer übel, der ander guot,
dirre sus und jener sô.
ûf stuont der vürsten einer dô,
die bî dem râte wâren,
an witzen unde an jâren
ze guotem râte wol gestalt,
des lîbes edelîch und alt,
beidiu grîse unde wîse.
der bischof von Thamîse
über sîne crucken leinde er sich.
«künec hêrre» sprach er «hoeret mich.
ir habet uns her vür iuch besant,
uns vürsten hie von Engelant,
beidiu durch triuwe und durch rât,
als iuch des nôt ane gât.
der vürsten ich ouch einer bin,
hêrre, ich hân ouch stât under in.
ouch bin ich in den tagen wol,
daz ich wol vür mich selben sol
beidiu tuon unde lân
und reden, swaz ich ze redene hân.
ir iegelîch der rede vür sich.
hêrre, ich wil iu sagen vür mich
mînen sin und mînen muot.
mîn sin dunke er iuch danne guot
und gevalle er iu, sô volget ir
mînem râte unde mir.
mîn vrouwe und mîn hêr Tristan,
die waenet man z'undingen an
und sint an keiner wârheit
noch überkomen noch überseit,
als ich die rede vernomen hân.
wie muget ir nû den argen wân
mit arge beslihten?
wie muget ir gerihten
über iuwern neven und iuwer wîp
an ir êre oder an ir lîp,
sît man si niht ervunden hât
an keiner slahte missetât
noch niemer lîhte ervinden kan?
etswer seit Tristanden an
dise schulde und dise inziht.
ern beredet es hin z'ime niht,
als er ze rehte solde.
sô bringet ouch Îsolde
lîht eteswer ze maeren;
ern mag es niht bewaeren.
sît aber der hof ir missetât
sô harte in arcwâne hât,
sone sulet ir der künigîn
ze bette noch ze tische sîn
geselleclîch unz an den tac,
ob s'ir unschulde erzeigen mac
sô wider iuch sô wider diu lant,
den dirre liument ist erkant
und diu in trîbent alle tage.
wan leider sus getâner sage
der ist daz ôre vil bereit
zer lüge und zer wârheit.
ez sî wâr oder gelogen,
swaz in den liument wirt gezogen,
der inziht dâ heizet,
der quicket unde reizet
ie zer ergeren hant.
swie sô'z hier umbe sî gewant,
ez sî wâr oder niht,
der liument und diu inziht
diu sint mit rede sô verre komen,
daz ir'z ze leide habet genomen
und ez der hof vür übel hât.
nu râte ich, hêrre, und ist mîn rât,
mîn vrouwe diu künigîn
sît sî besprochen sol sîn
umbe solhe missewende,
daz man sî her besende
z'unser aller gegenwürte,
iuwer ansprache, ir antwürte
daz man diu beide alsô verneme,
als ez dem hove wol gezeme.»
der künec sprach: «hêrre, des volge ich.
diu rede und der rât dunket mich
gevüege unde gevallesam.»
man besande Îsolde und si kam
zem concîlje in den palas.
nu daz si nider gesezzen was,
der bischof, der grîse,
der wîse von Thamîse,
er tete als ime der künec gebôt.
er stuont ûf und sprach: «vrouwe Îsôt,
tugenthaftiu künigîn,
mîn rede sol iu niht swaere sîn.
der künec mîn hêrre heizet mich
sîn wort hie sprechen, nû muoz ich
hin z'iu leisten sîn gebot.
nu bekenne ez aber got,
swaz iuwer wirde missezimet
und iuwer reine lob benimet,
daz ich daz vil ungerne trage
beidiu ze liehte und ouch ze tage.
möhte ich es erlâzen sîn!
saeligiu, guotiu künigîn,
iuwer hêrre und iuwer man
der heizet mich iuch sprechen an
umbe ein offenlîche inziht.
ine weiz noch er enweiz ez niht,
wâ von ez sî gerochen,
wan daz ir sît besprochen
von hove und von lande
mit sînem neven Tristande.
ob got wil, vrouwe künigîn,
der untaete der sult ir sîn
unschuldic und âne.
iedoch hât er'z in wâne
dâ von daz es der hof giht.
mîn hêrre selbe dern hât niht
an iu bevunden niuwan guot.
von maeren, diu der hof tuot,
hât er den wân ûf iuch geleit,
niht von dekeiner wârheit.
durch daz sô sprichet er iuch an,
daz ez sîne vriunt und sîne man
vernemen unde hoeren,
ob er hie mite zestoeren
disen liument unde dise lüge
mit unser aller râte müge.
nu dunket mich daz guot getân,
daz ir im umbe den arcwân
rede gebet unde antwürte
z'unser aller gegenwürte.»
Îsôt diu wol gesinne,
diu gesinne küniginne,
dô ir ze sprechene geschach,
si stuont ûf selbe unde sprach:
«hêrre, hêr bischof,
dise lantbarûne unde der hof,
ir sult daz alle wizzen wol:
swâ sô ich versprechen sol
mînes hêrren laster unde mich,
entriuwen daz verspriche ich
beidiu nû und alle stunt.
ir hêrren alle, mir ist wol kunt,
daz mich disiu dörperheit
vor eime jâre ist an geseit
beide über hof und über lant.
iu ist aber allen wol erkant,
daz nieman alse saelic ist,
der al der werlde und alle vrist
sô wol ze willen müge geleben,
im enwerde âlaster gegeben.
von danne enwundert mich es niht.
ob mir der rede ouch nôt geschiht.
ine möhte niemer sîn verswigen,
ine müese werden bezigen
unvuoge und missewende,
durch daz ich bin ellende
und endarf hie niender vrâgen
nâch vriunden noch nâch mâgen.
mir ist leider lützel ieman bî,
der mînes leides leidic sî.
ir alle und iuwer iegelîch,
ir sît arm oder rîch,
ir geloubet vil gereite
mîner dörperheite.
wiste ich nu, waz getaete,
waz râtes hie zuo haete,
daz ich mîn unschulde
an iuwer aller hulde
nâch mînes hêrren êren
wol möhte gekêren,
dâ haete ich guoten willen zuo.
waz râtet ir nu, daz ich tuo?
swaz gerihtes man mir ûf geleit,
des bin ich gerne bereit,
daz iuwer aller arcwân
werde vürder getân
und aber noch michel mêre
ze behabene die êre
mînes hêrren unde mîn.»
der künec der sprach: «vrou künigîn,
hier an lâz ich ez wol gestân.
mac ich gerihte von iu hân,
als ir uns habet vür geleit,
sô tuot es uns gewisheit.
gât her in alrihte,
vertriuwet daz gerihte
zem glüejenden îsen,
als wir iuch hie bewîsen.»
diu küniginne tete alsô.
si vertriuwet ir gerihte dô,
als ir dâ wart besprochen,
nâch den selben sehs wochen
in die stat ze Carliûne.
künec unde lantbarûne,
al daz concîlje schiet sich sâ.
Îsôt beleip al eine dâ
mit sorgen und mit leide.
sorge unde leit diu beide
twungen si harte sêre.
sie sorgete umbe ir êre.
so twanc si daz verholne leit,
daz s'ir unwârheit
solte wârbaeren.
mit disen zwein swaeren
enwiste sî, waz ane gân.
si begunde ir swaere beide lân
an den genaedigen Crist,
der gehülfic in den noeten ist.
dem bevalch si harte vaste
mit gebete und mit vaste
alle ir angest unde ir nôt.
in disen dingen haete Îsôt
einen list ir herzen vür geleit
vil verre ûf gotes höfscheit.
si schreip unde sande
einen brief Tristande
und enbôt im, daz er kaeme,
swâ er die vuoge naeme,
ze Carliûn des tages vruo,
sô sî dâ solte stôzen zuo,
und naeme ir an dem stade war.
nu diz geschach. Tristan kam dar
in pilgerînes waete.
sîn antlütze er haete
misseverwet unde geswellet,
lîp unde wât verstellet.
nu Marke und Îsôt kâmen,
ir gelende dâ genâmen,
diu künigîn ersach in dâ
unde erkante in ouch iesâ.
und als daz schif an gestiez,
Îsôt gebôt unde hiez,
ob der wallaere
als wol mugende waere
und sô vil crefte haete,
daz man in durch got baete,
daz er si trüege hin abe
von der schifbrucken in die habe.
sine wolte sich niht in den tagen
dekeinen ritter lâzen tragen.
sus riefen s'alle dar an:
«gât her nâher, saelic man,
traget mîne vrouwen an den stat!»
er volgete, des man in bat.
sîne vrouwen die künigîn
die nam er an den arm sîn
und truoc si hin wider lant.
Îsôt diu rûnde ime zehant,
swenne er ze lande kaeme,
daz er einen val dâ naeme
mit ir mitalle z'erden,
swelch rât sîn solte werden.
er tete alsô. dô'r an den stat
und ûz hin an daz lant getrat,
der wallaere nider zer erden sanc
und viel als âne sînen danc,
daz sich der val alsô gewac,
daz er der künigîn gelac
an ir arme und an ir sîten.
hie was unlangez bîten.
des gesindes kam ein michel schar
mit staben und mit stecken dar
und wolten den wallaere
bereiten übeler maere.
«nein nein, lât stân!» sprach aber Îsôt
«ez tete dem wallaere nôt.
er ist âmehtic unde cranc
und viel âne sînen danc.»
nu seiten sî's ir sêre
beidiu genâde und êre
und lobeten s'in ir muote.
daz sî sich mit unguote
an dem armen niht enrach.
Îsôt dô smierende sprach:
«welch wunder waere ouch nû dar an,
ob dirre wallende man
mit mir wolte schimpfen?»
diz begunden s'ir gelimpfen
ze tugenden und ze höfscheit.
ir êren wart dâ vil geseit
unde ir lobes von manegem man.
und Marke der sach allez an
und hôrte diz unde daz.
Îsôt sprach aber dô vürbaz:
«nune weiz ich, waz sîn werden sol.
iuwer iegelîch der siht nu wol,
daz ich daz niht verrihten kan,
daz âne Marken nie kein man
an mînen arm kaeme
noch daz nie man genaeme
sîn leger an mîner sîten.»
sus begunden si rîten
trîbende ir schimpfmaere
von disem baltenaere
hin în ze Carliûne.
dâ was vil barûne,
pfaffen unde ritterschaft,
gemeines volkes michel craft.
bischove und prêlâten,
die daz ambet tâten
und segenten daz gerihte,
die wâren ouch inrihte
mit ir dinge bereit.
daz îsen daz was în geleit.
diu guote küniginne Îsolt
diu haete ir silber unde ir golt,
ir zierde und swaz si haete
an pferden unde an waete
gegeben durch gotes hulde,
daz got ir wâren schulde
an ir niht gedaehte
und sî z'ir êren braehte.
hie mite was sî zem münster komen
und haete ir ambet vernomen
mit inneclîchem muote.
diu wîse, diu guote,
ir andâht diu was gotelîch.
si truoc ze nâhest an ir lîch
ein herte hemede haerîn,
dar obe ein wullîn rockelîn
kurz und daz mê dan einer hant
ob ir enkelînen want.
ir ermel wâren ûf gezogen
vaste unz an den ellenbogen.
arme unde vüeze wâren bar.
manec herze und ouge nam ir war
swâre unde erbermeclîche.
ir gewandes unde ir lîche
des wart dâ dicke war genomen.
hie mite was ouch daz heiltuom komen,
ûf dem si sweren solde.
alsus hiez man Îsolde
ir schulde an disen sünden
got unde der werlde künden.
nu haete Îsôt êre unde leben
vil verre an gotes güete ergeben.
si bôt ir herze unde ir hant
vorhtlîche, als ez ir was gewant,
dem heiltuom unde dem eide.
hant unde herze beide
ergap si gotes segene
ze bewarne und ze pflegene.
nu wâren dâ genuoge
sô grôzer unvuoge,
daz sî der küniginne ir eit
vil gerne haeten ûf geleit
ze schaden und ze valle.
diu bitter nîtgalle,
der truhsaeze Marjodô
der treib ez sus unde sô
und manege wîs z'ir schaden an.
dâ wider was aber dâ manic man
der sich an ir êrte
und ez ir ze guote kêrte.
sus gie daz criegen under in
umbe ir eit her unde hin.
der was ir übel und dirre guot,
als man ze solhen dingen tuot.
«künec hêrre» sprach diu künigîn
«mîn eit muoz doch gestellet sîn,
swaz ir dekeiner gesaget,
als iu gevellet unde behaget.
von diu sô seht hie selbe zuo,
waz ich gespreche oder getuo,
ob ich ez iu mit eide
ze danke bescheide.
ir aller lêre der ist ze vil.
vernemet, wie ich iu sweren wil:
daz mînes lîbes nie kein man
dekeine künde nie gewan
noch mir ze keinen zîten
weder ze arme noch ze sîten
ane iuch nie lebende man gelac
wan der, vür den ich niene mac
gebieten eit noch lougen,
den ir mit iuwern ougen
mir sâhet an dem arme,
der wallaere der arme.
sô gehelfe mir mîn trehtîn
und al die heilegen, die der sîn,
ze saelden und ze heile
an disem urteile!
hân ich es niht genuoc geseit,
hêrre, ich bezzer iu den eit,
als ir mir saget, sus oder sô.»
«vrouwe» sprach der künec dô,
«es dunket mich genuoc hier an,
alse ich mich's versinnen kan.
nu nemet daz îsen ûf die hant.
und alse ir uns habt vor benant,
als helfe iu got ze dirre nôt!»
«âmen!» sprach diu schoene Îsôt.
in gotes namen greif si'z an
und truog ez, daz si niht verbran.
dâ wart wol g'offenbaeret
und al der werlt bewaeret,
daz der vil tugenthafte Crist
wintschaffen alse ein ermel ist.
er vüeget unde suochet an,
dâ man'z an in gesuochen kan,
alse gevuoge und alse wol,
als er von allem rehte sol.
erst allen herzen bereit,
ze durnehte und ze trügeheit.
ist ez ernest, ist ez spil,
er ist ie, swie sô man wil.
daz wart wol offenbâre schîn
an der gevüegen künigîn.
die generte ir trügeheit
und ir gelüppeter eit,
der hin ze gote gelâzen was,
daz s'an ir êren genas.
und wart aber dô starke
von ir hêrren Marke
geminnet unde g'êret,
geprîset unde gehêret
von liute und von lande.
swaz sô der künec erkande,
dar an ir herze was gewant,
daz was sîn wille zehant.
er bôt ir êre unde guot.
al sîn herze und al sîn muot
diu wâren niwan an sî geleit
âne aller slahte valscheit.
sîn zwîvel und sîn arcwân
die wâren aber dô hin getân.
Tristan, Isolde cumpanjûn,
dô er sî ze Carliûn
haete getragen an den stat
und geleistet dâ des sî'n gebat,
er vuor des selben mâles
von Engelant ze Swâles
zem herzogen Gilâne.
der was dô wîbes âne
und was junc unde rîch,
vrî unde vrôlîch.
dem was er grôze willekomen.
der haete ouch ê von ime vernomen
vil manlîcher dinge
und vil seltsaener linge.
der was vil harte sêre
vervlizzen an sîn êre,
an sîne vröude, an sîn gemach.
an swelhem dinge er sich versach
daz sîn vröude waere,
des was er gevaere
und leite sînen vlîz dar an.
wan der trûraere Tristan
der was ze allen stunden
mit gedanken gebunden,
mit trahte und mit triure
umbe sîn âventiure.
eines tages gevuogete daz,
daz Tristan bî Gilâne saz
in triure unde in trahte
und ersûfte ûzer ahte.
nû des wart Gilân gewar.
er gebôt, daz man im braehte dar
sîn hundelîn Petitcreiu,
sînes herzen spil von Avaliu
und sîner ougen gemach.
daz er gebôt, daz geschach.
ein purper edel unde rîch,
vremede unde wunderlîch
al nâch des tisches mâze breit
wart vür in ûf den tisch geleit,
ein hundelîn dar ûf getragen.
daz was gefeinet, hôrte ich sagen,
und wart dem herzogen gesant
ûz Avalûn, der feinen lant,
von einer gottinne
durch liebe und durch minne.
daz was mit solher wîsheit
an den zwein dingen ûf geleit,
an der varwe und an der craft,
daz zunge nie sô redehaft
noch herze nie sô wîse wart,
daz sîne schoene und sîn art
kunde beschrîben oder gesagen.
sîn varwe was in ein getragen
mit alsô vremedem liste,
daz nieman rehte wiste,
von welher varwe ez waere.
ez was sô missehaere,
als man ez gegen der bruste an sach,
daz nieman anders niht enjach,
ezn waere wîzer danne snê,
zen lanken grüener danne clê,
ein sîte rôter danne grân,
diu ander gelwer dan safrân.
unden gelîch lazûre,
obene was ein mixtûre
gemischet alsô schône in ein,
daz sich ir aller dekein
ûz vür daz andere dâ bôt.
dane was grüene noch rôt
noch wîz noch swarz noch gel noch blâ
und doch ein teil ir aller dâ,
ich meine rehte purperbrûn.
daz vremede werc von Avalûn
sach man ez widerhaeres an,
sone wart nie kein sô wîse man,
der sîne varwe erkande.
si was sô maneger hande
und sô gâr irrebaere,
als dâ kein varwe waere.
im gienc umbe sîn cregelîn
ein ketene, diu was guldîn.
dar an sô hienc ein schelle
sô süeze und sô helle,
dô ez sich rüeren began,
der trûraere Tristan
daz er sîner âventiure
an sorge unde an triure
ledic und âne gesaz
unde des leides gâr vergaz,
daz in durch Isôte twanc.
sô süeze was der schellen clanc,
daz si nieman gehôrte,
sine benaeme im und zestôrte
sîne sorge und al sîn ungemach.
Tristan der hôrte unde sach
daz wunderlîche wunder an.
hunt unde schellen er began
bemerken unde betrahten,
ietwederz sunder ahten,
den hunt und sîne vremede hût,
die schellen unde ir süezen lût.
ir beider nam in wunder
und dûhte in doch hier under
daz wunder umbe daz hundelîn
vil michel wunderlîcher sîn
dan umbe den süezen schellen clanc,
der ime in sîn ôre sanc
und nam im sîne triure.
diz dûhte in âventiure,
daz er mit liehten ougen
sîner ougen lougen
an allen disen varwen vant
und ime ir keiniu was bekant,
swie vil er ir genaeme war.
er greif gevuoclîche dar
und streichete ez mit handen.
nu dûhte Tristanden,
dô er ez handelen began,
er griffe palmatsîden an,
sô linde was ez über al.
weder ez engrein noch enbal,
noch erzeigete ungebaerde nie,
swaz schimpfes man mit ime begie.
ouch enaz ez noch entranc niht,
als daz maere von im giht.
nu daz ez dannen wart getragen,
Tristandes trûren und sîn clagen
daz was aber vrisch als ê
und aber sô vil der triure mê,
daz er alle sîne trahte,
die er gehaben mahte,
an die gedanke leite,
mit waz gevuocheite
oder mit welhen sinnen
er möhte gewinnen
sîner vrouwen der künigîn
Petitcreiu daz hundelîn,
durch daz ir senede swaere
al deste minner waere.
nune kunde er aber niht ersehen,
wie'z iemer möhte geschehen
von bete oder von liste.
wan er daz vil wol wiste,
daz ez Gilân niht haete gegeben
âne eine vür sîn selbes leben
umbe kein guot, daz er ie gesach.
diu trahte und daz ungemach
daz lag im in dem herzen ie
und entete doch diu gelîche nie.
als uns diu wâre istôrje seit
von Tristandes manheit,
sô was des selben mâles
dem lande ze Swâles
ein rise bî gesezzen,
hochvertic und vermezzen,
und haete ûf der rivâgen hûs
und hiez der Urgân li vilûs.
dem selben risen dem was Gilân
und sîn lant Swâles undertân
und solten ime den zins geben,
daz er daz lantliut lieze leben
âne nôt und âne leit.
hie mite wart in den hof geseit,
Urgân der rise der waere komen
und haete vür sich genomen,
daz sîn zins dâ solte sîn,
rinder, schâf unde swîn
und hiez daz vor im dannen jagen.
hie mite begunde ouch Gilân sagen
sînem vriunt Tristande maere.
wie dirre zins waere
mit gewalte und mit archeit
von allerêrste ûf geleit.
«nu saget mir, hêrre» sprach Tristan
«ob ich iuch des benemen kan
und iu gehilfe in kurzer zît,
daz ir des zinses ledic sît,
die wîle ir iemer sult geleben.
waz welt ir mir ze lône geben?»
«entriuwen hêrre» sprach Gilân
«ich gibe iu gerne, swaz ich hân.»
Tristan sprach aber dô vürbaz:
«hêrre, vertriuwet ir mir daz,
mit swelher rede sô ich'z getuo,
sô hilfe ich iu binamen dar zuo,
daz ir nâch kurzlîcher zît
Urgânes iemer ledic sît,
oder ich verliuse daz leben.»
«entriuwen hêrre, ich sol iu geben,
swes ir gemuotet» sprach Gilân;
«swaz ir gebietet, deist getân.»
er bôt im triuwe unde hant.
Tristande wart zehant besant
sîn ors und ouch sîn îsen.
hie mite bat er sich wîsen
hin, dâ des vâlandes barn
mit dem roube wider solte varn.
Tristan zehant gewîset wart
vil rehte ûf Urgânes vart
in einen harte wilden walt
und stiez der an des risen gewalt
des endes, dâ der roup ie
über eine brucke wider gie.
roup unde rise die kâmen sâ.
nu was ouch Tristan vor in dâ
und enlie den roup niht vürbaz gân.
nu daz der veige rise Urgân
werre an der brucke wart gewar,
er kêrte unstetelîche dar
mit einer harte langen
stehelînen stangen,
die truog er hôhe unde enbor.
nu er den ritter dâ vor
sô wol gewâfenden sach,
unwertlîch er im zuo sprach:
«vriunt ûf dem orse, wer sît ir?
war umbe enlâzet ir mir
mîne habe niht über gân?
weiz got daz ir ez habet getân,
daz engât iu niuwan an daz leben
oder aber ir müezet iuch ergeben.»
der ûf dem orse sprach zehant:
«vriunt, ich bin Tristan genant.
weistû's nu wol, nu vürhte ich
dîne stange unde dich
niht eine halbe bône.
von diu sô var vil schône
und wizze et waerlîche daz:
dîn roup enkumet niht vürbaz,
als verre als ich'z erweren kan.»
«jâ» sprach der rise «hêr Tristan,
ir waenet haben bestanden
Môrolden von Irlanden,
mit dem ir iuwer vehte
mit grôzem unrehte
umbe niht zesamene truoget
und in durch hôhvart sluoget.
ouch enist ez niht umbe mich gewant
als umbe jenen von Irlant,
den ir mit schalle an kâmet
und ime die schoenen nâmet,
die blüejenden Isolde,
die er bereden wolde.
nein nein, diu rivâge ist mîn hûs
und heize ich Urgân li vilûs.
wol balde von der strâzen!»
hie mite begunde er mâzen
mit beiden sînen handen
die rihte wider Tristanden
einen wurf und einen swanc,
der was grôz unde lanc.
dem haete er sîne mâze
an der seige und an dem lâze
rehte in der merke gegeben,
daz er Tristande an sîn leben
solte sîn gegangen.
und alse er mit der stangen
hin z'ime begunde swenken,
Tristan begunde wenken.
und iedoch wancte er niht alsô,
er enwürfe ime daz ors dô
vor den goffen gâr enzwei.
der ungehiure rise erschrei
und rief Tristanden lachend an:
«sô gehelfe iu got, hêr Tristan!
engâhet niht ze rîtene
geruochet mîn ze bîtene,
ob ich iuch müge ervlehen,
daz ir mich mîn lantlehen
mit genâden und mit êren
vürbaz lâzet kêren!»
Tristan erbeizete an daz gras,
wan ime daz ors erslagen was.
und mit dem sper sô kêrte er her.
er stach Urgâne mit dem sper
zem ougen eine wunden.
dâ was der veige vunden.
der ungehiure rise Urgân
er lie wol balde hine gân
des endes, dâ diu stange lac.
nu er die hant dar nâch gewac,
nu haete ouch Tristan sîn sper
von ime geworfen und kam her
gerüeret mit dem swerte.
er traf in, alse er gerte.
wan er sluoc ime die selben hant,
diu nâch der stange was gewant,
daz s'an der erden belac,
und gab im aber einen slac
zem schenkel unde kêrte dan.
Urgân der schadehafte man
greif mit der linken hant dernider,
die stangen zucte er aber wider
und lief an sînen anden.
er jagete Tristanden
under den boumen umbe
manege angestlîche crumbe.
sus wart der vlôz alse grôz,
der von Urgânes wunden vlôz,
daz der vâlandes man
vil sêre vürhten began,
im solte von dem bluote
an crefte unde an muote
in kurzen zîten abe gân.
er lie roup unde ritter stân
und nam die hant, dâ er si vant,
und kêrte wider heim zehant
in sîne veste balde.
Tristan stuont in dem walde
bî sînem roube al eine.
sîn angest was niht cleine,
daz Urgân lebende dannen was.
er saz nider ûf daz gras
gedenkende unde trahtende,
in sînen sinnen ahtende,
sît daz er sîner taete
keine bewaerde haete
wan eine den zins unde den roup,
sone trüege in niht vür umbe ein loup
sîn angest und sîn arbeit,
die er dar an haete geleit,
und dâhte, im solte Gilân
sînes gelübedes abe gân,
als under in zwein was benant.
er kêrte ûf sînen wec zehant
und lief vil ebene ûf dem spor,
als Urgân was geloufen vor
und dâ diu erde und daz gras
mit bluote hin geverwet was.
nû er zem castêle kam,
vil vlîzeclîche er war nam
Urgânes wâ unde wâ.
nune vand er weder in dâ
noch nieman, der ie leben gewan.
wan der versêrete man
der haete, als uns daz maere seit,
sîne verlorne hant geleit
ûf einen tisch in sînem sal
und was er von der burc ze tal
den berc geloufen wurze graben,
die er zen wunden solte haben,
an den er ouch wol wiste
die craft sîner geniste.
ouch haete er'z alsô vor bedâht,
haete er die hant zem arme brâht
mit liste, den er wol kunde,
enzît und ê der stunde,
daz sî mitalle waere tôt,
er waere wol von dirre nôt
âne ouge mit der hant genesen.
nu ensolte des niht wesen,
wan Tristan der kam iesâ
unde ersach die hant dâ.
und alse er s'âne wer dâ vant,
er nam s'und kêrte dan zehant
reht alse er ouch was komen dar.
Urgân kam wider und wart gewar,
daz er die hant haete verlorn.
ime was leide unde zorn.
sîn arzenîe warf er nider,
er kêrte nâch Tristande wider.
der was hin über die brucke komen
und haete guote war genomen,
daz er nâch ime gerüeret kam.
des risen hant er balde nam,
under einen ronen er si barc.
alrêrste was sîn angest starc
zuo dem ungehiuren man,
wan dâ enwas kein zwîvel an,
ezn müese ir eines tôt sîn:
eintweder des risen oder sîn.
er kêrte gein der brucke her
unde begegente im mit dem sper.
daz stach er ûf in, daz ez brach.
und al zehant daz er gestach,
sô was ouch der vertâne iesâ
Urgân mit sîner stangen dâ.
sô gîteclîche er ûf in sluoc:
wan daz der slac verre über truoc,
waere er von êre gewesen,
ern waere niemer genesen.
nu half aber ime, daz er genas,
daz sîn Urgân sô girec was.
wan er was ime ze nâhe komen
und haete sînen swanc genomen
ze verre hinder ime hin dan.
ê dô der ungehiure man
die stangen haete wider gezogen,
dô haete im Tristan an erlogen
einen stich zem ougen.
er stach im âne lougen
in sîn ander ouge einen stich.
hie mite sluoc Urgân umbe sich
als mit rehte ein blinder man.
er gieng ez sô mit slegen an,
daz Tristan vlôch hin von im stân
und liez in slahende umbe gân
mit sîner linken hende.
sus kam, daz er dem ende
sô nâhen sînen trit genam,
daz Tristan dar gerüeret kam
und leite an dise ritterschaft
alle sîne maht und sîne craft.
er ruorte snellîche hin,
mit beiden handen kêrte er in
von der brucken an den val.
er stiez in obene hin ze tal,
daz der ungehiure last
an dem velse aller zebrast.
hie mite nam aber Tristan,
der sigesaelige man,
sîne hant und lie hine gân
und kam vil schiere, dâ Gilân
der herzoge gegen im reit.
dem was vil inneclîche leit,
daz sich Tristan ie an genam
und ie ze disem kampfe kam.
wan ime gâr ungedâht was,
daz er genaese, als er genas.
und alse er in zuo loufen sach,
vrôlîchen er im zuo sprach:
«â bien venjanz, gentil Tristan!
saeliger man, nu saget an,
wie stât ez iu? sît ir gesunt?»
nu liez in Tristan sâ zestunt
die tôten hant des risen sehen
und seite im, alse ez was geschehen,
sîn gelücke und sîne linge
an allem disem dinge.
des wart Gilân harte vrô.
hin wider zer brucken riten si dô
und vunden, alse in was geseit,
nâch Tristandes wârheit
einen zervallenen man
und sâhen den ze wunder an.
hie mite sô kêrten si hin.
den roup den triben sî vor in
vrôlîche wider in daz lant.
hie von wart michel schal zehant
ze Swâles in dem lande.
man sagete dâ Tristande
prîs unde lop und êre.
der drîer wart nie mêre
in dem lande geseit
von eines mannes manheit.
nu Gilân unde Tristan,
der sigesaelige man,
hin wider ze hûse kâmen,
ze handen aber genâmen
ir gelücke unde ir maere,
Tristan der wunderaere
der sprach zem herzogen zehant:
«herzoge hêrre, sît gemant
der triuwen unde der sicherheit,
als under uns wart ûf geleit
und alse ir lobetet wider mich.»
Gilân sprach: «hêrre, daz tuon ich
vil harte gerne. saget mir:
waz ist iu liep? wes muotet ir?»
«hêrre Gilân, ich muote iu,
daz ir mir gebet Petitcreiu.»
Gilân sprach aber: «sô râte ich baz.»
Tristan sprach: «lât hoeren waz.»
«dâ lât ir mir daz hundelîn
und nemet die schoenen swester mîn
und zuo z'ir halbez daz ich hân.»
«nein hêrre herzoge Gilân,
weset der triuwen gemant.
wan elliu rîche und elliu lant
diu naeme ich zwâre niht dervür,
der mir ez lieze an mîne kür.
ich sluog Urgânen li viliu
durch niht wan durch Petitcreiu.»
«entriuwen mîn hêr Tristan,
lît iuwer wille baz hier an,
dan alse ich iu hân vür geleit,
sô loese ich mîne wârheit
und leiste, swaz iu lieb ist.
ine wil niemer valsch noch list
gewenden noch getuon hie zuo.
swie rehte ungerne ich'z tuo,
swaz ir gebietet, daz sol sîn.»
hie mite hiez er daz hundelîn
vür sich und vür Tristanden tragen.
«seht» sprach er «hêrre, ich wil iu sagen
und wil iu sweren einen eit
ûf alle mîne saelekeit,
daz ich des niht gehaben kan
noch nie sô liebes niht gewan
âne mîn êre und mîn leben,
ine wolte ez iu vil gerner geben
dan mînen hunt Petitcreiu.
nu nemet in hin und habet in iu.
got lâze in iu ze vröuden komen!
ir habet mir zwâre an ime benomen
daz beste mîner ougen spil
und mînes herzen wunne vil.»
Tristan dô er daz hundelîn
gewan in die gewalt sîn,
ern haete waerlîche
Rôme und elliu rîche,
elliu lant und elliu mer
derwider niht g'ahtet ein ber.
sîn herze dazn wart nie sô vrô
âne mit Isolde alse dô.
ze sîner heinlîche er gewan
von Gâles einen spilman
gevüegen unde wîsen.
den begunde er underwîsen
der vuoge unde der sinne,
wie er'z der küniginne,
der schoenen Isolde
z'ir vröuden bringen solde.
er verband ez dem Gâlotten
wîsliche in sîner rotten.
er schreip brieve unde sande ir die
und enbôt ir, wâ unde wie
er ez durch si haete bejaget.
der spilman, alse im was gesaget
und alse er underwîset wart,
alsô kêrte er ûf sîne vart
und kam alsô ze Tintajêl
in des küneges Markes castêl,
daz ime ûf sîner strâze nie
an keinen dingen missegie.
Brangaenen die gesprach er,
hunt unde brieve antwurte er der.
diu antwurte ez Isôte.
Isôt besach genôte
samet unde sunder
daz wunderlîche wunder,
daz s'an dem hundelîne vant.
dem spilman gab sî zehant
ze lône und ze solde
zehen marc von golde.
si schreip unde sande
brieve unde enbôt Tristande
vlîzeclîchen unde starke,
daz ime ir hêrre Marke
holt unde willic waere
noch hin z'im dirre maere
niemer war genaeme.
daz er binamen kaeme.
si haete ez allez hin geleit.
Tristan tete, alse im wart geseit.
er kêrte wider heim zehant.
künec unde hof, liut unde lant
die buten im aber êre als ê.
êren dern wart ime nie mê
da ze hove erboten danne dô
wan sô vil, daz im Marjodô
êre ûzerthalp des herzen bôt
und sîn gewete petit Melôt.
die sîne vînde ê wâren,
swaz êren ime die bâren,
dâ was vil lützel êren bî.
hie sprechet alle, wie dem sî:
dâ diu samblanze geschiht,
weder ist ez êre oder niht?
ich spriche nein unde jâ.
nein unde jâ sint beidiu dâ.
nein an jenem, der si birt,
jâ an disem, dem si wirt.
diu zwei sint beide an disen zwein,
man vindet dâ jâ unde nein.
waz ist der rede nu mêre?
ez ist êre âne êre.
nu seite Isôt diu künigîn
ir hêrren umbe daz hundelîn,
ir muoter haete ez ir gesant,
diu wîse künegîn von Irlant,
und haete im heizen machen
von kostlîchen sachen,
von gesmîde und von golde,
als man ez wünschen solde,
ein wunneclîchez hûselîn
und was im dâ gespreitet în
ein rîcher pfelle, ûf dem ez lac.
sus was ez naht unde tac
offenlîchen unde tougen
Isolde vor den ougen.
si haete die gewonheit,
swâ sô si was, swar sô si reit,
dane kam ez ûz ir ougen nie.
man vuorte ez oder truog ez ie,
dâ sî'z mit ougen ane sach.
und entete daz durch dekein gemach.
si tete ez, als uns diz maere seit,
ze niuwenne ir senede leit
und ze liebe Tristande,
der'z ir durch liebe sande.
sine haete kein gemach dervan.
ir senfte dern lac niht dar an.
wan diu getriuwe künigîn
dâ mite daz ir daz hundelîn
zem allerêrsten kam
und sî die schellen vernam,
von der s'ir triure vergaz,
iesâ betrahtete si daz,
daz ir vriunt Tristan waere
durch sî beladen mit swaere,
und gedâhte ouch iesâ wider sich:
«ohî ohî! und vröuwe ich mich,
wie tuon ich ungetriuwe sô?
war umbe wirde ich iemer vrô
dekeine stunde und keine vrist,
die wîle er durch mich trûric ist,
der sîne vröude und sîn leben
durch mich ze triure hât gegeben?
wes mac ich mich gevröun âne in,
des triure und des vröude ich bin?
war umbe erlache ich iemer,
sît daz sîn herze niemer
dekein gemach gehaben kan,
mîn herze daz ensî dar an?
ern hât niht lebenes niuwan mîn.
solt ich âne in nu lebende sîn
vrô unde vröudebaere
und daz er trûric waere?
nune welle got der guote,
daz ich in mînem muote
iemer vröude âne in gehabe!»
hie mite brach sî die schellen abe
und lie die ketene dar an.
hie verlos ouch diu schelle van
al ir reht und al ir craft.
sine was nie mêre lûthaft
reht in ir tugende als ê.
man saget, daz si niemer mê
erlaschte noch zestôrte,
swie vil man si gehôrte,
dekeines herzen swaere.
daz was Îsôte unmaere,
sine wolte doch niht vrô sîn.
diu getriuwe staete senedaerin,
diu haete ir vröude unde ir leben
sene unde Tristande ergeben.
aber haete Tristan unde Îsôt
überwunden ir sorge unde ir nôt
und wâren aber des hoves wol.
der hof was aber ir êren vol.
ir beider lobes enwart niemê.
si wâren aber heinlîch als ê
ir beider hêrren Marke.
ouch hâlen sî sich starke;
wan sô s'ir state under in zwein
niht wol mohten gehaben inein,
sô dûhte sî der wille guot,
der gelieben dicke sanfte tuot.
der trôst und der gedinge,
wie man daz vollebringe,
dar an daz herze danne lît,
daz gibet dem herzen alle zît
lebende lust und blüende craft.
diz ist diu rehte trûtschaft,
diz sint die besten sinne
an liebe und an der minne.
swâ man der tât niht haben müge,
dâ nâch als ez der minne tüge,
daz man ir gerne habe rât
und neme den willen vür die tât.
swâ der gewisse wille sî,
dâ ensî diu guote state bî,
man sol gelangen stillen
mit dem gewissen willen.
gespilen unde gesellen
die ensulen niemer gewellen,
daz in diu state widerseit,
oder sî wellent al ir leit.
sô man enmac, der danne wil,
daz ist ein harte unwaege spil.
sô man wol müge, sô welle:
daz ist guot spilgevelle,
dane lît niht herzeleides an.
die gespiln Îsôt und Tristan
sô sî der state niht mohten hân,
sô liezen sî die state gân
mit dem gemeinen willen hin.
der wille der sleich under in
lieplîchen unde suoze
in micheler unmuoze.
gemeine liebe, gemeiner muot
die dûhten sî süeze unde guot.
die gelieben die hâlen
ir liebe z'allen mâlen
vor dem hove und vor Marke
als verre und alse starke,
sô sî diu blinde liebe lie,
diu mit in beiden umbe gie.
nu ist aber der minnen arcwân
und sîn sâme alsô vertân:
swâ sô er hin geworfen wirt,
daz er diu wurzelîn gebirt,
dâ ist er alsô vrühtic,
sô biric und sô zühtic,
die wîle er keine viuhte hât,
daz er dâ kûme zegât
und joch niemer mac zegân.
der unmüezege arcwân
der begunde aber genôte
an Tristande unde Îsôte
sînen wuocher bern unde spil.
dâ was der viuhte gâr ze vil
der süezen gebaerde,
an der man die bewaerde
der minne z'allen zîten sach.
er haete vil wâr, der dâ sprach:
swie man es hüetende sî,
si sint doch gerne ein ander bî,
daz ouge bî dem herzen,
der vinger bî dem smerzen.
des herzen leitesterne
die schâchent vil gerne
dar, dar daz herze ist gewant.
ouch gât der vinger und diu hant
vil dicke und ze maneger zît
des endes, dâ der smerze lît.
als tâten die gelieben ie.
sine mohten noch enkunden nie
durch keine ir angest verlân,
sin bûweten den arcwân
mit manegem süezem blicke
vil ofte und alze dicke.
wan leider, alse ich iezuo las,
des herzen vriunt, daz ouge, was
gewendet nâch dem herzen ie,
diu hant ie nâch dem smerzen gie.
si begunden dicke under in zwein
ir ougen unde ir herze in ein
mit blicken sô verstricken,
daz sî sich ûz ir blicken
oft und ze manegen stunden
nie sô verrihten kunden,
marke envünde ie dar inne
den balsemen der minne.
durch daz er nam ir allez war.
sîn ouge daz stuont allez dar.
er sach vil dicke tougen
die wârheit in ir ougen
und anders aber an nihte
niwan an ir gesihte.
daz was sô rehte minneclîch,
sô süeze und alsô senerîch,
daz ez im an sîn herze gie
und solhen zorn dâ von gevie,
solhen nît und solhen haz,
daz er diz unde daz,
zwîvel unde arcwân
allez z'einer hant lie gân.
im haete leit unde zorn
sinne unde mâze verlorn.
ez was sîner sinne ein tôt,
daz sîn herzeliep Îsôt
ieman solte meinen
mit triuwen wan in einen.
wan ime was ie genôte
niht dinges vor Îsôte
und was ie dar an staete.
swaz zornes er haete,
sô was im ie sîn liebez wîp
liep unde lieber dan sîn lîp.
swie liep s'im aber waere,
doch brâhte in disiu swaere
und diz vil tobelîche leit
in alsô grôze tobeheit,
daz er sich es gâr bewac
und niwan an sîme zorne lac.
ern haete niht gegeben ein hâr,
waere ez gelogen oder wâr.
in disem blinden leide
besande er si beide
vür den hof in den palas,
dâ al daz hovegesinde was.
z'Îsôte er offenlîche sprach,
daz al der hof hôrte unde sach:
«mîn vrouwe Îsôt von Îrlant,
liut unde lande ist wol erkant,
wie sêre ir g'arcwaenet sît
nu lange und vor maneger zît
mit mînem neven Tristande.
nu hân ich maneger hande
lâge unde list ûf iuch geleit,
ob ir iuch dirre tumpheit
durch mich woltet mâzen.
nun wellet ir'z niht lâzen.
ine bin niht ein sô tumber man,
ine wizze und sehe iu daz wol an
offenlîche und tougen,
iuwer herze und iuwer ougen
daz diu sint z'allen stunden
ûf mînen neven gebunden.
dem bietet unde erzeiget ir
süezer gebaerde danne mir.
bî der gebaerde erkenne ich mich,
daz er iu lieber ist dan ich.
swaz ich mir huote genime
beidiu hin z'iu und hin ze ime,
dazn mac ze keinen staten gestân.
ez ist allez umbe niht getân,
swie vil ich es getrîbe.
ich hân iuch an dem lîbe
sô dicke gesundert,
daz mich es iemer wundert,
daz ir sô lange und alle zît
des herzen sô gemeine sît.
iuwer süeze blicke
hân ich gescheiden dicke
und enkan doch an iu beiden
der liebe niht gescheiden
und hân iu des ze vil vertragen.
nu wil ich iu daz ende sagen.
ine wil diz laster und diz leit,
daz ir mir habet ûf geleit,
mit solhen arbeiten
mit iu nimêre leiten.
ine lîde dirre unêre
nâch dirre zît nimêre.
ouch enwil ich mich durch dise geschiht
an iu sô sêre rechen niht,
als ich von rehte solte,
ob ich mich rechen wolte.
neve Tristan, mîn vrouwe Îsôt:
daz ich iu beiden den tôt
oder iht herzeleides tuo,
dâ sît ir mir ze liep zuo,
des ich doch vil ungerne gihe.
sît ich nu an iu beiden sihe,
daz ir ein ander alle zît
wider allem mînem willen sît
lieber dan ich iu beiden sî,
sô weset ouch beide ein ander bî,
als iu ze muote gestê.
durch mîne vorhte lât nimê.
sît iuwer liebe sô grôz ist,
sone wil ich iuch nâch dirre vrist
beswaeren noch betwingen
an keinen iuwern dingen.
nemet ein ander an die hant
und rûmet mir hof unde lant.
sol mir leit von iu geschehen,
daz enwil ich hoeren noch sehen.
diu gemeinde under uns drîn
diu enmac niht langer gesîn.
ich wil iuch zwei derbî lân,
ich eine wil dervon gân,
swie ich mich dervon geloese.
disiu gemeinde ist boese.
ich wil ir gerne haben rât.
der künec der wizzentlîche hât
an minnen cumpanîe,
deist michel dorperîe.
vart ir beidiu gote ergeben,
leitet liebe unde leben,
als iu ze muote gestê.
dirre cumpanîe wirt niemê!»
nu diz ergie und diz geschach,
reht alse ez Marke vor gesprach.
Tristan und sîn vrouwe Îsôt
si nigen mit maezlîcher nôt,
mit küelem herzeleide
dem künege ir hêrren beide,
dâ nâch der massenîe.
diu getriuwe cumpanîe
bîhanden sî sich viengen,
ûf den hof sî giengen.
Brangaenen ir gesellîn
die hiezen sî gesunde sîn
und bâten si, daz sî belibe
und dâ ze hove die zît vertribe,
biz s'aber von in vernaeme,
wie in zwein ir dinc kaeme.
daz bevulhen s'ir vil starke.
Tristan nam zweinzic marke
von Îsolde golde
im selben unde Îsolde
z'ir nôtdürfte und z'ir lîpnar.
dar zuo sô brâhte man im dar,
des er zer verte haete gert:
sîne harphen und sîn swert,
sîn pirsarmbrust und sîn horn.
dâ zuo sô haete er ime erkorn
ûz sînen bracken einen
beidiu schoenen unde cleinen
und was der Hiudan genant.
den nam er selbe an sîne hant.
sîn gesinde bat er got bewarn
und hiez si wider ze lande varn
an sînen vater Rûâlen
wan eine Curvenâlen,
den behabete er an sîner schar.
dem bôt er ouch die harphen dar.
daz armbrust er selbe nam,
daz horn unde den hunt alsam,
Hiudanen, niht Petitcreiu.
sus riten sî dan von hove si driu.
Brangaene diu reine
diu beleip alterseine
mit jâmer und mit triure.
diu trûrege âventiure
und daz vil leide scheiden
von ir gevriunden beiden
daz gieng ir sô mit smerzen
und alsô gâr ze herzen,
daz ez ein michel wunder was,
daz sî vor leide genas.
ouch schieden jeniu beide
von ir mit manegem leide,
wan daz si sî dâ durch den list
eine kurzlîche vrist
tweln unde belîben hiezen
und sî bî Marke liezen,
daz sî die suone von in zwein
wider Marken aber trüege in ein.
sus kêrten sî driu under in
allez gegen der wilde hin
über walt und über heide
vil nâch zwô tageweide.
dâ wiste Tristan lange ê wol
in einem wilden berge ein hol,
daz haete er z'einen stunden
von âventiure vunden.
dô was er dâ geriten jagen
und haete in sîn wec dar getragen.
daz selbe hol was wîlent ê
under der heidenischen ê
vor Corinêis jâren,
dô risen dâ hêrren wâren,
gehouwen in den wilden berc.
dar inne haeten s'ir geberc,
so s'ir heinlîche wolten hân
und mit minnen umbe gân.
und swâ der einez vunden wart,
daz was mit êre bespart
und was der Minnen benant:
la fossiure a la gent amant,
daz kiut: der minnenden hol.
der name gehal dem dinge ouch wol.
ouch saget uns diz maere,
diu fossiure waere
sinewel, wît, hôch und ûfreht,
snêwîz, alumbe eben unde sleht.
daz gewelbe daz was obene
geslozzen wol ze lobene.
oben ûf dem slôze ein crône,
diu was vil harte schône
mit gesmîde gezieret,
mit gimmen wol gewieret
und unden was der esterîch
glat unde lûter unde rîch,
von grüenem marmel alse gras.
ein bette in mitten inne was
gesniten schône und reine
ûz cristallînem steine
hôch unde wît, wol ûf erhaben,
alumbe ergraben mit buochstaben,
und seiten ouch die maere,
daz ez bemeinet waere
der gottinne Minne.
zer fossiure oben inne
dâ wâren cleiniu vensterlîn
durch daz lieht gehouwen în,
diu lûhten dâ unde hie.
dâ man ûz und in gie,
dâ gienc ein tür êrîniu vür.
und ûzen stuonden obe der tür
esterîcher linden drî
und obene keiniu mê derbî.
aber umbe und umbe hin ze tal
dâ stuonden boume âne zal,
die dem berge mit ir blate
und mit ir esten bâren schate.
und einhalp was ein pleine,
dâ vlôz ein fonteine,
ein vrischer küeler brunne,
durchlûter als diu sunne.
dâ stuonden ouch drî linden obe,
schoene und ze lobelîchem lobe,
die schirmeten den brunnen
vor regene und vor sunnen.
liehte bluomen, grüene gras,
mit den diu pleine erliuhtet was,
diu criegeten vil suoze in ein.
ietwederez daz schein
daz ander an inwiderstrit.
ouch vant man dâ ze sîner zît
daz schoene vogelgedoene.
daz gedoene was sô schoene
und schoener dâ dan anderswâ.
ouge und ôre haeten dâ
weide unde wunne beide.
daz ouge sîne weide,
daz ôre sîne wunne.
dâ was schate unde sunne,
der luft und die winde
senfte unde linde.
von disem berge und disem hol
sô was ein tageweide wol
velse âne gevilde
und wüeste unde wilde.
dar enwas dekein gelegenheit
an wegen noch stîgen hin geleit.
doch enwas daz ungeverte
des endes nie sô herte,
Tristan enkêrte dar în,
er und sîn trûtgesellîn,
und nâmen ir herberge
in dem velse und in dem berge.
nu daz si sich geliezen nider,
sie sanden Curvenâlen wider,
daz er in den hof jaehe
und swâ es nôt geschaehe,
daz Tristan und diu schoene Îsôt
mit jâmer und mit maneger nôt
hin wider z'Îrlande waeren,
ir unschulde offenbaeren
wider liut und wider lant.
und daz er sich ouch al zehant
da ze hove nider lieze,
swie in Brangaene hieze,
und mit durnehtekeite
der durnehtigen seite,
ir beider vriundinne,
ir vriuntschaft unde ir minne.
und ervüere ouch, waz der maere
umb Markes willen waere.
ob er dekeinen argen rât
dekeiner arclîchen tât
ûf ir leben leite,
daz er in iesâ seite
und daz er ouch genôte
Tristanden unde Îsôte
in sîne trahte naeme
und ie dar wider kaeme
mit sô getânen maeren,
diu rât ze muote baeren,
ie z'einem mâle in zweinzec tagen.
waz mac ich iu nu mê gesagen?
er leiste, daz man ime gebôt.
hie mite was Tristan unde Îsôt
in ein gezogen ze hûse
in dirre wilden clûse.
genuoge nimet hier under
virwitze unde wunder
und habent mit vrâge grôze nôt,
wie sich Tristan unde Îsôt,
die zwêne geverten
in dirre wüeste ernerten.
des wil ich sî berihten,
ir virwitze beslihten.
si sâhen beide ein ander an,
dâ generten si sich van.
der wuocher, den daz ouge bar,
daz was ir zweier lîpnar.
si enâzen niht dar inne
wan muot unde minne.
diu geliebe massenîe
diu was ir mangerîe
in maezlîchen sorgen.
si truogen verborgen
innerthalp der waete
daz beste lîpgeraete,
daz man zer werlde gehaben kan.
daz truoc sich in vergebene an
und ie vrisch unde niuwe:
daz was diu reine triuwe;
diu gebalsemete minne,
diu lîbe unde sinne
als inneclîche sanfte tuot,
diu herze vuoret unde muot.
diu was ir bestiu lîpnar.
deiswâr si nâmen selten war
dekeiner spîse niuwan der,
von der daz herze sîne ger,
daz ouge sîne wunne nam
und ouch dem lîbe rehte kam.
hie mite sô haeten sî genuoc.
in streich diu liebe, ir erbepfluoc,
niwan an iegelîchem trite
und z'iegelîchen stunden mite
und gab in alles des den rât,
des man ze wunschlebene hât.
ouch muote sî daz cleine,
daz s'in der wüeste als eine
und âne liute solten sîn.
nu wes bedorften s'ouch dar în
oder waz solt ieman zuo z'in dar?
si haeten eine gerade schar:
dane was niuwan ein und ein.
haeten s'ieman zuo z'in zwein
an die geraden schar gelesen,
sô waere ir ungerade gewesen
und waeren mit dem ungeraden
sêre überlestet und überladen.
ir zweier geselleschaft
diu was in zwein sô herehaft,
daz der saelige Artûs
nie in dekeinem sînem hûs
sô grôze hôhgezît gewan,
dâ mêre ir lîbe lustes van
und wunne waere enstanden.
man haete in allen landen
dekeine vröude vunden,
die sî zwei zuo den stunden
wolten haben gekouft dar în
umbe ein glesîn vingerlîn.
swaz ieman kunde ertrahten,
ze wunschlebene gahten
in allen landen anderswâ,
daz haeten s'allez bî in dâ.
sine haeten umbe ein bezzer leben
niht eine bône gegeben
wan eine umbe ir êre.
waz solte in ouch dâ mêre?
si haeten hof, si haeten rât,
dar an diu vröude elliu stât:
ir staetez ingesinde
daz was diu grüene linde,
der schate und diu sunne,
diu riviere unde der brunne,
bluomen, gras, loup unde bluot,
daz in den ougen sanfte tuot.
ir dienest was der vogele schal:
diu cleine reine nahtegal,
diu troschel unde daz merlîn
und ander waltvogelîn.
diu zîse und der galander
die dienden wider ein ander
inwette unde inwiderstrît.
diz gesinde diende z'aller zît
ir ôren unde ir sinne.
ir hôhzît was diu minne,
ir vröuden übergulde,
diu brâhte in durch ir hulde
des tages ze tûsent stunden
Artûses tavelrunden
und alle ir massenîe dar.
waz solte in bezzer lîpnar
ze muote oder ze lîbe?
dâ was doch man bî wîbe,
sô was ouch wîp bî manne:
wes bedorften si danne?
si haeten daz si solten,
und wâren dâ si wolten.
nu trîbent aber genuoge
ir maere und ir unvuoge,
des ich doch niht gevolgen wil:
si jehent, ze sus getânem spil
dâ gehoere ouch ander spîse zuo.
da enweiz ich rehte, weder ez tuo.
es dunket mich genuoc hier an.
ist aber anders ieman,
der bezzeren lîprât
an disem lebene erkunnet hât,
der jehe, als erz erkenne.
ich treib ouch eteswenne
alsus getâne lebesite.
dô dûhte es mich genuoc dermite.
nune sol iuch niht verdriezen,
ir enlât iu daz entsliezen,
durch welher slahte meine
diu fossiure in dem steine
betihtet waere, als si was.
si was, als ich iezuo dâ las,
sinewel, wît, hôch und ûfreht,
snêwîz, alumbe eben unde sleht.
diu sinewelle binnen
daz ist einvalte an minnen.
einvalte zimet der minne wol,
diu âne winkel wesen sol.
der winkel, der an minnen ist,
daz ist âkust unde list.
diu wîte deist der minnen craft,
wan ir craft ist unendehaft.
diu hoehe deist der hôhe muot,
der sich ûf in diu wolken tuot.
dem ist ouch nihtes ze vil,
die wîle er sich gehaben wil
hin ûf, dâ sich der tugende gôz
ze samene welbet an ein slôz.
so gevaelet ouch daz niemer,
die tugende dien sîn iemer
gesteinet unde gewieret,
mit lobe alsô gezieret,
daz wir, die nidere sîn gemuot,
der muot sich allez nider tuot
und an dem esterîche swebet,
der weder swebet noch enclebet:
wir kapfen allez wider berc
und schouwen oben an daz werc,
daz an ir tugenden dâ stât,
daz von ir lobe her nider gât,
die ob uns in den wolken swebent
und uns ir schîn her nider gebent:
die kapfe wir ze wunder an.
hie wahsent uns die vedern van,
von den der muot in vlücke wirt,
vliegende lob nâch tugenden birt.
diu want was wîz, eben unde sleht.
daz ist der durnehte reht:
der wîze und ir einbaere schîn
dern sol niht missemâlet sîn.
an ir sol ouch kein arcwân
weder bühel noch gruobe hân.
der marmelîne esterîch
der ist der staete gelîch
an der grüene und an der veste.
diu meine ist ime diu beste
von varwe und von slehte.
diu staete sol ze rehte
ingrüene sîn reht alse gras,
glat unde lûter alse glas.
daz bette inmitten inne
der cristallînen minne,
daz was vil rehte ir namen benant.
er haete ir reht vil rehte erkant,
der ir die cristallen sneit
z'ir legere und z'ir gelegenheit.
diu minne sol ouch cristallîn,
durchsihtic und durchlûter sîn.
innen an der êrînen tür
dâ giengen zwêne rigele vür.
ein valle was ouch innen
mit kündeclîchen sinnen
hin ûz geleitet durch die want,
aldâ s'ouch Tristan dâ vant.
die meisterte ein heftelîn,
daz gie von ûzen dar în
und leite si dar unde dan.
noch slôz noch slüzzel was dar an
und wil iu sagen umbe waz.
dane was niht slôzes umbe daz:
swaz man gerüstes vür die tür
(ich meine ûzerhalp dervür)
ze rûme oder ze slôze leit,
daz tiutet allez valscheit.
wan swer zer Minnen tür în gât,
den man von innen niht în lât,
daz enist der minnen niht gezalt,
wan daz ist valsch oder gewalt.
durch daz ist dâ der Minnen tor,
diu êrîne tür vor,
die nieman kan gewinnen,
ern gewinne sî mit minnen.
ouch ist si durch daz êrîn,
daz kein gerüste müge gesîn
weder von gewalte noch von craft,
von liste noch von meisterschaft,
von valscheite noch von lüge,
dâ mite man sî verscherten müge.
und innen ietweder rigel,
ietweder minnen insigel
daz was zem andern gewant
ietwederhalben an der want.
und was der einez cêderîn,
daz ander helfenbeinîn.
nu vernemet die tiute ir bêder:
daz eine insigel der cêder
daz meinet an der minne
die wîsheit und die sinne;
daz von dem helfenbeine
die kiusche und die reine.
mit disen zwein insigelen,
mit disen reinen rigelen
sô ist der Minnen hûs bewart,
valsch unde gewalte vor bespart.
daz tougenlîche heftelîn,
daz von ûzen hin în
zer vallen was geleitet hin,
daz was ein spinele von zin.
diu valle was von golde,
als sî ze rehte solde:
valle unde haft, diz unde daz,
diu enmohten beidiu niemer baz
an ir eigenschaft sîn brâht.
daz zin daz ist diu guote andâht
ze tougenlîchem dinge.
daz golt daz ist diu linge.
zin unde golt sint wol hier an.
sîn andâht mag ein ieclîch man
nâch sînem willen leiten,
smalen oder breiten,
kürzen oder lengen,
vrîen oder twengen
sus oder sô, her oder hin
mit lîhter arbeit alse zin
und ist dâ lützel schaden an.
swer aber mit rehter güete kan
ze minnen wesen gedanchaft,
den treit binamen dirre haft
von zine, dem swachen dinge,
ze guldîner linge
und ze lieber âventiure.
obene in die fossiure
dâ wâren niwan driu vensterlîn
schône unde tougenlîchen în
gehouwen durch den ganzen stein,
dâ diu sunne hin în schein.
der einez ist diu güete,
daz ander diemüete,
daz dritte zuht. ze disen drîn
dâ lachet in der süeze schîn,
diu saelige gleste,
êre, aller liehte beste
und erliuhtet die fossiure
werltlîcher âventiure.
ouch hât ez guote meine,
daz diu fossiure als eine
in dirre wüesten wilde lac,
daz man dem wol gelîchen mac,
daz minne und ir gelegenheit
niht ûf die strâze sint geleit
noch an dekein gevilde:
si lôschet in der wilde,
z'ir clûse ist daz geverte
arbeitsam unde herte.
die berge ligent dar umbe
in maneger swaeren crumbe
verirret hin unde wider.
die stîge sint ûf unde nider
uns marteraeren allen
mit velsen sô vervallen.
wir engân dem pfade vil rehte mite,
verstôze wir an eime trite,
wir enkomen niemer mêre
ze guoter widerkêre.
swer aber sô saelic mac gesîn,
daz er zer wilde kumet hin în,
der selbe hât sîn arbeit
vil saeleclîchen an geleit.
der vindet dâ des herzen spil.
swaz sô daz ôre hoeren wil
und swaz dem ougen lieben sol,
des alles ist diu wilde vol.
sô waere er ungern anderswâ.
diz weiz ich wol, wan ich was dâ.
ich hân ouch in der wilde
dem vogele unde dem wilde,
dem hirze unde dem tiere
über manege waltriviere
gevolget unde nâch gezogen
und aber die stunde alsô betrogen,
daz ich den bast noch nie gesach.
mîn arbeit und mîn ungemach
daz was âne âventiure:
ich vant an der fossiure
den haft und sach die vallen.
ich bin ze der cristallen
ouch under stunden geweten.
ich hân den reien getreten
dicke dar und ofte dan.
ine geruowet aber nie dar an.
und aber den esterîch dâ bî,
swie herte marmelîn er sî,
den hân ich sô mit triten zebert:
haet in diu grüene niht ernert,
an der sîn meistiu tugent lît,
von der er wahset alle zît,
man spurte wol dar inne
diu wâren spor der minne.
ouch hân ich an die liehten want
mîner ougen weide vil gewant
und hân mich oben an daz gôz,
an daz gewelbe und an daz slôz
mit blicken vil gevlizzen,
mîner ougen vil verslizzen
an der gezierde dar obe,
diu sô gestirnet ist mit lobe.
diu sunnebernde vensterlîn,
diu habent mir in daz herze mîn
ir gleste dicke gesant.
ich hân die fossiure erkant
sît mînen eilif jâren ie
und enkam ze Curnewâle nie.
diu getriuwe massenîe,
Tristan und sîn amîe
si haeten in der wilde
ze walde und ze gevilde
ir muoze und ir unmuoze
besetzet harte suoze.
si wâren z'allen zîten
ein ander an der sîten.
des morgens in dem touwe
sô slîchen sî zer ouwe,
dâ beide bluomen unde gras
mit dem touwe erküelet was.
diu küele prâerîe
was danne ir banekîe.
dâ giengen si her unde hin
ir maere sagende under in
und loseten mit dem gange
dem süezen vogelsange.
sô danne nâmen s'ainen swanc,
hin dâ der küele brunne clanc,
und loseten sînem clange,
sînem sliche und sînem gange.
dâ er hin ûf die plaine gie,
dâ gesâzen sî durch ruowen ie,
dâ loseten sî dem duzze
und warteten dem vluzze
und was daz aber ir wunne.
als aber diu liehte sunne
ûf begunde stîgen,
diu hitze nider sîgen,
sô giengen sî zer linden
nâch den linden winden,
diu bar in aber danne lust
ûzen und innerthalp der brust.
si ervröuweten ouge unde sin:
diu süeze linde süezet in
luft unde schate mit ir blate.
die winde wâren von ir schate
süeze, linde, küele.
der linden gestüele
daz was von bluomen und von grase
der baz gemâlete wase,
den ie linde gewan.
dâ sâzen si z'ein ander an
die getriuwen senedaere
und triben ir senemaere
von den, die vor ir jâren
von sene verdorben wâren.
si beredeten unde besageten,
si betrûreten unde beclageten,
daz Villîse von Trâze,
daz der armen Canâze
in der minnen namen geschach;
daz Biblîse ir herze brach
durch ir bruoder minne.
daz ez der küniginne
von Tîre und von Sidône,
der seneden Didône
durch sene sô jaemerlîche ergie.
mit solhen maeren wâren s'ie
unmüezic eteswenne.
so s'aber der maere denne
vergezzen wolten under in,
sô slichen s'in ir clûse hin
und nâmen aber ze handen,
dar an s'ir lust erkanden,
und liezen danne clingen
ir harphen unde ir singen
senelîchen unde suoze.
si wehselten unmuoze
mit handen und mit zungen.
si harpheten, si sungen
leiche unde noten der minne.
si wandelten dar inne
ir wunnenspil, swie sî gezam.
sweder ir die harphen genam,
sô was des anderen site,
daz ez diu notelîn dermite
suoze unde senelîche sanc.
ouch lûtete ietweder clanc
der harphen unde der zungen,
so s'in ein ander clungen,
sô suoze dar inne,
als ez der süezen Minne
wol z'einer clûse wart benant:
la fossiure a la gent amant.
swaz aber von der fossiure
von alter âventiure
vor hin ie was bemaeret,
daz wart an in bewaeret.
diu wâre wirtinne
diu haete sich dar inne
alrêrste an ir spil verlân.
swaz ê dar inne ie wart getân
von kurzewîle oder von spil,
dazn lief niht ze disem zil.
ezn was niht von meine
sô lûter noch sô reine,
als ir spil was under in.
si triben der minne ir stunde hin
sô wol sô nie gelieben baz.
sine tâten niht wan allez daz,
dâ si daz herze zuo getruoc.
der kurzewîle was genuoc,
der s'in dem tage begunden.
si riten under stunden,
sô si des geluste,
mit dem armbruste
pirsen in die wilde
nâch vogelen und nâch wilde
unde ouch z'eteslîchen tagen
nâch dem rôten wilde jagen
mit Hiudane ir hunde,
der dannoch niene kunde
unlûtes loufen sus noch sô.
in haete Tristan aber dô
gelêret harte schiere
nâch dem hirze und nâch dem tiere,
nâch aller slahte wilde
durch walt und durch gevilde
ze wunsche loufen ûf der vart,
sô daz er niemer lût wart.
mit dem vertriben si manegen tac,
niht durch dekeinen den bejac,
der an solhen dingen lît,
niuwan durch die kurzen zît,
die man hie mite haben sol.
si üebeten, daz weiz ich wol,
den bracken unde daz armbrust
mê durch ir herzen gelust
und durch ir banekîe
danne durch mangerîe.
ir geschepfede unde ir pflege
was alle zît und alle wege
niht anders wan des sî gezam
und in ze muote rehte kam.
under diu dô diz geschach,
sô haete ie michel ungemach
der trûrige Marke.
er trûrete starke
umbe sîn êre und umb sîn wîp.
im begunde muot unde lîp
von tage ze tage swaeren,
êre unde guot unmaeren.
sus gereit er in den selben tagen
in disen selben walt jagen
und mê durch sîne triure
dan durch kein âventiure.
nu sî zem walde kâmen,
die jegere ir hunde nâmen
und vunden eine trünne stân.
dâ begunden s'in ze ruore lân.
und an der selben stunde
so geschieden die hunde
einen vremeden hirz hin dane,
der was reht alse ein ors gemane,
starc unde michel unde blanc,
daz gehürne cleine unde unlanc,
vil kûme wider entworfen,
als er ez hin geworfen
haet in unlanger zîte.
den jageten si ze strîte
und mit gewalte under in
unz vaste vür den âbent hin.
dô verstiezen s'an der vart,
alsô daz in der hirz entwart
und sîne vluht hin wider genam,
von dannen er ouch dar kam,
hin dâ diu fossiure was.
al dar gevlôh er unde genas.
nu muote Marken sêre,
die jegere michel mêre,
daz in zem hirze alsô geschach,
dô man in alse vremeden sach
beide an der varwe und an der mane.
si haeten alle unmuot davane.
hie mite lâsen s'ir hunde wider
und liezen sich die naht dâ nider,
wan in was allen ruowe nôt.
nu haete ouch Tristan unde Îsôt
den tac allen wol vernomen
den schal, der in den walt was komen
von gehürne und ouch von hunden
und dâhten an den stunden,
daz ez niuwan Marke waere.
des wart ir herze swaere.
ir beider angest was iesâ,
si waeren ime vermaeret dâ.
des anderen tages vruo
nu vuor der jegermeister zuo,
ê danne er kür daz morgenrôt.
sînen undertânen er gebôt,
daz si dâ wol betageten
und danne nâch im jageten.
an ein leitseil er nam
einen bracken, der im rehte kam,
und brâhte den reht ûf die vart.
der leite in allez hinewart
über manic ungeverte,
über velse und über herte,
über dürre und über gras,
dâ ime der hirz des nahtes was
gestrichen unde gevlohen vor.
dem volgete er reht ûf dem spor,
biz daz diu enge ein ende nam
und diu sunne wol ûf kam.
dô was er zer fontaine
ûf Tristandes plaine.
des selben morgens was Tristan
und sîn gespil geslichen dan
bihanden gevangen
und kâmen hin gegangen
vil vruo und in dem touwe
ûf die gebluoten ouwe
und ûf daz wunneclîche tal.
galander unde nahtegal
die begunden organieren,
ir gesinde salûieren.
si gruozten ie genôte
Tristanden unde Îsôte.
diu wilden waltvogelîn
hiezen si willekomen sîn
vil suoze in ir latîne.
mangem süezem vogelîne
dem wâren sî dâ willekomen.
si haeten sich alle an genomen
eine wunneclîche unmuoze
den gelieben zwein ze gruoze:
si sungen von dem rîse
ir wunne bernde wîse
in maneger anderunge.
dâ was manc süeziu zunge,
diu dâ schantoit und discantoit
ir schanzûne und ir refloit
den gelieben z'einer wunne.
si enpfie der küele brunne,
der gegen ir ougen schône enspranc
und schôner in ir ôren clanc
und rûnende allez gegen in gie
und si mit sîner rûne enpfie.
er rûnete suoze
den gelieben ze gruoze.
si gruozten ouch die linden
mit ir vil süezen winden.
die vröuten s'ûze und innen
an ôren unde an sinnen.
der boume flôrîe,
diu liehte prâerîe,
die bluomen, daz ingrüene gras
und allez daz dâ blüende was,
daz lachete allez gegen in.
ouch gruozte sî her unde hin
der tou mit sîner süeze,
der küelete in ir vüeze
und was ir herzen gemach.
und alse des genuoc geschach,
si slîchen wider in ir stein
und wurden under in in ein,
wie sî der zît getaeten.
wan sî des angest haeten
und vorhten, alse ez ouch ergie,
daz eteswer und eteswie
dar von den hunden kaeme,
ir tougen dâ vernaeme.
hier über vant Tristan einen sin.
dar an gevielen s'under in.
si giengen an ir bette wider
und leiten sich dâ wider nider
von ein ander wol hin dan
reht alse man unde man,
niht alse man unde wîp.
dâ lac lîp unde lîp
in vremeder gelegenheit.
ouch haete Tristan geleit
sîn swert bar enzwischen sî.
hin dan lac er, her dan lac sî.
si lâgen sunder, ein und ein.
alsus entsliefen s'under in zwein.
der jeger, von dem ich nu las,
der zuo dem brunnen komen was,
der spurte in dem touwe,
dâ Tristan und sîn vrouwe
vor ime geslichen wâren hin.
hie mite sô kam er an den sin,
ez waere niwan des hirzes trat.
er erbeizete und trat ûf den pfat
und volgete dem selben spor,
daz s'ime haeten getreten vor
biz hin an der fossiuren tür.
dâ giengen zwêne rigele vür.
ern mohte dâ niht vürbaz komen.
nu ime der wec dâ was benomen,
er versuohte ez an die crumbe
und gienc alumbe und umbe
und vant von âventiure
obene an der fossiure
ein tougenlîchez vensterlîn.
dâ luogete er mit vorhten în
und gesach zehant dar inne
daz gesinde der minne:
niwan ein wîp und einen man.
die sach er ouch ze wunder an.
wan in dûhte an dem wîbe,
daz nie von wîbes lîbe
kein crêatiure als ûz erkorn
ze dirre werlde würde geborn.
iedoch sach er unlange dar.
wan iesâ dô er wart gewar,
daz daz swert sô bar dâ lac,
er tete sich dannen unde erschrac.
ez dûhte in angestbaere.
er dâhte, daz ez waere
etswaz von wilden dingen.
diz begunde im vorhte bringen.
er kêrte den vels wider nider
und reit hin gegen den hunden wider.
nu haete sich ouch Marke
vor den jegeren starke
ûf sîner verte vür genomen
und was îlende ûf in komen.
«seht» sprach der wildenaere
«künec hêrre, ich sage iu maere:
ich hân an disen stunden
schoene âventiure vunden.»
«sag an, waz âventiure?»
«eine minnen fossiure.»
«wâ vünde dû die oder wie?»
«hêrre, in dirre wilde alhie.»
«in dirre wüesten wilde?» «jâ.»
«ist aber ieman lebender dâ?»
«jâ hêrre, dâ ist inne
ein man und ein gotinne.
diu ligent an einem bette
und slâfent alse inwette.
der man ist alse ein ander man.
mîn zwîvel ist aber dar an,
sîn geslâfe dâ bî
daz der ein mensche sî.
der ist schoener danne ein feine.
von vleische noch von beine
enkunde niht gewerden
sô schoenes ûf der erden.
und ine weiz durch welhen sin,
ein swert daz lît dâ zwischen in
schoene unde lûter unde bar.»
der künic sprach: «wîse mich dar!»
der jegermeister vuorte in dan
die wilde wider ûf sîne ban
biz hin dâ er erbeizet was.
der künec erbeizete ûf daz gras
und streich ûf an sînen pfat.
der jeger der habete an der stat.
nu Marke der kam hin zer tür.
er lie si stân und kêrte vür
und ûzen an dem steine
und an des steines cleine
dâ nam er manege kêre
nâch des jegeres lêre
und vant ouch er ein vensterlîn.
er lie sîn ouge dar în
nâch liebe und nâch leide.
diu sach er ouch dâ beide
in der cristallen ligen enbor
und sliefen dannoch als dâ vor.
er vant si, alse ouch jener vant,
wol von ein ander gewant,
daz eine her, daz ander hin,
daz bare swert enzwischen in.
er erkante neven unde wîp.
sîn herze in ime und al sîn lîp
erkaltete vor leide
und ouch vor liebe beide.
diu verre gelegenheit
diu was im liep unde leit.
liep meine ich von dem wâne,
si waeren valsches âne.
leit meine ich, daz er sichs versach.
in sînem herzen er sprach:
«genaedeclîcher trehtîn,
waz mag an disen dingen sîn?
ist iht des under disen geschehen,
des ich mich lange hân versehen,
wie ligent s'alsus danne?
wîp sol doch liebem manne
under armen z'allen zîten
cleben an der sîten.
wie ligent dise gelieben sô?»
wider sich sô sprach er aber dô:
«ist noch an disen dingen iht?
weder ist hie schulde oder niht?»
hie mite was aber der zwîvel dâ.
«schulde?» sprach er «triuwen jâ.»
«vschulde?» sprach er «triuwen nein.»
diz treib er an mit disen zwein,
biz aber der wegelôse man
marke zwîvelen began
umbe ir zweier minne.
minne diu süenaerinne
diu kam dâ zuo geslichen,
gestreichet unde gestrichen
ze wunderlîchem vlîze.
si truoc ûf daz wîze
geverwet under ougen
daz guldîne lougen,
ir allerbeste varwe: nein.
daz wort daz lûhte unde schein
dem künege in sîn herze.
der ander sîn smerze,
daz wort, daz ungenaeme jâ
dazn sach Marke niender dâ.
daz was mitalle hin getân,
dane was zwîvel noch wân.
der minnen übergulde,
diu guldîne unschulde,
diu zôch im ougen unde sin
mit ir gespenstikeite hin,
hin dâ der ôsterlîche tac
aller sîner vröude lac.
er schouwete ie genôte
sînes herzen wunne Îsôte,
diun gedûhtin ouch dâ vor und ê
nie sô rehte schoene mê.
ine weiz von welher arbeit
diz maere spellet unde seit,
von der si erhitzet solte sîn,
und lûhte ir varwe unde ir schin
als suoze und alse lôse
als ein gemischet rôse
hin ûf allez wider den man.
ir munt der viurete unde bran
rehte alse ein glüejender kol.
jâ ich erkenne mich nu wol,
waz dirre arbeite was.
Îsôt was, alse ich iezuo las,
des morgens in dem touwe
geslichen zuo der ouwe
und was dâ von enbrunnen.
sô gieng ouch von der sunnen
ein cleinez straemelîn dar în,
daz gleste ir ûf ir hiufelîn,
ûf ir kinne und ûf ir munt.
zwô schoene haeten an der stunt
ein spil gemachet under in zwein.
dâ schein lieht unde lieht in ein.
diu sunne und diu sunne
die haeten eine wunne
und eine hôhzît dar geleit
Îsôte z'einer saelekeit:
ir kinne, ir munt, ir varwe, ir lîch
daz was sô rehte wunneclîch,
sô lieplîch und sô muotsam,
daz ir Marken gezam.
in gelangete unde geluste,
daz er si gerne kuste.
minne diu warf ir vlammen an,
minne envlammete den man
mit der schoene ir lîbes.
diu schoene des wîbes
diu spuon im sîne sinne
z'ir lîbe und z'ir minne.
sîn ouge stuont im allez dar.
er nam vil inneclîche war,
wie schône ir ûz der waete schein
ir kele unde ir brustbein,
ir arme unde ir hende.
si haete âne gebende
ein schapel ûfe von clê:
sine gedûhte ir hêrren nie mê
sô lustic und sô lustsam.
nu er der sunnen war genam,
diu von obene durch den stein
ûf ir antlütze schein,
er vorhte, ez waere ir an ir lîch
schade unde schedelîch.
er nam gras, bluomen unde loup,
daz venster er dermite verschoup
und bôt der schoenen sînen segen.
er bat ir got den guoten pflegen
und schiet er weinende dan.
alse ein trûreger man
kêrte er ze sînen hunden wider.
er leite sîn gejegede nider.
er hiez an den stunden
die jegere mit den hunden
wider ze hûse kêren hin.
daz tete er aber durch den sin,
daz nieman anders kaeme dar,
der ir dâ würde gewar.
sô schiere was der künec niht dan,
Îsôt erwachete und Tristan.
nu sî begunden umbe sehen
und nâch dem sunnen schîne spehen,
done schein diu sunne niht dar în
niwan durch zwei vensterlîn.
nu nâmen sî des dritten war
und alse in daz niht liehtes bar,
des wunderte si sêre.
nune biten s'ouch nimêre.
si stuonden ûf beide under ein
und giengen ûzen an den stein.
loup unde bluomen unde gras,
daz vor dem vensterlîne was,
daz selbe vunden s'ouch zehant.
ouch spurten sî zwei durch den sant
ûf der fossiure unde dervor
mannes trite und mannes spor
beidiu dar unde dan.
dâ erschrâken si van
und ervorhten ez starke.
si dâhten sâ, daz Marke
eteswie waere komen dar
und waere ir worden gewar.
der wân der was in vür geleit.
dekeine gewisheit
die enhaeten si dar an niht.
doch was ir meistiu zuoversiht,
swer sî dâ haete vunden,
daz er si zuo den stunden
sô von ein ander gewant
und in der wîse ligende vant.
der künec iesa besande
ze hove und in dem lande
sînen rât und sîne mâge
durch rât und durch râtvrâge.
er seite in unde tete in kunt,
als ich iu seite an dirre stunt,
wie er si vunden haete,
und jach, daz er untaete
von Tristande unde Îsolde
niemer gelouben wolde.
sîn rât enstuont sich al zehant,
wie sîn wille was gewant
und daz sîn rede sô was getân,
daz er si wider wolte hân.
si rieten, als die wîsen tuont,
dâ nâch als ime daz herze stuont
und alse er selbe wolde:
daz er sîn wîp Îsolde
und sînen neven besande,
sît er dâ niht erkande,
daz wider den êren waere,
und niemer boeser maere
von in genaeme keine war.
man besande Curvenâlen dar
und wart der hin z'in beiden
z'einem boten bescheiden,
wan er ir dinc erkande.
der künec enbôt Tristande
und ouch der küniginne
sîne hulde und sîne minne
und daz si wider kaemen
und niemer war genaemen
dekeines arges wider in.
Curvenal der kêrte hin
und seite in beiden Markes muot.
daz dûhte die gelieben guot
und wurden in ir herzen vrô.
die vröude haeten s'aber dô
vil harter unde mêre
durch got und durch ir êre
dan durch iht anders, daz ie wart:
si kêrten wider ûf ir vart
an ir hêrschaft als ê.
sine wurden aber niemer mê
in allen ir jâren
sô heinlîch, sô s'ê wâren,
nochn gewunnen nie z'ir vröuden sît
sô guote state sô vor der zît.
iedoch was aber Marke,
hof unde gesinde starke
gevlizzen an ir êre.
sine wâren aber nie mêre
vrîlîch und offenbaere.
marke der zwîvelaere
gebôt und bat genôte
Tristanden unde Îsôte,
daz sî durch got und ouch durch in
ir vuoge haeten under in
und die vil süezen stricke
ir inneclîchen blicke
vermiten und verbaeren
und niht sô heinlîch waeren
noch sô gemeine ir rede als ê.
diz gebot tet den gelieben wê.
marke der was aber dô vrô.
ze vröuden haete er aber dô
an sînem wîbe Îsolde,
swaz sô sîn herze wolde,
niht z'êren, wan ze lîbe:
ern haete an sînem wîbe
noch minne noch meine
noch al der êren keine,
die got ie gewerden liez,
wan daz s'in sînem namen hiez
ein vrouwe unde ein künigîn
dâ, dâ er künic solte sîn.
diz nam er allez vür guot
und truog ir allez holden muot,
als er ir vil liep waere.
diz was diu alwaere,
diu herzelôse blintheit,
von der ein sprichwort dâ seit:
«diu blintheit der minne
diu blendet ûze und inne.»
si blendet ougen unde sin.
daz si wol sehent under in,
des enwellent si niht sehen.
alsô was Marke geschehen.
der wiste ez wârez alse den tôt
und sach wol, daz sîn wîp Îsôt
ir herzen unde ir sinne
an Tristandes minne
mitalle was vervlizzen.
und enwolte es doch niht wizzen.
wem mac man nu die schulde geben
umbe daz êrlôse leben,
daz er sus mit ir haete?
wan zwâre er missetaete,
der ez Îsôte seite
ze keiner trügeheite:
weder sî entrouc in noch Tristan.
er sach ez doch mit ougen an
und wiste es ungesehen genuoc,
daz s'ime dekeine liebe truoc
und was si'm doch liep über daz.
«war umbe, hêrre, und umbe waz
truog er ir inneclîchen muot?»
dar umbe ez hiute maneger tuot:
geluste unde gelange
der lîdet vil ange,
daz ime ze lîdene geschiht.
ahî, waz man ir noch hiute siht
der Marke und der Îsolde,
ob man'z bereden solde,
die blinder oder alse blint
ir herzen unde ir ougen sint!
irn ist niht dekeiner,
ir ist maniger und einer
an blintheit sô vervlizzen,
ern wil des niht gewizzen,
daz ime lît an den ougen,
und hât daz vür ein lougen,
daz er wol weiz und daz er siht.
wer mac im dirre blintheit iht?
welle wir den billîch schouwen,
sone sulen wir den vrouwen
dekeine schulde geben hier an.
si sint unschuldic wider die man,
sô sî si mit ougen sehen lânt,
swaz si gewerbent oder begânt.
swâ man die schulde gesiht,
da enist man von dem wîbe niht
weder überkerget noch betrogen.
dâ hât geluste gezogen
den nacken vür diu ougen.
gelange der ist daz lougen,
daz al der werlde und alle zît
in wol gesehenden ougen lît.
swaz man von blintheit geseit,
sone blendet dekein blintheit
als anclîch unde als ange
so geluste unde gelange.
swie wir'z verswîgende sîn,
ez ist doch wâr ein wortelîn:
«schoene daz ist hoene.»
diu wunderlîche schoene
der blüejenden Îsôte
diu blante ie genôte
marken ûze und innen
an ougen unde an sinnen.
ern kunde niht an ir gesehen,
des er ir z'arge wolte jehen.
und swaz er an ir weste,
daz was daz allerbeste.
daz aber diu rede beslozzen sî:
er was ir alse gerne bî,
daz er ez allez übersach,
swaz leides ime von ir geschach.
swaz in dem herzen alle zît
versigelt unde beslozzen lît,
deist müelîch ze verberne.
man üebet vil gerne,
daz die gedanken anget.
daz ouge daz hanget
vil gerne an sîner weide.
herze und ouge beide
diu weident vil oft an die vart,
an der ir beider vröude ie wart.
und swer in daz spil leiden wil,
weiz got der liebet in daz spil.
sô man s'ie harter dannen nimet,
sô si des spiles ie mê gezimet
und sô s'ie harter clebent an.
alsam tet Îsôt und Tristan:
al zehant dô daz geschach,
daz in ir wunne und ir gemach
sô mit der huote vor bespart
sô mit verbote benomen wart,
dô was in ande und ange.
der gespenstige gelange
der tete in allerêrste wê,
wê unde maneges wirs dan ê.
in was dô zuo z'ein ander
vil anger und vil ander,
dan in dâ vor ie würde.
diu bercswaere bürde
der verwâzenen huote
diu lac in in ir muote
swaere alse ein blîgîner berc.
diu huote daz vertâne antwerc,
diu vîndin der minne,
diu nam in alle ir sinne.
und aber binamen Îsôte
der was ande unde nôte.
Tristandes vremede was ir tôt.
sô ir ir hêrre ie mê verbôt
die heinlîche wider in,
sô ir gedanke unde ir sin
ie harter an in was begraben.
diz muoz man ouch an huote haben:
diu huote vuoret unde birt,
dâ man si vuorende wirt,
niwan den hagen unde den dorn.
daz ist der angende zorn,
der lop und êre sêret
und manic wîp entêret,
diu vil gerne êre haete,
ob man ir rehte taete.
als man ir danne unrehte tuot,
sô swâret ir êre unde muot.
sus verkêret si diu huote
an êren unde an muote.
und doch swar manz getrîbe,
huote ist verlorn an wîbe,
dar umbe daz dekein man
der übelen niht gehüeten kan.
der guoten darf man hüeten niht,
sie hüetet selbe, als man giht.
und swer ir hüetet über daz,
entriuwen der ist ir gehaz.
der wil daz wîp verkêren
an lîbe und an den êren
und waetlîch alsô sêre,
daz sî sich niemer mêre
sô verrihtet an ir site,
irn hafte iemer eteswaz mite
des, daz der hagen hât getragen:
wan iesâ sô der sûre hagen
in alsô süezem grunde
gewurzet z'einer stunde,
man wüestet in unsanfter dâ
dan in der dürre und anderswâ.
ich weiz wol, daz der guote muot,
der dem sô lange unrehte tuot,
biz er mit übele unvrühtic wirt,
daz der noch erger übel birt,
dan der ie übel ist gewesen.
deist wâr, wan daz hân ich gelesen.
durch daz sô sol ein wîse man
oder swer dem wîbe ir êren gan,
wider ir guotem muote
dekeine ander huote
z'ir tougenheite kêren
wan wîsen unde lêren,
zarten unde güeten.
dâ mite sol er ir hüeten.
und wizze waerlîche daz:
ern gehüetet niemer baz.
wan sî sî übel oder guot,
der ir ze dicke unrehte tuot,
si gevâhet lîhte ein muotelîn,
des man gern âne wolte sîn.
jâ sol ein ieclîch biderbe man
und der ie mannes muot gewan,
getrûwen sînem wîbe
und ouch sîn selbes lîbe,
daz s'aller slahte unmâze
durch sîne liebe lâze.
swie dicke mans beginne,
dem wîbe enmac ir minne
nieman ûz ertwingen
mit übelîchen dingen.
man leschet minne wol dermite.
huote ist ein übel minnen site.
si quicket schedelîchen zorn.
daz wîp ist gâr dermite verlorn.
der ouch verbieten möhte lân,
ich waene, ez waere wol getân.
daz birt an wîben manegen spot.
man tuot der manegez durch verbot,
daz man ez gâr verbaere,
ob ez unverboten waere.
der selbe distel unde der dorn
weiz got der ist in an geborn.
die vrouwen, die der arte sint,
die sint ir muoter Êven kint.
diu brach daz êrste verbot.
ir erloubete unser hêrre got
obez, bluomen unde gras,
swaz in dem paradîse was,
daz sî dâ mite taete,
swie sô si willen haete,
wan einez daz er ir verbôt
an ir leben und an ir tôt.
die pfaffen sagent uns maere,
daz ez diu vîge waere.
daz brach si und brach gotes gebot
und verlôs sich selben unde got.
ez ist ouch noch mîn vester wân:
Êve enhaetez nie getân
und enwaere ez ir verboten nie.
ir êrste werc, daz s'ie begie,
dar an sô bûwete s'ir art
und tete, daz ir verboten wart.
swer sich aber der dinge enstât,
sô haete es Êve guoten rât
umbe daz obez daz eine.
si haete doch gemeine
diu anderen alle
nâch allem ir gevalle
und enwolte ir keinez niuwan daz,
dar an s'ouch alle ir êre gaz.
sus sint ez allez Êven kint,
die nâch der Êven g'êvet sint.
hî, der verbieten künde,
waz er der Êven vünde
noch hiutes tages, die durch verbot
sich selben liezen unde got!
und sît in daz von arte kumet
und ez diu natiure an in vrumet,
diu sich es danne enthaben kan,
dâ lît vil lobes und êren an.
wan swelh wîp tugendet wider ir art,
diu gerne wider ir art bewart
ir lop, ir êre unde ir lîp,
diu ist niwan mit namen ein wîp
und ist ein man mit muote.
der sol man ouch ze guote,
ze lobe unde z'êren
alle ir sache kêren.
swâ sô daz wîp ir wîpheit
unde ir herze von ir leit
und herzet sich mit manne,
dâ honiget diu tanne,
dâ balsemet der scherlinc,
der nezzelen ursprinc
der rôset ob der erden.
waz mac ouch iemer werden
sô reines an dem wîbe,
sô daz si wider ir lîbe
mit ir êren vehte
nâch ietweders rehte
des lîbes unde der êren!
si sol den kampf sô kêren,
daz sî den beiden rehte tuo
und sehe ietwederm alsô zuo,
daz daz ander dâ bî
von ir iht versûmet sî.
ezn ist niht ein biderbe wîp,
diu ir êre durch ir lîp,
ir lîp durch ir êre lât,
sô guote state sô sî des hât,
daz sî si beidiu behabe.
engê noch dem noch disem abe,
behalte sî beide
mit liebe und mit leide,
swie sô si'z ane gevalle.
weiz got si müezen alle
stîgen in ir werdekeit
mit micheler arbeit.
bevelhe unde lâze
ir leben an die mâze.
dâ besetze ir sinne mite,
dâ ziere mite lîp unde site.
mâze diu hêre
diu hêret lîp und êre.
ezn ist al der dinge kein,
der ie diu sunne beschein,
sô rehte saelic sô daz wîp,
diu ir leben unde ir lîp
an die mâze verlât,
sich selben rehte liebe hât.
und al die wîle und al die vrist,
daz sî ir selber liep ist,
sô ist der billîch ouch derbî,
daz s'al der werlde liep sî.
ein wîp, diu wider ir lîbe tuot,
diu sô gesetzet ir muot,
daz sî ir selber ist gehaz,
wer sol die minnen über daz?
diu selbe ir lîp unmaeret
und daz der werlt bewaeret,
waz liebe oder waz êren
sol ieman an die kêren?
man leschet gelangen,
sô der beginnet angen,
und wil daz namelôse leben
dem gehêreten namen geben.
nein nein, ezn ist niht minne,
ez ist ir aehtaerinne,
diu smaehe, diu boese,
diu boese geteloese!
diu enwirdet wîbes namen niht,
alse ein wârez sprichwort giht:
«diu manegem minne sinnet,
diu ist manegem ungeminnet.»
diu gerne dâ nâch sinne,
daz s'al diu werlde minne,
diu minne sich selben vor,
zeige al der werlde ir minnen spor.
sint ez durnehte minnen trite,
elliu diu werlt diu minnet mite.
ein wîp, diu ir wîpheit
wider ir selber liebe treit
der werlde zuo gevalle,
die sol diu werlt alle
wirden unde schoenen,
blüemen unde croenen
mit tegelîchen êren,
ir êre mit ir mêren.
an swen ouch diu genendet,
an den si gâr gewendet
ir lîp unde ir sinne,
ir meine unde ir minne,
der wart saelic ie geborn,
der ist geborn unde erkorn
ze lebenden saelden alle wîs,
der hat daz lebende paradîs
in sînem herzen begraben.
der endarf dekeine sorge haben,
daz in der hagen iht ange,
so'r nâch den bluomen lange;
daz in der dorn iht steche,
sô er die rôsen breche.
dân ist der hagen noch der dorn.
da enhât der distelîne zorn
mitalle niht ze tuone.
diu rôsîne suone
diu hât ez allez ûz geslagen:
dorn unde distel unde hagen.
in disem paradîse
dâ enspringet an dem rîse,
engruonet noch enwahset niht,
wan daz daz ouge gerne siht.
ez ist gâr in blüete
von wîplîcher güete.
da enist niht obezes inne
wan triuwe unde minne,
êre unde werltlîcher prîs.
ahî, ein sô getân pardîs,
daz alsô vröudebaere
und sô gemeiet waere,
dâ möhte ein saeliger man
sînes herzen saelde vinden an
und sîner ougen wunne sehen.
waz waere ouch dem iht wirs geschehen
dan Tristande unde Îsolde?
der mir es gevolgen wolde,
ern dörfte niht sîn leben geben
umb keines Tristandes leben.
wan zwâre ein rehte tuonde wîp
an swen diu lât êre unde lîp
und sich der beider dar bewiget,
hî, wie si des von herzen pfliget!
wie hât si'n in sô süezer pflege!
wie rûmet s'alle sîne wege
vor distel und vor dorne,
vor allem senedem zorne!
wie vrîet sî'n vor herzenôt,
sô wol sô nie dekein Îsôt
dekeinen ir Tristanden baz
und hân ez ouch binamen vür daz:
der suohte, alse er solde,
ez lebeten noch Îsolde,
an den man ez gâr vünde,
daz man gesuochen künde.
nu suln wir wider zer huote komen.
den gelieben, alse ir habet vernomen,
Îsolde und Tristande
den was diu huote als ande,
verbot daz tete in alse wê,
daz s'alsô vlîzeclîchen ê
z'ir state nie gedâhten,
biz sî'z ouch vollebrâhten
nâch allem ir leide.
si gewunnen es beide
leit unde tôtlîche clage.
ez was an einem mitten tage
und schein diu sunne sêre,
leider ûf ir êre.
zweier hande sunnen schîn
der gleste der künigîn
in ir herze und in ir sinne:
diu sunne und diu minne.
der senede muot, diu heize zît
diu muoten sî inwiderstrît.
sus wolte sî dem strîte,
dem muote unde der zîte
mit einem liste entwichen sîn
und viel inmitten dar în.
si begunde in ir boumgarten
ir gelegenheite warten:
si suohte zuo z'ir state schate,
schate, der ir zuo ir state
schirm unde helfe baere,
dâ küele und eine waere.
und al zehant daz sî den vant,
si hiez ein bette dar zehant
rîlîche und schône machen.
kulter und lîlachen,
purper unde plîât,
küniclîcher bettewât
wart über daz bette vil geleit.
nu daz daz bette was bereit,
so'z iemer beste kunde,
dô leite sich diu blunde
in ir hemede dar an.
die juncvrouwen hiez si dan
entwîchen al gemeine
niwan Brangaenen eine.
nu was Tristande ein bote getân,
daz er'z durch niht solte lân,
ern spraeche Îsôte sâ ze stete.
nu tete er rehte als Âdam tete.
daz obez, daz ime sîn Êve bôt,
daz nam er und az mit ir den tôt.
er kam und gie Brangaene hin
zen vrouwen und saz nider zuo z'in
mit angestlîcher swaere.
si hiez die kameraere
alle die tür besliezen
und nieman ouch în liezen,
si selbe enhieze in în lân.
die tür die wurden zuo getân.
und als Brangaene nider gesaz,
nu bedâhte si daz
und betrûrete ez in ir muote,
daz vorhte noch huote
an ir vrouwen niht vervie.
binnen disen trahten gie
der kameraere einer vür die tür
und was sô schiere nie dervür,
der künec engienge gegen im în
und vrâgete nâch der künigîn
vil harte unmüezeclîche.
nu sprach ir iegelîche:
«si slâfet, hêrre, ich waene.»
diu verdâhte Brangaene,
diu arme erschrac unde gesweic,
ir houbet ûf ir ahsel seic,
hende unde herze enpfielen ir.
der künec sprach aber: «nu saget mir,
wâ slâfet sî diu künigîn?»
si wîsten in zem garten în.
und Marke kêrte hin zehant,
dâ er sîn herzeleit dâ vant.
wîp unde neven die vander
mit armen zuo z'ein ander
gevlohten nâhe und ange,
ir wange an sînem wange,
ir munt an sînem munde.
swaz er gesehen kunde,
daz in diu decke sehen lie,
daz vür daz deckelachen gie
zuo dem oberen ende:
ir arme unde ir hende,
ir ahsel unde ir brustbein
diu wâren alsô nâhe in ein
getwungen unde geslozzen:
und waere ein werc gegozzen
von êre oder von golde,
ezn dorfte noch ensolde
niemer baz gevüeget sîn.
Tristan und diu künigîn
die sliefen harte suoze,
ine weiz nâch waz unmuoze.
der künec dô der sîn ungemach
als offenbaerlîche ersach,
dô was im êrste vür geleit
sîn endeclîchez herzeleit.
er was aber ein verrihter man.
wân unde zwîvel was dô dan,
sîn altiu überleste.
ern wânde niht, er weste.
des er dâ vor ie haete gert,
des was er alles dô gewert.
entriuwen ez ist aber mîn wân,
im haete dô vil baz getân
ein waenen danne ein wizzen.
des er ie was gevlizzen
ze komene von der zwîvelnôt,
dar an was dô sîn lebender tôt.
sus gieng er swîgende dan.
sînen rât und sîne man
die nam er sunder dort hin.
er huob ûf unde seite in,
daz ime gesaget waere
vür ein wârez maere,
daz Tristan und diu künigîn
bî ein ander solten sîn,
daz s'alle mit im giengen dar
und naemen umb si beidiu war,
ob man si alsô vünde dâ,
daz man im von in beiden sâ
reht unde gerihte taete,
alsô daz lantreht haete.
nun was ouch daz sô schiere nie,
daz Marke von dem bette gie
und harte unverre was dervan,
sô daz erwachet ouch Tristan
und sach in von dem bette gân.
«â» sprach er, «waz habt ir getân,
getriuwe Brangaene!
weiz got Brangaene, ich waene,
diz slâfen gât uns an den lîp.
Îsôt wachet, armez wîp!
wachet, herzekünigîn!
ich waene, wir verrâten sîn.»
«verrâten?» sprach si «hêrre, wie?»
«mîn hêrre der stuont ob uns hie.
er sach uns beide und ich sach in.
er gât von uns iezuo dâ hin
und weiz binamen alsô wol,
sô daz ich ersterben sol.
er wil ze disen dingen
helfe unde geziuge bringen.
er wirbet unseren tôt.
herzevrouwe, schoene Îsôt,
nu müeze wir uns scheiden
sô waetlîch, daz uns beiden
sô guotiu state niemer mê
ze vröuden widervert als ê.
nu nemet in iuwer sinne,
wie lûterlîche minne
wir haben geleitet unze her,
und sehet, daz diu noch staete wer.
lât mich ûz iuwerm herzen niht!
wan swaz dem mînem geschiht,
dar ûz enkomet ir niemer:
Îsôt diu muoz iemer
in Tristandes herzen sîn.
nu sehet, herzevriundîn,
daz mir vremede unde verre
iemer hin z'iu gewerre!
vergezzet mîn durch keine nôt.
dûze amîe, bêle Îsôt,
gebietet mir und küsset mich!»
si trat ein lützel hinder sich,
siuftende sprach si wider in:
«hêrre, unser herze und unser sin
diu sint dar zuo ze lange,
ze anclîch und ze ange
an ein ander vervlizzen,
daz s'iemer suln gewizzen,
waz under in vergezzen sî.
ir sît mir verre oder bî,
so ensol doch in dem herzen mîn
niht lebenes noch niht lebendes sîn
wan Tristan, mîn lîp und mîn leben.
hêrre, ich hân iu nu lange ergeben
beidiu leben unde lîp.
nu sehet, daz mich kein lebende wîp
iemer von iu gescheide,
wir ensîn iemer beide
der liebe unde der triuwe
staete unde niuwe,
diu lange und alse lange vrist
sô reine an uns gewesen ist.
und nemet hie diz vingerlîn.
daz lât ein urkünde sîn
der triuwen unde der minne.
ob ir dekeine sinne
iemer dâ zuo gewinnet,
daz ir âne mich iht minnet,
daz ir gedenket derbî,
wie mînem herzen iezuo sî.
gedenket an diz scheiden,
wie nâhen ez uns beiden
ze herzen und ze lîbe lît.
gedenket maneger swaeren zît,
die ich durch iuch erliten hân,
und lât iu nieman nâher gân
dan Îsolde, iuwer vriundîn!
durch nieman sô vergezzet mîn.
wir zwei wir haben liep unde leit
mit solher gesellekeit
her unz an dise stunde brâht;
wir suln die selben andâht
billîche leiten ûf den tôt.
hêrre, ez ist allez âne nôt,
daz ich iuch alse verre mane.
wart Îsôt ie mit Tristane
ein herze unde ein triuwe,
sô ist ez iemer niuwe,
sô muoz ez iemer staete wern.
doch wil ich einer bete gern:
swelch enden landes ir gevart,
daz ir iuch, mînen lîp, bewart.
wan swenne ich des verweiset bin,
sô bin ich, iuwer lîp, dâ hin.
mir, iuwerm lîbe, dem wil ich
durch iuwern willen, niht durch mich,
vlîz unde schoene huote geben.
wan iuwer lîp und iuwer leben,
daz weiz ich wol, daz lît an mir:
ein lîp, ein leben daz sîn wir.
nu bedenket ie genôte
mich, iuwern lîp, Îsôte.
lât mich an iu mîn leben sehen,
so'z iemer schierest müge geschehen,
und sehet ouch ir daz iure an mir.
unser beider leben daz leitet ir.
nu gât her und küsset mich.
Tristan und Îsôt, ir und ich,
wir zwei sîn iemer beide
ein dinc âne underscheide.
dirre kus sol ein insigel sîn
daz ich iuwer unde ir mîn
belîben staete unz an den tôt,
niwan ein Tristan und ein Îsôt.»
nu daz diu rede versigelt wart,
Tristan der kêrte ûf sîne vart
mit jâmer und mit maneger nôt.
sîn lîp, sîn ander leben, Îsôt
beleip mit manegem leide.
die spilgesellen beide
dien geschieden sich ê mâles nie
mit solher marter alse hie.
hie mite was ouch der künic komen
und haete ein her ze sich genomen
von sînem hoverâte.
si kâmen aber ze spâte:
si vunden niwan Îsôte.
diu lag ouch ie genôte
in trahten an ir bette als ê.
nu daz der künec dâ nieman mê
wan eine sîne Îsôte vant,
sîn rât der nam in al zehant
und vuorte in sunder dort hin dan.
«hêrre» sprâchen si «hier an
missetuot ir harte sêre,
iuwer wîp und iuwer êre
daz ir diu ze alsô maneger zît
ziehende unde zogende sît
ze lasterlîcher inziht
gâr âne nôt und umbe niht.
ir hazzet êre unde wîp
und almeist iuwer selbes lîp.
wie muget ir iemer werden vrô,
die wîle ir iuwer vröude alsô
an iuwerm wîbe swachet
und sî ze spelle machet
über hof und über lant
und habet an ir noch niht erkant,
daz wider ir êren müge gesîn?
waz wîzet ir der künigîn?
war umbe velschet ir die,
diu nie valsch wider iuch begie?
hêrre, durch iuwer êre
getuot ez niemer mêre.
vermîdet sus getânen spot
durch iuch selben und durch got!»
sus nâmen sin mit rede dervan,
daz er in volgen began
und aber sînen zorn lie
und ungerochen dannen gie.
Tristan zen herbergen kam.
sîn ingesinde er allez nam
unde zogete sich mit in
wol balde gein der habe hin.
daz êrste schif, daz er dâ vant,
dar în sô kêrter al zehant
und vuor ze Normandîe,
er und sîn massenîe.
nu was er aber unlange dâ,
wan sîn gemüete riet im sâ,
daz er eteswie suohte ein leben,
daz ime lîbunge kunde geben
und trôst ze sîner triure.
hie merket âventiure:
Tristan vlôch arbeit unde leit
und suohte leit und arbeit;
er vlôch Marken unde den tôt
und suohte tôtlîche nôt,
diu in in dem herzen tôte:
diu vremede von Îsôte.
waz half, daz er den tôt dort vlôch
und hie dem tôde mite zôch?
waz half, daz er der quâle
entweich von Curnewâle
und s'ime doch ûf dem rucke lac
alle zît naht unde tac?
dem wîbe nerte er daz leben
und was dem lebene vergeben
niuwan mit dem wîbe.
ze lebene und ze lîbe
enwas niht lebendes sîn tôt
niwan sîn beste leben, Îsôt.
sus twang in tôt unde tôt.
nu gedâhte er, solte im disiu nôt
iemer ûf der erden
sô tragebaere werden,
daz er ir möhte genesen,
daz müese an ritterschefte wesen.
nu was ein lantmaere,
daz grôz urliuge waere
z'Almânje in dem lande.
diz seite man Tristande.
sus kêrter wider Schampânje
dannen her z'Almânje.
hie diente er alsô schône
dem zepter unde der crône,
daz roemesch rîche nie gewan
under sînem vanen einen man,
der ie würde alsô sagehaft
von manlîcher ritterschaft.
gelückes unde linge
an manlîchem dinge
und âventiure erwarp er vil,
der ich aller niht gewehenen wil.
wan solte ich alle sîne tât,
die man von ime geschriben hât,
rechen al besunder,
des maeres würde ein wunder.
die fabelen, die hier under sint,
die sol ich werfen an den wint.
mir ist doch mit der wârheit
ein michel arbeit ûf geleit.
Tristandes leben und sîn tôt,
sîn lebender tôt, diu blunde Îsôt,
der was wê und ande.
des tages dô sî Tristande
und sînem kiele nâch sach,
daz ir daz herze dô niht brach,
daz schuof daz, daz er lebende was.
sîn leben half ir, daz sî genas.
sine mohte leben noch sterben
âne in niht erwerben.
tôt unde leben haet ir vergeben:
sine mohte sterben noch geleben.
daz lieht ir liehten ougen
daz nam sîn selbes lougen
oft und ze maneger stunde.
ir zunge in ir munde
diu gesweic ir dicke zuo der nôt.
dane was weder leben noch tôt
und wâren doch dâ beide.
si wâren aber von leide
ir rehtes alsô rehtelôs,
daz sî dewederez dâ kôs.
dô sî den segel vliegen sach,
ir herze wider sich selben sprach:
«ôwî ôwî, mîn hêr Tristan,
nu clebet iu mîn herze allez an,
nu ziehent iu mîn ougen nâch
und ist iu von mir harte gâch.
wie gâhet ir alsus von mir?
nu weiz ich doch vil wol, daz ir
von iuwerm lebene ziehet,
swenne ir Îsolde vliehet.
wan iuwer leben daz bin ich.
iht mêre muget ir âne mich
iemer geleben keinen tac,
dan ich âne iuch geleben mac.
unser lîp und unser leben
diu sint sô sêre in ein geweben,
sô gâr verstricket under in,
daz ir mîn leben vüeret hin
und lâzet mir daz iuwer hie.
zwei leben diu enwurden nie
alsus gemischet under ein.
wir zwei wir tragen under uns zwein
tôt unde leben ein ander an.
wan unser enwederez enkan
ze rehte sterben noch geleben,
ezn müeze ime daz ander geben.
hie mite enist diu arme Îsôt
noch lebende noch rehte tôt:
ine kan weder dar noch dan.
nu hêrre, mîn hêr Tristan,
sît daz ir mit mir alle zît
ein lîp unde ein leben sît,
sô sult ir mir ouch lêre geben,
daz ich behabe lîp unde leben
iu z'aller êrste, dâ nâch mir.
nu lêret an! wes swîget ir?
uns waere guoter lêre nôt.
waz rede ich sinnelôse Îsôt?
Tristandes zunge und mîn sin
diu varnt dort mit ein ander hin.
Îsôte lîp, Îsôte leben
diu sint bevolhen unde ergeben
den segeln unde den winden.
wâ mag ich mich nu vinden?
wâ mac ich mich nu suochen, wâ?
nu bin ich hie und bin ouch dâ
und enbin doch weder dâ noch hie.
wer wart ouch sus verirret ie?
wer wart ie sus zerteilet mê?
ich sihe mich dort ûf jenem sê
und bin hie an dem lande.
ich var dort mit Tristande
und sitze hie bî Marke.
und criegent an mir starke
beidiu tôt unde leben.
mit disen zwein ist mir vergeben.
ich stürbe gerne, möhte ich.
nûne lâzet er mich,
an dem mîn leben behalten ist.
nune mag ich ouch ze dirre vrist
weder mir noch ime geleben wol,
sît daz ich âne in leben sol.
er lât mich hie und vert er hin
und weiz wol, daz ich âne in bin
reht innerthalp des herzen tôt.
weiz got diz rede ich âne nôt.
mîn leit ist doch gemeine,
ine trage ez niht al eine.
es ist sîn alse vil sô mîn,
und waene es ist noch mêre sîn.
sîn jâmer und sîn pîne
diust groezer dan diu mîne.
daz scheiden, daz er von mir tuot,
beswaeret mir daz mînen muot,
ez swaeret noch den sînen mê.
tuot mir daz in dem herzen wê,
daz ich sîn hie bî mir enbir,
ez tuot im noch wirs danne mir.
clage ich in, sô claget er mich.
und claget er niht billîche als ich.
ich wil mir wol ze rehte sagen,
daz ich mir trûren unde clagen
billîche nâch Tristande nime.
wan mîn leben daz lît an ime.
dâ wider sô lît an mir sîn tôt.
durch daz sô claget er âne nôt.
er mac vil gerne von mir varn,
sîn êre und sînen lîp bewarn.
wan solte er lange bî mir wesen,
sone kunde er niemer genesen.
durch daz sol ich sîn haben rât.
swie rehte nâhen ez mir gât,
ern sol durch den willen mîn
sîn selbes niht in sorgen sîn.
mit swelher nôt ich sîn enber,
mir ist doch lieber vil, daz er
gesundes lîbes von mir sî,
dan er mir alsô waere bî,
daz ich mich des versaehe,
daz im schade bî mir geschaehe.
wan weizgot swer ze sînem vromen
mit sînes vriundes schaden wil komen,
der treit im cleine minne.
swaz schaden ich sîn gewinne,
ich wil Tristandes vriundîn
gern âne sînen schaden sîn.
daz ime sîn dinc ze liebe ergê,
ine ruoche und ist mir iemer wê.
ich wil mich gerne twingen
an allen mînen dingen,
daz ich mîn unde sîn entwese,
durch daz er mir und ime genese.»
do Tristan, alse ich iezuo las,
z'Almânje gewas
ein halp jâr oder mêre,
nu belanget in vil sêre
hin wider in die künde,
daz er eteswaz bevünde,
waz der lantmaere
von sîner vrouwen waere.
in sînem muote er sich beriet,
daz er von Almânje schiet
und aber sîne reise nam
dâ hin, von dannen er dar kam,
hin wider ze Normandîe,
dannen ze Parmenîe
hin ze Rûâles kinden.
in selben wânde er vinden
und wolte im künden sîne nôt.
leider nû was er aber tôt,
er und sîn wîp Floraete.
sîne süne, die er aber haete,
daz sult ir wizzen, daz die dô
von inneclîchem herzen vrô
Tristandes künfte wâren.
den antfanc, den si'm bâren,
der was reine unde süeze.
sîne hende und sîne vüeze,
sîn ougen unde sînen munt
diu kusten si ze maneger stunt.
«hêrre» sprâchen si zehant
«got hât uns an iu wider gesant
beidiu vater unde muoter.
getriuwer hêrre guoter,
nu lâzet iuch hie wider nider
und habet iu daz allez wider,
daz iur und unser solte wesen,
und lât uns hie mit iu genesen,
als unser vater mit iu genas,
der iuwer ingesinde was,
als ouch wir iemer gerne sîn.
unser muoter iuwer vriundîn
und unser vater sint beidiu tôt.
nu hât got unser aller nôt
genaedeclîche an iu bedâht,
daz er iuch uns her wider hât brâht.»
der trûraere Tristan
der haete aber hinnen van
triure unde michel ungehabe.
er bat sich wîsen zuo z'ir grabe.
dâ gieng er trûrende hin,
dâ stuont er guote wîle ob in
weinende unde clagende,
sîniu clagemaere sagende.
er sprach vil inneclîche:
«nu erkenne ez got der rîche,
sol ez iemer dâ zuo komen,
als ich von kinde hân vernomen.
daz triuwe und êre werde
begraben in der erde,
sô ligent sî beidiu hie begraben.
und sol ouch triuwe und êre haben
mit gote gemeine, alsô man giht,
sone zwîvel ich zewâre niht
und ist binamen kein lougen,
sine sîn vor gotes ougen.
Rûal und Floraete,
die got der werlt sô haete
gewerdet unde geschoenet,
die sint ouch dort gecroenet,
da diu gotes kint gecroenet sint.»
diu saeligen Rûâles kint
diu leiten dô Tristande vür
mit vil durnehter willekür
ir hiuser, ir lîp unde ir guot
und alsô dienesthaften muot,
so s'iemer beste kunden.
si wâren z'allen stunden
sînem dienest undertân:
swaz er gebôt, daz was getân
an iegelîchen dingen,
diu si mohten vollebringen:
si vuoren mit im schouwen
ritter unde vrouwen.
si dienten ime ze manegen tagen
turnieren, pirsen unde jagen,
swaz kurzewîle er wolte pflegen.
nu was ein herzentuom gelegen
zwischen Britanje und Engelant,
daz was Arundêl genant
und stiez daz ûf daz mer alsô.
dâ was ein herzoge dô
vrech unde höfsch und wol getaget,
dem haeten, als diu istôrje saget,
sîne umbesaezen starke
sîn gerihte und sîne marke
verurliuget unde benomen.
si haeten in gar überkomen
beide ûf dem lande und ûf dem mer.
vil gerne haete er sich ze wer
gesetzet, nu enmohter.
einen sun und eine tohter
haete er von sînem wîbe.
an tugenden unde an lîbe
wâren si beidiu vollekomen.
der sun der haete swert genomen
und was dar an vervlizzen gâr.
dâ mite haete er wol driu jâr
vil lobes und êren bejaget.
sîn swester was schoene unde maget
und hiez Îsôt as blanschemains,
ir bruoder Kâedîn li frains,
ir vater der herzoge Jovelîn.
ir muoter diu herzogîn
diu was genant Karsîe.
nu man ze Parmenîe
gesagete Tristande,
daz urliuge in dem lande
ze Arundêle waere,
er gedâhte sîner swaere
aber ein teil vergezzen dâ.
von Parmenîe vuor er sâ
hin wider Arundêle
gegen einem castêle,
dâ er des landes hêrren vant.
daz was Karke genant.
dâ kêrter z'allerêrste hin.
hêrre unde gesinde enpfiengen in,
als man ze nôt den biderben sol.
si erkanden in von sage wol.
Tristan, als uns diz maere seit,
der was von sîner manheit
in al den inselen erkant,
die wider Occêne sint gewant.
durch daz wâren sîn dise vrô.
der herzoge ergap sich dô
sînem râte und sîner lêre.
sîn lant und sîn êre
dâ bat er'n hêrre über sîn.
sîn sun der höfsche Kâedîn
was sêre an in vervlizzen:
swar an er mohte wizzen
sîne wirde und sîn êre,
dar an vleiz er sich sêre,
dâ stuont al sîn gedanc hin.
si zwêne wâren under in
alle stunde und alle zît
inwette unde inwiderstrît
wider ein ander dienesthaft.
triuwe unde geselleschaft
gelobeten sî zwêne under in zwein
und behielten ouch die wol in ein
unz an ir beider ende.
Tristan der ellende
Kâedînen er zuo sich nam,
an den herzogen er kam,
er vorschete unde bat im sagen,
sîn criec wie sich der dar getragen
von sînen vînden haete,
von wannen man im taete
den aller groezesten schaden,
mit dem er waere überladen.
nu ime daz allez wart benant,
wie daz urliuge was gewant,
und ime vil rehte wart geseit
der vînde gelegenheit,
wâ si zuo riten mit ir gezoge,
nu haete der herzoge
ein guot castêl in sîner pflege,
daz lac den vînden ûf ir wege.
aldâ gezôch sich Tristan în
und sîn geselle Kâedîn
mit maezlîcher ritterschaft.
sine wâren niht sô statehaft,
daz si dekeinen veltstrît
mohten gehaben ze keiner zît
wan sô vil, so s'ie kunden
ze eteslîchen stunden
mit roube und mit brande
geschaden der vînde lande
geswâslîch und verstolne.
Tristan sante verholne
wider heim ze Parmenîe.
sîner lieben massenîe,
Rûâles kinden er enbôt,
im waere ritterschefte nôt,
dern bedörfte er nie sô sêre:
daz si ir tugent unde ir êre
vil verre an ime bedaehten
und ime ir helfe braehten.
die brâhten ime an einer schar
vünfhundert covertiure dar,
bereitet wol ze prîse,
und grôzen rât von spîse.
und alse Tristan vernam,
daz ime von lande helfe kam,
er vuor selbe gegen in
und leite s'allez nahtes hin
und vuorte s'alsô in daz lant,
daz ez lützel ieman bevant
wan die, die vriunde wâren
und im helfe dar zuo bâren.
die halben er ze Karke liez.
aldâ gebôt er unde hiez,
daz sî sich sêre in taeten
und keine war des haeten,
wer dar ze strîte kaeme,
biz man vür wâr vernaeme,
daz Kâedîn und er dâ striten,
daz sî si danne vorne an riten
und sô versuohten ir heil.
hie mite nam er daz ander teil,
dâ mite kêrte er ûf sîne vart:
zer burc, diu ime bevolhen wart,
dar în sô brâhte er si bî naht
und hiez ouch die dar inne ir maht
verhelen alsô starke
als jene dâ ze Karke.
des morgens dô ez tagen began,
nu haete aber Tristan
ritter ûz gesundert
niht minner danne hundert.
die andern liez er in der stat.
Kâedînen er bat,
daz er den sînen sagete,
ob man in dar gejagete,
daz man sîn war naeme
und ime ze helfe kaeme
von dannen und von Karke.
sus reit er ûf die marke.
er roubete unde brande
offenlîchen in dem lande,
swâ er der vînde veste
und ouch ir stete weste.
dannoch vor naht dô wart der schal
in dem lande vliegend über al,
daz der stolze Kâedîn
ûz geriten solte sîn
mit offener reise.
Rugier von Doleise
und Nautenîs von Hante
und Rigolîn von Nante,
der vînde leitaere,
den wart daz maere swaere.
al die state und al die maht,
die si mohten bî der naht
besenden, diu wart gâr besant.
des anderen tages zehant
wol hin umbe den mitten tac,
dô sich ir state in ein gewac,
sie kêrten wider Karke hin.
ritter haeten s'under in
vierhundert oder mêre
und versâhen sich des sêre,
si solten sich dâ nider lân,
als ouch dâ vor haeten getân
vil ofte unde ze manegem tage.
nu kêrte Tristan ûf ir slage
und sîn geselle Kâedîn.
dô jene vil sicher wânden sîn,
daz ieman zuo den zîten
mit in getörste strîten,
dô vlugen dise allenthalben zuo.
ir keiner wânde envollen vruo
den vînden genâhen.
nu daz die vînde ersâhen,
daz ez ze strîte was gewant,
si kêrten an den strît zehant.
si kâmen mit ein ander her.
alhie vlouc sper unde sper,
ros unde ros, man unde man
sô vîntlîche ein ander an,
daz dâ vil michel schade ergie.
si tâten schaden dort unde hie.
hie Tristan unde Kâedîn,
dort Rugier unde Rigolîn.
swes ieman mit dem swerte
oder mit der lanzen gerte,
daz haete er dâ, daz vander.
si riefen wider ein ander
hie: «schevalier Hante,
Doleise unde Nante!»
dort: «Karke und Arundêle!»
dô jene in dem castêle
den strît ze stete sâhen stân,
si liezen ûz den porten gân
und anderhalben in die schar.
die tâten sî her unde dar
mit hezlîchem strîte.
in harte unlangem zîte
durchbrâchen sî si her und hin.
si riten houwend under in
als eber under schâfen.
baniere unde wâfen,
diu der houbetvînde wâren,
der begunde Tristan vâren
und sîn geselle Kâedîn.
dâ wart Rugier und Rigolîn
und Nautenîs gevangen
und michel schade begangen
under ir massenîe.
Tristan von Parmenîe
und sîne lantgesellen
die riten vînde vellen,
slahen unde vâhen.
nu daz die vînde ersâhen,
daz in diu wer niht tohte,
swie sich der man dâ mohte
mit vlühte oder mit listen
generen oder gevristen,
des was ir iegelîchem nôt.
vluht oder vlêhen oder der tôt
diu schieden einsît den strît.
nu daz der strît in eine sît
mitalle enschumpfieret wart
und die gevangenen bewart
und behalten, dâ si solten sîn,
Tristan unde Kâedîn
die nâmen alle ir ritterschaft,
alle ir state und alle ir craft
und riten dô êrste in daz lant.
swâ man der vînde keinen vant
oder iht ir dinges weste,
sô habe, sô stete, sô veste,
daz was verlorn, alse ez lac.
ir gewin und ir bejac
den sanden si ze Karke.
nu si der vînde marke
gâr under sich gebrâchen
und wol ir zorn gerâchen
und haeten z'ir hant allez lant,
Tristan der schicte al zehant
sîne lantmassenîe
wider heim ze Parmenîe
und dankete in vil tiure,
daz er êre und âventiure
von ir genâden haete.
Tristan der nâchraete,
dô sîn gesinde dan geschiet,
umb die gevangenen er riet,
daz sî ze hulden kaemen
und von ir hêrren naemen,
swaz er'n ir guotes wider lêch
den worten, daz er in verzêch.
und versigelten ouch daz,
daz disiu schulde und dirre haz
dem lande unschadebaere
ir halben iemer waere;
und kâmen allesamet dan,
die houbethêrren unde ir man.
hie mite was aber Tristande
da ze hove und dâ ze lande
vil lobes und êren ûf geleit.
sîne sinne und sîne manheit
diu prîsete hof unde lant.
diu beidiu wâren ouch gewant
niht anders wan als er gebôt.
Kâedînes swester Îsôt,
diu mit den wîzen handen,
diu bluome von den landen,
diu was stolz unde wîse
und haete sich mit prîse
und mit lobe sô vür genomen,
daz s'al daz lant haet überkomen,
daz daz niht anders seite
wan von ir saelekeite.
dô die Tristan sô schoene sach,
ez vrischet ime sîn ungemach:
sîn altiu herzeriuwe
diu wart aber dô niuwe.
si mante in ie genôte
der andern Îsôte,
der lûtern von Îrlant.
und wan si Îsôt was genant,
swenne er sîn ouge an si verlie,
sô wart er von dem namen ie
sô riuwec und sô vröudelôs,
daz man im under ougen kôs
den smerzen sînes herzen.
doch liebete er den smerzen
und truog im inneclîchen muot.
er dûhte in süeze unde guot.
er minnete diz ungemach
durch daz, wan er si gerne sach.
sô sach er si gerne umbe daz:
im tete diu triure verre baz,
dier nâch der blunden haete,
dan im ander vröude taete.
Îsôt was sîn liep und sîn leit,
jâ Îsôt, sîn beworrenheit,
diu tete im wol, diu tete im wê:
sô ime Îsôt sîn herze ie mê
in dem namen Îsôte brach,
sô er Îsôte ie gerner sach.
vil dicke sprach er wider sich:
«â dê benîe, wie bin ich
von disem namen verirret!
er irret unde wirret
die wârheit und daz lougen
mîner sinne und mîner ougen.
er birt mir wunderlîche nôt.
mir lachet unde spilt Îsôt
in mînen ôren alle vrist
und enweiz iedoch, wâ Îsôt ist.
mîn ouge, daz Îsôte siht,
daz selbe ensiht Îsôte niht.
mir ist Îsôt verre und ist mir bî.
ich vürhte, ich aber g'îsôtet sî
zem anderen mâle.
ich waene, ûz Curnewâle
ist worden Arundêle,
Karke ûz Tintajêle
und Îsôt ûz Îsôte.
mich dunket ie genôte,
als ieman iht von dirre maget
in Îsôte namen saget,
daz ich Îsôte vunden habe.
hie bin ouch ich verirret abe.
wie wunderlîche ist mir geschehen.
daz ich Îsôte müeze sehen,
des gere ich nû vil lange vrist.
nu bin ich komen, dâ Îsôt ist,
und enbin Îsôte niender bî,
swie nâhen ich Îsôte sî.
Îsôte sihe ich alle tage
und sihe ir niht. daz ist mîn clage.
ich hân Îsôte vunden
und iedoch niht die blunden,
diu mir sô sanfte unsanfte tuot.
ez ist Îsôt, diu mir den muot
in dise gedanke hât brâht,
von der mîn herze als ist verdâht:
ez ist diu von Arundêle
und niht Îsôt la bêle.
der ensiht mîn ouge leider niht.
swaz aber mîn ouge iemer gesiht,
daz mit ir namen versigelt ist,
dem allem sol ich alle vrist
liebe unde holdez herze tragen,
dem lieben namen genâde sagen,
der mir sô dicke hât gegeben
wunne unde wunneclîchez leben.»
alsolhiu maere treip Tristan
vil ofte wider sich selben an,
swenne er sîn senftez ungemach,
Îsôte as blanschemains gesach.
diu viuwerniuwet ime den muot
mit der glimmenden gluot,
diu ime doch naht unde tac
betrochen in dem herzen lac.
ern was dô niht gedanchaft
z'erneste noch ze ritterschaft.
sîn herze und sîne sinne
diun wâren niwan an minne
und an gemuotheit geleit.
er suohte gemuotheit
in wunderlîcher ahte.
er besazte sîne trahte,
er wolte liebe und lieben wân
wider die maget Îsôte hân,
sîn gemüete gerne twingen
z'ir liebe ûf den gedingen,
ob ime sîn senebürde
mit ir iht ringer würde.
er üebete an ir dicke
sîn inneclîche blicke
und sante der sô manegen dar,
daz sî binamen wol wart gewar,
daz er ir holdez herze truoc.
ouch haete sî dâ vor genuoc
durch in gedanke vür brâht.
si haete vil durch in gedâht:
sît sî gehôrte unde gesach,
daz man im sô vil lobes sprach
über hof und über lant,
sît was ir herze an in gewant.
und alse Tristan denne
sîn ougen eteswenne
durch âventiure an sî verlie,
sô widerlie s'ir ougen ie
als inneclîchen an den man,
daz er gedenken began,
mit swelher slahte dingen
er'z möhte vollebringen,
daz al sîn herzeswaere
dermite erloschen waere,
und was gedanchaft derzuo:
er sach si spâte unde vruo,
swenne ez mit ihte mohte sîn.
vil schiere wart, daz Kâedîn
ir zweier blicke wart gewar,
und vuorte in ouch dô dicker dar,
dan er ê mâles taete,
wan er gedingen haete,
ob s'ime ze herzen beclibe,
daz er si naeme und dâ belibe.
sô haete ouch er mit ime verant
sîn urliuge über al daz lant.
sus bat er ie genôte
sîne swester Îsôte,
daz sî'z mit rede Tristande büte,
reht alse er selbe vor gebüte,
und niemer kaeme an keine tât
âne in und âne ir vater rât.
Îsôt diu leiste sîne bete,
wan sî'z doch selbe gerne tete,
und bôt ez Tristande aber dô baz.
rede unde gebaerde und allez daz,
daz die gedanke stricket,
minne in dem herzen quicket,
daz begundes an in wenden
alle wîs und allen enden,
biz daz si'n ouch enzunde,
daz ime der name begunde
den ôren senften an der stete,
der ime dâ vor unsanfte tete.
er hôrte und sach Îsolde
vil gerner danne er wolde.
reht alse tete ouch in Îsolt.
si sach in gerne und was im holt.
er meinde sî, sî meinde in.
hie mite gelobeten s'under in
liebe unde geselleschaft
und wâren ouch der vlîzhaft
ze iegelîchen stunden,
sô sî mit vuoge kunden.
eines tages dô gesaz Tristan
und giengen in gedanke an
von sînem erbesmerzen:
er bedâhte in sînem herzen
manege und maneger hande nôt,
die sîn ander leben Îsôt,
diu blunde küniginne,
der slüzzel sîner minne
durch in erliten haete
und ouch dar an sô staete
in allen noeten waere.
er nam ez ime ze swaere
und gieng im rehte an sînen lîp,
daz er âne Îsolde ie kein wîp
durch minne in sînen muot genam
und ie an die gedanke kam.
leitlîche sprach er wider sich:
«ich ungetriuwer, waz tuon ich?
ich weiz doch wârez alse den tôt:
mîn herze und mîn leben Îsôt,
an der ich hân g'unsinnet,
diu enmeinet noch enminnet
niht dinges ûf der erden
noch enkan ir niht gewerden
liep wan ich al eine
und minne ich unde meine
ein leben, des si niht bestât.
ine weiz, waz mich verkêret hât.
waz hân ich mich genomen an,
ich triuwelôser Tristan!
ich minne zwô Îsolde
und hân die beide holde
und ist mîn ander leben, Îsolt,
niwan einem Tristande holt.
diu eine wil dekeinen
Tristanden wan mich einen
und wirbe ich ie genôte
nâch anderer Îsôte.
wê dir, sinnelôser man,
verirreter Tristan!
lâ disen blinden unsin,
tuo disen ungedanc hin!»
hie mite kam er des willen wider.
minne unde muot leit er dernider,
den er der megede Îsôte truoc.
iedoch sô bôt er ir genuoc
sô süezer gebaerde,
daz s'alle die bewaerde
sîner minne wânde hân.
dô was ez anders getân.
ez gieng, alse ez solde.
Îsôt diu haete Îsolde
Tristanden muoteshalp genomen.
Tristan was aber mit muote komen
wider an sîn erbeminne.
sîn herze und sîne sinne
diu triben dô niwan ir altez leit.
doch begieng er sîne höfscheit.
do'r an der megede gesach
ir senelîchez ungemach,
daz sich daz üeben began,
dô leiter sînen vlîz dar an,
daz er ir vröude baere.
er seite ir schoeniu maere,
er sang ir, er schreib unde er las.
und swaz ir kurzewîle was,
dâ zuo was er gedanchaft.
er leiste ir geselleschaft,
er kürzete ir die stunde
etswenne mit dem munde
und underwîlen mit der hant.
Tristan er machete unde vant
an iegelîchem seitspil
leiche unde guoter noten vil,
die wol geminnet sint ie sît.
er vant ouch zuo der selben zît
den edelen leich Tristanden,
den man in allen landen
sô lieben und sô werden hât,
die wîle und disiu werlt gestât.
oft unde dicke ergieng ouch daz:
sô daz gesinde in ein gesaz,
er unde Îsôt und Kâedîn,
der herzog und diu herzogîn,
vrouwen und barûne,
sô tihtete er schanzûne,
rundate und höfschiu liedelîn
und sang ie diz refloit dar în:
«Îsôt ma drûe, Îsôt m'amîe,
en vûs ma mort, en vûs ma vîe!»
und wan er daz sô gerne sanc,
sô was ir aller gedanc
und wânden ie genôte,
er meinde ir Îsôte,
und vröuten sich es sêre
und aber nieman mêre
dan sîn geselle Kâedîn.
der vuorte in ûz, der vuorte in în
und sazte in z'allen zîten
der swester an ir sîten.
diu was sîn ouch von herzen vrô.
diu nam in aber ze handen dô
und wante danne ir vlîz an in.
ir clâren ougen unde ir sin
diu spilten ûf in denne.
sô warf ouch eteswenne
der cranke magetlîche name
sîne kiusche und sîne schame
zem nacken von den ougen.
si leite im dicke untougen
ir hende in die sîne,
als ob ez Kâedîne
ze liebe geschaehe.
swes aber sich der versaehe,
ir selber vröude lac dar an.
diu maget diu wart sich wider den man
sô rehte lieplîch machende,
smierende unde lachende,
kallende unde kôsende,
smeichende unde lôsende,
biz daz si'n aber enzunde,
daz er aber wider begunde
mit muote und mit gedanken
an sîner liebe wanken.
er zwîvelte an Îsolde,
ob er wolde oder enwolde.
ouch tete ez ime entriuwen nôt,
dô si'z im alsô suoze bôt.
er dâhte dicke wider sich:
«weder wil ich oder enwil ich?
ich waene nein, ich waene jâ.»
sô was aber diu staete dâ.
«nein» sprach si «hêrre Tristan,
sich dîne triuwe an Îsôt an,
gedenke genôte
der getriuwen Îsôte,
diu nie vuoz von dir getrat.»
sus was er aber an der stat
von den gedanken genomen
und aber in solhen jâmer komen
durch Îsôte minne,
sînes herzen küniginne,
daz er gebaerde unde site
sô gâr verwandelte dermite,
daz er an iegelîcher stete
niht anders niuwan trûren tete.
und swenne er aber z'Îsôte kam,
sîne rede mit ir ze handen nam,
daz er sîn selbes gâr vergaz
und siuftende allez bî ir saz.
sîn tougenlîchiu swaere
diu wart als offenbaere,
daz al daz ingesinde jach,
sîn triure und sîn ungemach
daz waere durch Îsôte gâr.
si haeten ouch entriuwen wâr.
Tristandes triure und sîn nôt
dazn was niht anders wan Îsôt.
Îsôt diu was sîn ungeschiht.
und aber diu mitalle niht,
dâ sî'z dâ vür erkanden,
diu mit den blanken handen:
ez was Îsôt la bêle,
niht diu von Arundêle.
si wândens aber alle dô.
sô wânde ouch Îsôt selbe alsô
und wart verirret gâr dervan.
wan sich ensenete Tristan
dekeine zît sô genôte
durch keine sîne Îsôte,
si ensenete sich noch mê durch in.
sus triben si zwei die stunde hin
mit ungemeinem leide.
si seneten sich beide
und haeten jâmer under in zwein
und gie der ungelîche in ein.
ir minne unde ir meine
die wâren ungemeine.
si engiengen dô niht in dem trite
gemeiner liebe ein ander mite
weder Tristan noch diu maget Îsôt.
Tristan der wolte z'einer nôt
ein ander Îsolde
und Îsolt diu enwolde
keinen andern Tristanden.
diu mit den wîzen handen
si minnete unde meinde in.
an ime lac ir herze unde ir sin,
sîn triure was ir ungemach.
und sô si'n eteswenne sach
under ougen alsô blîchen
und danne als inneclîchen
dar under siuften began,
sô sach si'n inneclîchen an
und ersûfte sî danne mite.
nâch vil geselleclîchem site
truoc sî daz trûren mit im ie,
des sî doch lützel ane gie.
si twanc sîn leit sô sêre,
daz ez in an ir mêre
dan an im selben müete.
die liebe und die güete,
die s'ime sô staeteclîche truoc,
die betrûrete er genuoc.
in erbarmete, daz s'ir sinne
sô verre an sîne minne
umb niht haete verlân
und ûf alsô verlornen wân
ir herze haete an in geleit.
doch begieng er sîne höfscheit
und vleiz sich alle stunde,
sô'r suozeste kunde
mit gebaerden und mit maeren,
daz er s'ûz disen swaeren
vil gerne haete genomen.
nu was s'aber in die swaere komen
ze verre und alze sêre.
und sô er sich's ie mêre
pînete unde nôte,
sô er die maget Îsôte
von stunde ze stunde
ie mêre und mêre enzunde,
biz sîi ze jungest dar an kam,
daz minne an ir den sige genam,
sô daz si'm alse dicke
ir gebaerde, ir rede, ir blicke
als inneclîche suoze erbôt,
daz er aber in sîne zwîvelnôt
zem dritten mâle geviel
und aber sînes herzen kiel
begunde in ungedanken
vlüeten unde wanken,
und was dâ cleine wunder an.
wan weizgot diu lust, diu den man
alle stunde und alle zît
lachende under ougen lît,
diu blendet ougen unde sin,
diu ziuhet ie daz herze hin.
hie mugen die minnaere
kiesen an dem maere,
daz man vil michel baz vertreit
durch verre minne ein verre leit,
dan daz man minne nâhe bî
und nâher minne âne sî.
jâ zwâre als ich'z erkennen kan
vil lieber minne mag ein man
baz verre enbern und verre gern
dan nâhe gern und nâhe enbern
und kumet der verren lîhter abe,
dan er der nâhen sich enthabe.
hie verwar sich Tristan inne.
er gerte verrer minne
und leit durch die grôz ungemach,
die er weder enhôrte noch ensach,
und enthabete sich der nâhen,
die sîn ougen dicke sâhen.
er gerte z'allen stunden
der liehten, der blunden
Îsôte von Îrlanden
und vlôch die wîzgehanden,
die stolzen maget von Karke.
er qual nâch jener starke
und zôch sich hie von dirre.
sus was er beider irre.
er wolde unde enwolde
Îsolde unde Îsolde.
er vlôch dise und suohte jene.
diu maget Îsôt diu haete ir sene,
ir triuwe und ir durnehtekeit
einvalteclîchen an geleit.
si gerte des, der von ir zôch,
und was den jagende, der si vlôch.
daz was des schult: si was betrogen.
Tristan haet ir sô vil gelogen
mit disen zwein handelungen
der ougen unde der zungen,
daz si sînes herzen unde sîn
gewis und sicher wânde sîn.
und al der trügeheite,
die Tristan an si leite,
sô was ie daz diu volleist,
diu ir herze allermeist
an Tristandes liebe twanc,
daz er daz alsô gerne sanc:
«Îsôt ma drûe, Îsôt m'amîe,
en vûs ma mort, en vûs ma vîe!»
daz lockete ir herze allez dar.
daz was, daz ir die liebe bar.
die rede nam sî sich allez an
und gie dem vliehenden man
als inneclîche suoze mite,
biz daz si'n an dem vierden trite
der minne erzôch, dâ er si vlôch,
und in zuo ir her wider zôch,
daz er sich aber dar bewac
und aber dô was naht unde tac
gedenkend unde trahtende
und angestlîchen ahtende
umbe sîn leben und umbe sich.
«ei» dâhte er «hêrre, wie bin ich
mit liebe alsus verirret!
diz liep, daz mir sus wirret,
daz mir benimet lîp unde sin,
dâ von ich sus beswaeret bin,
sol mir daz ûf der erden
iemer gesenftet werden,
daz muoz mit vremedem liebe wesen.
ich hân doch dicke daz gelesen
und weiz wol, daz ein trûtschaft
benimet der andern ir craft.
des Rînes vlieze und sîn vlôz
der enist an keiner stat sô grôz,
man enmüge dervon gegiezen
mit einzelingen vliezen
sô vil, daz er sich gâr zerlât
und maezlîche craft hât.
sus wirt der michele Rîn
vil kûme ein cleinez rinnelîn.
kein viur hât ouch sô grôze craft,
ist man dar zuo gedanchaft,
man enmüge es sô vil zesenden
mit einzelen brenden,
biz daz ez swache brinnet.
als ist dem, der dâ minnet.
der hât dem ein gelîchez spil.
er mag als ofte und alse vil
sîn gemüete zegiezen
mit einzelen vliezen,
sînen muot sô manegen enden
zeteilen und zesenden,
biz daz sîn dâ sô lützel wirt,
daz er maezlîchen schaden birt.
als mag ez ouch mir wol ergân,
wil ich zeteilen und zelân
mîne minne und mîne meine
an maneger danne an eine.
gewende ich mîne sinne
mê danne an eine minne,
ich wirde lîhte dervan
ein triurelôser Tristan.
nu sol ich ez versuochen.
wil mîn gelücke ruochen,
sô ist zît, daz ichs beginne.
wan diu triuwe und diu minne,
die ich ze mîner vrouwen hân,
diu enmag mir niht ze staten gestân.
ich swende an ir lîp unde leben
und enmac mir keinen trôst geben
ze lîbe noch ze lebene.
ich lîde alze vergebene
disen kumber unde dise nôt.
â süeze amîe, liebe Îsôt,
diz leben ist under uns beiden
alze sêre gescheiden.
ez enstât nu niht als wîlent ê,
dô wir ein wol, dô wir ein wê,
eine liebe und eine leide
gemeine truogen beide.
nun stât ez leider niht alsô.
nu bin ich trûric, ir sît vrô.
sich senent mîne sinne
nâch iuwerre minne
und iuwer sinne senent sich,
ich waene, maezlîch umbe mich.
die vröude, die ich durch iuch verbir,
ôwî ôwî, die trîbet ir
als ofte als iu gevellet.
ir sît dar zuo gesellet.
marke iuwer hêrre und ir, ir sît
heime unde gesellen alle zît.
sô bin ich vremede und eine.
ich waene, ich wirde cleine
von iu getroestet iemer
und ich enkan doch niemer
mit mînem herzen von iu komen.
durch waz habt ir mich mir benomen,
sît ir mîn alsô cleine gert
und mîn ouch iemer wol enbert?
â süeziu küniginne Îsôt,
mit wie vil maneger herzenôt
gât mir mîn leben mit iu hin
und ich iu niht sô maere bin,
daz ir mich sît haetet besant
und eteswaz umb mîn leben erkant.
si mich besande? â waz red ich?
nu wâ besande si mich
und wie bevünde sî mîn leben?
ich bin doch nû vil lange ergeben
als ungewissen winden,
wie kunde man mich vinden?
ine kan es niht erdenken wie.
man suoche dâ, sô bin ich hie.
man suoche hie, sô bin ich dâ:
wie vindet man mich oder wâ?
wâ man mich vinde? dâ ich bin.
diu lant enloufent niender hin.
sô bin ich in den landen.
dâ vinde man Tristanden.
jâ, der ez et begünde,
der suohte, unz er mich vünde.
wan swer den varnden suochen wil,
dem enist dekein gewissez zil
an sîner suoche vür geleit,
wan er muoz sîne unmüezekeit
übel oder wol bewenden,
wil er dermite iht enden.
mîn vrouwe, an der mîn leben lît,
weiz got diu solte nâch mir sît
vil tougenlîche haben ersant
al Curnewal und Engelant.
Franze unde Normandîe,
mîn lant ze Parmenîe,
oder swâ man seite maere,
daz ir vriunt Tristan waere,
daz solte sider gâr sîn ersuoht,
und haete si mîn iht geruoht:
nu ruochet si mîn cleine,
die ich minne unde meine
mê danne sêle unde lîp.
durch si mîde ich al ander wîp
und muoz ir selber ouch enbern.
ine mac von ir niht des gegern,
daz mir zer werlde solte geben
vröude unde vrôlîchez leben.»
nieman hêrren gelouben sol
wan si sint aller untriuwe vol
dar an gedenket schoene wîp
und lânt in tiure sîn iuwern lîp
ich râtez schoenen vrouwen iuch
vil minneclîche vrouwe vliuch
manne unde hêrren heinlîchkeit
si bringet niht wan herzeleit
diz sage ich schoenen wîben
die swarzen lân ich belîben.
